3.4.1 Herkunft der Futtermittel
Die Tiere werden grundsätzlich mit hofeigenem und biologischem Futter ernährt. Werden
Futtermittel zugekauft, so stammen diese primär von inländischen BIO AUSTRIA-zertifizierten
Betrieben. Als Bio-Mischfuttermittel dürfen nur Futtermittel zugekauft werden, die im
österreichischen Betriebsmittelkatalog für den biologischen Landbau gelistet sind und dort als
BIO AUSTRIA-zertifiziert ausgewiesen sind. Verunreinigungen mit GVOs werden in BIO
AUSTRIA-zertifizierten Mischfuttermitteln bis zu einem Grenzwert von maximal 0,1 % toleriert.
Vor einem Einsatz von Ergänzungsfuttermitteln (Ergänzung der Vitamin-, Mineral- und Wirkstoffversorgung)
ist festzustellen, ob die Futtermittel der EU-Bio-VO und den BIO AUSTRIARichtlinien
entsprechen. Sollte ein Produkt eingesetzt werden, das nicht im Betriebsmittelkatalog
gelistet ist, ist zuvor bei der Kontrollstelle die Übereinstimmung mit den Bio-Richtlinien
abzuklären. Eine Verschreibung von Ergänzungsfuttermitteln durch den Tierarzt ist nicht
erlaubt.
Ist eine Einfuhr von Futtermitteln (biologisch und konventionell) nach Österreich notwendig, so
ist ein Ansuchen auf Genehmigung bei BIO AUSTRIA zu stellen bzw. eine Anerkennung der
ausländischen Ware gemäß BIO AUSTRIA-Richtlinien nachzuweisen. Die Einfuhr erfolgt erst
nach schriftlicher Genehmigung durch BIO AUSTRIA.


3.4.2 Ausnahmen
Alle Prozentangaben im folgenden Absatz beziehen sich auf den Trockensubstanzanteil der
Futtermittel landwirtschaftlichen Ursprungs und werden jährlich berechnet.


3.4.2.1 Umstellungsfuttermittel
Durchschnittlich dürfen in der Ration bis zu 30 % Umstellungsfuttermittel enthalten
sein. Stammen die Umstellungsfuttermittel vom eigenen Betrieb, so kann dieser
Prozentanteil auf 100 % erhöht werden.
Bis zu 20 % der Futterration dürfen aus der Beweidung bzw. Ernte von Dauergrünland,
Flächen mit mehrjährigen Futterkulturen oder von Eiweißpflanzen im ersten
Umstellungsjahr stammen, wenn diese Flächen Teil des eigenen Betriebes sind
und in den letzten fünf Jahren nicht zu einer Einheit des Bio-Betriebes gehört
haben. Werden sowohl Umstellungsfuttermittel als auch Futtermittel von Flächen
im ersten Umstellungsjahr eingesetzt, so dürfen diese Futtermittel zusammen die
oben angeführten Höchstanteile für Umstellungsfutter nicht überschreiten.

