4.4 Weinbau

Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zum Pflanzenbau
(Kapitel 2.1 bis 2.6) gelten für Weinbau-Betriebe zusätzlich folgende Bestimmungen:

4.4.1 Bodenpflege und Begrünung
Der Weingarten muss ganzjährig begrünt sein. Damit wird ein Lebensraum für eine vielfältige
Flora und Fauna geschaffen. Bei den Einsaaten sollen vor allem artenreiche Gemenge
verwendet werden. Für Bodenpflegemaßnahmen, Winterfurche bei schweren Böden, Bodenlockerung,
Neueinsaaten, Trockenheit im Sommer und in Junganlagen kann die Begrünung
zwei Monate unterbrochen werden. Unter den Rebstöcken muss keine Begrünung erfolgen.

4.4.2 Düngung – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 2.1
Entscheidender Faktor ist auch hier die Begrünung. Sie sorgt für organische Substanz und
Stickstoffversorgung durch Leguminosenanbau. Alle organischen Stoffe, die im Anbau und in
der Verarbeitung anfallen, werden entweder in Mieten kompostiert oder über eine Flächenkompostierung
dem Boden zugeführt. Als Düngemittel dürfen nur jene Mittel verwendet
werden, die im aktuellen Betriebsmittelkatalog bzw. in Tabelle 2.1.5 gelistet sind.

4.4.3 Pflanzenschutz
Alle weinbaulichen Kulturmaßnahmen haben so zu erfolgen, dass die Widerstandskraft der
Rebe gestärkt wird und nützliche Organismen gefördert werden. Unbedingt zu beachten ist
eine standortorientierte Rebsorten- und Unterlagenwahl, Rebenerziehung und Stockaufbau.
Der Einsatz chemisch-synthetischer Insektizide, Akarizide und organischer Fungizide sowie
Herbizide ist verboten. Als Maßnahmen zum Schutz der Pflanzen vor Krankheiten und
Schädlingen sind nur jene erlaubt, die unter dem Punkt 2.3.3 „Erlaubte Pflanzenschutzmittel“
dieser Richtlinien angeführt sind.
Die Obergrenze für den Kupfereinsatz beträgt 3 kg Reinkupfer pro Hektar und Jahr. In Einzelfällen
kann nach Genehmigung durch BIO AUSTRIA auch mehr Kupfer eingesetzt werden.

4.4.4 Richtlinien für die Umstellung – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 1.2.1
In einer festgelegten Zeit (maximal fünf Jahre) und mit einem von BIO AUSTRIA anerkannten
Plan muss der gesamte Betrieb auf die biologische Wirtschaftsweise umgestellt werden. Vor
der Umstellung muss ein Umstellungsplan erstellt werden, der Vorschläge zu folgenden
Punkten enthalten muss:
• eine die Bodenfruchtbarkeit aufbauende Bodenpflege
• Schaffung von Umweltbedingungen, unter denen das Auftreten von Schaderregern und
Krankheiten vermindert ist.
Der Umstellungsplan muss von BIO AUSTRIA akzeptiert werden. Es muss eine klare und verständliche
Kennzeichnung der Weine aus der Zeit vor der Umstellung und der Umstellungsweine
sowie der anerkannten Weine gegeben sein. Auch wenn der Betrieb bereits mit allen
Flächen anerkannt ist, müssen konventionelle Weine und Weine aus der Umstellungsphase
richtig deklariert werden. Eine Vermischung der Produkte bei der Verarbeitung muss ausgeschlossen
sein. Ein für die Kontrolle nachprüfbarer Verarbeitungsverlauf muss gegeben sein.
Das Kellerbuch muss zur Einsicht aufliegen.

4.4.5 Verarbeitung
Ziel des biologischen Weinbaus ist die Erzeugung von Weinen aus biologisch angebauten
Trauben. Das Produkt soll eine hohe sensorische Qualität, Wohlgeschmack und Bekömmlichkeit
aufweisen. Rohstoff- und energieintensive Verfahren sind zu vermeiden. In der Weinbereitung
anfallende organische Stoffe müssen in die Kulturen rückgeführt werden. Abwässer
dürfen zu keiner Umweltbelastung führen.

