5.1 Fischhaltung

Die BIO AUSTRIA-Fischrichtlinie regelt zwei Lebensraumtypen: Der „Karpfen-Teil“ regelt die
Produktion im Bereich der stehenden und wärmeren Gewässerbiotope und der „Forellen-Teil“
die Produktion von Raubfischen aus dem Bereich des fließenden, kalten, sauerstoffreichen
Wassers in nährstoffarmen Gewässerbiotopen.
Definition der üblichen Fischarten für Bio-Karpfen- und Forellenteichwirtschaft
Hauptfischart „Karpfenteich“ „heimisch“
Cyprinus carpio Spiegel-/Schuppen-/„Wild-” Karpfen x
Nebenfischarten „Karpfenteich“(Auszug)
Tinca tinca Schleie x
Esox lucius Hecht x
Stizostedion lucioperca (s.volgensis) Zander (Wolgazander) x (x)
Silurus glanis Wels oder Waller x
Perca fluviatilis Flußbarsch oder Barsch x
Rutilus rutilus Rotauge (Plötze) x
Abramis brama Brachse (Blei) x
Coregonus spp. Felchen- (Renken-) und Maränenarten x
Carassius carassius Karausche x
Chondostroma nasus Nase x
Lota Lota Aalrutte (Rutte, Trüsche) x
Hauptfischart „Forellenteich“
Oncorhynchus mykiss Regenbogenforelle
Salmo trutta (forma fario, f. lacustris) Bachforelle, Seeforelle x
Salvelinus alpinus Seesaibling x
Salvelinus fontinalis Bachsaibling
Salmo bzw. Salvelinus-Kreuzungen Bachforelle bzw. Saibling Kreuzungen
Salvelinus namaycush Amerikanischer Seesaibling
Nebenfischarten „Forellenteich“(Auszug)
Thymallus thymallus Äsche x
Hucho hucho Huchen x


5.1.1 Grundsätze

Biologische Teichwirtschaft strebt geschlossene Stoffkreisläufe und intakte ökologische
Systeme an. Dabei werden Methoden und Techniken angewendet, die die Fruchtbarkeit von
Fisch und Gewässer unbegrenzt erhalten, auf erneuerbare Ressourcen zurückgreifen, die
Umwelt nicht grob verschmutzen und die natürlicherweise im Wasser ablaufenden Kreisläufe
fördern und andere Prozesse, die entlang der Nahrungskette ablaufen, nicht belasten.
Das natürliche Verhalten und die natürlichen Bedürfnisse der Fische bilden die Grundlage der
Gestaltung bzw. Beurteilung der Haltungsbedingungen.
Die BIO AUSTRIA-Richtlinien zu den allgemeinen Anforderungen und zur Tierproduktion
gelten hier sinngemäß. Geltende rechtliche Bestimmungen, z.B. bei der Produktion und
Verarbeitung, müssen eingehalten werden.


5.1.2 Wasserwirtschaft und nachhaltige Produktion

5.1.2.1 Es werden Standorte gewählt, die nicht durch Erzeugnisse oder Stoffe, die für eine
biologische Produktion nicht zugelassen oder durch Schadstoffe kontaminiert sind,
die den biologischen Charakter der Erzeugnisse beeinträchtigen würden. Die
natürliche Wasserbeschaffenheit des Standortes hat den physiologischen
Bedürfnissen der jeweiligen Fischart, insbesondere im Hinblick auf Temperatur,
ausreichendem Sauerstoffgehalt und Lichtverhältnisse zu entsprechen.
5.1.2.2 Die Anlagen verfügen über natürliche Filterbetten, Absatzbecken, biologische oder
mechanische Filter oder verwenden Algen und/oder Tiere (Muscheln), um die
Abwasserqualität zu verbessern. Bei Durchflussanlagen besteht die Möglichkeit die
Wasserwechselrate und Wasserqualität des zu- und des abfließenden Wassers zu
kontrollieren.
5.1.2.3 Es muss ein der Größe der Produktionseinheit angemessener Nachhaltigkeitsplan
für die Aquakulturproduktion erstellt werden. Der Plan enthält Angaben zu
den Auswirkungen der Produktion auf die Umwelt, zur vorgesehenen Umweltüberwachung
und zu den Maßnahmen, die ergriffen werden sollen, um die Umweltbelastung
der angrenzenden Gewässer und Landflächen, z.B. der Nährstoffeintrag/
Produktionszyklus, auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Wartung und
Reparaturen der technischen Anlagen, ein Abfallreduzierungskonzept sowie Maßnahmen
zum Schutz und zur Vorbeugung von Raubtieren sollen darin ebenfalls
vermerkt werden.
5.1.2.4 Es sollen vorzugsweise erneuerbare Energien und wieder verwertbare Materialen
verwendet werden.
5.1.2.5 Für alle neuen Anlagen, die zur biologischen Produktion angemeldet wurden und
jährlich mehr als 20 Tonnen Erzeugnisse produzieren, muss eine der Größe der
Produktionseinheit angemessene umweltbezogene Prüfung durchgeführt
werden, um den Zustand der Produktionseinheit und ihres unmittelbaren Umfeldes
sowie die wahrscheinlichen Auswirkungen ihrer Inbetriebnahme zu beurteilen.


