5.4 Tiere und tierische Erzeugnisse von Dam-, Sika-, Muffel- und Rotwild


Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zur Tierproduktion
(Kapitel 3.1 bis 3.9) gelten für Dam-, Sika-, Muffel- und Rotwild folgende
Bestimmungen:

5.4.1 Futter
Für alle Gatterwildarten gelten die selben Regelungen wie für Wiederkäuer. Eine sinngemäße
Darstellung findet sich unter den Punkten 3.4.1 bis 3.4.5 in dieser Richtlinie wieder.

5.4.2 Haltung
Für die genannten Wildarten ist eine ganzjährige Weidehaltung vorzusehen.

5.4.3 Gehege
Vorschriften bezüglich der Gehege sind in einzelnen Landesgesetzen unterschiedlich geregelt.
Sehen Landesgesetze zu einzelnen Punkten abweichende (höhere) Mindeststandards
vor, so sind die jeweiligen landesgesetzlichen Regelungen zu beachten. Der Gehegestandort
muss den Tieren ausreichenden Wetter- (Wind, Sonne, Regen) und Störungsschutz
gewährleisten. Extrem feuchte (morastige) Standorte sind auszuschließen. Im Gehege muss
in der Vegetationsperiode natürliche Äsung vorhanden sein. Standorte, die während der
Vegetationsperiode nicht den überwiegenden Teil der Fütterung aus Grünaufwuchs zur
Verfügung stellen können, sind auszuschließen.
Die Mindestgröße der Gehege für Dam- Sika- und Muffelwild beträgt 1 ha, für Rotwild 2 ha.
Werden mehrere Wildarten gemeinsam gehalten, so ist die Gehege-Mindestgröße jedenfalls
3 ha. Dabei sind die Gehege so zu gestalten, dass sich die beiden Tierarten optisch trennen
können.
Bei jedem Gehege muss die Möglichkeit einer Unterteilung in mindestens zwei Koppeln
gegeben sein. Damit ist die Durchführung von Pflegemaßnahmen auf den Flächen sicherzustellen.
Die Mindestkoppelgröße beträgt bei Dam- Sika- und Muffelwild 0,5 ha, bei Rotwild
oder mehreren Wildarten in einem Gehege mindestens 1 ha.
Bio-Betriebe mit bestehenden kleineren Gehegen können diese weiter verwenden, sofern der
zulässige Tierbesatz pro ha (siehe Punkt 5.4.5 dieser Richtlinie) nicht überschritten wird.

5.4.4 Einrichtungen in den Gehegen
Die Tiere brauchen Sicht- und Witterungsschutzeinrichtungen: Diese sind am besten durch
Bäume und Sträucher (Einbeziehung von Baumgruppen, Waldanteilen oder Waldrändern in
das Gehege) zu erreichen. Ist dies nicht in ausreichendem Ausmaß möglich, so sind den
Tieren Unterstände zur Verfügung zu stellen. Diese müssen überdacht und von der
Wetterseite her geschützt sein.
Ist durch die Bodenbeschaffenheit der Schalenabrieb nicht gesichert, so ist dieser durch
geeignete Maßnahmen (z.B. Befestigung der Futterplätze) zu gewährleisten.
In Rotwildgehegen müssen für Körperpflege und Thermoregulation Suhlmöglichkeiten vorhanden
sein.
Die Futterstellen sind an wettergeschützten Flächen anzulegen, die von den Tieren sowie vom
Betreuungspersonal leicht erreichbar sind. Im Fütterungsbereich muss der Boden ausreichend
befestigt sein. Ist kein dauernder Zugang zum Futter gewährleistet, so sind die
Fütterungseinrichtungen so zu dimensionieren, dass alle Tiere (auch die rangniederen)
gleichzeitig Futter aufnehmen können. Einrichtungen zur Vorratsfütterung (z.B. Heuraufen)
müssen überdacht sein.
Den Tieren muss jederzeit sauberes Wasser in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
Sofern eine natürliche, für die Tiere leicht erreichbare Wasserquelle nicht vorhanden ist, sind
Vorratstränken bereit zu stellen.

