3.12 Haltung von Schweinen

Eine tiergerechte Schweinehaltung muss den Tieren die Erfüllung ihrer physiologischen und
Verhaltensbedürfnisse ermöglichen. Dazu sind u. a. notwendig:
• Möglichkeiten zum Beschäftigen, Wühlen und Abkühlen. Schweine verbringen einen
großen Teil des Tages mit Erkundungs- und Nahrungssuchverhalten. Suhlen ist ein
wichtiger Teil des Komfortverhaltens und dient der Abkühlung und der Abwehr von
Ektoparasiten.
• Strukturierte Buchten, die eine Trennung von Ausscheidungs-, Liege- und Fressbereich
zulassen. So werden zum Ruhen und Schlafen Schlafnester angelegt. Zum Ausscheiden
suchen Schweine eigene Plätze auf. Die Fress- und Liegeplätze werden sauber gehalten.
• Artgemäße Ernährung und entsprechende Fütterungsmethoden.
• Gruppenhaltung mit überschaubarer Gruppengröße und möglichst stabiler Sozialstruktur.
• Spezielle Einrichtungen zum ungestörten Abferkeln.
• Schutz gegen ungünstige Witterungsverhältnisse, Verletzungen, Parasitenbefall, Krankheiten
und Verhaltensstörungen.


3.12.1 Stallungen für Schweine

3.12.1.1 Besatzdichten
Mindeststallfläche (den Tieren zur Verfügung stehende Nettofläche)
Lebendgewicht (kg) Mindestfläche (m2/Tier)
säugende Sauen mit bis
zu 40 Tage alten Ferkeln
7,5
Ferkel Über 40 Tage alt
und bis 30 kg
0,6
Mastschweine bis 50
bis 85
bis 110
über 110
0,8
1,1
1,3
1,5
Zuchtsauen 2,5
Zuchteber 6,0
Wird die Bucht als eine Deckbucht verwendet, muss die Mindeststallfläche
10 m2 betragen.
Bei Gruppenhaltung ab sechs Tieren muss jede Seite der Bucht über 2,80 m lang
sein.
Bei Gruppenhaltung bis fünf Tieren muss mindestens eine Seite der Bucht über
2,40 m lang sein. Dies gilt für alle Schweinestallungen, die nach dem 01.01.2003
neugebaut, umgebaut oder erstmals in Betrieb genommen wurden und ab dem
01.01.2013 für alle Haltungseinrichtungen.
Ferkel dürfen nicht in Flatdecks und Ferkelkäfigen gehalten werden.


3.12.1.2 Übergangsregelungen für Mindeststallflächen
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde und die Stallflächen den
nationalen Bestimmungen (Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8), Stand August
1999, entsprechen, müssen die Mindeststallflächen gemäß Punkt 3.12.1.1 erst ab
01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011 die nötigen Anpassungen
nicht vornimmt, beantragt bei der zuständigen Landesbehörde eine Verlängerung
der Ausnahme bis Ende 2013. Mit dem Ansuchen muss ein Plan vorgelegt werden,
aus dem hervorgeht, wie die Bio-Richtlinien ab dem 01.01.2014 eingehalten
werden. Betriebe, deren Ansuchen von der Behörde genehmigt wurden, haben ab
dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen/Jahr.
Bei allen schweinehaltenden Betrieben in der Übergangsregelung werden
mindestens 24 TGI-Punkte erreicht.


3.12.1.3 Stallbodengestaltung und Aufstallung
Die Hälfte der Mindeststallfläche muss planbefestigt und rutschsicher gestaltet
sein.
Es müssen für alle Tiere bequeme, saubere, trockene Liege/Ruheflächen von ausreichender
Größe vorhanden sein, sodass alle Tiere gleichzeitig und ungehindert
liegen können. Diese dürfen nicht perforiert sein und müssen trockene Einstreu
aufweisen.


3.12.2 Stallklima

In geschlossenen Ställen müssen natürliche oder mechanische Lüftungsanlagen vorhanden
sein. Diese sind dauernd entsprechend zu bedienen oder zu regeln und so zu warten, dass
ihre Funktion gewährleistet ist. Schädliche Zugluft im Tierbereich ist zu verhindern.


3.12.3 Licht

Die Ställe müssen Fenster oder sonstige offene oder transparente Flächen, durch die Tageslicht
einfallen kann, im Ausmaß von mindestens 3 % der Stallbodenfläche (Architekturlichte*)
aufweisen. Im Tierbereich des Stalles ist über mindestens acht Stunden pro Tag eine Lichtstärke
von mindestens 40 Lux zu erreichen.
*entspricht der verputzten und gedämmten Maueröffnung


3.12.4 Gruppenhaltung

Die Anbindehaltung ist grundsätzlich verboten. Die Schweine, auch Sauen, sind in Gruppen
zu halten. Nur im späten Trächtigkeitsstadium und in der Säugeperiode ist eine Einzelhaltung
der Sauen möglich. Auch kranke oder verletzte Schweine dürfen vorübergehend von der
Gruppe getrennt werden. Es müssen dafür ausreichend viele Absonderungsbuchten vorhanden
sein.