5.1.3 Haltungsvoraussetzungen

5.1.3.1 Aquakultur erfordert begrenzte, meist künstlich geschaffene Systeme. Um eine
weitestgehend artgerechte Aufzucht zu gewährleisten, erfolgt die Haltung der
Fische angepasst an ihr natürliches Verhalten und ihre Bedürfnisse an den
Lebensraum.
5.1.3.2 Die Haltung der Fische erfolgt in naturnahen Teichen mit zumindest natürlichem
Boden und ausreichend Bewegungsraum für ihr Wohlbefinden. Es sind verschiedene
Strömungs- und Licht/Schattenbereiche zu schaffen, die den Bedürfnissen
der Tiere entsprechen.
5.1.3.3 Künstliche Behältnisse (Polyester, Beton, Metall u. ä.) sind allein zur kurzfristigen
Hälterung und zur Anfütterung von Brütlingen (maximal 16 Wochen) zugelassen.
Netzgehege sind untersagt.
5.1.3.4 Geschlossene Kreislaufanlagen für die Aquakulturproduktion sind verboten.
5.1.3.5 Die Anlagen sind so zu gestalten, dass das Risiko eines Entweichens der Tiere
verhindert wird. Sollten dennoch Fische oder Krebstiere entweichen, sind angemessene
Maßnahmen zu ergreifen, um nachteilige Auswirkungen auf das Ökosystem
zu vermindert. Über entsprechende Vorgänge ist Buch zu führen.
5.1.3.6 Für die natürliche, an das Wasser und an die Wasser-Land-Übergänge gebundene
Flora und Fauna sind natürliche Strukturen (Biotope, Ufersäume mit Sträuchern,
Schilf, Bäumen etc.) im Umfang von 5 % der Uferfläche am Betriebsgelände zu
belassen. Die an dieses Biotop gebundene Flora und Fauna hat dort ungestörte
Lebensbedingungen.
5.1.3.7 Das Wasser darf nur in Brut- und Jungtieranlagen künstlich erwärmt oder gekühlt
werden. Natürliches Brunnenwasser kann auf allen Produktionsstufen zum
Erwärmen oder Kühlen des Wassers verwendet werden.


