3.1 Grundsätzliches


Das Halten von gesunden, von der Veranlagung leistungsfähigen und langlebigen Nutztieren,
die hochwertige Lebensmittel und Dünger liefern, setzt voraus, dass die Tiere möglichst naturund
artgemäß gehalten werden.


3.1.1 Bestandesobergrenzen


Der Tierbestand muss an die landwirtschaftliche Nutzfläche angepasst sein. Auf einem biologisch
wirtschaftenden Betrieb dürfen nur so viele Tiere gehalten werden, dass 170 kg
Stickstoff/ha und Jahr nicht überschritten werden (Umrechnungsschlüssel siehe Punkt 5.5).
3.1.1.1 Düngertausch
Bio-Betriebe mit einem Tierbesatz, aus dem sich ein Stickstoffaufkommen von über
170 kg Stickstoff/ha und Jahr ergibt, können mit anderen Bio-Betrieben eine
vertragliche Zusammenarbeit eingehen (Vereinbarung zum Düngertausch). Die
beteiligten Betriebe dürfen letztendlich insgesamt die 170 kg Stickstoff pro ha LN
und Jahr aus eigener Tierhaltung und aus dem Düngerzukauf nicht überschreiten.
Düngervereinbarungen müssen von BIO AUSTRIA genehmigt werden.


3.1.2 Nachzucht

Die Nachzucht muss aus dem eigenen Betrieb oder von einem anderen biologisch wirtschaftenden
Betrieb stammen. Sind Zukäufe notwendig, so müssen diese nach den Regeln aus
Punkt 3.1.3 erfolgen.


3.1.3 Tierzukauf

Es sind Bio-Tiere zuzukaufen. Jeder Tierzukauf ist aufzuzeichnen. Nachfolgende Ausnahmen
sind bei Nicht-Verfügbarkeit von Tieren aus biologischer Landwirtschaft, unter Berücksichtigung
der individuellen Umstellungszeit siehe Punkt 3.1.3.8, möglich:


3.1.3.1 Katastrophenfälle
In Katastrophenfällen (z.B. Seuche, Brand, …) können konventionelle Tiere für die
Erneuerung oder den Wiederaufbau des Bestandes zugekauft werden, sofern
keine Bio-Tiere verfügbar sind und im Vorhinein eine Genehmigung von der
zuständigen Landesbehörde vorliegt.


3.1.3.2 Rinder
• Kälber für die Mast müssen biologischer Herkunft sein.
• Zuchtkälber können konventioneller Herkunft sein, wenn mit dem Aufbau eines
Bestandes begonnen wird und Tiere aus biologischer Landwirtschaft nicht in
ausreichenden Mengen verfügbar sind. Diese müssen nach dem Absetzen
gemäß den Richtlinien des biologischen Landbaus gehalten werden und dürfen
maximal bis zu einem Alter von sechs Monaten zugekauft werden.
• Konventionelle weibliche Tiere, die noch nicht gekalbt haben, dürfen zur
Bestandeserneuerung jährlich im Umfang von 10 % des Bestandes an Rindern,
die älter als 12 Monate sind, zugekauft werden. Bei Beständen mit weniger als
10 Rindern kann ein Tier pro Jahr zur Erneuerung zugekauft werden. Der Zukauf
aller konventionellen Tiere muss in den Aufzeichnungen festgehalten werden.
Dieser Prozentsatz kann bei einer erheblichen Vergrößerung des Bestandes, bei
Rassenumstellung oder bei Aufbau eines neuen Betriebszweiges (Berechnungsgrundlage
ist hierbei der Bestand an Tieren, die zum Zeitpunkt des
Ansuchens älter als 12 Monate sind) nach Genehmigung durch die zuständige
Landesbehörde auf bis zu 40 % angehoben werden.
• Weiters kann diese Ausnahme bei gefährdeten Nutztierrassen (mittels Zuchtbuchauszug
oder durch den Zuchtverband zu bestätigen) in Anspruch genommen
werden, wobei in diesem Fall auch ein Zukauf konventioneller Kühe durch
die zuständige Landesbehörde genehmigt werden kann.
• Zuchtstiere dürfen ohne Einschränkung konventioneller Herkunft sein, wenn Bio-
Tiere nicht erhältlich sind.
• Bei Totgeburt oder Verendung von Kälbern (bis zum Alter von sechs Monaten) in
Mutterkuhbetrieben ist das ersatzweise Nachbesetzen von konventionellen
Kälbern zulässig, wenn eine Entsorgungsbestätigung des Tierkörpers von der
Tierkörperverwertung (TKV) vorliegt. Die für die Zucht verwendeten Tiere
erlangen nach der erforderlichen Umstellungszeit Bio-Status. Die für die Mast
verwendeten Tiere erlangen keinesfalls einen Bio-Status und müssen
konventionell vermarktet werden.


