Bio Austria Richtlinien

Die Biobäuerinnen und Biobauern Österreichs
Produktionsrichtlinien
Fassung September 2010
Inhaltsverzeichnis
Kennzeichnungshinweise ...............................................................................................................................4
Richtlinien – Gelebtes bäuerliches Selbstverständnis! ................................................................................5
1. Allgemeine Bestimmungen........................................................................................................................6
1.1 Verbindlichkeit.......................................................................................................................................6
1.2 Anerkennung als BIO AUSTRIA-Betrieb................................................................................................6
1.3 Kontrollwesen .......................................................................................................................................9
1.4 Zugelassene Kontrollstellen für die landwirtschaftliche Betriebskontrolle............................................11
2. Biologischer Pflanzenbau .........................................................................................................................12
2.1 Humuswirtschaft und Düngung ............................................................................................................13
2.2 Fruchtfolge, Saatgut und Sortenwahl ...................................................................................................21
2.3 Pflanzenschutz....................................................................................................................................21
2.4 Unkrautregulierung..............................................................................................................................24
2.5 Lagerhaltung .......................................................................................................................................24
2.6 Reinigung und Desinfektion .................................................................................................................25
3. Tierproduktion...........................................................................................................................................26
3.1 Grundsätzliches ..................................................................................................................................26
3.2 Tierzucht .............................................................................................................................................29
3.3 Betreuung............................................................................................................................................29
3.4 Fütterung.............................................................................................................................................30
3.5 Krankheitsverhütung und -bekämpfung ...............................................................................................33
3.6 Desinfektion von Ställen, Einrichtungen und Geräten..........................................................................36
3.7 Schädlingsbekämpfung in Ställen ........................................................................................................36
3.8 Gemeinschaftsweide/Almen.................................................................................................................37
3.9 Grundsätze einer artgemäßen Nutztierhaltung ....................................................................................37
3.10 Haltung von Rindern und Pferden........................................................................................................38
3.11 Haltung von Schafen und Ziegen.........................................................................................................43
3.12 Haltung von Schweinen .......................................................................................................................46
3.13 Haltung von Geflügel...........................................................................................................................49
3.14 Richtlinien zur Aufzucht von Junghennen ............................................................................................56
3.15 Haltung von Freilandmasthühnern.......................................................................................................57
3.16 Haltung von Truthühnern .....................................................................................................................58
4. Gartenbau und Dauerkulturen (Anbau, Verarbeitung, Lagerung) ........................................................60
4.1 Gemüsebau.........................................................................................................................................60
4.2 Kräuteranbau und Verarbeitung..........................................................................................................61
4.3 Obstbau (Kern- und Steinobst, Erdbeeren, Strauchbeeren) ................................................................63
4.4 Weinbau..............................................................................................................................................64
4.5 Kultur von Pilzen .................................................................................................................................67
5. Tierische Alternativen biologischer Herkunft .........................................................................................68
5.1 Fischhaltung........................................................................................................................................68
5.2 Biologische Bienenhaltung..................................................................................................................75
5.3 Haltung von Mastkaninchen.................................................................................................................79
5.4 Tiere und tierische Erzeugnisse von Dam-, Sika-, Muffel- und Rotwild ...............................................80
5.5 Umrechnungsschlüssel für den Tierbesatz..........................................................................................82
6. Kennzeichnung und Vermarktung für BIO AUSTRIA-Mitglieder ...........................................................83
6.1 Identifizierung......................................................................................................................................83
6.2 Führung des Markenzeichens..............................................................................................................83
6.3 Adressangabe.....................................................................................................................................83
6.4 Verpackung.........................................................................................................................................83
6.5 Hoftafel................................................................................................................................................83
6.6 Produktsortiment .................................................................................................................................83
6.7 Zugekaufte Produkte...........................................................................................................................84
6.8 Verarbeitung, Produktspezifikation ......................................................................................................84
6.9 Gewerbliche Hofläden.........................................................................................................................84
Inhaltsverzeichnis/Kennzeichnungshinweise
Seite 4 BIO AUSTRIA
7. Richtlinien für Kooperationspartner von BIO AUSTRIA.........................................................................85
7.1 Präambel .............................................................................................................................................85
7.2 Geltungsbereich ..................................................................................................................................85
7.3 Kennzeichnung als BIO AUSTRIA-Produkt..........................................................................................85
7.4 Gentechnik ..........................................................................................................................................86
7.5 Lagerhaltung .......................................................................................................................................86
7.6 Verarbeitung........................................................................................................................................87
7.7 Verpackung .........................................................................................................................................87
7.8 Kontrollwesen......................................................................................................................................87
7.9 Positivliste der zugelassenen Zutaten, Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe für pflanzliche und
tierische Verarbeitungsprodukte..........................................................................................................88
8. Verzeichnis der österreichischen Bio-Vereine im Netzwerk von BIO AUSTRIA .................................91
9. Abkürzungsverzeichnis............................................................................................................................93
Kennzeichnungshinweise
Zeichenerklärung der Abkürzungen sind schwarz gedruckt und folgendermaßen gekennzeichnet:
EU: Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates vom 28. Juni 2007 über die biologische Produktion
und die Kennzeichnung von biologischen Erzeugnissen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG)
Nr. 2092/91
Verordnung (EG) Nr. 889/2008 der Kommission vom 5. September 2008 mit Durchführungsvorschriften
zur Verordnung 834/2007 des Rates über die biologische Produktion und die
Kennzeichnung von biologischen Erzeugnissen hinsichtlich der biologischen Produktion,
Kennzeichnung und Kontrolle i.d.g.F
CO: Kapitel A8, des Österreichischen Lebensmittelbuches (Codex Alimentarius Austriacus) über
landwirtschaftliche Produkte aus biologischem Landbau und daraus hergestellte Folgeprodukte
CC: Gesetzliche Vorgaben (wie z.B. Vorgaben des Nitrat-Aktionsprogrammes) innerhalb der Cross-
Compliance-Maßnahmen im Rahmen der GAP-Reform, gültig mit 1. Jänner 2005
TS: Das österreichische Tierschutzgesetz BGBl. I 118/2004 bzw. dessen Verordnungen BGBI. II
485/2004
LG: Lebensmittelgesetz inkl. einschlägiger Verordnungen
BA: Die grün geschriebenen Textteile sind Richtlinien des Vereines BIO AUSTRIA, die über die
gesetzlichen Vorschriften hinausgehen
Diese Richtlinien wurden bei der Delegiertenversammlung am 30. November 2010 beschlossen.


1. Allgemeine Bestimmungen


1.1 Verbindlichkeit


Die vorliegenden Richtlinien sind im gesamten Betrieb anzuwenden. Jeder Mitgliedsbetrieb
verpflichtet sich sowohl zur Einhaltung der entsprechenden allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen
als auch zur Einhaltung nachfolgender Vorschriften. Die gesetzlichen Bestimmungen
für den Biolandbau sind in Österreich:
• Die EU-Verordnungen 834/2007 und 889/2008 einschließlich ihrer Änderungen
• Kapitel A8 des österreichischen Lebensmittelbuches (Codex) in der jeweils gültigen
Fassung (Sachverständigengutachten)
• Im vorliegenden Richtlinienheft sind die oben genannten gesetzlichen Bestimmungen
ergänzt um sonstige landwirtschaftlich relevante Rechtsmaterien (österr. Tierschutzgesetz,
Wasserrechtsgesetz etc.) und als solche gekennzeichnet (Stand Februar 2010).


1.2 Anerkennung als BIO AUSTRIA-Betrieb


1.2.1 Voraussetzungen

Voraussetzung für die Anerkennung als BIO AUSTRIA-Betrieb ist die Umstellung des gesamten
Betriebes.
Ein Gesamtbetrieb liegt auch dann vor, wenn
• ein Betriebsleiter mehrere Betriebe (Haupt- und Nebenbetriebe) als wirtschaftliche Einheit
bewirtschaftet oder
• Betriebe von Partnern (verwandtschaftlich oder gesellschaftsrechtlich) gemeinsam als
wirtschaftliche Einheit bewirtschaftet werden (d.h. gemeinsame Nutzung von Gebäuden,
Arbeitskräften, Maschinen etc.), auch wenn sie rechtlich getrennt sind.
In diesen Fällen müssen alle Betriebe biologisch bewirtschaftet werden.

Für Betriebe mit Dauer- oder Spezialkulturen gibt es zeitlich befristete Ausnahmen, die bei
BIO AUSTRIA zu beantragen sind. Je nach Art der Kulturen und deren örtlicher Anordnung ist
von der Kontrollstelle in Zusammenarbeit mit BIO AUSTRIA ein Maßnahmenpaket zu erstellen,
um die höheren Risken (z.B. Abdrift, Sortenverwechslungen, Abstände bei ähnlichen
Kulturen, Lagerbedingungen, Warenfluss u. ä.) wirksam abzusichern.

Längerfristige Umstellungspläne (bei Dauerkulturen) bedürfen ebenfalls der Zustimmung von
BIO AUSTRIA. Dabei muss die gesamte Kultur innerhalb von maximal fünf Jahren gemäß
Umstellungsplan schrittweise umgestellt werden.

Als weitere Ausnahmen dürfen die Betriebszweige Imkerei und Fischhaltung noch konventionell
geführt werden. Die Richtlinien zur Biologischen Fischhaltung finden Sie im Kapitel 5.1,
jene für die Biologische Bienenhaltung im Kapitel 5.2 dieser Broschüre.

1.2.2 Kontrollstellen

Eine Mitgliedschaft bei BIO AUSTRIA wird mit Unterzeichnung einer Beitrittserklärung erworben.
Es besteht ein Kontrollvertrag mit einer Kontrollstelle, die mit BIO AUSTRIA einen
aufrechten Kooperationsvertrag hat.
BIO AUSTRIA führt eine Liste dieser Kontrollfirmen – siehe Punkt 1.4 dieser Richtlinien.

1.2.3 Umstellungskurs

Der Betriebsleiter/Die Betriebsleiterin oder eine dauerhaft und maßgeblich in die Bewirtschaftung
eingebundene Person muss die notwendigen Fähigkeiten (schul- bzw.
kursmäßige Ausbildung oder praktische Berufserfahrung) besitzen.

Als Mindestnachweis gilt neben der schon vorher erworbenen landwirtschaftlichen Ausbildung
und Berufserfahrung der erfolgreiche Besuch eines Umstellungskurses für den
biologischen Landbau bis zum 31. Mai des ersten Verpflichtungsjahres (Mindestdauer 15
Stunden, davon maximal fünf Stunden in Form von Exkursionen).

1.2.4 Arbeitsgruppe
Der Betriebsleiter muss einer Arbeitsgruppe des Vereines durch regelmäßige Teilnahme
angeschlossen sein.

1.2.5 Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise

Die Umstellungszeit der Flächen beträgt mindestens zwei Jahre, bei Dauerkulturen (außer
Grünland und mehrjährigen Futterkulturen) 36 Monate ab Unterzeichnung des Kontrollvertrages.
Alle Produkte, die nach Ablauf der ersten 12 Monate Umstellungszeit geerntet
werden, gelten als Umstellungsprodukte. Für pflanzliche Produkte, die nur aus einer Zutat
bestehen (Monoprodukte), ist der Umstellungshinweis „Erzeugnis aus der Umstellung auf die
biologische Landwirtschaft“ möglich. Der erste Anbau (Acker) oder die Nutzung 24 Monate
(Grünland) bzw. bei Dauerkulturen 36 Monate nach Umstellungsbeginn gilt als anerkannte
Bio-Ware. Der Umstellungszeitraum bei Weideland und Auslaufflächen für andere Tierarten
als Pflanzenfresser beträgt 12 Monate. In begründeten Fällen kann die Umstellungszeit
verlängert oder nach Antrag auch verkürzt werden.

1.2.5.1 Betriebe mit Tierhaltung bei gleichzeitiger Umstellung der gesamten Betriebseinheit

Tierische Produkte gelten, unter der Voraussetzung, dass alle notwendigen
Umbaumaßnahmen für die Tierhaltung abgeschlossen sind, 24 Monate nach
Kontrollvertragsabschluss als Bio-Produkte. Sollten während dieser Umstellungszeit
Tiere zugekauft werden, so beginnt für diese Tiere mit dem Zukaufsdatum eine
individuelle Umstellungszeit. Die genauen Umstellungsfristen sind unter Punkt
3.1.3.8 dieser Richtlinien zu finden. Ein Umstellungshinweis für tierische Produkte
ist nicht möglich.