3.4.2.2 Konventionelle Futtermittel
Bei Wiederkäuern dürfen keine konventionellen Futtermittel eingesetzt werden.
Konventionelle Futtermittel dürfen bei Monogastriern nur eingesetzt werden, wenn
biologische Futtermittel nicht zur Verfügung stehen.
Monogastrier bzw. „Nicht-Wiederkäuer“:
bis 31.12.2011: 5 % konventionelle Futtermittel, danach 0 % in der Jahresration
Es darf in der Tagesration der Anteil von 25 % konventioneller Futtermittel nicht
überschritten werden.
Folgende konventionelle Futtermittel sind im Rahmen der oben angeführten
Prozentsätze und Fristen erlaubt, sofern sie in biologischer Qualität im Inland als
nicht verfügbar (Bio- oder Umstellungsware) festgelegt worden sind:
Futtermittel-Ausgangserzeugnisse pflanzlichen Ursprungs
Getreide, Körner, deren
Erzeugnisse und
Nebenerzeugnisse
Maiskleber (ausschließlich für Geflügel)
Ölsaaten, Ölfrüchte
deren Erzeugnisse und
Nebenerzeugnisse
Raps*-, Sonnenblumen-, Lein- und Kürbiskuchen
Körnerleguminosen Nur bei Flächenzugang zum eigenen Betrieb als Erntegut
der zugegangenen Flächen
Knollen, Wurzeln, deren
Erzeugnisse und
Nebenerzeugnisse
Zuckerrübenschnitte* (nass oder trocken), Kartoffeleiweiß*
Grünfutter und Raufutter Nur bei Flächenzugang zum eigenen Betrieb als Erntegut
der zugegangenen Flächen:
Luzerne, Klee, Grünfutter, Heu, Silage, Getreidestroh
Andere Pflanzen Melasse* als Bindemittel in Mischfutter,
Kräuter- und Gewürze, Extrakte und Pulver von Pflanzen in
Mischfuttern bis zu einem Ausmaß von 1 % (ausgenommen
Mineral- und Ergänzungsfuttermittel)
* Bei Verwendung von mit einem * gekennzeichneten Futtermittel oder -zusatzstoff
muss entweder vom Händler die inländische Herkunft bestätigt sein oder durch den
Bio-Betrieb eine Zusicherungserklärung zur Einhaltung des Gentechnikverbots für
das betreffende Produkt vom Hersteller eingeholt werden!


3.4.2.3 Futtermittel tierischen Ursprungs
Es sind ausschließlich hier gelistete Futtermittel tierischen Ursprungs zulässig!
Futtermittel-Ausgangserzeugnisse tierischen Ursprungs
Milch und
Milcherzeugnisse
Rohmilch, Milchpulver, Magermilch, Magermilchpulver,
Buttermilch, Buttermilchpulver, Molke, Molkepulver,
teilentzuckertes Molkepulver, Molkeneiweißpulver (durch
physikalische Behandlung extrahiert), Kaseinpulver,
Milchzuckerpulver,
Bio-Topfen, Bio-Sauermilch
Fische, andere
Meerestiere, deren
Erzeugnisse und
Nebenerzeugnisse
Folgende Erzeugnisse zur Verfütterung an forellenartige
Fische: Futtermittel aus biologischer Aquakulturproduktion;
Fischmehl und Fischöl aus Überresten der Verarbeitung von
Fischen aus biologischer Aquakulturproduktion; Fischmehl
und Fischöl und anderen Fischzutaten aus Überresten der
Verarbeitung von Wildfischen für den menschlichen Verzehr
aus nachhaltiger Fischerei
Eier und Eiprodukte Ausschließlich biologischer Herkunft: Zur Verfütterung an
Geflügel, vorzugsweise aus dem eigenen Betrieb.


3.4.2.4 Notsituationen
Die Behörde kann in Notsituationen (z.B. extreme Witterungsverhältnisse)
auf
einzelnen Betrieben höhere konventionelle Futtermittelanteile als die unter 3.4.2.2
genannten zulassen. Ist aufgrund einer Notsituation der Zukauf von konventionellem
Grundfutter notwendig, ist eine Genehmigung von BIO AUSTRIA
einzuholen.