3.12.5 Betreuung trächtiger Sauen und Jungsauen

Trächtige Sauen und Jungsauen müssen falls erforderlich gegen Ekto- und Endoparasiten
behandelt werden. Vor dem Einstallen in Abferkelbuchten müssen die Tiere sorgfältig gereinigt
werden. In der Woche vor dem zu erwartenden Abferkeln muss den Tieren in ausreichenden
Mengen geeignete Nesteinstreu zur Verfügung gestellt werden.
Sie müssen ausreichend Grundfutter oder Futter mit hohem Rohfaseranteil sowie Kraftfutter
erhalten.


3.12.6 Fressplätze und Tränkemöglichkeit

Bei rationierter oder zeitlich begrenzter Futteraufnahme muss die Fressplatzbreite pro Tier so
bemessen sein, dass alle Tiere gleichzeitig Futter aufnehmen können (Tier-Fressplatz-
Verhältnis 1 : 1).
Bei Vorratsfütterung durch Trockenfutterautomaten muss für je vier Tiere ein Fressplatz zur
Verfügung stehen. Bei Vorratsfütterung durch Feucht- oder Breifutterautomaten muss für je
acht Tiere zumindest ein Fressplatz zur Verfügung stehen.
Funktionstüchtige Tränkemöglichkeiten mit Frischwasser müssen den Tieren den ganzen Tag
über zur Verfügung stehen.
Die Mindestausmaße für Fütterungs- und Tränkevorrichtungen gemäß österreichischem Tierschutzgesetz
(Tierhalteverordnung BGBl. II, 485/2004, Anlage 5, Punkt 2.8) sind einzuhalten.


3.12.7 Ausläufe

Allen Tieren wird Weidegang, Freiflächenzugang oder zumindest befestigter Auslauf gewährt,
wenn der Zustand des Bodens und die Witterungsbedingungen dies gestatten. In keinem Fall
werden bei Tieren mit einem Lebenszyklus von mehr als einem Jahr 180 Auslauftage, verteilt
über das Jahr, unterschritten. Ein Auslauf ins Freie ist unter den genannten Voraussetzungen
auch im Winter möglich. Bei beengten Hoflagen gelten im Sinne der Übergangsregelungen
Ausnahmen bis 31.12.2013, wenn mindestens 24 TGI-Punkte erreicht werden. Diese finden
sich unter Punkt 3.12.7.3.


3.12.7.1 Ausstattung des Auslaufs:
Auslaufflächen sind bei Bedarf mit Einrichtungen zum Schutz vor Regen, Sonne,
Kälte oder Hitze auszustatten.
Ständig begehbare Ausläufe sind befestigt (geschlossen) oder mit Spaltenböden
auszuführen.
Da im Auslauf Möglichkeiten zum Wühlen vorzusehen sind, sollen in befestigten
Ausläufen zumindest Stroh-/Heuraufen vorgesehen werden.
Ausläufe können teilweise überdacht sein. Mindestens 10 % der Mindestauslauffläche
(m2/Tier) sind nicht überdacht. Die Dachrinne zählt zur Dachfläche.


3.12.7.2 Mindestauslaufflächen für Schweine
Lebendgewicht (kg) Mindestauslauffläche
(Freigeländeflächen außer
Weideflächen – m2/Tier)
säugende Sauen mit bis
zu 40 Tage alten Ferkeln
2,5
Mastschweine bis 50
bis 85
bis 110
über 110
0,6
0,8
1
1,2
Ferkel Über 40 Tage alt und bis 30 kg 0,4
Zuchtsauen 1,9
Zuchteber 8,0


3.12.7.3 Übergangsregelungen für Auslaufflächen
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde, die Mindestanforderungen des
österreichischen Lebensmittelbuches Kap. A8, Stand August 1999 eingehalten
werden und die Betriebe folgende Übergangsregelungen in Anspruch genommen
haben:
- zu kleine Auslaufflächen, jedoch mindestens die Hälfte der national festgelegten
Mindeststallfläche im Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8, Stand August
1999
- Auslauf bei Sauen mit Ferkel während der Säugeperiode
- zu kleine Auslaufflächen (kleiner als die Hälfte der 1999 national festgelegten
Mindeststallfläche) wegen beengter Hoflage
- fehlende Auslaufflächen wegen beengter Hoflage
müssen die Bio-Richtlinien ab 01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011
die nötigen Anpassungen nicht vornehmen kann, der muss bei der zuständigen
Landesbehörde um eine Verlängerung der Ausnahme bis Ende 2013 beantragen.
Dem Ansuchen muss ein Plan vorgelegt werden, aus dem hervorgeht wie die Bio-
Richtlinien ab dem 01.01.2014 eingehalten werden können. Betriebe deren
Ansuchen von der Behörde genehmigt wurden, haben ab dem 01.01.2011 zwei
Kontrollen pro Jahr.