1.2.5.2 Verkürzung der Umstellungszeit

Gemäß Runderlass ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Verkürzung der
Umstellungszeit bei den Flächen möglich. Es gibt folgende Varianten:
Mindestens zwei Jahre Teilnahme an ÖPUL-Maßnahmen „Verzicht auf ertragssteigernde
Betriebsmittel“.
Die betroffenen Grünland- und Ackerflächen befinden sich seit mindestens
24 Monaten vor Umstellungsbeginn (Kontrollvertragsdatum) in den ÖPUL-Maßnahmen
„Verzicht auf ertragssteigernde Betriebsmittel auf Ackerfutter- und
Grünlandflächen bzw. Ackerflächen“. Zusätzlich muss nachgewiesen werden, dass
in diesem Zeitraum
• keine Einzelpflanzenbekämpfung (z.B. Ampferpunktbekämpfung) mit im Bio-
Landbau verbotenen Mitteln,
• kein mit im Bio-Landbau verbotenen Mitteln gebeiztes Saatgut und
• auf Grünlandflächen keine im Bio-Landbau verbotenen Phosphormineraldünger
eingesetzt wurden.
Unter diesen Voraussetzungen kann die Umstellungszeit auf 12 Monate gekürzt
werden.
Mindestens drei Jahre Teilnahme an ÖPUL-Maßnahmen „Verzicht auf ertragssteigernde
Betriebsmittel“.
Die betroffenen Grünland- und Ackerflächen befinden sich seit mindestens
36 Monaten vor Umstellungsbeginn (Kontrollvertragsdatum) in den ÖPUL-Maß-
nahmen „Verzicht auf ertragssteigernde Betriebsmittel auf Ackerfutter- und
Grünlandflächen bzw. Ackerflächen“.
Zusätzlich müssen die oben genannten
schriftlichen Nachweise für Chemie- und Düngerverzicht vorgelegt werden. Unter
diesen Bedingungen dauert die Umstellungszeit 12 Monate. Die Erzeugnisse, die
in den letzten 12 Monaten vor Kontrollvertragsunterzeichnung/Flächenzugang geerntet
wurden, gelten als Umstellungsware für die Verfütterung am eigenen
Betrieb. Bei Vermarktung gelten diese Ernten als konventionell.
Für beide Varianten gilt, dass die erste Nutzung im Grünland beziehungsweise der
erste Anbau im Ackerland nach Unterzeichnung des Kontrollvertrages/nach
Flächenzugang Umstellungsware ist. Die Nutzung (Grünland) bzw. der Anbau
(Acker) ab 12 Monaten nach Unterzeichnung des Kontrollvertrages/nach Flächenzugang
gilt als anerkannte Bio-Ware.


Mindestens drei Jahre Teilnahme an den ÖPUL-Maßnahmen
„Bewirtschaftung von Bergmähdern“, „Alpung und Behirtung“ oder „Bewirtschaftung
von besonders auswaschungsgefährdeten Ackerflächen“ bzw. Vertragsnaturschutzflächen,
auf denen keine im Bio-Landbau verbotenen Dünge- und Pflanzenschutzmittel
eingesetzt werden dürfen.
Diese Flächen können sofort nach Abschluss des Kontrollvertrages/Flächenzugang anerkannt werden. Die Erzeugnisse,
die in den letzten 12 Monaten vor Kontrollvertragsunterzeichnung/Flächenzugang
geerntet wurden, gelten als Umstellungsware für die Verfütterung am eigenen
Betrieb. Bei Vermarktung gelten diese Ernten als konventionell. Die erste Nutzung
im Grünland beziehungsweise der erste Anbau im Ackerland nach Unterzeichnung
des Kontrollvertrages/Flächenzuganges ist anerkannte Bio-Ware.

Mindestens ein Jahr Teilnahme an ÖPUL-Maßnahmen,
welche sicherstellen, dass keine im Bio-Landbau verbotenen Dünge- und Pflanzenschutzmittel
eingesetzt wurden (Maßnahmen sind oben angeführt). Die Umstellungszeit
von Flächen, die als Weideland und Auslaufflächen für andere
Tierarten als Pflanzenfresser (z.B. Hühner) genutzt werden, kann nach Einhaltung
der oben genannten Bedingungen auf sechs Monate verkürzt werden.
Anerkennung von Tieren und tierischen Erzeugnissen.

Die Umstellungsfristen für die Tiere in Betrieben, die eine Umstellungsverkürzung
beanspruchen, beginnen frühestens ab Kontrollvertragsabschluss, wenn sowohl
die Fütterung als auch alle anderen Richtlinien (z.B. Haltungsbestimmungen)
vollständig eingehalten werden. Nach Ablauf der Umstellungsfristen für die Tiere
und der entsprechenden Zertifizierung können anerkannt tierische Bio-Produkte
vermarktet werden. Die genauen Fristen sind unter Punkt 3.1.3.8 dieser Richtlinien
zu finden.

1.2.6 Zupacht und Zukauf

Die Zupachtung oder der Zukauf von landwirtschaftlichen Nutzflächen ist der Kontrollstelle
unverzüglich (innerhalb von 14 Tagen) zu melden. Auf neu hinzugekommenen Flächen, die
sich im konventionellen Status bzw. in der Umstellungszeit befinden, dürfen keine Pflanzen
derselben Art angebaut werden wie auf den bereits anerkannten Flächen.
Eine Verkürzung der Umstellungszeit ist unter gewissen Voraussetzungen möglich – siehe
Punkt 1.2.5.2.

Bei Zupachtung oder Zukauf von Flächen mit Dauerkulturen gelten folgende Bedingungen,
sofern die gleichen Kulturen am Bio-Betrieb bereits vorhanden sind:
• Die Erzeugung erfolgt im Rahmen eines Umstellungsplanes durch die Fachberatung, zu
dessen Erstellung sich der Erzeuger verpflichtet. Die Umsetzung wird im Rahmen der Bio-
Kontrolle überprüft.

• Es werden geeignete Vorkehrungen getroffen, dass die Erzeugnisse von den Umstellungsflächen
stets von den Erzeugnissen aus anerkannter Produktion getrennt
gehalten werden.
• Die Kontrollstelle ist von der Ernte der betreffenden Erzeugnisse mindestens 48 Stunden
im Voraus zu informieren.
• Unmittelbar nach Abschluss der Ernte informiert der Erzeuger die Kontrollstelle über das
genaue Ernteaufkommen der betreffenden Einheit und über alle Maßnahmen, die eine
Identifizierung des Erntegutes ermöglichen.
• Der Umstellungsplan und die Maßnahmen zur Trennung der Erzeugnisse sind von der
Kontrollstelle genehmigt.

1.2.7 Aussetzung der Anerkennung

Ausnahmen von den BIO AUSTRIA-Produktionsvorschriften, insbesondere während der
Umstellungszeit und in außergewöhnlichen Situationen (z.B. Katastrophenfälle) bedürfen der
Genehmigung von BIO AUSTRIA. Diese hat auch zu entscheiden, wie lange in einem solchen
Fall die Produkte des Betriebes nicht mehr unter den in diesen Produktionsvorschriften
genannten Bezeichnungen verkauft werden dürfen.

1.3 Kontrollwesen

Das Inverkehrbringen von Produkten aus biologischem Landbau ist durch die EU-Verordnungen
834/2007 und 889/2008 einschließlich ihrer Änderungen und im Rahmen des
Österreichischen Lebensmittelbuches Kap. A8 (Codex) geregelt.
Den Lebensmittelbehörden und den von ihnen zugelassenen Kontrollstellen obliegt aufgrund
dieser Regelungen eine Kontrollpflicht von Betrieben und Produkten. Neben der gesetzlich
vorgesehenen Kontrolle wird die Einhaltung der BIO AUSTRIA-Richtlinien durch den Verein
selbst oder durch die von BIO AUSTRIA beauftragten Kontrollstellen überprüft.

1.3.1 Aufzeichnungen

Gute Aufzeichnungen sind der Schlüssel für eine reibungslose Kontrolle und Ausdruck einer
geordneten Betriebsführung. Neben einer einmaligen Beschreibung der Betriebseinheit (Lagepläne
Betriebsgebäude, Flächen) sind laufend über alle Zu- und Abgänge von Betriebsmitteln
(Saatgut, Dünge-, Pflanzenschutz- und Futtermittel), die Fruchtfolge, Düngung, Pflanzenschutz,
Bestandesveränderungen bei Tieren, Fütterung, Tierbehandlungen, Vermarktung und
Lagerung sowie Zukauf von Handelsware Aufzeichnungen zu führen. Verwenden Sie dazu als
Hilfestellung das Aufzeichnungsheft der Kontrollstelle. Andere Aufzeichnungssysteme, wie
Tierbestandsverzeichnis etc. werden in der Regel akzeptiert.
Beim Zukauf von Waren muss im Zuge einer Eingangsprüfung genau überprüft werden, ob
der Hinweis auf die biologische Landwirtschaft auf der Ware, der Rechnung oder dem Lieferschein
angebracht ist, ob die gelieferte Ware mit den Angaben auf den Belegen übereinstimmt,
der Verschluss der Verpackung (wenn vorhanden) nicht manipuliert wurde und ein
aktuelles Zertifikat des Lieferanten aufliegt. Rechnung und Lieferschein sollten dabei folgende
Elemente beinhalten: Name und Adresse des Käufers und Verkäufers, Codenummer der Bio-
Kontrollstelle bei Ware von Bio-Betrieben, LFBIS-Nummer, BIO AUSTRIA-Mitgliedsnummer,
vollständige Warenbezeichnung, Status der Ware (Kontrolliert biologische Ware oder Umstellungsware)
und Menge.
Beim Tierzukauf ist auf folgende Angaben am Viehverkehrsschein zu achten: Angaben zum
Verkaufsbetrieb (Status des Betriebes + Kontrollstellencode), Angaben zum Tier (Bio, in
Umstellung seit: …, konventionell) und der Verwendungszweck (Zucht, Mast, Schlachtung)
des zugekauften Tieres.

1.3.2 Kontrollintervall

Die Kontrolle erfolgt mindestens einmal im Jahr und ist in der Regel unangemeldet. Der
Prüfbericht sowie alle Untersuchungs- und Prüfungsergebnisse, schriftlich festgelegte
Empfehlungen und Auflagen der Kontrollorgane (Korrekturmaßnahmen und Sanktionen) über
die durchgeführten Kontrollen sind mindestens sieben Jahre aufzubewahren.

1.3.3 Kontrollorgane

Zur Durchführung der Kontrolle hat der Verein das Recht, durch seine Organe oder durch beauftragte
Kontrollorganisationen und Personen
• jederzeit den Betrieb zu überprüfen und dabei sämtliche oben angeführte schriftliche Aufzeichnungen
und Belege (z.B. über den Kauf und die Verwendung von Dünge-, Pflanzenschutz-
und Futtermitteln) zu verlangen;
• die Durchführung von Boden- und Rückstandsuntersuchungen zu veranlassen;
• sonstige ihm als wichtig erscheinende Maßnahmen zur Überprüfung der Lebensmittelqualität
durchzuführen.

1.3.4 Landwirtschaftliche Hilfs- und Betriebsmittel

Unzulässige Betriebsmittel wie z.B. chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel
und verbotene Futtermittel dürfen auf dem Betrieb weder gelagert noch eingesetzt werden.
Landwirtschaftliche Hilfsmittel, die in diesen Richtlinien nicht namentlich genannt sind, dürfen
nur dann verwendet werden, wenn sie im aktuellen Betriebsmittelkatalog angeführt sind oder
vor Anwendung ein Nachweis der Richtlinienkonformität (EU-VO 834/2007 und Richtlinien von
BIO AUSTRIA) erbracht werden kann.

