Bio im Supermarkt

Bio-Produkte sind in aller Munde. Daran ist auch der Lebensmitteleinzelhandel „schuld“. Was die einen als wichtigste Basis für die Verfügbarkeit von Bio-Lebensmittel erachten, ist für andere der Beginn einer schleichenden Konventionalisierung.
Wer hat Recht – keiner oder beide? Beobachter freuen sich über den Ideologienstreit.
Bücher und Medien springen gekonnt auf die Schwächen des Systems auf. Zelebriert wird das Gegeneinander – dabei birgt das Miteinander die große Chance.

Der Erfolg der Bio-Landwirtschaft ist in Österreich eng mit den Aktivitäten der Supermärkte verwoben.
Anders als in Deutschland wurden Bio-Produkte nicht über Reformläden der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht.
1994 begannen hierzulande die großen Supermarktketten in die Vermarktung biologischer Produkte einzusteigen. Sie entwickelten eigene Bio-Marken und begannen mit intensiver Bewerbung von Bio-Produkten.
Bio-Lebensmittel waren nun für alle Konsumenten erhältlich. Parallel zur steigenden Nachfrage wurde auch die Bio-Produktion ausgeweitet.

Die Zahlen sprechen für sich: Mittlerweile ist die Zahl der Bio-Höfe in Österreich auf über 21.000 Betriebe gewachsen. Diese bewirtschaften eine Fläche von knapp 20 %. Damit ist Österreich (hinter LiechtensteinLächelnd) der Spitzenreiter im Bio-Landbau innerhalb Europas. Ständig wachsende Umsatzzahlen zeigen das große Interesse an ökologisch erzeugten Produkten. Derzeit werden ca. 7 % der Lebensmittel in den österreichischen Supermärkten in Bio-Qualität gekauft.
Über 80 % der Konsumenten geben an, beim Einkauf zu Bio-Produkten zu greifen.

Wer von den Strukturen des LEH profitieren möchte weiß auch um deren Schattenseiten. Letztendlich will der Handel Profit erzeugen und unterwirft Produzenten diesem – legitimen – Unternehmensziel.
Der Druck auf die Erzeuger kann sich schnell in sinkendem Preis und Qualität widerspiegeln. Andererseits partizipieren auch viele kleinere und mittlere Unternehmen vom Bio-Wachstum der Supermärkte und deren Expansionsdrang.
Auch Direktvermarkter nehmen vermehrt die Chance wahr und bieten ihre Produkte in den LEHs ihrer Region an.

Peter Hecht

2011 wurden laut RollAMA im LEH mengenmäßig 7,1% und wertmäßig 6,4 % der Lebensmittel (Frischeprodukte außer Brot & Gebäck) in Bio-Qualität gekauft.

Am häufigsten kauften Frau und Herr Österreicher Milch und Milchprodukte, Eier, Kartoffeln, Obst und Gemüse in Bio-Qualität.

Den Bio-Kuchen teilen sich die drei großen Handelsketten untereinander auf:
REWE (Billa, Merkur) und Hofer mit jeweils über 30%, gefolgt von Spar mit ca. 23%.

über die Supermärkte ist Bio für "Alle" zugänglich

Foto: Reinhard Geßl