3.11 Haltung von Schafen und Ziegen

Grundsätze einer artgemäßen Schaf- und Ziegenhaltung


Eine tiergerechte Schaf- und Ziegenhaltung muss den Tieren die Erfüllung ihrer physiologischen
und Verhaltensbedürfnisse ermöglichen. Dazu sind u.a. notwendig:
• Artgemäße Ernährung und Fütterungsmethoden:
Schafe verbringen den größten Teil des Tages mit Grasen und Wiederkäuen. Ziegen
haben beim Fressen ein stark ausgeprägtes Selektionsbedürfnis. Sie nützen viele verschiedene
Futtermittel.
• Ausreichende Bewegungsfreiheit und Platz zum Einnehmen aller Ruhe- und Schlafhaltungen:
Schafe halten in der Regel die Schlafplätze ein, erhöhte Plätze werden dabei bevorzugt.
Ziegen haben ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten und brauchen Klettermöglichkeiten.
• Sozialkontakte und möglichst stabile Herdenstruktur:
Schafe sind „stille Dulder“, Ziegen benötigen ausreichend Ausweichmöglichkeit und
Rückzugsraum.
• Schutz gegen ungünstige Witterungsverhältnisse, Verletzungen, Parasitenbefall, Krankheiten
und Verhaltensstörungen
• Trockene, luftige aber zugfreie Stallungen


3.11.1 Stallungen

3.11.1.1 Besatzdichten
Mindeststallfläche (den Tieren zur Verfügung
stehende Nettofläche in Gruppenbuchten – m2/Tier)
Schafe und Ziegen 1,5 pro Schaf/Ziege, Widder, Böcke
0,35 pro Lamm/Kitz
Nach der Trennung vom Muttertier
(separate Haltung):
0,5 pro Lamm/Kitz (bis 6 Monate)
0,6 pro Junglämmer, Jungziegen
(6 - 12 Monate)
In Einzelboxen möglich, m2/Tier
Zuchtwidder, -bock
Einzelhaltung während der Ablammung bei:
Mutterschaf /-ziege mit 1 Lamm/Kitz
Mutterschaf/-ziege mit 2 Lämmern/Kitzen
3
2/1,85
2,30/2,20
3.11.1.2 Übergangsregelungen für Mindeststallflächen
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde und die Stallflächen den
nationalen Bestimmungen (Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8), Stand August 1999,
entsprechen, müssen die Mindeststallflächen gemäß Punkt 3.11.1.1 erst ab
01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011 die nötigen Anpassungen
nicht vornimmt, beantragt bei der zuständigen Landesbehörde eine Verlängerung
der Ausnahme bis 31.12.2013. Mit dem Ansuchen muss ein Plan vorgelegt
werden, aus dem hervorgeht, wie die Bio-Richtlinien ab dem 01.01.2014 eingehalten
werden. Betriebe, deren Ansuchen von der Behörde genehmigt wurden,
haben ab dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen/Jahr.


3.11.1.3 Stallbodengestaltung und Aufstallung
Die Hälfte der Mindeststallfläche muss planbefestigt und rutschsicher gestaltet
sein. Es müssen für alle Tiere bequeme, saubere, trockene Liege/Ruheflächen von
ausreichender Größe vorhanden sein, sodass alle Tiere gleichzeitig und ungehindert
darauf liegen können. Diese dürfen nicht perforiert sein und müssen
trockene Einstreu aufweisen. Der Liegebereich muss mindestens ein Drittel der
Mindeststallfläche betragen.


3.11.1.4 Fressplätze und Tränkemöglichkeit
Bei rationierter oder zeitlich begrenzter Futteraufnahme muss die Fressplatzbreite
pro Tier so bemessen sein, dass alle Tiere gleichzeitig Futter aufnehmen können
(Tier-Fressplatz-Verhältnis 1 : 1). Werden die Tiere in Gruppenhaltung ad libidum
bei ganztägiger Futtervorlage gefüttert, darf ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von
2,5 : 1 nicht überschritten werden.
Funktionstüchtige Tränkemöglichkeiten mit sauberem Wasser müssen den Tieren
den ganzen Tag über zur Verfügung stehen.
Die Mindestausmaße für Fütterungs- und Tränkevorrichtungen gemäß österreichischen
Tierschutzgesetz (Tierhalteverordnung BGBl. II, 485/2004, Anlage
3: Schaf bzw. Anlage 4: Ziege, Punkt 2.6) sind einzuhalten.


3.11.1.5 Licht
Die Ställe müssen offene oder transparente Flächen (Architekturlichte*) – durch die
Tageslicht einfallen kann – im Ausmaß von mindestens 3 % der Stallbodenfläche
aufweisen. Im Tierbereich des Stalles ist über mindestens acht Stunden pro Tag
eine Lichtstärke von mindestens 40 Lux zu gewährleisten.
*entspricht der verputzten und gedämmten Maueröffnung

3.11.1.6 Stallklima
In geschlossenen Ställen müssen natürliche oder mechanische Lüftungsanlagen
vorhanden sein. Diese sind dauernd entsprechend zu bedienen oder zu regeln und
so zu warten, dass ihre Funktion gewährleistet ist. Schädliche Zugluft im Tierbereich
ist zu vermeiden.


