3.5 Krankheitsverhütung und -bekämpfung

Unsere Nutztiere sind als unsere Mitgeschöpfe auf eine ausreichende und regelmäßige Betreuung
und Pflege angewiesen. Diese soll daher mit großer Sorgfalt erfolgen, so dass die Bedürfnisse
der Tiere befriedigt sind und bei Erkrankungen, Verletzungen und Schäden
unverzüglich die notwendige Pflege oder veterinärmedizinische Versorgung erfolgen kann.
Kranke oder verletzte Tiere sind diesen besonderen Ansprüchen angemessen und erforderlichenfalls
gesondert unterzubringen. Für die Betreuung der Tiere müssen genügend Betreuungspersonen
vorhanden sein, die über die erforderliche Eignung sowie die notwendigen
Kenntnisse und beruflichen Fähigkeiten verfügen. Erkrankte oder verletzte Tiere werden
unverzüglich versorgt und ggf. in einem Krankenabteil/-box untergebracht.


3.5.1 Erlaubte Methoden

Die Tiergesundheit ist in erster Linie durch vorbeugende Maßnahmen zu sichern. Erkrankt
oder verletzt sich ein Tier, so ist es unverzüglich zu behandeln. Phytotherapeutische und
homöopathische Behandlungen sind Behandlungen mit chemisch-synthetischen Arzneimitteln
vorzuziehen. Die Herstellung von homöopathischen Arzneien und Nosoden ist für Landwirte
nicht erlaubt.
Ist zu erwarten, dass mit den genannten Methoden der Phytotherapie (Pflanzenextrakte,
Pflanzenessenzen) und Homöopathie keine entsprechende therapeutische Wirkung zu erzielen
ist, so können durch den Tierarzt chemisch-synthetische allopathische Tierarzneimittel
und Antibiotika eingesetzt werden. Der vorbeugende Einsatz dieser Arzneimittel ist verboten.
Impfungen sind erlaubt.


3.5.2 Verbotene Mittel

Verboten sind:
• der vorbeugende Einsatz von Kokzidiostatika und anderer künstlicher Wachstums- oder
Leistungsförderer
• Hormone oder ähnliche Stoffe zur Kontrolle der Fortpflanzung (z.B. Brunstsynchronisation),
außer wenn es sich um Behandlungen von Einzeltieren handelt


3.5.3 Wartefristen

Die festgelegten Wartefristen bei chemisch-synthetischen Arzneimitteln sind zu verdoppeln.
Ist keine gesetzliche Wartezeit festgesetzt, beträgt die Wartefrist mindestens 48 Stunden.


3.5.4 Anzahl der Behandlungen

Ein Tier darf nicht öfter als dreimal innerhalb eines Jahres mit chemisch-synthetischen
allopathischen Arzneimitteln behandelt werden. Unter Behandlung ist nicht die einmalige
Verabreichung zu verstehen, sondern die Behandlung einer Krankheit von Beginn bis zu ihrer
Ausheilung. Tiere, deren produktiver Lebenszyklus nicht mehr als 12 Monate beträgt (das sind
Tiere, die nicht älter als 12 Monate werden), dürfen nur einmal mit chemisch-synthetischen
allopathischen Arzneimitteln behandelt werden. In einer mehrphasigen Tierproduktion gilt die
jeweilige Produktionsphase als produktiver Lebenszyklus. Daher teilt sich z.B. die Erzeugung
von Mastschweinen in die beiden produktiven Lebenszyklen „Ferkelproduktion“ und „Mast“.
Diese beiden Lebenszyklen können auch innerhalb eines Betriebes durchlaufen werden.
Werden Tiere öfter behandelt, müssen sie konventionell vermarktet werden. Es gibt aber die
Möglichkeit, dass diese Tiere den Umstellungszeitraum (siehe Fristen aus 3.1.3.8) neuerlich
durchlaufen.
Bei der Anzahl der Behandlungen werden nicht berücksichtigt:
• alle Behandlungen gegen Parasiten (dazu zählen auch Kokzidien)
• Impfungen
• von Behörden angeordnete Behandlungen im Rahmen von Seuchentilgungsplänen
• Zootechnische Maßnahmen wie Enthornung, Kastration etc. sowie der damit verbundene
Einsatz von betäubenden/schmerzstillenden Mitteln


3.5.5 Aufzeichnungen

Werden Arzneimittel angewendet, ist die Anwendung im Aufzeichnungsheft folgendermaßen
zu dokumentieren:
• Diagnose
• Medikament einschließlich der Wirkstoffart und Dosierung
• Datum, Dauer und Art der Behandlung
• Gesetzliche Wartefrist sowie die Frist nach der das Tier wieder als Bio-Tier vermarktbar ist
• Name des Tierarztes (Stempel und Unterschrift)
• Genaue Angaben zum Tier bzw. zur Tiergruppe
3.5.6 Kennzeichnung behandelter Tiere
Die behandelten Tiere sind eindeutig zu kennzeichnen. Bei Kleintieren wie Geflügel sollen
Partien oder Gruppen gekennzeichnet werden.