5.1.4 Krankheitsvorsorge, Hygiene und tierärztliche Behandlung

5.1.4.1 Die Krankheitsvorsorge muss auf einer Haltung der Tiere unter optimalen
Bedingungen durch eine angemessene Standortwahl, einer optimalen Gestaltung
des Betriebes, der Anwendung guter Haltungs- und Bewirtschaftungspraktiken,
einschließlich regelmäßiger Reinigung und Desinfektion der Anlagen, hochwertigen
Futtermitteln, einer angemessene Besatzdichte und der Wahl geeigneter Rassen
und Linien beruhen. Der Betrieb muss mit einem Fischgesundheitsdienst einen
Betreuungsvertrag abschließen, der mindestens einmal im Jahr den Betrieb
besichtigt.
5.1.4.2 Im Krankheitsfall hat die Unterstützung der Selbstheilungskräfte und die Ausschaltung
von Belastungsfaktoren (z.B. Fütterung) erste Priorität. Naturheilverfahren
(z.B. Homöopathie) sind chemisch-synthetischen Medikamenten vorzuziehen.
5.1.4.3 Bei Gefahr im Verzug und nach schriftlicher Verordnung durch einen Tierarzt wird
eine Anwendung von Arzneimitteln inklusive Parasitenbehandlungen unter
folgenden Bedingungen akzeptiert: Bei den eingesetzten Tierarzneimitteln ist die
angegebene Wartezeit zu verdoppeln. Die Wartezeit wird jeweils in Tagesgraden
kalkuliert. Wenn keine Wartezeit festgelegt wurde, beträgt die Wartezeit
mindestens 48 Stunden.
5.1.4.4 Allopathische Behandlungen sind auf zwei Behandlungen jährlich beschränkt,
ausgenommen Impfungen und obligatorische Tilgungspläne. Bei einer Lebenszeit
von weniger als einem Jahr darf jedoch nur einmal allopathisch behandelt werden.
Wird häufiger allopathisch behandelt, dürfen die Tiere nicht als biologisches
Erzeugnis verkauft werden.
5.1.4.5 Parasitenbehandlungen dürfen zweimal jährlich – bei einer Lebenszeit von weniger
als 18 Monaten nur einmal jährlich – vorgenommen werden.
5.1.4.6 Die Reinigung der Betriebsräume sowie der Geräte und Maschinen muss eine
einwandfreie Hygiene bei einer möglichst hohen Umweltverträglichkeit gewährleisten.
Folgende Stoffe sind zur Reinigung und Desinfektion von Ausrüstungen und
Anlagen in Abwesenheit der Fische erlaubt:
• Natriumchlorid
• Natriumhypochlorit
• Calziumhypochlorit
• Kalk (CaO, Calziumoxid)
• Natriumhydroxid
• Alkohol
• Wasserstoffperoxid
• Organische Säuren (Essig-, Milch- und Zitronensäure)
• Huminsäure
• Peroxyessigsäure
• Iodophore
• Kaliumpermanganat
• Peressigsäure
• Ozon, Peroctansäure und Kupfersulfat sind als Desinfektionsmittel nicht zulässig.
Zulässige Stoffe in Anwesenheit der Fische:
• Kalkstein (Calziumcarbonat) zur pH-Kontrolle

5.1.4.7 Ruhezeiten
Zur Verbesserung der Hygiene wird eine Ruhezeit in Becken und Teichen
empfohlen.


5.1.5 Fischvermehrung und Herkunft

5.1.5.1 Es werden ausschließlich heimische Arten, deren Produktion für die Wildbestände
weitgehend gefahrlos sind, verwendet (siehe Punkt 5.1). Das Ziel der Fischzucht
sind gut an die Bedingungen der Aquakultur angepasste, gesunde und das Futter
gut verwertende Stämme. Der Kontrollstelle werden Aufzeichnungen über die
Herkunft der Tiere vorgelegt. Der Besatz von maximal 5 % Amur, Tolstolob,
Marmorkarpfen und Silberkarpfen ist zulässig, diese Tiere müssen aber konventionell
vermarktet werden.
5.1.5.2 Wenn biologisch erzeugte Aquakulturtiere nicht verfügbar sind, dürfen zu Zuchtzwecken
oder zur Verbesserung der Genetik des Zuchtbestandes wild gefangene
oder konventionelle Tiere in den Betrieb eingebracht werden. Sie müssen
mindestens drei Monate in biologischer Haltung verbringen, bevor sie zu Zuchtzwecken
eingesetzt werden dürfen.
5.1.5.3 Es sind grundsätzlich Bio-Tiere zuzukaufen. Als Besatzmaterial und wenn biologisch
erzeugte (juvenile) Jungtiere nicht verfügbar sind, dürfen konventionelle
Jungtiere zugekauft werden. Sie müssen mindestens die beiden letzten Drittel der
Lebenszeit in biologischer Haltung verbringen.
Der Anteil konventioneller Jungtiere, die in einem Betrieb eingesetzt werden
dürfen, wird bis zum 31.12.2011 auf 80 %, zum 31.12.2013 auf 50 % und zum
31.12.2015 auf 0 % reduziert.
5.1.5.4 Die Verwendung von Wildfängen als Besatzmaterial ist nur bei natürlichem Einströmen
von Fisch- und Krebslarven und Jungfischen beim Auffüllen von Teichen
und anderen Haltungseinrichtungen erlaubt.
5.1.5.5 Künstliche Polyploidie-Induktion, künstliche Hybridisierung, das Klonen und die
Erzeugung von gleichgeschlechtlichen Linien ist untersagt. Der Zukauf von solchen
Tieren ist nicht zulässig.
5.1.5.6 Der Einsatz von Hormonen und Hormonderivaten für die Züchtung und
Reproduktion ist verboten.