1.3.5 Gentechnik

Der Einsatz von Betriebsmitteln jeglicher Art, die aus oder durch Zuhilfenahme der Gentechnik
hergestellt wurden, ist verboten. Insbesondere gilt, dass GVO und aus oder durch GVO
hergestellte Erzeugnisse nicht als Lebens-, Futter-, Pflanzenschutz-, Düngemittel, Verarbeitungshilfsstoff,
Bodenverbesserer, Saatgut, vegetatives Vermehrungsmaterial, Mikroorganismus
oder Tier in der biologischen Produktion verwendet werden dürfen. Verunreinigungen
mit GVOs werden in BIO AUSTRIA-zertifizierten Mischfuttermitteln bis zu
einem Grenzwert von maximal 0,1 % toleriert.

1.4 Zugelassene Kontrollstellen für die landwirtschaftliche Betriebskontrolle

Austria Bio Garantie GmbH
(ABG)
AT-BIO-301
Standort Enzersfeld
(Ober-, Niederösterreich,
Wien)
Königsbrunnerstraße 8
2202 Enzersfeld
T: +43(0)2262/672 212
F: +43(0)2262/674 143
W: www.abg.at

Austria Bio Garantie GmbH
(ABG)
AT-BIO-301
Standort Lebring
(Burgenland, Steiermark,
Kärnten, Salzburg, Tirol,
Vorarlberg)
Parkring 2
8403 Lebring
T: +43(0)3182/401 01-0
F: +43(0)3182/401 01-4
W: www.abg.at

BIOS - Biokontrollservice
Österreich
AT-BIO-401
Feyregg 39
4552 Wartberg
T +43(0)7587/71 78
F: +43(0)7587/71 78-11
W: www.bios-kontrolle.at

Kontrollservice BIKO Tirol
AT-BIO-701
Wilhelm-Greil-Straße 9
6020 Innsbruck
T: +43(0)5/92 92-31 00
F: +43(0)5/92 92-31 99
W: www.biko.at

Lacon GmbH
AT-BIO-402
Linzerstraße 2
4150 Rohrbach
T: +43(0)7289/40 9 77
F: +43(0)7289/40 9 77-4
W: www.lacon-institut.at

SGS Austria Controll-Co.
GesmbH
AT-BIO-902
Diefenbachgasse 35
1150 Wien
T: +43(0)1/512 25 67-154
F: +43(0)1/512 25 67-9
W: www.at.sgs.com

Salzburger Landwirtschaftliche
Kontrolle GesmbH (SLK)
AT-BIO-501
Maria-Cebotari-Straße 3
5020 Salzburg
T: +43(0)662/649 483
F: +43(0)662/649 483-19
W: www.slk.at


2. Biologischer Pflanzenbau


Die beiden großen Grundprinzipien des biologischen Landbaues sind das Ganzheitsdenken
und der lebendige Boden als Lebensträger der Erde.
Unter Ganzheitsdenken kann das Erkennen des Landbaugeschehens im Zusammenhang mit Erde und Kosmos und deren Beziehungen verstanden werden. Der lebendige, gesunde Boden als Voraussetzung für gesunde Pflanzen,
gesunde Tiere und damit auch für gesunde Lebensmittel im wahrsten Sinne des Wortes,
steht im Mittelpunkt aller Maßnahmen. Diese Grundprinzipien wurden von den Schöpfern der
biologischen Landbaumethoden, Rudolf Steiner und Hans Peter Rusch, festgelegt.


Grundsätze der Humuswirtschaft und Düngung


Der organisch-biologische Landbau ist darauf ausgerichtet, eine gezielte Humuswirtschaft zu
betreiben. Die Zufuhr organischer Substanz muss daher langfristig mindestens die Abbauverluste
decken. Die Düngung hat zum Ziel, die Tätigkeit des Bodenlebens zu fördern.
Die Stickstoffdüngung hat ausschließlich mit organischen Düngern zu erfolgen. Eine
mineralische Ergänzungsdüngung ist in einer Form einzubringen, bei der die Nährstoffe nicht
direkt für die Pflanze verfügbar sind, d.h. sie müssen organisch gebunden und dürfen nicht
wasserlöslich sein.


Aufbereitung von Wirtschaftsdüngern


Wirtschaftseigene und zugekaufte organische Düngemittel werden so aufbereitet, dass sie
das Bodenleben fördern. Dadurch wird Fäulnis vermieden und ein Rotteprozess gefördert. Auf
diesem Weg kann der Humusgehalt erhalten bzw. erhöht werden. Unaufbereiteter Stapelmist,
unvergorene Gülle und unbelüftete Jauche bringen Fäulnis in den Boden und richten sich
gegen die vorher genannten Ziele. Fäulnis muss unter allen Umständen vermieden, Rotte und
Gärprozesse hingegen mit allen Mitteln gefördert werden.


Eine zentrale Stellung im Bio-Landbau haben die Gesteinsmehle (Diabas, Basalt usw.). Gesteinsmehle
fördern die Bildung der Krümelstruktur durch die Verbindung von Tonkristallen mit
Lebendsubstanz, den Aufschluss von Spurenelementen und die pH-Wert-Regulierung. Durch
ihren hohen Quarzanteil verstärken die Steinmehle die Zentralwirkung von Silizium im Bodenbildungsprozess.
Die Steinmehle sind Bodenbildner.


Bei der Handhabung und Anwendung der Wirtschaftsdünger sind Nährstoffverluste über Auswaschung
und Abgasung weitestgehend zu vermeiden, d.h. Wirtschaftsdünger sind ehestmöglich
einem Rotte- oder Vergärungsprozess zuzuführen. Jeder Tag Lagerung vermindert
die Qualität (Dr. Rusch).
Wirtschaftsdüngerzusätze können gemäß dem österreichischen Betriebsmittelkatalog für den
Bio-Landbau verwendet werden.


Bodenbearbeitung und Bodenbedeckung
Die Bodenbearbeitung ist schonend und zurückhaltend durchzuführen. Die Verträglichkeit für
das Bodenleben und die Bodenstruktur ist bei jeder Maßnahme zu bedenken. Es ist Rücksicht
zu nehmen auf die Bodenschichtung, auf die an Zonen gebundenen Arbeitsgebiete von
Bodenbakterien und Bodentieren und auf die Gareprozesse. Daher ist tiefes Pflügen ebenso
zu unterlassen wie jede Bearbeitung des Bodens bei nassem Zustand oder eine zu intensive
Bearbeitung.
Alle diese Maßnahmen schädigen den Humusaufbau und führen zu Nährstoffverlusten,
ebenso ein längeres Offen-Liegenlassen des Bodens. Es ist daher auf Bedeckung in Form
von Zwischensaaten, Gründüngung, oder Mulchschichten zu achten. Organische Stoffe
dürfen nur oberflächlich in den Boden eingearbeitet werden, um giftige Stoffwechselprodukte
durch Fäulnis zu vermeiden.

2.1 Humuswirtschaft und Düngung

Die Verwendung von chemisch-synthetischen Stickstoffdüngern, leicht löslichen Phosphaten
und Düngemitteln mit wertbestimmenden Inhalten in Chlorid-Form (z.B. Kalium-Chlorid) sowie
die Klärschlamm- und Klärschlammkompostausbringung ist verboten.
Die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern (Gülle, Jauche, Frischmist) als Kopfdüngung auf
Beerenobstpflanzen (z.B. Erdbeeren) und Gemüse ist verboten, ausgenommen bei
Beerenkulturen nach der Ernte.


2.1.1 Kompostanwendung in der Landwirtschaft


• Kompost aus organischem Material, das unmittelbar im land- und forstwirtschaftlichen
Betrieb anfällt (Mist und kompostierbares organisches Material),
und anschließend wieder im Bereich des land- und forstwirtschaftlichen Betriebes
einer zulässigen Verwertung zugeführt wird, unterliegt nicht der Kompostverordnung
(KVO) BGBl. II 292/2001 und ihren Qualitätsanforderungen
(Abfallwirtschaftsgesetz, AWG 2002). Die Vorgaben der EU-VO 889/2008
bezüglich Höchstgehalten an Schwermetallen bei Beimengung von
Haushaltsabfällen sind jedenfalls zu beachten (siehe Punkt 2.1.5, kompostierte
und fermentierte Haushaltsabfälle).
• Komposte, die unter Verwendung auch anderer Abfälle (gemäß der Positivliste
von Dünge- und Bodenverbesserungsmittel Punkt 2.1.5 dieser Richtlinie) als
aus land- und forstwirtschaftlichem Ursprung hergestellt wurden, unterliegen
den Bestimmungen der Kompostverordnung und deren Qualitätsklassen.
• Komposte aus Haushaltsabfällen, die auf Bio-Flächen ausgebracht werden,
müssen der Qualitätsklasse A+ samt ihren Anforderungen (Einhaltung Schwermetallgrenzwerte,
seuchenhygienische Unbedenklichkeit, Güteüberwachung
etc.) entsprechen.
• Ausgenommen von den Bestimmungen der KVO sind Komposthersteller, die in
Summe nicht mehr als 150 m3 Kompost pro Jahr inklusive aller Siebreste (ohne
Berücksichtigung der aus dem eigenen Betrieb stammenden Materialien) produzieren,
dieser fast ausschließlich für den Eigenbedarf hergestellt wird und
jedenfalls nicht mehr als 50 m3 mittels Direktabgabe in Verkehr gebracht werden.
Eine Dokumentation der übernommenen Menge an kompostierfähigem
Material und der abgesetzten Menge Kompost ist als Nachweis durchzuführen.
• Die empfohlene Ausbringungsmenge darf für Düngungsmaßnahmen 8 t
Trockenmasse pro ha und Jahr (entspricht ca. 13 t Frischmasse) im fünfjährigen
Durchschnitt nicht überschreiten. Keinesfalls werden aber 170 kg N
pro ha und Jahr – inklusive hofeigenem Dünger – überschritten.
• Qualitätssichernde Maßnahmen lt. KVO BGBl. II 292/2001
Vom Anlagenbetreiber sind einmal jährlich folgende Informationen erforderlich:
• Auflistung aller in der Anlage kompostierten Komponenten.
• Bei tierischem Ausgangsmaterial ist neben der Angabe der Tierart auch die
Haltungsform (Anbindehaltung, Vollspaltenboxen etc.) und die Tierbesatzdichte
des Herkunftbetriebes erforderlich.
• Zur Absicherung der Gentechnikfreiheit ist beim Einsatz von Mais, Raps, Soja,
Kartoffeln und Zuckerrübe und deren Folgeprodukten die österreichische
Herkunft zu bestätigen.
• Bei Einsatz von Haushaltsabfällen ist ein aktueller Prüfbericht vorzulegen:
Mindestuntersuchungshäufigkeit:
Jahresmenge Kompost bis 50 m3: einmalig (5 m3 Mindestbeurteilungsmenge)
50 m3 bis 300 m3: einmal alle drei Jahre (20 m3 Mindestbeurteilungsmenge)
300 m3 bis 1000 m3: einmal alle zwei Jahre (50 m3 Mindestbeurteilungsmenge)
1000 m3 bis 2000 m3: einmal pro Jahr (100 m3 Mindestbeurteilungsmenge)
2000 m3 bis 4000 m3: zweimal pro Jahr (150 m3 Mindestbeurteilungsmenge)


2.1.2 Düngebeschränkungen

2.1.2.1 Ausbringungsverbote
Ein generelles Ausbringungsverbot für stickstoffhältige Düngemittel gilt bei wassergesättigten,
überschwemmten, schneebedeckten oder durchgefrorenen Böden.

2.1.2.2 Verbotszeiträume für die Ausbringung von stickstoffhältigen Düngern:

Verbotszeitraum N-Düngearten Betroffene Flächen/ Kulturen
15. Oktober bis 15. Februar Jauche, Gülle und organische Handelsdünger
mit einer Wirksamkeit wie Gülle und Jauche
Gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche ohne Gründecke


15. November bis 15. Februar
Jauche, Gülle und organische Handelsdünger mit einer Wirksamkeit wie Gülle und Jauche. Gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche mit Gründecke
ACHTUNG: maximal 60 kg Stickstoff ab 1. Oktober bis zum Ausbringungsverbot mittels
Jauche, Gülle und Handelsdünger (mit einer Wirksamkeit wie Gülle und Jauche) 30. November bis 15. Februar
Stallmist und Kompost. Gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche

bis 1. Februar Jede Stickstoffdüngung
Früh anzubauende Kulturen (z.B. Durumweizen, Sommergerste) oder Gründecken mit frühem Stickstoffbedarf (Raps, Wintergerste und Feldgemüse unter Vlies oder Folie)
Eine Düngung zur Strohrotte ist bis spätestens 14. November mit maximal 30 kg
Gesamt-Stickstoff möglich. Bleibt das Stroh auf dem Feld und wird zusätzlich eine Gründeckung angebaut, können in Summe bis zu 60 kg Gesamt-Stickstoff gedüngt werden.

