• Worin liegen die Besonderheiten im Verhalten der Ziegen?
  • Welche Voraussetzungen muss ein Ziegenstall bieten, um arttypisches Verhalten zu ermöglichen?

Das Wesen und Verhalten der Ziege

Ziegen sind sehr lebendige, intelligente und aufmerksame Tiere. Sie sind Herdentiere und sollten daher immer in Gruppen gehalten werden. Die Ziege hat ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. Innerhalb der Herden herrscht eine strikte Rangordnung, die durch Rangkämpfe, Stoßen und Drohen festgelegt wird. In behornten und teilweise behornten Beständen können diese Auseinandersetzungen durchaus zu Verletzungen führen.

Ein Ziegenstall sollte daher ein großzügiges Platzangebot bieten, damit rangniedrigere Tiere ausweichen können. Idealerweise hat jede Ziege einen Fressplatz.

Ziegen sind, ihrer ursprünglichen Herkunft gemäß, gute und begeisterte Kletterer. Dementsprechend sind Erhöhungen wie Klettergerüste im Stall und im Auslauf (Nutzung der dritten Dimension) eine willkommene Abwechslung und werden von den Tieren gerne angenommen. Dasselbe gilt für erhöhte Liegeflächen.

 

Auslaufgestaltung

Ein interessanter Auslauf lockt die Ziege ins Freie

Gerade für die bewegungsfreudigen und neugierigen Ziegen bietet ein Auslauf viele Vorteile. Die tägliche Bewegung an der frischen Luft wirkt sich positiv auf Wohlbefinden, Gesundheit, und Fruchtbarkeit aus. Durch den Auslauf wird zudem das Flächenangebot als solches vergrößert, sowie der Lebensraum der Ziegen stärker strukturiert. Die Ziegen haben dadurch deutlich mehr Möglichkeiten, den ihnen durch die Herdenhierarchie zugewiesenen Platz auch räumlich zu besetzen. Soziale Auseinanderseztungen und Verletzungen werden dadurch deutlich weniger.

Ein attraktiver Auslauf hat den Ziegen einiges zu bieten. Idealerweise befinden sich im Auslauf Klettermöglichkeiten, eine zusätzliche Futterraufe und eine Tränkevorrichtung. Wichtig ist auch, dass der Auslauf ständig zugängig ist, und nach Möglichkeit einen wetterseitigen Windschutz aufweist.

Laut EU-Bio-Verordnung 889/2008 sind pro Ziege 2,5 m2 und pro Kitz 0,5 m2 Mindestauslauffläche erforderlich.

Wie soll ein Stall für Bioziegen idealerweise gestaltet sein?

  • Ausreichendes Platzangebot
  • Keine Engstellen oder Sackgassen im Stall
  • Rangniedrigere Tiere brauchen Rückzugsmöglichkeiten
  • Klettermöglichkeiten bzw. Etagen anbieten
  • Ausreichend Tränkevorrichtungen (Empfehlung: 1 Tränke pro 20 Tiere aber mindestens zwei Tränken pro Gruppe)
  • Genügend Fressplätze, idealerweise hat jede Ziege einen Fressplatz
  • Krankenbuchten mit Sichtkontakt zur Herde
  • Separater Quarantänebereich für zugekaufte Tiere
Ziegen nutzen alle Flächen

Foto: BIO AUSTRIA

Mindeststallfläche gemäß EU-Bio-Verordnung 889/2008

In Familienhaltung:

  • Ziege/Bock 1,5 m2
  • Kitz 0,35 m2  

Nach der Trennung von der Mutter:

  • Kitz bis 6 Monate 0,50 m2
  • Kitz 6-12 Monate 0,6 m2

Zuchtbock in Einzelbox: 3 m2