Fruchtfolge: Zentrale Funktion auf dem Bioacker

Es ist wichtig, den Gesamtzusammenhang von Fruchtfolgen zu sehen. Einzelne Kulturarten können nicht nach rein markt- oder betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgetauscht werden, sondern erfüllen ihre jeweilige Aufgabe in der Rotation.
Fruchtfolgefehler können im biologischen Landbau nicht einfach durch N-Düngung und Chemieeinsatz korrigiert werden.

Ziele der Fruchtfolge

  • Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit
  • maximale Stickstoffbindung
  • Unkrautregulierung
  • Vorbeugung gegen Krankheiten und Abwehr gegen Schädlinge
  • Nährstoffmobilisierung

Grundsätze der Fruchtfolge

  • Leguminosenanteil in der Fruchtfolge mindestens 25 %; maximal 60 % Getreide
  • Anbau von Tiefwurzlern nach Flachwurzlern
  • Humuszehrer und -mehrer abwechseln

Die FF muss so gestaltet sein, dass der vorhandene Stickstoff zum Großteil von den Folgekulturen wieder verbraucht wird. Ein gewisser Überhang ist aber notwendig um den Humusgehalt zu erhöhen (Humussteigerung um 1% benötigt 1200 kg Stickstoff)

  • Wechsel zwischen wurzelarmen z.B. Sommergerste und wurzelreichen Pflanzen z.B. Feldfutter
  • Aufeinanderfolge von Stickstoffmehrern und Stickstoffzehrern
  • Pflanzen mit langsamer Jugendentwicklung z.B. Mais nach unkrautunterdrückenden Beständen
  • Wechsel zwischen Winterungen und Sommerungen

ist wegen der sonst einseitigen Beikrautentwicklung notwendig

  • Einschalten von Blatt- vor oder nach Halmfrüchten
  • Kombination von Kulturen verschiedener Art in Gemengen und Untersaaten
  • Ganzjähriger Pflanzenbewuchs

wäre ganz wichtig um zum einen Erosionsschutz bieten zu können, leider wird auf vielen Biobetrieben im Spätherbst gepflügt, Gründe: fehlende Technik, Angst vor starkem Unkrautdruck, sinkende Erträge

  • Anbaupausen einhalten- meist auf Grund der Wurzel-, Blatt- und Blütenausscheidungen und der Zyklen bestimmter Schädlinge
  • Vielfalt erhöhen durch Zwischenfrüchte und/oder Untersaaten

Bedeutung der FF für die Bodenfruchtbarkeit

Düngung: Durch die gezielte Aufeinanderfolge von Leguminosen- den Stickstoffsammlern und den stickstoffzehrenden Pflanzen kann die Versorgung der Pflanzen sichergestellt werden.
Wichtig ist, dass die organische Reserve im Boden nicht nur durch Hauptfrucht- Leguminosen aufgebaut wird, sondern auch durch Ernterückstände, Leguminosen-Zwischenfrüchte und andere org. Quellen nachhaltig versorgt und erhalten bzw. vermehrt wird.
Je mehr Wurzelmasse und organische Substanz gespeichert wird, umso höher kann die Leistung sein, die das System Boden erbringt. Denn als Energie- und Stickstoffträger ist die, über Wurzelmasse eingebrachte, organische Substanz Grundlage jeder Bewirtschaftung.

Für die Entwicklung der Fruchtbarkeit spielt neben der Masse auch die Qualität des Angebotes an organischer Substanz eine wichtige Rolle. Je vielseitiger die Früchte innerhalb der Fruchtfolge gewählt werden und je vielfältiger der Pflanzenbestand in einer Vegetationsperiode auf einem Feld zusammengesetzt ist, umso günstiger sind die Wechselbeziehungen innerhalb des ganzen Systems.

Dieses Phänomen wird damit erklärt, dass jede Pflanze, jede Wurzel, jedes Bodentier oder jede Mikrobe unterschiedliche Signale aussendet, empfängt und verarbeitet.
Das Ergebnis dieses komplexen Informationsaustausches ist die vielzitierte „natürliche Bodenfruchtbarkeit“.
Obwohl über die komplexen Zusammenhänge nur sehr wenig bekannt ist, erscheint es äußerst sinnvoll durch Vielfalt und größtmögliche Abwechslung über die Fruchtfolge und auch über Mischungen eine möglichst große Vielfalt anzubieten, um das System zu unterstützen anstatt es durch Einseitigkeit in seiner Leistungsfähigkeit einzuschränken.

Es erscheint äußerst sinnvoll sich die unterschiedlichen Durchwurzelungstiefen, Nährstoffaneignungs- und –aufschlussvermögen, Nährstoffsbedarfsmengen und –speicherkapazitäten zu Nutze zu machen um die momentan gegebene Situation im Boden des konkreten Feldstücks bestmöglich aber so ressourcenschonend wie nur möglich zu verwenden. Weiters sollte jeder Landwirt über Nährstoff-, Wasser- und Lichteffizienz der unterschiedlichen Kulturen ein bisschen Bescheid wissen.

Manuel Böhm

  • Welche Bedeutung hat die Fruchtfolge für das System des Biobetriebs?
  • Welche Ziele werden mit einer konsequenten Kulturrotation verfolgt?
  • Was wird unter Fruchtfolge konkret verstanden?
  • Welchen Einfluss hat die Fruchtfolge eines Betriebes auf die Bodenfruchtbarkeit?
  • Welche Probleme verursachen Monokulturen bzw. welchen Gefahren sind sie ausgesetzt?

Mit der Fruchtfolgegestaltung sollen natürliche Verhältnisse annähernd nachgeahmt werden

Natur

menschliche
Kulturen

-schafft enorme
Artenvielfalt
-meist
Monokulturen
-geschlossene Kreisläufe -keine Nährstoffkreisläufe
-ganzjährige Bodenbedeckung -offener Boden
um langfristig Erträge und Gesundheit der Getreidekulturen zu gewährleisten, darf ihr Anteil in der FF nicht über 60% liegen
Wintergerste

Foto: Markus Danner/BIO AUSTRIA

Leguminosen sind für biologischen Ackerbau überlebenswichtig; ihr Einsatz verlangt aber auch Köpfchen!
Futtererbse in Blüte

Foto: Markus Danner/BIO AUSTRIA

Kulturpflanzenverhältnis

Der Leguminosenanteil ist entscheidend für eine ausreichende N-Versorgung. Er liegt je nach Betriebstyp zwischen
25 und 40 %.
Ein- und mehrjährige Leguminosen bilden das Gerüst der Fruchtfolge.
Mit welchen Kulturpflanzen dieses Gerüst in den Jahren nach den Leguminosen ausgefüllt wird, hängt von der Marktsituation und vom Betriebstyp ab.

Der Getreideanteil (Halmfrucht) wird durch den Leguminosen- und Hackfruchtanteil begrenzt, er soll nicht über 50 - 60 % liegen.

Hackfrüchte sind Blattfrüchte - Humuszehrer, sie sollen daher nicht mehr als 25 % der Fläche einnehmen, gerade zur Regulierung gewisser Unkräuter ist ihr Anbau aber sehr empfehlenswert (Distel, Ampfer,...)

EU Bio-VO 834/2007 Artikel 12

BIO AUSTRIA Rili 2.2.1