3.1.3.3 Schweine
• Ferkel für die Mast müssen biologischer Herkunft sein.
• Konventionelle Ferkel für die Jungsauenaufzucht müssen bei Aufbau eines
Bestandes, wenn Tiere aus biologischer Herkunft nicht ausreichend verfügbar
sind, nach dem Absetzen gemäß den Richtlinien für den biologischen Landbau
gehalten und ein Gewicht von weniger als 35 kg haben.
• Weiters dürfen weibliche Tiere, die noch nicht abgeferkelt haben, zur Bestandeserneuerung
jährlich im Umfang von 20 % des Bestandes an Schweinen, die älter
als sechs Monate sind, zugekauft werden. Bei Beständen mit weniger als fünf
Schweinen kann ein Tier pro Jahr zur Erneuerung zugekauft werden.
Dieser Prozentsatz kann bei einer erheblichen Vergrößerung des Bestandes, bei
Rassenumstellung oder bei Aufbau eines neuen Betriebszweiges (Berechnungsgrundlage
ist hierbei der Bestand an Tieren, die zum Zeitpunkt des Ansuchens
älter als sechs Monate sind) nach Genehmigung durch die zuständige
Landesbehörde auf bis zu 40 % angehoben werden.
• Weiters kann diese Ausnahme bei gefährdeten Nutztierrassen (mittels Zuchtbuchauszug
oder durch den Zuchtverband zu bestätigen) in Anspruch genommen
werden, wobei auch ein Zukauf konventioneller Muttertiere (Zuchtsauen)
durch die zuständige Landesbehörde genehmigt werden kann.
• Zuchteber dürfen ohne Einschränkung konventioneller Herkunft sein, wenn Bio-
Tiere nicht erhältlich sind.


3.1.3.4 Geflügel
Bei Erneuerung oder Wiederaufbau des Bestandes (Rein-Raus-Verfahren) dürfen
konventionelle Kücken bei Legehennen und Geflügel für die Fleischerzeugung,
zugekauft werden, wenn Tiere nachweislich (Bestätigung des Brüters) aus
biologischer Herkunft nicht ausreichend verfügbar sind und die Kücken nicht älter
als drei Tage sind.
Konventionelle Junghennen (nicht älter als 18 Wochen) dürfen nur dann eingestellt
werden, wenn keine biologischen Jungtiere verfügbar sind, die Tiere ab dem
Schlupf mit Bio-Futter gefüttert, die Bio-Bestimmungen zur Krankheitsvorsorge und
tierärztlichen Behandlung eingehalten wurden und die zuständige Landesbehörde
dies genehmigt hat.


3.1.3.5 Schafe und Ziegen
• Lämmer und Kitze für die Mast müssen biologischer Herkunft sein.
• Zuchtlämmer und Zuchtkitze können konventioneller Herkunft sein, wenn mit
dem Aufbau eines Bestandes begonnen wird und Tiere aus biologischer Landwirtschaft
nicht in ausreichenden Mengen verfügbar sind. Diese müssen nach
dem Absetzen gemäß den Richtlinien des biologischen Landbaues gehalten
werden und dürfen maximal bis zu einem Alter von 60 Tagen zugekauft werden.
• Konventionelle weibliche Tiere, die noch nicht abgelammt oder gekitzt haben,
dürfen zur Bestandeserneuerung jährlich im Umfang von 20 % des Bestandes an
Schafen oder Ziegen, die älter als sechs Monate sind, zugekauft werden. Bei
Beständen mit weniger als fünf Schafen oder Ziegen kann ein Tier pro Jahr zur
Erneuerung zugekauft werden.
Dieser Prozentsatz kann bei einer erheblichen Vergrößerung des Bestandes, bei
Rassenumstellung oder bei Aufbau eines neuen Betriebszweiges (Berechnungsgrundlage
ist hierbei der Bestand an Tieren, die zum Zeitpunkt des Ansuchens
älter als sechs Monate sind) nach Genehmigung durch die zuständige Landesbehörde
auf bis zu 40 % angehoben werden.
• Weiters kann diese Ausnahme bei gefährdeten Nutztierrassen (mittels Zuchtbuchauszug
oder durch den Zuchtverband zu bestätigen) in Anspruch genommen
werden, wobei auch ein Zukauf konventioneller Muttertiere genehmigt
werden kann.
• Widder oder Böcke dürfen ohne Einschränkung konventioneller Herkunft sein,
wenn Bio-Tiere nicht erhältlich sind.