3.11.1.7 Tierbetreuung
Schafe müssen, soweit rassebedingt erforderlich, mindestens einmal jährlich
geschoren werden. Der Zustand der Klauen ist regelmäßig zu überprüfen und bei
Bedarf ist eine Klauenpflege durchzuführen.


3.11.2 Anbindehaltung

Die Anbindehaltung ist grundsätzlich verboten. Die Tiere sind in Gruppen zu halten. Das
Anbinden oder Isolieren von Tieren ist nur bei Einzeltieren zulässig, wenn dies aus
Sicherheits-, Tierschutz- oder tierärztlichen Gründen zeitlich begrenzt ist, z.B. bei Krankheit.


3.11.3 Weide und Auslauf

Alle Tiere müssen ständigen Zugang zu Freigelände, vorzugsweise zu Weideland, haben,
wenn der Zustand des Bodens und die Witterungsbedingungen dies zulassen.
Pflanzenfresser müssen zudem immer Zugang zu Weideland haben, wann immer die
Umstände dies gestatten.
In keinem Fall werden bei Tieren mit einem Lebenszyklus von mehr als einem Jahr 180
Auslauftage, verteilt über das Jahr, unterschritten. Ein Auslauf ins Freie ist unter den
genannten Voraussetzungen auch im Winter möglich.
Wird den Tieren während der Weidezeit Weidegang gewährt, so kann die Verpflichtung zu
einem ganzjährigen Auslauf entfallen. 180 Auslauftage dürfen aber nur bei beengter Hoflage
in der Tierhaltung unterschritten werden.


3.11.3.1 Ausstattung des Auslaufs:
Auslaufflächen sind bei Bedarf mit Einrichtungen zum Schutz vor Regen, Sonne,
Kälte oder Hitze auszustatten. Es wird empfohlen ständig begehbare Ausläufe
befestigt (geschlossen) auszuführen. Es ist darauf zu achten, dass Überweidung,
Zertrampeln des Bodens, Erosion oder andere Umweltbelastungen verursacht
durch Tiere verhindert werden. Ausläufe können teilweise überdacht sein.
Mindestens 10 % der Mindestauslauffläche (m2/Tier) sind nicht überdacht. Die
Dachrinne zählt zur Dachfläche.
Sollten Betriebe keine Weide für ihre Milchziegen anbieten können, so muss der
Auslauf für Ziegen so gestaltet sein, dass er von den Ziegen auch tatsächlich
angenommen wird und für alle Tiere jederzeit zugänglich ist. Die Zugänglichkeit ist
durch genügend und ausreichend große Ausgänge sicherzustellen. Um den Auslauf
für die Ziegen attraktiv zu gestalten, muss er mit Einrichtungen wie Klettergelegenheiten,
Wetterschutz, Bürsten oder Futterraufen ausgestattet werden


3.11.3.2 Mindestauslaufflächen für Schafe und Ziegen
Mindestauslauffläche (Freigeländeflächen
außer Weideflächen – m2/Tier)
Schafe/Ziegen 2,5
Lamm/Kitz 0,5


3.11.3.3 Übergangsregelungen für Auslaufflächen
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde, die Mindestanforderungen des
österreichischen Lebensmittelbuches Kap. A8, Stand August 1999 eingehalten
werden und die Betriebe folgende Übergangsregelungen in Anspruch genommen
haben:
- zu kleine Auslaufflächen, jedoch mindestens die Hälfte der national festgelegten
Mindeststallfläche im Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8, Stand August
1999
- zu kleine Auslaufflächen (kleiner als die Hälfte der 1999 national festgelegten
Mindeststallfläche) wegen beengter Hoflage
- fehlende Auslaufflächen wegen beengter Hoflage
müssen die Bio-Richtlinien ab 01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011 die
nötigen Anpassungen nicht vornehmen kann, der muss bei der zuständigen Landesbehörde
um eine Verlängerung der Ausnahme bis Ende 2013 beantragen. Dem
Ansuchen muss ein Plan vorgelegt werden, aus dem hervorgeht wie die Bio-Richtlinien
ab dem 01.01.2014 eingehalten werden können. Betriebe deren Ansuchen von der
Behörde genehmigt wurden, haben ab dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen pro Jahr.


3.11.4 Ganzjährige Haltung im Freien

Für jedes Tier muss eine überdachte, trockene und eingestreute Liegefläche mit Windschutz
in einem Ausmaß zur Verfügung stehen, dass allen Tieren ein gleichzeitiges ungestörtes
Liegen ermöglicht.
Kann der Futterbedarf nicht ausreichend durch Weide gedeckt werden, muss zusätzliches
Futter angeboten werden. Auch bei tiefen Temperaturen muss sichergestellt sein, dass
Menge und Energiegehalt des vorhandenen Futters ausreichen, um den Energiebedarf der
Tiere zu decken.
Der Boden im Bereich der ständig benützten Fütterungs- und Tränkebereiche muss befestigt
sein. Kranke und verletzte Tiere sind gesondert und geschützt unterzubringen.