5.1.6 Transport und Umgang mit Fischen

5.1.6.1 Eingriffe bei Aquakulturtieren werden auf ein Mindestmaß reduziert und unter Verwendung
geeigneter Geräte und Verfahren mit äußerster Sorgfalt vorgenommen,
um Stress und Verletzungen, die mit Behandlungen einhergehen, zu vermeiden.
5.1.6.2 Zur Vermeidung von übermäßigem Stress sind die Fische beim Abstreifen zu
betäuben.
5.1.6.3 Beim Schlachten wird darauf geachtet, dass die Tiere sofort betäubt sind und
keinen Schmerz empfinden.
5.1.6.4 Lebende Fische werden in geeigneten, ausreichend gereinigten Behältnissen mit
sauberem Wasser, das die physiologischen Ansprüche der Tiere hinsichtlich
Temperatur und Sauerstoffgehalt erfüllt, transportiert. Die Reinigung und
Desinfektion der Behältnisse ist aufzuzeichnen.
5.1.6.5 Zum Schutz der Tiere wird eine artgerechte Transportdichte eingehalten. Folgende
Tabelle gibt einen Überblick über die notwendige Wassermenge beim Fischtransport.
Die Besatzdichten beim Transport sind aufzuzeichnen.
Transportempfehlung beim Lebend-Transport
verschiedener Fischarten bei 4 bis10 °C:
Fischart Fischmenge kg
je 1.000 Liter
Transportvolumen
Fisch : Wasser
Karpfen, ab 1.000 g 500 1 : 1
Schleien, ab 200 g 500 1 : 1
Hecht, 50 bis 200 g 150 1 : 5,7
Hecht, ab 500 g 200 1 : 4
Forellen/Saibling, 10 bis 12 cm 90 1 : 10
Forellen/Saibling ab 20 cm 150 1 : 5,7
Die physiologischen Ansprüche der Fische hinsichtlich Temperatur- und Sauerstoffgehalt
beim Transport sind zu berücksichtigen und zu dokumentieren.
5.1.6.6 Das Tageslicht wird nicht künstlich über ein Höchstmaß hinaus verlängert, das den
ethologischen Bedürfnissen, geographischen Gegebenheiten und allgemeinen
Gesundheitsanforderungen für Aquakulturtiere Rechnung trägt. Das Höchstmaß
beträgt, ausgenommen für Fortpflanzungszwecke, 16 Stunden. Es sollen abrupte
Wechsel in der Lichtintensität durch den Einsatz von Dimmern oder einer Hintergrundbeleuchtung
vermieden werden.
5.1.6.7 Der Einsatz von mechanischer Belüftung bzw. von Sauerstoff ist nur in den nachstehenden
Fällen zulässig, wenn die Gesundheit der Tiere sowie kritische Phasen
der Produktion und des Transports dies erfordern:
- bei außergewöhnlichem Temperaturanstieg, Druckabfall oder versehentlicher
Verunreinigung;
- bei vereinzelten Bewirtschaftungsverfahren wie Probenahmen und Sortieren;
- um das Überleben des Bestandes sicherzustellen.
Der Einsatz von mechanischer Belüftung bzw. Sauerstoff muss in den Produktionsbüchern
vermerkt werden.