3.4.3 Andere Futtermittelzusätze
Futtermittel-Ausgangserzeugnisse mineralischen Ursprungs
Es sind eine Reihe von Natrium-, Kalium-, Kalzium-, Phosphor-, Magnesium- und Schwefelverbindungen
erlaubt. Beim Zukauf von Mineralstoff- und Spurenelementmischungen beachten
Sie bitten den aktuellen Betriebsmittelkatalog.
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe
Vitamine* natürlicher Herkunft oder naturidentische synthetische Vitamine, die für
Monogastriden (Nicht-Wiederkäuer) bestimmt sind.
Für Wiederkäuer: naturidentische synthetische Vitamine A, D, E
Spurenelemente Es sind eine Reihe von Eisen-, Jod-, Kobalt-, Kupfer-, Mangan-, Zink-,
Molybdän- und Selenverbindungen erlaubt. Beim Zukauf von
Mineralstoff- und Spurenelementmischungen beachten Sie bitte den
aktuellen Betriebsmittelkatalog.
Mikroorganismen* Alle Mikroorganismen lt. Verordnung 1831/2003 idgF. über Zusatzstoffe
zur Verwendung in der Tierernährung.
Enzyme Für BIO-AUSTRIA-Betriebe nicht zulässig!
Technologische Zusatzstoffe
Konservierungsstoffe
Sorbinsäure, Ameisensäure, Essigsäure, Milchsäure, Propionsäure,
Zitronensäure.
Stoffe mit
antioxidierender
Wirkung
Stark tocopherolhaltige Extrakte natürlichen Ursprungs*
Bindemittel,
Fließhilfsstoffe
Kalziumstearat natürlichen Ursprungs
kolloidales Siliziumdioxid
Kieselgur
Bentonit
Kaolinit-Tone
Natürliche Mischungen von Steatiten und Chlorit
Vermiculit
Sepiolit
Perlit
Behandlungsstoffe
für Silage
Meersalz, Rohes Steinsalz, Molke, Zucker, Zuckerrübenschnitzel*,
Getreidemehl, Melassen*, Enzyme*, Bakterien* und Hefen* (zugelassene
Zusatzstoffe gemäß VO (EG) 1831/2003); Milch-, Ameisen-,
Propion- und Essigsäure nur dann, wenn aufgrund der Witterungsverhältnisse
eine angemessene Gärung nicht möglich ist
Andere Erzeugnisse für die Tiernahrung für alle Tierarten
Bierhefe Saccharomyces cerevisiae*
Saccharomyces carlsbergiensis*
* Bei Verwendung von mit einem * gekennzeichneten Futtermittel oder -zusatzstoff muss
entweder vom Händler die inländische Herkunft bestätigt sein oder durch den Bio-Betrieb
eine Zusicherungserklärung zur Einhaltung des Gentechnikverbots für das betreffende
Produkt vom Hersteller eingeholt werden!

3.4.4 Sonstiges
Der Einsatz von Antibiotika, Kokzidiostatika und anderer Arzneimittel, Wachstumsförderer und
sonstiger Stoffe zur Wachstums- oder Leistungsförderung, von Farbstoffen sowie Harnstoff
und Nicht-Protein-Stickstoffverbindungen als Eiweißersatz ist untersagt.

3.4.5 Fütterung der Raufutterverzehrer (Rind, Schaf, Ziege, Pferde, Gatterwild)
Raufutter für Wiederkäuer
Die Tagesration beim Wiederkäuer muss zu jeder Zeit aus mindestens 60 % Raufutter bestehen.
In der Rinderfütterung wird die durchschnittliche Kraftfuttermenge eines Betriebes auf
maximal 15 % der Gesamtjahres-Trockenmasseaufnahme festgelegt.
Fütterung junger Raufutterverzehrer (Kälber, Lämmer, Kitze, Pferde)
Kälbern ist ab der zweiten Lebenswoche strukturiertes Raufutter anzubieten. Junge Säugetiere
werden auf Grundlage natürlicher Milch, vorzugsweise Muttermilch, ernährt und dies für
eine Mindestzeit von:
• Rinder und Pferde: 3 Monate
• Schafe und Ziegen: 45 Tage


3.4.6 Schweine- und Geflügelfütterung
Der Tagesration für Schweine und Geflügel ist frisches, getrocknetes oder siliertes Raufutter
beizugeben. Die Ferkelaufzucht erfolgt mit natürlicher Milch, vorzugsweise Muttermilch, für
eine Mindestzeit von 40 Tagen.