2.3.1 Vorbeugender Gesundheitsschutz


Zum Schutz der Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen dienen neben den direkten Maßnahmen
vor allem solche des vorbeugenden Gesundheitsschutzes.
Letzteren ist besonderes Augenmerk zu schenken.
Sie umfassen:
• Geeignete Arten- und Sortenwahl
• Förderung der Bodengesundheit
•harmonische Ernährung der Pflanzen
• geeignete Anbau- und Kulturmethoden wie Fruchtfolge, Mischkultur, Gründüngung,
Bodenbearbeitung
• Förderung von Nützlingen durch Erhaltung und Schaffung geeigneter
Lebensbedingungen (Hecken, Nistplätze u. ä.).

2.3.2 Nicht erlaubte Pflanzenschutzmittel

Die Verwendung von naturfremden, chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Wachstumsregulatoren,
Welkemitteln sowie gentechnisch veränderten Organismen (GVO) bzw.
deren Derivaten ist untersagt.

2.3.3 Pflanzenschutzmittel

Es dürfen nur Pflanzenschutz- bzw. Pflanzenhilfsmittel mit den nachfolgend genannten Wirkstoffen
verwendet werden. Dies ist auch bei Mischprodukten zu beachten (keine verbotenen
Komponenten gemäß Anhang II der VO (EG) 889/2008 und BIO AUSTRIA-Richtlinie).
Zur Anwendung der nachfolgend angeführten Wirkstoffe bedarf es der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln
gemäß österreichischen Pflanzenschutzmittelgesetz (PMG 1997).
Auf Grund des Agrarrechtsänderungsgesetzes 2002 (BGBl. I Nr. 110/2002) gelten auch die in
Deutschland und den Niederlanden zugelassenen Pflanzenschutzmittel als in Österreich zugelassen.
Diese müssen vor Inverkehrbringung der AGES gemeldet worden sein.
Eine Liste der in Österreich registrierten Pflanzenschutzmittel für den biologischen Anbau
samt den entsprechenden Indikationen (Schadorganismus, Kultur, Anwendungsbereich) und
Bezugsquellen finden Sie im aktuellen Betriebsmittelkatalog. Sollten andere
Pflanzenschutzmittel als die im Betriebsmittelkatalog gelisteten eingesetzt werden, so muss
dies mit der Bio-Kontrollstelle abgeklärt werden.
Der Einsatz dieser Mittel darf nur gemäß den spezifischen Rechtsvorschriften für Pflanzenschutzmittel
in Österreich erfolgen.
Die nachfolgend genannten Wirkstoffe dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn mit den
Maßnahmen aus 2.3.1 kein Auslangen gefunden werden kann. Jeder Einsatz eines
Pflanzenschutzmittels muss aufgezeichnet werden, die Aufzeichnungen müssen bei der Bio-
Kontrolle vorliegen.

 
Wirkstoff Anwendung, Hinweise
Pflanzliche und tierische Substanzen  
Azadirachtin aus Acadirachta indica (Neembaum) Insektizid
Bienenwachs Einsatz beim Baumschnitt
Hydrolisiertes Eiweiß Lockmittel, nur in zugelassenen Anwendungen in Verbindung mit anderen geeigneten Erzeugnissen dieser Liste
Lecithin Fungizid
Pflanzenöle Insektizid, Akarizid, Fungizid, Keimhemmstoff 
Pyrethrine aus Chrysanthemum cinerareaefolium Insektizid 
Quassia aus Quassia amara Insektizid und Repellent 
Rotenon aus Derris spp. Lonchocarpus spp. und Therphrosia Insektizid
Für BIO AUSTRIA Betriebe nicht zulässig: Gelatine (Insektizid) 
Mikroorganismen zu biologischen Schädlings- und Krankheitsbekämpfung
Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze) z.B. Bazillus thurengiensis, Granuloseviren  
Von Mikroorganismen erzeugte Substanzen   
Spinosad  Insektizid, nur wenn Maßnahmen getroffen werden, die die Risken für Hauptparasitoide und einer Resistenzentwicklung möglichst gering halten.
Für BIO AUSTRIA Betriebe ist die Wartezeit zu verdoppeln! 
Substanzen, die nur in Fallen oderSpendern verwendet werden dürfen 
Diammoniumphosphat  Lockmittel 
Pheromone  Lockstoffe, sexuelle Verwirrmethode 
Für BIO AUSTRIA Betriebe nicht zulässig  Pyrethroide (Deltamethrin und Lambda-Cyhalothrin 
Präparate, die zwischen den Kulturpflanzen flächig ausgestreut werden 
Eisen- (III) Phosphat Eisen-(III)-Orthophosphat Molluskizid
Andere Substanzen, die traditionell im biolog. Landbau verwendet werden
Kupfer in Form von Kupferhydroxid, Kupferoxichlorid, (dreibasischem) Kupfersulfat, Kupferoxid, Kupferoktanoat 