4.4.6 Erlaubte önologische Verfahren:
• Thermische Behandlungen wie Maische-, Mosterwärmung auf Gärstarttemperatur,
Kühlen, Heißabfüllen von Wein
• Belüften, Begasen unter Verwendung von Schutzgas (Stickstoff, CO2) technisch reiner
Luft und O2
• Filtration unter Zuhilfenahme folgender Filterhilfsstoffe: Kieselgur, Perlite, Zellulose sowie
Filtration mittels Membranfilter
• Konzentrationsverfahren

4.4.7 Most- und Weinbehandlungsmittel
Ausschließlich die nachfolgend angeführten Stoffe sind für die Behandlung von Most und
Wein zugelassen:
• Angegorener Traubensaft aus biologischem Anbau
• Traubendicksaftkonzentrat aus biologischem Anbau
• Zucker aus biologischem Anbau
• Reinzuchthefe (Trockenhefe, frische Hefe aus biologisch wirtschaftenden Betrieben)
• Milchsäurebakterien
• Hefenährsalze (Diammoniumphosphat, Ammoniumsulfat und Thiamin)
• Zitronensäure
• Schwefelige Säure in Form von SO2 (Schwefeldioxid) und Kaliumdisulfit (auch Kaliumpyrosulfit
oder Kaliummetabisulfit genannt).
• Kupfersulfat (maximal 0,5 g/hl, nach Voruntersuchung)
• Kupfercitrat (Vor- und Nachuntersuchung notwendig, sowie vor dem Einsatz meldepflichtig
bei der Bundeskellereiinspektion)
Klärung mit folgenden Stoffen:
• Bentonit
• Eiklar aus biologischer Landwirtschaft
• Hausenblase (ohne Konservierungsstoffe, trockene Produkte)
• Kasein
• Pektolytische Enzyme
• Siliziumdioxyd in Form von kolloidaler Lösung (Kieselsol)
• Speisegelatine
• Önologische Holzkohle (Aktivkohle)
Stoffe zur Entsäuerung und Weinsteinausfällung:
• Calciumcarbonat
• Kaliumbicarbonat
Kaliumtartrat
Der Zusatz von rektifiziertem Bio-Traubendicksaftkonzentrat, Metaweinsäure und Gummi
Arabicum ist nicht zulässig.
Alle Weinbehandlungsmittel und Lebensmittelzusatzstoffe müssen gentechnikfrei hergestellt
sein. Die Bezugsquellen für diese Produkte finden Sie im aktuellen Betriebsmittelkatalog.

4.4.8 Reinigung und Desinfektion
Die Verwendung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln ist zur Erzielung eines lagerstabilen
und hygienisch einwandfreien Qualitätsproduktes dann sinnvoll, wenn der Einsatz
von Wasser, Dampf und der mechanischen Reinigung nicht ausreichend ist. Eine Belastung
der Abwässer ist zu vermeiden.
Folgende Reinigungs- und Desinfektionsmittel sind erlaubt:
• Soda • Schmierseife
• Natronlauge • Kalilauge
• Schwefelige Säure • Wasserstoffperoxid
• Essigsäure, Zitronensäure, Weinsäure • Peressigsäure
• Tenside (98 % abbaubar)

4.4.9 Verpackung
Die Rücknahme von Leergut muss möglich sein. Die Verwendung von Kronenkorken ist zu
vermeiden. Papierklebebändern ist der Vorzug zu geben. Verpackungsmaterialien aus PVC
und Styropor sind verboten. Es werden Gär- und Lagerbehälter aus Holz, Nirostastahl, Glasemail,
neutralem Einbrennlack, Zisternen verfliest oder verglast und aus lebensmittelechtem
Kunststoff (nur bestehende Gebinde; Neuanschaffungen sind nicht erlaubt) verwendet. Bei
Transport und Versand ist auf Umweltverträglichkeit zu achten.

4.4.10 Kennzeichnung
Nur Weine, die nach diesen Richtlinien hergestellt wurden, dürfen mit dem BIO AUSTRIA Markenzeichen
gekennzeichnet werden.
Andere Bezeichnungen wie „Wein aus Bio-Trauben“ oder
„Wein aus Trauben aus biologischer Landwirtschaft“ sind ebenfalls zulässig.