2.1.2.3 Allgemeine Auflagen

• Flüssige Wirtschaftsdünger dürfen nicht auf Ackerflächen in Gewässernähe
ausgebracht werden, die eine Hangneigung von über 10 % aufweisen und auf
denen erfahrungsgemäß eine Abschwemmungsgefahr besteht.
Bei Mais und Zuckerrübenanbau sind folgende Vorkehrungen zu treffen:
- Bestockung über den Winter oder
- Anbau quer zum Hang oder
- Mulchsaat oder
- Schlagteilung oder
- Anlage eines gut bestockten Streifens zwischen Gewässer und Ackerfläche
• Gülle und Jauche dürfen nur auf bedecktem Boden oder unmittelbar vor der
Feldbestellung oder zur Strohrotte bis maximal 30 kg Stickstoff auf nicht
bewachsenem Boden ausgebracht werden.
• Schnell wirksame bzw. leicht lösliche Stickstoffgaben von mehr als 100 kg je
Hektar und Jahr sind zu teilen (Ausnahme: Hackfrüchte und Gemüse auf
Böden mit mehr als 15 % Tongehalt).
• Auf unbedeckten Böden ausgebrachte flüssige Wirtschaftsdünger sollen
innerhalb von vier Stunden, müssen spätestens aber am folgenden Tag
eingearbeitet werden.

2.1.2.4 Stickstoffdüngung entlang von Gewässern:

Bei der Düngung auf landwirtschaftlichen Nutzflächen entlang von Oberflächengewässern ist
• ein direkter Eintrag von Nährstoffen in oberirdische Gewässer durch Einhaltung
eines im Folgenden angeführten Mindestabstandes zwischen dem Rand der
Ausbringungsfläche und der Böschungsoberkante der angrenzenden oberirdischen
Gewässers (= Gewässerrandstreifen) zu vermeiden.
• dafür zu sorgen, dass keine Abschwemmung in oberirdische Gewässer erfolgt.
• wenn eine natürliche Böschungsoberkante nicht eindeutig erkennbar ist, der im
Folgenden angeführte Mindestabstand zwischen dem Rand der Ausbringungsfläche
und der Anschlaglinie des Wasserspiegels bei Mittelwasser zuzüglich
weiterer drei Meter einzuhalten.
Folgende Mindestabstände sind einzuhalten:
Mindestabstand
Stehendes Gewässer Fließendes Gewässer
Hangneigung Regelfall
Exakte
Ausbringung Regelfall
Exakte
Ausbringung
≤ 10 % 20 m 10 m 5 m (3 m*) 2,5 m (1,5 m*)
Grünland
 10 % 20 m 10 m 5 m (3 m*) 5 m (3 m*)
≤ 10 % 20 m 10 m 5 m (3 m*) 2,5 m (1,5m*)
Acker
 10 % 20 m 10 m 10 m 5 m
* wenn Schlag maximal 1 ha groß und maximal 50 m breit oder bei Entwässerungsgraben

2.1.3 Düngereinsatz
Die Fruchtbarkeit und biologische Aktivität des Bodens sind zu erhalten bzw. zu
steigern durch:
- Anbau von Leguminosen, Tiefwurzlern, Zwischenfrüchten, Untersaaten, Mischkulturen
usw. in einer geeigneten weit gestellten Fruchtfolge.
- Einsatz von Wirtschaftsdüngern aus der Bio-Tierhaltung (maximal 170 kg N/ha und
Jahr). Die Aufbereitung von Wirtschaftsdüngern wird zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit
besonders empfohlen.
- Einsatz von organischem Material (gegebenenfalls nach Kompostierung) von Bio-
Betrieben, wie z.B. Stroh, Streu usw.
Andere organische oder mineralische Düngemittel gemäß Punkt 2.1.5 dürfen ausnahmsweise
nur dann ergänzend eingesetzt werden,
- wenn der Nährstoffbedarf der Pflanzen im Rahmen der Fruchtfolge bzw. der Bodenund
Humusaufbau nicht allein mit den vorhin genannten Mitteln sichergestellt
werden kann;
- wenn die Düngemittel unter Einhaltung der in Punkt 2.1.2 festgelegten Beschränkungen
verwendet werden,
- wenn vor jedem Zugang von organischen Düngemitteln eine Genehmigung von BIO
AUSTRIA vorliegt.