3.5.7 Verbotene Eingriffe

• Der Einsatz von Gummiringen für die Kastration und Amputation von Körperteilen (Nebenzitzen,
Schwanz) ist verboten.
• Vorbeugende und systematische Eingriffe wie z.B. Kupieren des Schwanzes, Abkneifen
der Zähne, Stutzen der Schnäbel, Enthornen u. ä. sind verboten.
Oben genannte Eingriffe können von der zuständigen Landesbehörde aus Sicherheitsgründen,
zur Verbesserung der Gesundheit, aus Tierschutzgründen oder aus Hygienegründen
gestattet werden. Das Leiden der Tiere ist dabei auf ein Minimum zu reduzieren (Schmerzausschaltung).
Die Vorgaben des Tierschutzgesetzes und dessen Verordnungen sind ebenso
einzuhalten.
Zulässige Eingriffe dürfen nur durch einen Tierarzt oder eine sonstige sachkundige Person
durchgeführt werden. Als sachkundige Person in diesem Zusammenhang gilt eine Betreuungsperson
oder Person, die nachweislich eine einschlägige Ausbildung (durch Kurse,
Lehrgänge, Praktika) über Rechtsvorschriften, Kenntnisse der Anatomie und eine fachgerechte
praktische Durchführung absolviert hat.

3.5.7.1 Zulässige Eingriffe bei Rindern
Eingriffe ohne vorherige Genehmigung der Behörde:
• Die Enthornung durch Ausbrennen mit einem Brennstab bzw. durch den
Tierarzt nach wirksamer Betäubung.
• Die Kastration männlicher Rinder, wenn der Eingriff durch einen Tierarzt oder
einen Viehschneider, der dieses Gewerbe auf Grund der Gewerbeordnung
1994, BGBl. Nr. 194, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 118/2004, rechtmäßig
ausübt, nach wirksamer Betäubung/Schmerzausschaltung durchgeführt wird.
Alle anderen Behandlungen wie z.B. das Einziehen von Nasenringen bei
Zuchtstieren können nur nach vorheriger Genehmigung durch die zuständige
Landesbehörde vorgenommen werden.

3.5.7.2 Zulässige Eingriffe bei Schweinen
Eingriffe ohne vorherige Genehmigung der Behörde:
Die Verkleinerung der Eckzähne, wenn
• die Schweine nicht älter als sieben Tage sind,
• durch Abschleifen eine glatte und intakte Oberfläche entsteht und
• der Eingriff nicht routinemäßig durchgeführt wird, sondern nur zur Vermeidung
von weiteren Verletzungen am Gesäuge der Sauen. Es muss bei diesem
Eingriff keine Betäubung/Schmerzauschaltung vorgenommen werden.
Das Kastrieren männlicher Schweine,
• wenn die Schweine nicht älter als sieben Tage sind oder
• der Eingriff durch einen Tierarzt oder einen Viehschneider, der dieses Gewerbe
auf Grund der Gewerbeordnung 1994, BGBl. Nr. 194, zuletzt geändert durch
BGBl. I Nr. 118/2004, rechtmäßig ausübt, nach wirksamer Betäubung und
anschließender Verwendung schmerzstillender Mittel durchgeführt wird.
Ab 01.01.2011 muss den Ferkeln bei der Kastration ein Schmerzmittel
verabreicht werden, das gegen die Schmerzen nach dem Eingriff wirkt.
Alle anderen Eingriffe wie z.B. das Verkürzen der Eckzähne von Ebern können nur
nach vorheriger Genehmigung durch die zuständige Landesbehörde vorgenommen
werden.

3.5.7.3 Zulässige Eingriffe bei Schafen und Ziegen
Eingriffe ohne vorherige Genehmigung der Behörde:
Das Kupieren des Schwanzes bei weiblichen Zuchtlämmern (gilt nicht für Ziegen),
wenn
• die Lämmer nicht älter als drei Tage sind oder bei älteren Tieren der Eingriff
durch einen Tierarzt nach wirksamer Betäubung durchgeführt wird und
• entweder höchstens ein Drittel oder im Falle einer tierärztlich bestätigten
betrieblichen Notwendigkeit höchstens die Hälfte des Schwanzes entfernt wird
und
• der Eingriff durch scharfes Abtrennen erfolgt und
• eine tierärztliche Bestätigung über die betriebliche Notwendigkeit vorliegt und
• eine angemessene Betäubung/Schmerzausschaltung vorgenommen wird.
Die Kastration,
• wenn der Eingriff durch einen Tierarzt oder einen Viehschneider, der dieses
Gewerbe auf Grund der Gewerbeordnung 1994, BGBl. Nr. 194, zuletzt
geändert durch BGBl. I Nr. 118/2004, rechtmäßig ausübt und
• nach wirksamer Betäubung/ Schmerzausschaltung durchgeführt wird.
Die Enthornung von weiblichen Zuchtkitzen bis zu einem Alter von vier Wochen
nach einer wirksamen Betäubung durch den Tierarzt bis zum 31.12.2010.


3.5.8 Zitzendippmittel

Das vorbeugende Zitzentauchen mit chemisch-synthetischen Mitteln ist untersagt. Bei Vorliegen
einer schriftlichen Bestätigung über die Notwendigkeit durch den Betreuungstierarzt,
kann ein Zitzen-Dippen durchgeführt werden. Die Bestätigung muss einen Vermerk über
betroffene Tiere, die Diagnose und die Behandlungsdauer enthalten.