5.1.7 Kontrolle und Umstellung

5.1.7.1 Es ist ein Teichbuch zu führen mit folgenden Aufzeichnungen, die regelmäßig
aktualisiert werden und für die Kontrolle bereit zu stellen sind:
- Bei der Erstkontrolle eine vollständige Beschreibung der Anlagen sowie gegebenenfalls
die Ergebnisse der umweltbezogenen Prüfung und des
Nachhaltigkeitsplans.
- Ursprung, Ankunftsdatum und Umstellungszeitraum (Alter, Gewicht und Größe)
der in den Betrieb eingebrachten Tiere
- Nummer der Lose, Alter, Gewicht und Empfänger der den Betrieb verlassenden
Tiere
- Angabe zu entwichenen Fischen
- Art und Menge der für die Fische eingesetzten Futtermittel und im Falle von
Karpfen und verwandten Arten Aufzeichnungen über die im Rahmen der
Zufütterung verabreichten Futtermittel
- tierärztliche Behandlungen mit Angabe des Behandlungszweckes sowie Datum
der Verabreichung, Verabreichungsmethode, Art des verabreichten Mittels und
Wartezeit
- Maßnahmen zur Krankheitsvorsorge mit Angaben zu Ruhezeiten, Reinigung
und Wasserbehandlung.
5.1.7.2 Es gelten je nach Art der Anlage folgende Umstellungszeiträume:
- Bei Anlagen, die nicht entleert, gereinigt und desinfiziert werden können, gilt ein
Umstellungszeitraum von 24 Monaten.
- Bei Anlagen, die entleert wurden oder in denen eine Ruhezeit eingehalten
wurde, gilt ein Umstellungszeitraum von 12 Monaten.
- Bei Anlagen, die entleert, gereinigt und desinfiziert wurden, gilt ein Umstellungszeitraum
von 6 Monaten.
5.1.7.3 Es hat eine Gesamtbetriebsumstellung zu erfolgen. In Ausnahmefällen wird ein
Etappenplan (Zeit- und Teichbelegungsplan, Futterplan, Management) ausgearbeitet
und zur Genehmigung der BIO AUSTRIA-Qualitätssicherung vorgelegt. Die
Umstellung des gesamten Betriebes ist nach spätestens vier Jahren bei Karpfen
bzw. zwei Jahren bei Salmoniden abzuschließen.


5.1.8 Karpfen-Teichwirtschaft

5.1.8.1 Wasserwirtschaft
5.1.8.1.1 Der Abfischbereich muss einen Frischwasserzufluss haben und so groß sein, dass
die Tiere in ihrem Wohlbefinden nicht beeinträchtigt sind. Die Fische werden nach
der Ernte in frischem Wasser gehältert.
5.1.8.1.2 Eine Düngung der Teiche in Übereinstimmung mit Liste 2.1.5 der BIO AUSTRIAzulässigen
Dünge- und Bodenverbesserungsmittel mit einer Höchstgabe von 20 kg
Stickstoff/ha ist zulässig.
5.1.8.1.3 Der Einsatz chemisch-synthetischer Mittel zur Kontrolle des Pflanzenwuchses in
den Produktionsgewässern ist verboten. Um dem Pflanzenbewuchs zu regulieren,
ist der Einsatz von maximal 5 % Amur, Tolstolob/Marmorkarpfen und Silberkarpfen
zulässig. Diese Tiere müssen aber konventionell vermarktet werden.
5.1.8.2 Haltungsvoraussetzungen
Streifen mit natürlicher Vegetation rund um Binnengewässeranlagen dienen als
Pufferzonen zu angrenzenden Flächen, die nicht nach den Vorgaben biologischer
Produktion bewirtschaftet werden.

5.1.8.3 Futtermittel
5.1.8.3.1 Es gelten die Bestimmungen 3.4 der BIO AUSTRIA-Richtlinien in ihrer Anwendbarkeit
auf die Fische sowie der aktuelle Betriebsmittelkatalog.
5.1.8.3.2 Der überwiegende Teil des Futters (mehr als 50 %) stammt aus der Naturnahrung
des Teiches.
5.1.8.3.3 Steht ein natürliches Nahrungsangebot nicht in ausreichender Menge zur Verfügung,
dürfen biologische pflanzliche Futtermittel, die vorzugsweise aus dem
eigenen Betrieb stammen, oder Algen zugefüttert werden. Die Zufütterung ist zu
dokumentieren.
5.1.8.3.4 Die Futtermenge ist vom Zuwachs und dem Futterquotienten (FQ) abhängig zu
machen. Zur Ermittlung der maximalen Futtermenge gelten folgende Grundlagen:
< 50 % des Zuwachses stammt aus Zufutter.
Berechnungsschema (vereinfacht):
maximale Futtermenge Getreide: Zuwachs x 1,75 = kg Futter
maximale Futtermenge eiweißreiche Futtermittel: Zuwachs x 0,75 = kg Futter
Bei Fütterung von Mischungen sind die Werte den entsprechenden Verhältnissen
anzupassen.