2.1.3.1 Zugang organischer Düngemittel und Bodenverbesserer biologischer Herkunft
Beim Zugang organischer Dünger biologischer Herkunft ist die zugekaufte Menge
so zu bemessen, dass die Gesamtstickstoffmenge von 170 kg/ha und Jahr
landwirtschaftliche Nutzfläche – den hofeigenen Dünger mit eingeschlossen – nicht
überschritten wird.
Bei Spezialkulturen (Feldgemüse, geschützte Kulturen, Kürbis, Wein, Obst,
Hopfen, gärtnerische Kulturen, Heil- und Gewürzpflanzen – außer Druschgewürze)
kann diese Begrenzung überschritten werden.
CC
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Biologischer Pflanzenbau
Seite 16 BIO AUSTRIA
Es werden aber keinesfalls mehr als 170 kg N/ha und Jahr aus tierischem Dünger
ausgebracht. Dieser Grenzwert gilt nur für Stallmist, getrockneten Stallmist und
getrockneten Geflügelmist, Kompost aus tierischen Exkrementen, einschließlich
Geflügelmist, kompostiertem Stallmist und flüssigen tierischen Exkrementen. Die
Vorgaben des Wasserrechts sind jedenfalls zu beachten.
Diese Regelung gilt auch für Agrogasgülle aus Bio-Agrogasanlagen.
2.1.3.2 Zugang organischer Düngemittel und Bodenverbesserer konventioneller Herkunft
Beim Zugang organischer Dünger konventioneller Herkunft ist die Menge so zu
bemessen, dass die Gesamtstickstoffmenge von 170 kg/ha landwirtschaftliche
Nutzfläche – den hofeigenen Dünger mit eingeschlossen – nicht überschritten wird.
Die genehmigbare Menge wird je nach Kultur pro ha düngewürdige Fläche und
Jahr berechnet. Berechnungsbasis ist der jahreswirksame Stickstoff (Njw) gemäß
ÖPUL 2007. Die maximal erlaubten Mengen bei den einzelnen Kulturen sowie die
zusätzlichen Regelungen bei Acker- und Grünland:
- Obstbau (Kern- und Steinobst, inkl. Beerenobst): maximal 60 kg Njw,
Holunder maximal 80 kg Njw
- Weinbau: maximal 35 kg Njw
- Heil- und Gewürzkräuter:
Kraut- und Wurzeldrogen: maximal 80 kg Njw
Blütendrogen: maximal 50 kg Njw
- Hopfen: maximal 40 kg Njw bzw. nicht mehr als 90 kg Njw innerhalb von drei
Jahren
- Gemüse: Freilandgemüsebau: maximal 80 kg Njw, im geschützten Anbau nicht
mehr als 170 kg Njw. Diese Regelung ist befristet bis Ende 2013.
- Ackerflächen inklusive Druschgewürze: In der Hauptfruchtfolge am Acker ist ein
Mindestanteil von 20 % Leguminosen enthalten, gerechnet von der Ackerfläche
im Antragsjahr. Als Ackerfläche gelten alle Flächen, die im Mehrfachantrag der
AMA mit den Buchstaben “A” und “AN” bzw. die Gesamtackerfläche im
Nachfolgeantrag der AMA gekennzeichnet sind, außer Feldgemüseflächen,
Kürbis, Heil- und Gewürzpflanzenflächen. Werden 20 % Leguminosen in der
Hauptfruchtfolge nur im Durchschnitt der letzten drei Jahre erreicht, ist
ebenfalls eine Genehmigung möglich. Die erlaubte Menge an organischen
Zugangsdüngern je ha und Jahr beträgt 25 kg Njw.
- Grünland:
Die erlaubte Menge an organischen Zugangsdüngern je ha und Jahr beträgt
25 kg Njw. Folgende Düngemittel sind zulässig:
 Konventioneller Wirtschaftsdünger; gemäß den geltenden Beschränkungen
nur Rinder-, Pferde-, Schaf- und Ziegenmist
 kompostierte und fermentierte Haushaltsabfälle
 kompostiertes und fermentiertes Gemisch aus pflanzlichem Material
2.1.4 Regelung für Agrogasgülle aus gemischten Anlagen.
In gemischten Anlagen werden Rohmaterialien aus biologischer und konventioneller
Landwirtschaft vergoren. Generell gilt, das die Ausbringung von Agrogasgülle
aus diesen Anlagen nur bei nachweislicher Anlieferung von Substraten durch
den Antragsteller genehmigt wird. Für Ackerland muss ein Leguminosenanteil von
mindestens 20 % in der Hauptfruchtfolge des betroffenen Jahres bzw. der letzten
drei Jahre erreicht werden. Die eingesetzten Materialien entsprechen der
BIO AUSTRIA Düngemittelliste (Punkt 2.1.5). Die genehmigbare Menge errechnet
sich aus der Stickstoffmenge, die in Form von Substraten angeliefert wurde,
zuzüglich 25 kg Njw pro ha düngewürdige Fläche und Jahr. Berechnungsbasis ist
der jahreswirksame Stickstoff (Njw) gemäß ÖPUL 2007.
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Biologischer Pflanzenbau
Richtlinien 2010 Seite 17
2.1.4.1 Agrogasgülle aus Anlagen, die vor dem 31.12.2004 die erforderliche Genehmigung
zur Anlagenerrichtung erhalten haben:
a) BIO AUSTRIA-Mitglieder können Agrogasgülle aus diesen Anlagen, bis Ende
2013 zukaufen, wenn:
• der Bio-Anteil am Ausgangsmaterial höher als 70 % ist.
• keine konventionelle Gülle und Jauche und kein konventioneller Schweineund
Geflügelmist vergoren werden.
b) BIO AUSTRIA-Mitglieder, die selbst Gesellschafter (Mindestanteil 3 %) und/
oder Betreiber (bereits vor dem 01.01.2009) von Agrogasanlagen sind, können
bis Ende 2019 Agrogasgülle aus gemischten Anlagen auf ihren Flächen ausbringen,
wenn keine konventionelle Gülle und Jauche und kein konventioneller
Schweine- und Geflügelmist vergoren werden. Ab 2020 muss der Bio-Anteil am
Ausgangsmaterial höher als 70 % sein.
2.1.4.2 Agrogasgülle aus Anlagen, die nach dem 31.12.2004 die erforderliche Genehmigung
zur Anlagenerrichtung erhalten haben:
Eine Genehmigung zur Ausbringung von Agrogasgülle aus diesen Anlagen kann
erfolgen wenn, die Input-Materialien grundsätzlich biologischer Herkunft sind, mit
Ausnahme von:
• Aufwüchse von konventionellen Grünlandflächen
• Aufwüchse von Flächen, die gemäß ÖPUL-Maßnahmen „Verzicht auf ertragssteigernde
Betriebsmittel auf Ackerflächen“ bzw. „Verzicht auf ertragssteigernde
Betriebsmittel auf Ackerfutter- und Grünlandflächen“ bewirtschaftet
werden.
• Konventioneller Mist von Rinder, Pferden, Schafen und Ziegen
2.1.4.3 Qualitätssichernde Maßnahmen
Vom Anlagenbetreiber sind zweimal jährlich folgende Informationen erforderlich:
- Auflistung aller in der Anlage vergorenen Komponenten in t oder m3 mit der
Angabe ob die Komponenten biologischer oder konventioneller Herkunft sind.
- Bei tierischem Ausgangsmaterial ist neben der Angabe der Tierart auch die
Haltungsform (Anbindehaltung, Vollspaltenboxen etc.) und die Tierbesatzdichte
des Herkunftbetriebes erforderlich.
- Zur Absicherung der Gentechnikfreiheit ist beim Einsatz von Mais, Raps, Soja,
Kartoffeln und Zuckerrübe und deren Folgeprodukten die österreichische
Herkunft zu bestätigen.
- Jährlich ist eine Nährstoffuntersuchung (N, P, K, TS etc.) erforderlich.
- Aus hygienischen Gründen erfolgt generell eine dreimonatige Nachlagerung
der Agrogasgülle.
Bei Einsatz von Ausgangsmaterialien der Stoffgruppe 2 und/oder 3 biologischer
Herkunft gemäß „EU-VO Tierische Nebenprodukte 1774/2002“ (z.B. pflanzliche
und tierische Haushaltsabfälle biologischer Herkunft) müssen folgende Parameter
eingehalten werden:
Nährstoffuntersuchung (N, P, K, TS etc.), Schwermetalle und Hygiene (Salmonella
negativ in fünf Proben je 25 g Nasssubstanz)
Untersuchungshäufigkeit:
- weniger als 300 t Co-Substrate der Stoffgruppe 2 und/oder 3 pro Jahr: alle zwei
Jahre eine Untersuchung
- 300 t - 4.000 t Co-Substrate der Gruppe 2 und/oder 3 pro Jahr: jährlich eine
Untersuchung
- mehr als 4.000 t Co-Substrate Gruppe 2 und/oder 3 pro Jahr: jährlich eine und
pro angefangene 4.000 m3 eine weitere Untersuchung.
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Seite 18 BIO AUSTRIA
2.1.5 Dünge- und Bodenverbesserungsmittel
Neben den betriebseigenen Dünge- und Bodenverbesserungsmitteln können folgende
eingesetzt werden:
Bezeichnung
Erzeugnisse, die nachstehende Stoffe
enthalten oder Gemische daraus:
Beschreibung
Anforderung an die Zusammensetzung;
Verwendungsvorschriften
Stallmist
Bei konventioneller Herkunft nur von Rind, Schaf,
Ziege, Pferd
Gemisch aus tierischen Exkrementen und pflanzlichem
Material (Einstreu). Produkt darf nicht aus
industrieller Tierhaltung stammen.1
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
Getrockneter Stallmist
Bei konventioneller Herkunft nur von Rind, Schaf,
Ziege, Pferd)
Produkt darf nicht aus industrieller Tierhaltung
stammen.1
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
Kompost aus tierischen Exkrementen einschließlich
Geflügelmist und kompostierter Stallmist
Bei konventioneller Herkunft nur kompostierter
Stallmist von Rind, Schaf, Ziege, Pferd
Produkt darf nicht aus industrieller Tierhaltung
stammen.1
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
Flüssige tierische Exkremente nur biologischer
Herkunft (Gülle, Jauche …)
Verwendung nach kontrollierter Fermentation
und/oder geeigneter Verdünnung.
Produkt darf nicht aus industrieller Tierhaltung
stammen.1
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
Kompostierte und fermentierte Haushaltsabfälle
Erzeugnis aus getrennt gesammelten Haushaltsabfällen,
gewonnen durch Kompostierung oder
anaerobe Gärung bei der Erzeugung von Agrogas.
Nur pflanzliche und tierische Haushaltsabfälle.
Gewonnen in einem geschlossenen und kontrollierten
von Mitgliedsstaaten zugelassenen
Sammelsystem.
Höchstgehalt der Trockenmasse in mg/kg:
Cadmium 0,7; Kupfer: 70; Nickel: 25; Blei: 45; Zink:
200; Quecksilber: 0,4; Chrom (insgesamt): 70;
Chrom (VI): 0
Die Qualitätssicherungsmaßnahmen von BIO
AUSTRIA zur Kompostierung (siehe Punkt 2.1.1)
bzw. Agrogasgülle (siehe Punkt 2.1.4) sind
einzuhalten.
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
Torf Nur in Substraten bis zu 70 % der Gesamtmenge
zur Jungpflanzenanzucht.
Substrat von Champignonkulturen Zulässige Ausgangssubstrate siehe Kapitel 4.5.
Exkremente von Würmern (Wurmkompost) und
Insekten
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
Guano Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
1 Folgende Haltungssysteme gelten als „industrielle Tierhaltung“:
• Überschreitung der Besatzdichten lt. ÖPUL (2 GVE/ha), unabhängig vom Haltungssystem
• Folgende Haltungsformen sind jedenfalls ausgeschlossen: Vollspaltensysteme, Käfighaltung
(ab 01.01.2009 in Österreich nicht mehr erlaubt! Achtung bei Import!), Geflügelhaltung ohne
Auslauf
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Richtlinien 2010 Seite 19
Kompostiertes oder fermentiertes Gemisch aus
pflanzlichem Material
Erzeugnis aus gemischtem pflanzlichen Material,
gewonnen durch Kompostierung oder anaerobe
Gärung bei der Erzeugung von Agrogas.
Die Qualitätssicherungsmaßnahmen von BIO
AUSTRIA zur Kompostierung (siehe Punkt 2.1.1)
bzw. Agrogasgülle (siehe Punkt 2.1.4) sind
einzuhalten.
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
Nachstehende Produkte oder Nebenprodukte
tierischen Ursprungs:
Haarmehl, Wolle, Walkhaare, Haare und Borsten,
sowie Hornspäne, Hornmehl
Milchprodukte
Nicht eingesetzt werden dürfen: Blut-, Knochen-,
Fisch-, Fleisch- und Federmehl, gemahlene Fellund
Hautteile sowie Fellteile.
Gemäß VO (EG) 1774/2002
Höchstgehalt der Trockenmasse an Chrom (VI):
0 mg/kg
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
Produkte und Nebenprodukte pflanzlichen
Ursprungs für Düngezwecke (z.B. Filterkuchen von
Ölfrüchten, Kakaoschalen, Malzwurzeln usw.)
Nicht eingesetzt werden darf:
konventionelles Kartoffelrestfruchtwasser
Für Erzeugnisse aus Mais, Soja, Kartoffel,
Zuckerrüben und Raps (= sog. kritische Kulturen)
und deren Folgeprodukte ist eine
Zusicherungserklärung zur Einhaltung des
„Gentechnikverbotes“ oder eine Bestätigung, dass
es sich um inländische Ware handelt, notwendig!
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA
erforderlich.
Algen und Algenerzeugnisse Ausschließlich gewonnen durch:
physikalische Behandlung einschl. Trocknen, Gefrieren,
Mahlen; Extraktion mit Wasser oder sauren