Fungizid
bei Ackerkulturen maximal 2kg Reinkupfer/ha/Jahr
bei Obst: max. 3kg
bei Wein max. 3kg
bei Hopfen max. 4kg
mehr nur nach Genehmigung durch BIO AUSTRIA

Kaliseife (Schmierseife) Insektizid 
Kalialaun (Kalinit)  Verzögerung der Reifung der Bananen 
Schwefelkalk (Calciumpolysulfid)  Insektizid, Fungizid, Akarizid 
Paraffinöl  Insektizid, Akarizid 
Mineralöle  Insektizid, Fungizid, nur bei Obstbäumen, Reben, Olivenbäumen und tropischen Kulturen (z.B. Bananen) 
Kaliumpermanganat  Fungizid, Bakterizid, nur bei Obstbäumen, Olivenbäumen und Reben 
Quarzsand Repellent 
Schwefel Fungizid, Akarizid, Repellent
Ethylen Ethylen zur Keimverhinderunge von Kartoffeln und Zwiebeln
Andere Substanzen  
Kalziumhydroxyd Fungizid, nur bei Obstbäumen, einschließlich Obstbaumschulen, zur Bekämpfung des Nectria galligena
Potassiumbicarbonat Fungizid

 

 

 

2.3.4 Biologische und biotechnische Pflanzenschutzmaßnahmen

Folgende Maßnahmen können getroffen werden:
• Einsatz natürlicher Feinde von Schadinsekten (Raubmilben, Schlupfwespen und dgl.)
• Insektenfallen, Farbtafeln
• Männchensterilisation
• mechanische Mittel: Schneckenzaun, Kulturschutznetze, Vlies
• Förderung von Nützlingen z.B. durch Nistkästen, Hecken, Büsche, Blütenpflanzen oder
Wasserstellen

2.3.5 Pflanzenhilfsmittel

Folgende Pflanzenhilfsmittel (Pflanzenstärkungsmittel) können eingesetzt werden:
• Algen- und Gesteinsmehle
• Bentonit (Tonerde)
• Kräuterauszüge, Kräuterjauchen und Tees (Brennessel, Schachtelhalm, Rainfarn, Farnkraut,
Zwiebel, Meerrettich und dgl.).
• Kompostextrakte
• Kombinationen der vorher genannten Präparate
Die BIO AUSTRIA-Fachberatung bietet eine Liste von Pflanzenhilfsmitteln, deren Wirkung
durch positive Erfahrungen aus der Praxis belegt ist (www.bio-austria.at). Verboten sind
Produkte, deren GVO-Freiheit nicht sichergestellt werden kann. Eine Liste der in Österreich
registrierten Pflanzenhilfsmittel für den biologischen Anbau samt den entsprechenden
Indikationen (Schadorganismus, Kultur, Anwendungsbereich) und Bezugsquellen finden Sie
im aktuellen Betriebsmittelkatalog. Sollten andere Pflanzenhilfsmittel als die im Betriebsmittelkatalog
gelisteten eingesetzt werden, so muss ein Ansuchen an die Bio-Kontrollstelle
gestellt werden.