Engstellen im Bio Pflanzenbau

  • Kupfer

Grundsätzlich strebt die Biologische Landwirtschaft gesunde Pflanzenbestände durch Pflege der Bodenfruchtbarkeit, weite Fruchtfolgen, gewissenhafte Pflege der Bestände etc. an. Im Optimalfall kann so auf den Einsatz symptombekämpfender Pflanzenschutzmittel verzichtet werden. In bestimmten Dauerkulturen wie z. B. Obst, Wein, Hopfen reichen die vorbeugenden Maßnahmen oft nicht aus. Da der Einsatz systemischer Pflanzenschutzmittel in der Bio-Landwirtschaft verboten ist, werden Pilz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, die nur äußerlich aufgesprüht werden, eingesetzt. Eines davon ist Kupfer, welches sich als Schwermetall im Boden anreichern und im Bodenkreislauf kaum mehr verarbeitet werden kann.

Die erlaubten Einsatzmengen sind in der Regel gegenüber den konventionellen stark reduziert, zudem erprobt die Wissenschaft umweltverträglichere Alternativen zu Kupfer.

  • Einsatz leicht löslicher Dünger

Grundsätzlich wird in der Biologischen Landwirtschaft der Boden und nicht die Pflanzen gedüngt. Der Einsatz leichtlöslicher Mineraldünger (Kunstdünger) ist in der Bio-Landwirtschaft verboten. Bei stark stickstoffzehrenden Gemüsekulturen reicht oft die beste Fruchtfolge nicht aus, die Pflanzen in Form, Größe und Farbe marktkonform zu produzieren. In diesen Fällen stehen Bio-Betrieben eine Auswahl an Produkten mit leicht löslichen Stickstoffverbindungen („Produkte und Nebenprodukte pflanzlichen und tierischen Ursprungs für Düngezwecke“) zur Verfügung. Beim Zukauf organischer Dünger ist die Menge so zu bemessen, dass die Gesamtstickstoffmenge von 170 kg/ha landwirtschaftliche Nutzfläche – den hofeigenen Dünger mit eingeschlossen – nicht überschritten wird. Das grundsätzliche Problem dabei: gelangen Stickstoffverbindungen in leicht verfügbarer Form und konzentriert in das sensible Bodensystem, kommt es zu einem raschen Anstieg der Ionenkonzentration. Damit werden nicht nur die Pflanzen (statt der Boden) gedüngt, sondern es kippt auch das Bodengleichgewicht, die Lebendverbauung der Bodenkrümel wird schwächer, der Boden sackt in sich zusammen. Mögliche Folgen: Abnahme der Bodenfruchtbarkeit, Bodenerosion.

Gemeinsam mit den Abnehmern, also „dem Markt“, wird in den nächsten Jahren nach einem Bündel an Maßnahmen gesucht, um den Einsatz organischer  Zukaufsdüngemittel  zu minimieren. Z. B. könnten das sein: vermehrter Komposteinsatz, Düngerkooperationen mit tierhaltenden Betrieben, höhere Toleranzen (v.a. des Handels) bei Farb-, Form und Größenvorgaben.

  • Torfnutzung bei Jungpflanzenanzucht

Torfabbau greift in hochsensible Ökosysteme ein und setzt zudem große Mengen an treibhauswirksamem CO2 frei. Der Einsatz torfhältiger Substrate ist im Bio-Landbau grundsätzlich nicht gestattet. Es bestehen allerdings Ausnahmen bei der Anzucht von Jungpflanzen, bei denen das Substrat bis zu 70 % aus Torf bestehen darf.

An Alternativen wird geforscht.

  • Enge Fruchtfolge/verminderter Anteil an Leguminosen

Verengte Fruchtfolgen gelten als ein Beispiel für eine Konventionalisierung auf betrieblicher Ebene. Mögliche Folgen sind zunehmende Pilzkrankheiten und Nährstoffunterversorgungen. Von den betroffenen Betrieben wird dann gerne nach geeigneten Pflanzenschutz- und Düngemitteln gerufen.

Während in der EU-Bio-Verordnung kein Mindestleguminosenanteil in der Fruchtfolge festlegt ist, müssen Bio Austria-Ackerbaubetriebe mindestens 20 % Leguminosenanteil nachweisen. Mit konsequenter Beratung auch zum Anbau von Mischkulturen oder Einsaat von Untersaaten und Zwischenfrüchten werden gezielt Verbesserungsmaßnahmen gesetzt.

  • Warum wird der Einsatz leichtlöslicher Dünger in der Biologischen Landwirtschaft so kritisch gesehen?
  • Wozu ist eine weit gestellte Fruchtfolge gut, worin liegt ihr Nutzen?
  • Was sind Gefahren enger Fruchtfolgen, was kann dagegen getan werden?
  • Welche Verantwortung trägt der Konsument für eine Landwirtschaftskultur mit "Maß"?
Für Kartoffelkulturen ist der Stein des Weisen noch nicht gefunden. Die Kulturführung ohne Kupfer eine riesige Herausforderung!
Kartoffeln sind bei feuchtem Wetter sehr pilzanfällig

Foto: Markus Danner/BIO AUSTRIA

Fruchtfolge darf nicht den Verlockungen der besserbezahlten Marktfrucht geopfert werden
Fruchtwechsel ist eine Grundbedingung des Bioackerbaus

Foto: Reinhard Geßl

  • Nutzungsintensität des Grünlands

„Grünland-Landwirtschaft und Bio passen gut zusammen“, heißt es gerne. Vielen österreichischen Grünlandbetrieben wurde der Umstieg auf Bio mit den Worten „Du arbeitest ja praktisch schon immer Bio“ als Möglichkeit zur Förderoptimierung nahe gelegt, ohne darauf hinzuweisen, dass Bio ein „Gesamtkunstwerk“ mit vielen gesetzlich verankerten Verpflichtungen darstellt, das zum Überdenken gewohnter Problemlösungsstrategien zwingt. Am Beispiel Ampfer: War die alte Problemlösungsfrage „mit welchem Mittel kann ich den Ampfer am besten wegspritzen“, so muss sich ein Bio-Bauer fragen „warum kommt so viel Ampfer und wie kann ich ihn unterstützen, seine biologische Aufgabe rascher zu erledigen?“.

Eine fünfschnittige Nutzung des Grünlandes fördert den Aufwuchs konkurrenzstarker Gräser, die wiederrum die Vielfalt an Kräutern eindämmen. Die vielgepriesene Bio-Diversität der Bio-Landwirtschaft ist gefährdet, wenn keine abgestufte Bewirtschaftungsintensität erfolgt.

Über gezielte Bio-Beratung wird darauf geachtet und gedrängt, die Grundwerte der Biologischen Land- und –Tierwirtschaft einzuhalten.

Reinhard Geßl