und/oder alkalisch wässrigen Lösungen;
Fermentation
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
Sägemehl und Holzschnitt Von Holz, das nach dem Einschlag nicht chemisch
behandelt wurde.
Rindenkompost Von Holz, das nach dem Einschlag nicht chemisch
behandelt wurde.
Holzasche Von Holz, das nach dem Einschlag nicht chemisch
behandelt wurde.
Weicherdiges Rohphosphat Produkt gemäß Anhang I Abschnitt A.2 Nummer 6
der VO (EG) Nr. 2003/2003
Cadmiumgehalt höchstens 75 mg/kg P2O5.
Aluminiumcalciumphosphat Produkt gemäß Anhang I Abschnitt A.2 Nummer 6
der VO (EG) Nr. 2003/2003
Cadmiumgehalt höchstens 75 mg/kg P2O5
Nur auf alkalischen Böden zu verwenden (pH über
7,5).
Schlacken der Eisen- und Stahlbereitung
Nicht eingesetzt werden darf: Thomasphosphat
Produkt gemäß Anhang I Abschnitt A.2, Nummer 1
der VO (EG) Nr. 2003/2003
Kalisalz oder Kainit Vor der Ausbringung ist eine schriftliche Genehmigung
durch die Kontrollstelle erforderlich.
Kaliumsulfat, möglicherweise auch Magnesiumsalz
enthaltend
Aus Kalirohsalz durch physikalische Extraktion gewonnen,
möglicherweise auch Magnesiumsalz
enthaltend.
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Seite 20 BIO AUSTRIA
Schlempe oder Schlempeextrakt Keine Ammoniakschlempe!
Für Erzeugnisse aus Mais, Soja, Kartoffel,
Zuckerrüben und Raps (= sog. Kritische Kulturen)
und deren Folgeprodukte ist eine
Zusicherungserklärung zur Einhaltung des
„Gentechnikverbotes“ oder eine Bestätigung, dass
es sich um inländische Ware handelt, notwendig!
Schriftliche Genehmigung durch BIO AUSTRIA ist
erforderlich.
Calciumcarbonat (z.B. Kreide, Mergel,
Kalksteinmehl, Algenkalk, Phosphatkreide usw.)
Nur natürlichen Ursprungs
Achtung: Mischkalk und Branntkalk verboten!
Calcium- und Magnesiumcarbonat (z.B.
Magnesiumkalk, Magnesiumkalksteinmehl usw.)
Nur natürlichen Ursprungs
Achtung: Mischkalk und Branntkalk verboten!
Magnesiumsulfat (Kieserit) Nur natürlichen Ursprungs
Calciumchloridlösung Zur Blattbehandlung bei Apfelbäumen bei nachgewiesenem
Calciummangel
Calciumsulfat (Gips) Nur natürlichen Ursprungs
Produkt gemäß Anhang ID Nummer 1 der VO (EG)
Nr. 2003/2003
Industriekalk aus der Zuckerherstellung
(Carbokalk)
Nebenprodukt der Zuckerherstellung aus
Zuckerrüben
Industriekalk aus der Siedesalzherstellung Nebenprodukt der Siedesalzherstellung aus Sole,
die bergmännisch gewonnen wird.
Elementarer Schwefel Produkte gemäß Anhang ID.3 Nummer 1 der VO
(EG) Nr. 2003/2003
Spurennährstoffe Mineralische Spurennährstoffe gemäß Anhang I
Abschnitt E der VO (EG) Nr. 2003/2003
Natriumchlorid Ausschließlich Steinsalz
Steinmehl und Tonerde
Eine beispielhafte Liste der erlaubten Düngemittel und deren Bezugsquellen finden Sie im
aktuellen Betriebsmittelkatalog.
2.1.6 Lagerraum für Wirtschaftsdünger
Die Lagerkapazität für Mist, Gülle oder Jauche ist so zu bemessen, dass der Wirtschaftsdünger
nicht in der vegetationslosen Zeit ausgebracht werden muss.
Lagerraum für Wirtschaftsdünger
Grundsätzlich muss ein Betrieb über eine mindestens sechsmonatige Lagerkapazität für
Gülle, Jauche bzw. Festmist verfügen.
Ausnahmen:
- Betriebe unter 30 DGVE und Festmistsystem: Lagerkapazität für drei Monate reicht, wenn
Feldmieten angelegt werden.
- Betriebe unter 30 DGVE: falls nach dem 01.01.2009 in Lagerraum investiert wurde, gilt
eine Übergangsfrist bis 31.12.2010.
- Wenn der Wirtschaftsdünger über Betriebskooperationen, Güllebanken, Agrogasanlagen
etc. nachweislich umweltgerecht verwertet wird, muss die Lagerkapazität für mindestens
zwei Monate ausreichen.
Anlage von Feldmieten
Folgende Bestimmungen sind einzuhalten:
- Die Verbringung des Stallmistes vom Hof darf frühestens nach drei Monaten erfolgen.
- Zu Oberflächengewässern und Entwässerungsgräben muss ein Mindestabstand von 25 m
eingehalten werden.
- Die Lagerung erfolgt auf möglichst flachen, nicht sandigen Böden.
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CC
Biologischer Pflanzenbau
Richtlinien 2010 Seite 21
- Sickersaft der Feldmieten darf nicht in Oberflächengewässer oder Entwässerungsgräben
abfließen.
- Der Grundwasserspiegel muss sich durchschnittlich mindestens einen Meter unter der
Geländeoberkante befinden.
- Der Standort der Feldmiete muss einmal jährlich geräumt und gewechselt werden.
- Auf staunassen Böden dürfen keine Feldmieten angelegt werden.
- Der Reinstickstoffgehalt im zwischengelagerten Stallmist darf insgesamt nicht jene Menge
an Reinstickstoff übersteigen, die auf der betroffenen Lagerfläche (landw. Nutzfläche)
gemäß Wasserrecht maximal ausgebracht werden darf.
2.2 Fruchtfolge, Saatgut und Sortenwahl
2.2.1 Fruchtfolge und Sortenwahl
Es müssen für den Anbau Arten und Sorten verwendet werden, die dem Standort angepasst
und möglichst vital und widerstandsfähig sind. Wenn möglich sollten nicht-hybride Sorten
verwendet werden, um die genetische Vielfalt unserer Kulturpflanzen zu erhalten.
Die Verwendung von CMS (cytoplasmatische männliche Sterilität) -Hybriden, die aus
Protoplasten- oder Cytoplastenfusion hervorgegangen sind, ist im Gemüsebau nicht zulässig.
2.2.2 Saatgut, vegetatives Vermehrungsmaterial und Jungpflanzen
Es darf nur Saatgut und vegetatives Vermehrungsmaterial verwendet werden, das gemäß den
Richtlinien der biologischen Landwirtschaft erzeugt wurde. Die in Bio-Qualität erhältlichen
Sorten finden Sie in der rechtlich verbindlichen Saatgutdatenbank der Agentur für Gesundheit
und Ernährungssicherheit kurz AGES unter www.ages.at. Wenn am Markt kein entsprechendes
biologisches Saatgut oder Pflanzkartoffeln erhältlich sind, muss vor dem Anbau eine
Genehmigung zur Aussaat von konventionell unbehandeltem Saatgut bei der Kontrollstelle
eingeholt werden.
Gemüsesaatgut und vegetatives Vermehrungsmaterial (Steckzwiebeln, Rebsetzlinge,
Erdbeeren, Jungbäume und -stauden): Können der Kontrollstelle ausreichend Nachweise
erbracht werden, dass von der entsprechenden Sorte kein biologisch erzeugtes
Vermehrungsmaterial verfügbar ist, kann konventionelles, unbehandeltes
Vermehrungsmaterial verwendet werden.
Jungpflanzen: Es dürfen nur Jungpflanzen verwendet werden, die biologisch erzeugt wurden.
Dies betrifft auch alle Gemüsejungpflanzen.
Dauerwiesen- und Wechselwiesenmischungen: Beim Zukauf von fertig gemischten konventionellen
Dauerwiesen- und Wechselwiesenmischungen ist kein Ansuchen an die Kontrollstelle
nötig, da hier noch kein ausreichendes Angebot zur Verfügung steht.
2.3 Pflanzenschutz
2.3.1 Vorbeugender Gesundheitsschutz
Zum Schutz der Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen dienen neben den direkten Maßnahmen
vor allem solche des vorbeugenden Gesundheitsschutzes.
Letzteren ist besonderes Augenmerk zu schenken.
Sie umfassen:
• Geeignete Arten- und Sortenwahl
• Förderung der Bodengesundheit
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EU
Biologischer Pflanzenbau
Seite 22 BIO AUSTRIA
• harmonische Ernährung der Pflanzen
• geeignete Anbau- und Kulturmethoden wie Fruchtfolge, Mischkultur, Gründüngung,
Bodenbearbeitung
• Förderung von Nützlingen durch Erhaltung und Schaffung geeigneter
Lebensbedingungen (Hecken, Nistplätze u. ä.).
2.3.2 Nicht erlaubte Pflanzenschutzmittel
Die Verwendung von naturfremden, chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Wachstumsregulatoren,
Welkemitteln sowie gentechnisch veränderten Organismen (GVO) bzw.
deren Derivaten ist untersagt.
2.3.3 Pflanzenschutzmittel
Es dürfen nur Pflanzenschutz- bzw. Pflanzenhilfsmittel mit den nachfolgend genannten Wirkstoffen
verwendet werden. Dies ist auch bei Mischprodukten zu beachten (keine verbotenen
Komponenten gemäß Anhang II der VO (EG) 889/2008 und BIO AUSTRIA-Richtlinie).
Zur Anwendung der nachfolgend angeführten Wirkstoffe bedarf es der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln
gemäß österreichischen Pflanzenschutzmittelgesetz (PMG 1997).
Auf Grund des Agrarrechtsänderungsgesetzes 2002 (BGBl. I Nr. 110/2002) gelten auch die in
Deutschland und den Niederlanden zugelassenen Pflanzenschutzmittel als in Österreich zugelassen.
Diese müssen vor Inverkehrbringung der AGES gemeldet worden sein.
Eine Liste der in Österreich registrierten Pflanzenschutzmittel für den biologischen Anbau
samt den entsprechenden Indikationen (Schadorganismus, Kultur, Anwendungsbereich) und
Bezugsquellen finden Sie im aktuellen Betriebsmittelkatalog. Sollten andere
Pflanzenschutzmittel als die im Betriebsmittelkatalog gelisteten eingesetzt werden, so muss
dies mit der Bio-Kontrollstelle abgeklärt werden.
Der Einsatz dieser Mittel darf nur gemäß den spezifischen Rechtsvorschriften für Pflanzenschutzmittel
in Österreich erfolgen.
Die nachfolgend genannten Wirkstoffe dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn mit den
Maßnahmen aus 2.3.1 kein Auslangen gefunden werden kann. Jeder Einsatz eines
Pflanzenschutzmittels muss aufgezeichnet werden, die Aufzeichnungen müssen bei der Bio-
Kontrolle vorliegen.
Wirkstoff Anwendung, Hinweise
Pflanzliche und tierische Substanzen
Azadirachtin aus Azadirachta indica (Neembaum) Insektizid
Bienenwachs Einsatz beim Baumschnitt
Hydrolisiertes Eiweiß Lockmittel, nur in zugelassenen Anwendungen in
Verbindung mit anderen geeigneten Erzeugnissen
dieser Liste
Lecithin Fungizid
Pflanzenöle (z.B. Minzöl, Kienöl, Kümmelöl) Insektizid, Akarizid, Fungizid, Keimhemmstoff
Pyrethrine aus Chrysanthemum cinerariaefolium Insektizid
Quassia aus Quassia amara Insektizid und Repellent
Rotenon aus Derris spp. Lonchocarpus spp. und
Therphrosia spp.
Insektizid
Für BIO AUSTRIA-Betriebe nicht zulässig: Gelatine (Insektizid)
Mikroorganismen zur biologischen Schädlings- und Krankheitsbekämpfung
Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze)
z.B. Bacillus thuringiensis, Granuloseviren
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BA
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Biologischer Pflanzenbau
Richtlinien 2010 Seite 23
2.3.4 Biologische und biotechnische Pflanzenschutzmaßnahmen
Folgende Maßnahmen können getroffen werden:
• Einsatz natürlicher Feinde von Schadinsekten (Raubmilben, Schlupfwespen und dgl.)
• Insektenfallen, Farbtafeln
• Männchensterilisation
• mechanische Mittel: Schneckenzaun, Kulturschutznetze, Vlies
• Förderung von Nützlingen z.B. durch Nistkästen, Hecken, Büsche, Blütenpflanzen oder
Wasserstellen
Von Mikroorganismen erzeugte Substanzen
Spinosad Insektizid, nur wenn Maßnahmen getroffen
werden, um die Risiken für Hauptparasitoide und
das Risiko einer Resistenzentwicklung möglichst
gering zu halten.
Die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit ist zu
verdoppeln.
Substanzen, die nur in Fallen und/oder Spendern verwendet werden dürfen
Diammoniumphosphat Lockmittel
Pheromone Lockstoffe, sexuelle Verwirrmethode
Für BIO AUSTRIA-Betriebe nicht zulässig: Pyrethroide (Deltamethrin und Lambda-
Cyhalothrin)
Präparate, die zwischen den Kulturpflanzen flächig ausgestreut werden
Eisen-(III)-Phosphat (Eisen-(III)-Orthophosphat) Molluskizid
Andere Substanzen, die traditionell im ökologischen Landbau verwendet werden
Kupfer in Form von Kupferhydroxid,
Kupferoxichlorid, (dreibasischem) Kupfersulfat,
Kupferoxid, Kupferoktanoat
Fungizid
bei Ackerkulturen maximal 2 kg
Reinkupfer/ha/Jahr;
bei Obst: maximal 3 kg
bei Wein: maximal 3 kg
bei Hopfen: maximal 4 kg
mehr nur nach Genehmigung durch BIO AUSTRIA
Kaliseife (Schmierseife) Insektizid
Kalialaun (Kalinit) Verzögerung der Reifung der Bananen