5.1.8.4 Hygiene
Die biologische Karpfenproduktion ist zulässig in Fischteichen, die in regelmäßigen
Abständen vollständig abgelassen werden

5.1.8.5 Besatz
5.1.8.5.1 Bei Polykultur in Abwachsteichen muss den Bedürfnissen aller Besatzarten
gleichermaßen Rechnung getragen werden.
5.1.8.5.2 Um eine vielseitige Nutzung der Naturnahrung zu gewährleisten, sind beim Besatz
nach dem ersten Lebensjahr, mehrere Fischarten zu bewirtschaften (mindestens
zwei Friedfischarten und eine Raubfischart).
5.1.8.5.3 Der Besatz hat sich in seiner Höhe am natürlichen Ertragspotential und den
klimatischen Voraussetzungen zu orientieren. Besatzobergrenzen sind für zwei Regionen
beispielhaft festgelegt (Region I = kalte Region, z.B. Waldviertel; Region II =
warme Region, z.B. Steiermark)
Region I Region II
Stück Karpfen/ha Stück Karpfen/ha
2.500 K1 (4 m2/Stk.) 3.000 K1 (3,33 m2/Stk.)
500 K2 (20 m2/Stk.) 600 K2 (16,66 m2/Stk.)
Bei K1 werden Gewichte von 50 g bis 100 g, bei K2 werden 0,7 kg zugrundegelegt.
Bei speziellen Zielstellungen der Bewirtschaftung (z.B. regionaltypischen Endgewichte,
verlängerte Umtriebszeit), kann die Besatzdichte um bis zu 20 % erhöht
werden. Beim Mischbesatz mit anderen bewirtschafteten Fischarten (z.B. Schleie)
sind die Werte entsprechend den Gewichten der Fische anzupassen. Es dürfen
aber keineswegs mehr als 1.500 kg Fisch (alle Arten) pro Hektar und Jahr produziert
werden.


5.1.9 Forellen-Teichwirtschaft

5.1.9.1 Wasserwirtschaft
Teiche sollen nicht ungehindert der Sonne ausgesetzt sein. Es wird empfohlen
wenigstens einen Teil der Wasserzone des Teiches zu beschatten.

5.1.9.2 Haltungsvoraussetzungen
Bei der Erbrütung und bis zum Anfüttern der Brut werden Brutmatten empfohlen.

5.1.9.3 Futtermittel
5.1.9.3.1 Es gelten sinngemäß die Bestimmungen 3.4 der BIO AUSTRIA-Richtlinien sowie
der aktuelle Betriebsmittelkatalog.
5.1.9.3.2 Salmoniden sind Raubtiere. Aufgrund dieser besonderen Nährstoffansprüche darf
Protein und Fett bis zu einem Anteil von 50 % der Trockensubstanz des Futters
eingesetzt werden. Die darüber hinaus eingesetzten Rohstoffe landwirtschaftlichen
Ursprungs müssen den BIO AUSTRIA-Richtlinien entsprechen.
Bei der Auswahl eingesetzter Futtermittel ist nach folgender Rangfolge vorzugehen:
- Futtermittel aus biologischer Aquakulturproduktion
- Fischmehl und Fischöl aus Überresten der Verarbeitung von Fischen aus
biologischer Aquakulturproduktion
- Fischmehl und Fischöl und anderen Fischzutaten aus Überresten der
Verarbeitung von Wildfischen für den menschlichen Verzehr aus nachhaltiger
Fischerei
- biologische Futtermittel pflanzlichen und tierischen Ursprungs siehe Punkt

3.4.2.3
Wenn diese Futtermittel nicht zur Verfügung stehen, darf während eines
Übergangszeitraums bis zum 31.12.2014 auch Fischmehl und Fischöl aus
Überresten für den menschlichen Verzehr gefangener Wildfische verfüttert werden.
Solche Futtermittel machen höchstens 30 % der Tagesration aus. Die Verfütterung
von Fischen aus konventioneller Aquakulturproduktion ist nicht zulässig.
5.1.9.3.3
Im Rahmen ihrer physioloigschen Bedürfnisse darf Lachsen und Forellen mit dem
Futter Astaxanthin – vorrangig aus biologischen Quellen wie den Schalen
biologisch erzeugter Krebstiere – verabreicht werden. Stehen biologische Ausgangsstoffe
nicht zur Verfügung, dürfen natürliche Astaxanthinquellen (z.B.
Phaffio-Hefe) verwendet werden.

5.1.9.4 Besatz
Die Besatzgrenze hat sich vorrangig am gegebenen Sauerstoffgehalt zu
orientieren. Der Bestand ist so zu bemessen, dass die Sauerstoffsättigung nahe
dem Auslauf mindestens 60 % beträgt.
Je m3 Teichvolumen dürfen maximal 10 kg Fische gehalten werden, im Fließkanal
sind im Maximum 15 kg/m3 zulässig.