3.1.3.6 Pferde (sofern sie gemäß den Bio-Richtlinien als zertifiziert gelten)
• Fohlen können konventioneller Herkunft sein, wenn mit dem Aufbau eines
Bestandes begonnen wird und Tiere aus biologischer Landwirtschaft nicht in
ausreichenden Mengen verfügbar sind. Diese müssen nach dem Absetzen gemäß
den Richtlinien des biologischen Landbau gehalten werden und dürfen
maximal bis zu einem Alter von sechs Monaten zugekauft werden.
• Konventionelle weibliche Tiere, die noch nicht gefohlt haben, dürfen zur
Bestandeserneuerung jährlich im Umfang von 10 % des Bestandes an Pferden,
die älter als 12 Monate sind, zugekauft werden. Bei Beständen mit weniger als
zehn Pferden kann ein Tier pro Jahr zur Erneuerung zugekauft werden.
Dieser Prozentsatz kann bei einer erheblichen Vergrößerung des Bestandes, bei
Rassenumstellung oder bei Aufbau eines neuen Betriebszweiges (Berechnungsgrundlage
ist hierbei der Bestand an Tieren, die zum Zeitpunkt des Ansuchens
älter als 12 Monate sind) nach Genehmigung durch die zuständige Landesbehörde
auf bis zu 40 % angehoben werden.
• Weiters kann diese Ausnahme bei gefährdeten Nutztierrassen (mittels Zuchtbuchauszug
oder durch den Zuchtverband zu bestätigen) in Anspruch genommen
werden, wobei auch ein Zukauf konventioneller Muttertiere genehmigt
werden kann.
• Zuchthengste dürfen ohne Einschränkung konventioneller Herkunft sein, wenn
Bio-Tiere nicht erhältlich sind.


3.1.3.7 Dam-, Sika-, Muffel- und Rotwild
Die Tiere müssen aus Bio-Betrieben stammen. Folgende Ausnahmen sind
möglich, wenn geeignete Tiere aus biologischer Landwirtschaft nicht zur Verfügung
stehen:
• Beim erstmaligen Bestandsaufbau oder im Rahmen einer erstmaligen Umstellung
einer Produktionseinheit; eine Genehmigung durch die Kontrollstelle ist
erforderlich.
• Weibliche Jungtiere dürfen jährlich bis zu einem Umfang von 10 % des Bestandes
an ausgewachsenen Tieren zugekauft werden, wenn Tiere aus biologischer
Landwirtschaft nicht verfügbar sind und eine Genehmigung durch die
Kontrollstelle vorliegt.
Dieser Prozentsatz kann bei einer erheblichen Vergrößerung des Bestandes, bei
Rassenumstellung oder bei Aufbau eines neuen Betriebszweiges nach
Genehmigung durch die zuständige Kontrollstelle auf bis zu 40 % angehoben
werden.
• Männliche Zuchttiere aus konventioneller Tierhaltung dürfen eingestellt werden.


3.1.3.8 Umstellungsfristen
Bei jedem Zukauf konventioneller Tiere müssen folgende Fristen eingehalten werden,
bevor die Tiere bzw. deren Produkte als biologisch deklariert werden dürfen.
Fristen:
- Rinder und Pferde zur Fleischvermarktung: 3/4 ihres Lebens, mindestens
jedoch 12 Monate
- Gatterwild zur Fleischvermarktung: mindestens 12 Monate
- Milchtiere (Milchvermarktung): mindestens 6 Monate.
- kleine Wiederkäuer und Schweine: mindestens 6 Monate (Milch und Fleisch)
- Geflügel zur Fleischerzeugung: 10 Wochen
- Geflügel für die Eiererzeugung: 6 Wochen


3.1.4 Gleichzeitige Umstellung von Tieren und Futterflächen

Die Umstellung der Futterflächen erfolgt wie unter Punkt 1.2.5 beschrieben.
24 Monaten nach Unterzeichnung des Kontrollvertrages können anerkannte tierische
Produkte verkauft werden.
Werden die Fütterungs- und Haltungsbestimmungen bereits vor Ablauf der
24 Monate zur Gänze eingehalten, so können tierische Produkte bereits nach den
Fristen aus 3.1.3.8 als anerkannte Produkte verkauft werden. Ein Teilanerkennungsverfahren
(bei Geflügel, Schwein, Zucht- und Milchvieh) muss bei der
Kontrollstelle beantragt und durchlaufen werden.