Schwefelkalk (Calciumpolysulfid) Insektizid, Fungizid, Akarizid
Paraffinöl Insektizid, Akarizid
Mineralöle Insektizid, Fungizid, nur bei Obstbäumen, Reben,
Olivenbäumen und tropischen Kulturen (z.B.
Bananen)
Kaliumpermanganat Fungizid, Bakterizid; bei Obstbäumen,
Olivenbäumen und Reben
Quarzsand Repellent
Schwefel Fungizid, Akarizid, Repellent
Ethylen Ethylen zur Keimverhinderung bei Kartoffeln und
Zwiebeln
Andere Substanzen
Kalziumhydroxid Fungizid; nur bei Obstbäumen, einschließlich Obstbaumschulen,
zur Bekämpfung des Nectria
galligena.
Potassiumbicarbonat Fungizid
EU/
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Seite 24 BIO AUSTRIA
2.3.5 Pflanzenhilfsmittel
Folgende Pflanzenhilfsmittel (Pflanzenstärkungsmittel) können eingesetzt werden:
• Algen- und Gesteinsmehle
• Bentonit (Tonerde)
• Kräuterauszüge, Kräuterjauchen und Tees (Brennessel, Schachtelhalm, Rainfarn, Farnkraut,
Zwiebel, Meerrettich und dgl.).
• Kompostextrakte
• Kombinationen der vorher genannten Präparate
Die BIO AUSTRIA-Fachberatung bietet eine Liste von Pflanzenhilfsmitteln, deren Wirkung
durch positive Erfahrungen aus der Praxis belegt ist (www.bio-austria.at). Verboten sind
Produkte, deren GVO-Freiheit nicht sichergestellt werden kann. Eine Liste der in Österreich
registrierten Pflanzenhilfsmittel für den biologischen Anbau samt den entsprechenden
Indikationen (Schadorganismus, Kultur, Anwendungsbereich) und Bezugsquellen finden Sie
im aktuellen Betriebsmittelkatalog. Sollten andere Pflanzenhilfsmittel als die im Betriebsmittelkatalog
gelisteten eingesetzt werden, so muss ein Ansuchen an die Bio-Kontrollstelle
gestellt werden.
2.4 Unkrautregulierung
Die Unkrautregulierung hat auf folgende Weise zu erfolgen:
• Pflanzenbauliche Kulturmaßnahmen: Fruchtfolge, Humusaufbau, Untersaat, Zwischenfrüchte,
Bodenbelebung
• Mechanische Maßnahmen: Striegeln, Hacken, Bürsten, Mulchfolien oder Vliese
• Abflammen
Die Verwendung von Herbiziden ist untersagt.
2.5 Lagerhaltung
Die Lagerräume sind so zu gestalten, dass bei den Lebensmitteln keine Geschmacks- oder
Geruchsverfälschung auftritt und Verderbnis möglichst eingeschränkt ist. Das Umfeld des
Lagers ist in einem hygienisch sauberen Zustand zu halten.
Eine Nass-Reinigung der Lagerstelle/Silozelle vor einer Neueinlagerung wird empfohlen.
Zulässige Reinigungs- und Desinfektionsmittel sind in Punkt 2.6 angeführt.
Staub in Lagerstellen stellt ein erhöhtes Risiko in Bezug auf Pflanzenschutzmittelrückstände
aus der Zeit vor der Umstellung dar und fördert die Entwicklung von Lagerschädlingen.
Die Lagerung der Lebensmittel ist so zu gestalten, dass keine Lagerschädlinge (Insekten,
Nager- und Vögel) eindringen können (z.B. Vogelschutzgitter bei Fenstern) oder Witterungseinflüsse
das Lagergut beeinträchtigen können. Das gelagerte Gut wird regelmäßig kontrolliert
und der Lagerraum sauber gehalten.
Die Lagerbehandlung des Erntegutes mit chemischen Lagerschutzmitteln (Insektizide, Fungizide)
ist grundsätzlich verboten. Für den Bio-Landbau zulässige Lager- und Vorratsschutzmittel
bei der pflanzlichen Erzeugung finden Sie in Punkt 2.3.3.
Das Waschen gelagerter Früchte mit chemischen Reinigungsmitteln, das Nachreifen mit
chemischen Substanzen sowie eine ionisierende (= radioaktive) Bestrahlung sind verboten.
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BA
EU
BA
EU
Biologischer Pflanzenbau
Richtlinien 2010 Seite 25
2.6 Reinigung und Desinfektion
Gemäß Runderlass dürfen folgende Wirkstoffe für die Reinigung und Desinfektion von
Gebäuden und Anlagen für die pflanzliche Erzeugung einschließlich der Lagerung in einem
landwirtschaftlichen Betrieb verwendet werden:
• Alkohol
• Chlordioxid
• Gesteinsmehle
• Kali- und Natronseifen
• Kaliumhydroxid
• Branntkalk
• Kalk
• Kalkmilch
• Mechanisch/thermische Behandlungen (z.B. Abflammen)
• Mikroorganismen
• Natriumhydroxid
• Natriumkarbonat
• Natürliche Pflanzenessenzen
• Organische Säuren und deren Salze (Zitronen-, Peressig-, Ameisen-, Milch-, Oxal-, Essigund
Benzoesäure)
• Wasser und Dampf
• Wasserstoffperoxid
Für nichtlandwirtschaftliche Betriebe, die landwirtschaftliche Primärerzeugnisse lagern und
transportieren, stellt die oben angeführte Liste eine Empfehlung dar.
EU
Tierproduktion
Seite 26 BIO AUSTRIA
3. Tierproduktion
3.1 Grundsätzliches
Das Halten von gesunden, von der Veranlagung leistungsfähigen und langlebigen Nutztieren,
die hochwertige Lebensmittel und Dünger liefern, setzt voraus, dass die Tiere möglichst naturund
artgemäß gehalten werden.
3.1.1 Bestandesobergrenzen
Der Tierbestand muss an die landwirtschaftliche Nutzfläche angepasst sein. Auf einem biologisch
wirtschaftenden Betrieb dürfen nur so viele Tiere gehalten werden, dass 170 kg
Stickstoff/ha und Jahr nicht überschritten werden (Umrechnungsschlüssel siehe Punkt 5.5).
3.1.1.1 Düngertausch
Bio-Betriebe mit einem Tierbesatz, aus dem sich ein Stickstoffaufkommen von über
170 kg Stickstoff/ha und Jahr ergibt, können mit anderen Bio-Betrieben eine
vertragliche Zusammenarbeit eingehen (Vereinbarung zum Düngertausch). Die
beteiligten Betriebe dürfen letztendlich insgesamt die 170 kg Stickstoff pro ha LN
und Jahr aus eigener Tierhaltung und aus dem Düngerzukauf nicht überschreiten.
Düngervereinbarungen müssen von BIO AUSTRIA genehmigt werden.
3.1.2 Nachzucht
Die Nachzucht muss aus dem eigenen Betrieb oder von einem anderen biologisch wirtschaftenden
Betrieb stammen. Sind Zukäufe notwendig, so müssen diese nach den Regeln aus
Punkt 3.1.3 erfolgen.
3.1.3 Tierzukauf
Es sind Bio-Tiere zuzukaufen. Jeder Tierzukauf ist aufzuzeichnen. Nachfolgende Ausnahmen
sind bei Nicht-Verfügbarkeit von Tieren aus biologischer Landwirtschaft, unter Berücksichtigung
der individuellen Umstellungszeit siehe Punkt 3.1.3.8, möglich:
3.1.3.1 Katastrophenfälle
In Katastrophenfällen (z.B. Seuche, Brand, …) können konventionelle Tiere für die
Erneuerung oder den Wiederaufbau des Bestandes zugekauft werden, sofern
keine Bio-Tiere verfügbar sind und im Vorhinein eine Genehmigung von der
zuständigen Landesbehörde vorliegt.
3.1.3.2 Rinder
• Kälber für die Mast müssen biologischer Herkunft sein.
• Zuchtkälber können konventioneller Herkunft sein, wenn mit dem Aufbau eines
Bestandes begonnen wird und Tiere aus biologischer Landwirtschaft nicht in
ausreichenden Mengen verfügbar sind. Diese müssen nach dem Absetzen
gemäß den Richtlinien des biologischen Landbaus gehalten werden und dürfen
maximal bis zu einem Alter von sechs Monaten zugekauft werden.
• Konventionelle weibliche Tiere, die noch nicht gekalbt haben, dürfen zur
Bestandeserneuerung jährlich im Umfang von 10 % des Bestandes an Rindern,
die älter als 12 Monate sind, zugekauft werden. Bei Beständen mit weniger als
10 Rindern kann ein Tier pro Jahr zur Erneuerung zugekauft werden. Der Zukauf
aller konventionellen Tiere muss in den Aufzeichnungen festgehalten werden.
Dieser Prozentsatz kann bei einer erheblichen Vergrößerung des Bestandes, bei
Rassenumstellung oder bei Aufbau eines neuen Betriebszweiges (Berechnungsgrundlage
ist hierbei der Bestand an Tieren, die zum Zeitpunkt des
Ansuchens älter als 12 Monate sind) nach Genehmigung durch die zuständige
Landesbehörde auf bis zu 40 % angehoben werden.
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EU
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EU
EU
EU
EU
Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 27
• Weiters kann diese Ausnahme bei gefährdeten Nutztierrassen (mittels Zuchtbuchauszug
oder durch den Zuchtverband zu bestätigen) in Anspruch genommen
werden, wobei in diesem Fall auch ein Zukauf konventioneller Kühe durch
die zuständige Landesbehörde genehmigt werden kann.
• Zuchtstiere dürfen ohne Einschränkung konventioneller Herkunft sein, wenn Bio-
Tiere nicht erhältlich sind.
• Bei Totgeburt oder Verendung von Kälbern (bis zum Alter von sechs Monaten) in
Mutterkuhbetrieben ist das ersatzweise Nachbesetzen von konventionellen
Kälbern zulässig, wenn eine Entsorgungsbestätigung des Tierkörpers von der
Tierkörperverwertung (TKV) vorliegt. Die für die Zucht verwendeten Tiere
erlangen nach der erforderlichen Umstellungszeit Bio-Status. Die für die Mast
verwendeten Tiere erlangen keinesfalls einen Bio-Status und müssen
konventionell vermarktet werden.
3.1.3.3 Schweine
• Ferkel für die Mast müssen biologischer Herkunft sein.
• Konventionelle Ferkel für die Jungsauenaufzucht müssen bei Aufbau eines
Bestandes, wenn Tiere aus biologischer Herkunft nicht ausreichend verfügbar
sind, nach dem Absetzen gemäß den Richtlinien für den biologischen Landbau
gehalten und ein Gewicht von weniger als 35 kg haben.
• Weiters dürfen weibliche Tiere, die noch nicht abgeferkelt haben, zur Bestandeserneuerung
jährlich im Umfang von 20 % des Bestandes an Schweinen, die älter
als sechs Monate sind, zugekauft werden. Bei Beständen mit weniger als fünf
Schweinen kann ein Tier pro Jahr zur Erneuerung zugekauft werden.
Dieser Prozentsatz kann bei einer erheblichen Vergrößerung des Bestandes, bei
Rassenumstellung oder bei Aufbau eines neuen Betriebszweiges (Berechnungsgrundlage
ist hierbei der Bestand an Tieren, die zum Zeitpunkt des Ansuchens
älter als sechs Monate sind) nach Genehmigung durch die zuständige
Landesbehörde auf bis zu 40 % angehoben werden.
• Weiters kann diese Ausnahme bei gefährdeten Nutztierrassen (mittels Zuchtbuchauszug
oder durch den Zuchtverband zu bestätigen) in Anspruch genommen
werden, wobei auch ein Zukauf konventioneller Muttertiere (Zuchtsauen)
durch die zuständige Landesbehörde genehmigt werden kann.
• Zuchteber dürfen ohne Einschränkung konventioneller Herkunft sein, wenn Bio-
Tiere nicht erhältlich sind.
3.1.3.4 Geflügel
Bei Erneuerung oder Wiederaufbau des Bestandes (Rein-Raus-Verfahren) dürfen
konventionelle Kücken bei Legehennen und Geflügel für die Fleischerzeugung,
zugekauft werden, wenn Tiere nachweislich (Bestätigung des Brüters) aus
biologischer Herkunft nicht ausreichend verfügbar sind und die Kücken nicht älter
als drei Tage sind.
Konventionelle Junghennen (nicht älter als 18 Wochen) dürfen nur dann eingestellt
werden, wenn keine biologischen Jungtiere verfügbar sind, die Tiere ab dem
Schlupf mit Bio-Futter gefüttert, die Bio-Bestimmungen zur Krankheitsvorsorge und
tierärztlichen Behandlung eingehalten wurden und die zuständige Landesbehörde
dies genehmigt hat.
EU
EU
EU
Tierproduktion
Seite 28 BIO AUSTRIA
3.1.3.5 Schafe und Ziegen
• Lämmer und Kitze für die Mast müssen biologischer Herkunft sein.
• Zuchtlämmer und Zuchtkitze können konventioneller Herkunft sein, wenn mit
dem Aufbau eines Bestandes begonnen wird und Tiere aus biologischer Landwirtschaft
nicht in ausreichenden Mengen verfügbar sind. Diese müssen nach
dem Absetzen gemäß den Richtlinien des biologischen Landbaues gehalten
werden und dürfen maximal bis zu einem Alter von 60 Tagen zugekauft werden.
• Konventionelle weibliche Tiere, die noch nicht abgelammt oder gekitzt haben,
dürfen zur Bestandeserneuerung jährlich im Umfang von 20 % des Bestandes an
Schafen oder Ziegen, die älter als sechs Monate sind, zugekauft werden. Bei
Beständen mit weniger als fünf Schafen oder Ziegen kann ein Tier pro Jahr zur
Erneuerung zugekauft werden.
Dieser Prozentsatz kann bei einer erheblichen Vergrößerung des Bestandes, bei
Rassenumstellung oder bei Aufbau eines neuen Betriebszweiges (Berechnungsgrundlage