5.4.5 Tierbestand
Die genannten Wildarten leben in Sozialverbänden. Der Mindesttierbesatz in einem Gehege
beträgt daher je Tierart drei weibliche und ein männliches Tier. Die isolierte Haltung einzelner
Tiere ist unzulässig, es sei denn, es handelt sich um eine zeitlich begrenzte begründete Maßnahme
(z.B. kranke Tiere).
Der Tierbesatz wird so gewählt, dass die Tiere in der Vegetationsperiode zum überwiegenden
Teil ihre Ernährung vom Grünaufwuchs des Geheges bestreiten. Die Obergrenze für den Tierbesatz
je ha Gehegefläche liegt bei Dam-, Sika- und Muffelwild bei zehn erwachsenen Tieren.
Bei Rotwild beträgt dieser Wert fünf erwachsene Tiere je ha. Dazu kommen die der Herde
entstammenden Jungtiere, die nicht extra gezählt werden.
Die Obergrenze des Tierbestandes ist, wenn besondere Merkmale des betreffenden Gebietes
zur Einhaltung der Regeln dies erfordern, zu reduzieren. Insbesondere ist die Tierbelegung je
Flächeneinheit grundsätzlich so zu begrenzen, dass jede Belastung der Umwelt, besonders
des Bodens, der Oberflächengewässer und des Grundwassers infolge Überweidung oder
Erosion auf ein Minimum reduziert wird.

5.4.6 Einzäunung
Gehegeeinzäunungen für Dam-, Sika- und Muffelwild sind bei Neuerrichtung des Zaunes
mindestens 1,8 m hoch, für Rotwild mindestens 2 m hoch zu bemessen. Dies gilt nicht für
Zäune innerhalb des Geheges zur Koppelbildung. Sowohl Außen- als auch Innenzäune
müssen für die Tiere deutlich sichtbar sein, um Verletzungen zu vermeiden. Es ist darauf zu
achten, dass bei der Anlage der Zäune keine spitzen Winkel entstehen und ein ungefährdeter
Verlauf der zaunnahen Tierwechsel gewährleistet bleibt.

5.4.7 Fangen und Transportieren der Tiere
Das Einfangen der Tiere kann nur mit Hilfe geeigneter Fangeinrichtungen oder durch Immobilisation
der Tiere durchgeführt werden. Bei der Immobilisation sind die gesetzlichen Vorgaben
einzuhalten. Die unter Narkoseeinfluss befindlichen Tiere dürfen nicht unbeaufsichtigt bleiben.
Hochträchtige Tiere sowie Tiere mit Geweih im Bast dürfen nicht transportiert werden.

5.5 Umrechnungsschlüssel für den Tierbesatz
Tierart kg Stickstoff
je Tier und
Jahr
Tierart kg Stickstoff
je Tier und
Jahr
Pferde bis 1 Jahr 31,2
Pferde 1 bis 3 Jahre 72,7
Zuchtsauen mit durchschn.
19 Ferkel
34,55
Pferde über 3 Jahre 85 Mastschweine über 20 kg 12,14
Kälber 0 bis 3 Monate 12,8 Eber 26,15
Kälber 3 bis 6 Monate 42,5 Masthühner 0,29
Jungvieh 6 bis 12 Monate 42,5 Legehennen 0,74
Rinder zwischen 1 und 2 Jahren 51,5 Junghennen bis 18 Wochen 0,34
männliche Rinder ab 2 Jahren 85 Enten 0,58
tragende Kalbinnen 85 Gänse 0,58
Milchkühe/Mutterkühe 85 Puten 0,63
Schafe 12,8 weibliche Zuchtkaninchen 1,7
Ziegen 12,8