4.1 Gemüsebau

Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zum Pflanzenbau
(Kapitel 2.1 bis 2.6) gelten für Gemüsebau-Betriebe zusätzlich folgende Bestimmungen:


4.1.1 Humuswirtschaft

Durch die Art der Bewirtschaftung muss eine positive Humusbilanz erzielt werden. Der
Humusgehalt der Böden ist deshalb alle zwei bis drei Jahre zu überprüfen.


4.1.2 Düngung – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 2.1

Vor jedem Zugang von organischen Düngemitteln ist eine Genehmigung von BIO AUSTRIA
notwendig.
Beim Zugang organischer Dünger konventioneller Herkunft ist die Menge so zu bemessen
dass die Gesamtstickstoffmenge von 170 kg/ha landwirtschaftliche Nutzfläche – den
hofeigenen Dünger mit eingeschlossen – nicht überschritten wird. Die genehmigbare Menge
beträgt bei Gemüse pro ha und Jahr:
Freilandgemüsebau: maximal 80 kg Njw/Hektar und Jahr
Geschützter Anbau: maximal 170 kg Njw/Hektar und Jahr
Diese Regelung ist befristet bis Ende 2013.
Berechnungsbasis ist der jahreswirksame Stickstoff (Njw) gemäß ÖPUL 2007.
Die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern (Gülle, Jauche, Frischmist) als Kopfdüngung bei
Gemüse ist vom Anbau bis zur Ernte (bei mehrjährigen Kulturen bis zur letzten Ernte des
jeweiligen Jahres) verboten.

4.1.3 Jungpflanzenanzucht

Die im Betrieb benötigten Jungpflanzen müssen selbst angezogen oder von einem anderen
biologischen Betrieb gekauft werden. Die Verwendung von CMS (cytoplasmatische männliche
Sterilität) -Hybriden, die aus Protoplasten- oder Cytoplastenfusion hervorgegangen sind, ist im
Gemüsebau nicht zulässig.


4.1.4 Erde und Substrate

Der Anbau von Gemüse ist nur als Erdkultur erlaubt. Nicht zugelassen sind der Anbau auf
Steinwolle, die Hydrokultur, die Nährfilmtechnik und ähnliche Verfahren. Die Wassertreiberei
bei Chicoree und Kresse ist möglich.
Torf ist für die Jungpflanzenanzucht in Substratmischungen bis zu 70 % der Gesamtmenge
erlaubt. Der Einsatz von Torf zur Anreicherung der Böden mit organischer Substanz ist
verboten. Ebenso ist die Verwendung von Styromull und anderen synthetischen Stoffen auf
Böden und in Substraten verboten.
Die verwendeten Erden und Zuschlagstoffe zu Substraten (z.B. Fertigerden, Rindenprodukte,
Fertigkomposte und Kompostmaterial) dürfen keine Zusätze enthalten, die nach den BIO
AUSTRIA-Richtlinien zum Pflanzenbau (siehe 2.1.5) nicht zugelassen sind.


4.1.5 Dämpfen von Flächen und Erden

Dämpfen im Freiland ist verboten. Nach Maßgabe der Beratung ist Dämpfen bei Anzuchterde
und Substrat im Folientunnel oder Glashaus erlaubt.


4.1.6 Anbau unter Glas und Folie

Im Winter (Dezember bis Februar) dürfen die Kulturflächen lediglich frostfrei (höchstens
10 °C) gehalten werden. Jung- und Topfpflanzenproduktion bzw. die ausschließliche
Beheizung mit nachweislich erneuerbarer Energie (nachwachsende Rohstoffe, Hackschnitzel,
Sonnenenergie) und Abwärmenutzung (Agrogasanlagen etc.) sind davon ausgenommen.
Auf eine gute Wärmedämmung der Glashäuser ist zu achten.
Künstliches Licht ist (mit Ausnahme zur Jungpflanzenanzucht) verboten.
4.1.7 Gebrauchte Folien, Vliese usw. sind dem Recycling zuzuführen.

4.1.8 Verpackung und Lagerung

Die Gemüseverpackung ist so zu wählen, dass einerseits die Erhaltung von Qualität und
Frische gewährleistet und andererseits hinsichtlich Aufwand und Material der Verpackung die
Umweltverträglichkeit beachtet wird.
Styroporuntertassen sind verboten.