ist hierbei der Bestand an Tieren, die zum Zeitpunkt des Ansuchens
älter als sechs Monate sind) nach Genehmigung durch die zuständige Landesbehörde
auf bis zu 40 % angehoben werden.
• Weiters kann diese Ausnahme bei gefährdeten Nutztierrassen (mittels Zuchtbuchauszug
oder durch den Zuchtverband zu bestätigen) in Anspruch genommen
werden, wobei auch ein Zukauf konventioneller Muttertiere genehmigt
werden kann.
• Widder oder Böcke dürfen ohne Einschränkung konventioneller Herkunft sein,
wenn Bio-Tiere nicht erhältlich sind.
3.1.3.6 Pferde (sofern sie gemäß den Bio-Richtlinien als zertifiziert gelten)
• Fohlen können konventioneller Herkunft sein, wenn mit dem Aufbau eines
Bestandes begonnen wird und Tiere aus biologischer Landwirtschaft nicht in
ausreichenden Mengen verfügbar sind. Diese müssen nach dem Absetzen gemäß
den Richtlinien des biologischen Landbau gehalten werden und dürfen
maximal bis zu einem Alter von sechs Monaten zugekauft werden.
• Konventionelle weibliche Tiere, die noch nicht gefohlt haben, dürfen zur
Bestandeserneuerung jährlich im Umfang von 10 % des Bestandes an Pferden,
die älter als 12 Monate sind, zugekauft werden. Bei Beständen mit weniger als
zehn Pferden kann ein Tier pro Jahr zur Erneuerung zugekauft werden.
Dieser Prozentsatz kann bei einer erheblichen Vergrößerung des Bestandes, bei
Rassenumstellung oder bei Aufbau eines neuen Betriebszweiges (Berechnungsgrundlage
ist hierbei der Bestand an Tieren, die zum Zeitpunkt des Ansuchens
älter als 12 Monate sind) nach Genehmigung durch die zuständige Landesbehörde
auf bis zu 40 % angehoben werden.
• Weiters kann diese Ausnahme bei gefährdeten Nutztierrassen (mittels Zuchtbuchauszug
oder durch den Zuchtverband zu bestätigen) in Anspruch genommen
werden, wobei auch ein Zukauf konventioneller Muttertiere genehmigt
werden kann.
• Zuchthengste dürfen ohne Einschränkung konventioneller Herkunft sein, wenn
Bio-Tiere nicht erhältlich sind.
3.1.3.7 Dam-, Sika-, Muffel- und Rotwild
Die Tiere müssen aus Bio-Betrieben stammen. Folgende Ausnahmen sind
möglich, wenn geeignete Tiere aus biologischer Landwirtschaft nicht zur Verfügung
stehen:
• Beim erstmaligen Bestandsaufbau oder im Rahmen einer erstmaligen Umstellung
einer Produktionseinheit; eine Genehmigung durch die Kontrollstelle ist
erforderlich.
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EU
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 29
• Weibliche Jungtiere dürfen jährlich bis zu einem Umfang von 10 % des Bestandes
an ausgewachsenen Tieren zugekauft werden, wenn Tiere aus biologischer
Landwirtschaft nicht verfügbar sind und eine Genehmigung durch die
Kontrollstelle vorliegt.
Dieser Prozentsatz kann bei einer erheblichen Vergrößerung des Bestandes, bei
Rassenumstellung oder bei Aufbau eines neuen Betriebszweiges nach
Genehmigung durch die zuständige Kontrollstelle auf bis zu 40 % angehoben
werden.
• Männliche Zuchttiere aus konventioneller Tierhaltung dürfen eingestellt werden.
3.1.3.8 Umstellungsfristen
Bei jedem Zukauf konventioneller Tiere müssen folgende Fristen eingehalten werden,
bevor die Tiere bzw. deren Produkte als biologisch deklariert werden dürfen.
Fristen:
- Rinder und Pferde zur Fleischvermarktung: 3/4 ihres Lebens, mindestens
jedoch 12 Monate
- Gatterwild zur Fleischvermarktung: mindestens 12 Monate
- Milchtiere (Milchvermarktung): mindestens 6 Monate.
- kleine Wiederkäuer und Schweine: mindestens 6 Monate (Milch und Fleisch)
- Geflügel zur Fleischerzeugung: 10 Wochen
- Geflügel für die Eiererzeugung: 6 Wochen
3.1.4 Gleichzeitige Umstellung von Tieren und Futterflächen
Die Umstellung der Futterflächen erfolgt wie unter Punkt 1.2.5 beschrieben.
24 Monaten nach Unterzeichnung des Kontrollvertrages können anerkannte tierische
Produkte verkauft werden.
Werden die Fütterungs- und Haltungsbestimmungen bereits vor Ablauf der
24 Monate zur Gänze eingehalten, so können tierische Produkte bereits nach den
Fristen aus 3.1.3.8 als anerkannte Produkte verkauft werden. Ein Teilanerkennungsverfahren
(bei Geflügel, Schwein, Zucht- und Milchvieh) muss bei der
Kontrollstelle beantragt und durchlaufen werden.
3.2 Tierzucht
Die Zucht der landwirtschaftlichen Nutztiere soll auch der Vielfalt der Rassen Raum geben.
BIO AUSTRIA-Betriebe respektieren Leistungsgrenzen in der Milchviehhaltung. Milchviehherden
mit einer durchschnittlichen Milchleistung von über 10.000 kg Milch entsprechen nicht
dem Zuchtziel von BIO AUSTRIA.
In der Milchviehzucht werden Stiere mit einem überdurchschnittlichen Zuchtwert in den
Merkmalen Fitness und Nutzungsdauer (beide größer als 110) eingesetzt und es wird auf
Stiere mit einem sehr hohen Milchkilogramm-Zuchtwert verzichtet.
Gentechnische Eingriffe, Klonen, Embryotransfer sowie der Zukauf von mit diesen Methoden
gezüchteten Tieren sind untersagt.
Zugekaufte Zuchtsauen und eingesetzte Eber müssen gemäß MHS-Test (Malignes Hyperthermie
Syndrom) stress-negativ sein.
3.3 Betreuung
3.3.1 Anforderungen an die Haltung
Tiere in Haltungssystemen, deren Wohlbefinden von der regelmäßigen Versorgung durch den
Menschen abhängig ist, müssen mindestens einmal am Tag kontrolliert werden. Dies gilt auch
für mechanische Anlagen und Geräte, von deren Funktionsfähigkeit das Wohlbefinden der
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Tierproduktion
Seite 30 BIO AUSTRIA
Tiere abhängt. Ist eine sofortige Behebung der Defekte nicht möglich, so sind entsprechende
Maßnahmen zu treffen, um das Wohlbefinden der Tiere zu erhalten. Die Ernährung oder das
Halten von Tieren unter Bedingungen, die zu Anämie führen, ist verboten. Die Zwangsfütterung
ist verboten. Die Haltungspraktiken, einschließlich Besatzdichte und Unterbringung,
müssen den entwicklungsbedingten, physiologischen und ethologischen Bedürfnissen der
Tiere gerecht werden.
3.3.2 Klauenpflege
Die Klauenpflege ist regelmäßig und sachkundig nach Bedarf und Hornzustand durchzuführen.
3.3.3 Verladung, Transport
Zur Sicherung einer optimalen Fleischqualität haben Verladung und Tiertransport vorsichtig
und möglichst ohne Stress für die Tiere zu erfolgen. Es werden daher Verladeeinrichtungen
am landwirtschaftlichen Betrieb empfohlen. Stromstöße zum Antreiben der Tiere sind verboten.
Der Einsatz von Medikamenten zur Beruhigung der Tiere ist verboten. Die
Bestimmungen des Tiertransportgesetzes sind zu beachten.
3.4 Fütterung
3.4.1 Herkunft der Futtermittel
Die Tiere werden grundsätzlich mit hofeigenem und biologischem Futter ernährt. Werden
Futtermittel zugekauft, so stammen diese primär von inländischen BIO AUSTRIA-zertifizierten
Betrieben. Als Bio-Mischfuttermittel dürfen nur Futtermittel zugekauft werden, die im
österreichischen Betriebsmittelkatalog für den biologischen Landbau gelistet sind und dort als
BIO AUSTRIA-zertifiziert ausgewiesen sind. Verunreinigungen mit GVOs werden in BIO
AUSTRIA-zertifizierten Mischfuttermitteln bis zu einem Grenzwert von maximal 0,1 % toleriert.
Vor einem Einsatz von Ergänzungsfuttermitteln (Ergänzung der Vitamin-, Mineral- und Wirkstoffversorgung)
ist festzustellen, ob die Futtermittel der EU-Bio-VO und den BIO AUSTRIARichtlinien
entsprechen. Sollte ein Produkt eingesetzt werden, das nicht im Betriebsmittelkatalog
gelistet ist, ist zuvor bei der Kontrollstelle die Übereinstimmung mit den Bio-Richtlinien
abzuklären. Eine Verschreibung von Ergänzungsfuttermitteln durch den Tierarzt ist nicht
erlaubt.
Ist eine Einfuhr von Futtermitteln (biologisch und konventionell) nach Österreich notwendig, so
ist ein Ansuchen auf Genehmigung bei BIO AUSTRIA zu stellen bzw. eine Anerkennung der
ausländischen Ware gemäß BIO AUSTRIA-Richtlinien nachzuweisen. Die Einfuhr erfolgt erst
nach schriftlicher Genehmigung durch BIO AUSTRIA.
3.4.2 Ausnahmen
Alle Prozentangaben im folgenden Absatz beziehen sich auf den Trockensubstanzanteil der
Futtermittel landwirtschaftlichen Ursprungs und werden jährlich berechnet.
3.4.2.1 Umstellungsfuttermittel
Durchschnittlich dürfen in der Ration bis zu 30 % Umstellungsfuttermittel enthalten
sein. Stammen die Umstellungsfuttermittel vom eigenen Betrieb, so kann dieser
Prozentanteil auf 100 % erhöht werden.
Bis zu 20 % der Futterration dürfen aus der Beweidung bzw. Ernte von Dauergrünland,
Flächen mit mehrjährigen Futterkulturen oder von Eiweißpflanzen im ersten
Umstellungsjahr stammen, wenn diese Flächen Teil des eigenen Betriebes sind
und in den letzten fünf Jahren nicht zu einer Einheit des Bio-Betriebes gehört
haben. Werden sowohl Umstellungsfuttermittel als auch Futtermittel von Flächen
im ersten Umstellungsjahr eingesetzt, so dürfen diese Futtermittel zusammen die
oben angeführten Höchstanteile für Umstellungsfutter nicht überschreiten.
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BA
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 31
3.4.2.2 Konventionelle Futtermittel
Bei Wiederkäuern dürfen keine konventionellen Futtermittel eingesetzt werden.
Konventionelle Futtermittel dürfen bei Monogastriern nur eingesetzt werden, wenn
biologische Futtermittel nicht zur Verfügung stehen.
Monogastrier bzw. „Nicht-Wiederkäuer“:
bis 31.12.2011: 5 % konventionelle Futtermittel, danach 0 % in der Jahresration
Es darf in der Tagesration der Anteil von 25 % konventioneller Futtermittel nicht
überschritten werden.
Folgende konventionelle Futtermittel sind im Rahmen der oben angeführten
Prozentsätze und Fristen erlaubt, sofern sie in biologischer Qualität im Inland als
nicht verfügbar (Bio- oder Umstellungsware) festgelegt worden sind:
Futtermittel-Ausgangserzeugnisse pflanzlichen Ursprungs
Getreide, Körner, deren
Erzeugnisse und
Nebenerzeugnisse
Maiskleber (ausschließlich für Geflügel)
Ölsaaten, Ölfrüchte
deren Erzeugnisse und
Nebenerzeugnisse
Raps*-, Sonnenblumen-, Lein- und Kürbiskuchen
Körnerleguminosen Nur bei Flächenzugang zum eigenen Betrieb als Erntegut
der zugegangenen Flächen
Knollen, Wurzeln, deren
Erzeugnisse und
Nebenerzeugnisse
Zuckerrübenschnitte* (nass oder trocken), Kartoffeleiweiß*
Grünfutter und Raufutter Nur bei Flächenzugang zum eigenen Betrieb als Erntegut
der zugegangenen Flächen:
Luzerne, Klee, Grünfutter, Heu, Silage, Getreidestroh
Andere Pflanzen Melasse* als Bindemittel in Mischfutter,
Kräuter- und Gewürze, Extrakte und Pulver von Pflanzen in
Mischfuttern bis zu einem Ausmaß von 1 % (ausgenommen
Mineral- und Ergänzungsfuttermittel)
* Bei Verwendung von mit einem * gekennzeichneten Futtermittel oder -zusatzstoff
muss entweder vom Händler die inländische Herkunft bestätigt sein oder durch den
Bio-Betrieb eine Zusicherungserklärung zur Einhaltung des Gentechnikverbots für
das betreffende Produkt vom Hersteller eingeholt werden!
3.4.2.3 Futtermittel tierischen Ursprungs
Es sind ausschließlich hier gelistete Futtermittel tierischen Ursprungs zulässig!
Futtermittel-Ausgangserzeugnisse tierischen Ursprungs
Milch und
Milcherzeugnisse
Rohmilch, Milchpulver, Magermilch, Magermilchpulver,
Buttermilch, Buttermilchpulver, Molke, Molkepulver,
teilentzuckertes Molkepulver, Molkeneiweißpulver (durch
physikalische Behandlung extrahiert), Kaseinpulver,
Milchzuckerpulver,
Bio-Topfen, Bio-Sauermilch
Fische, andere
Meerestiere, deren
Erzeugnisse und
Nebenerzeugnisse
Folgende Erzeugnisse zur Verfütterung an forellenartige
Fische: Futtermittel aus biologischer Aquakulturproduktion;
Fischmehl und Fischöl aus Überresten der Verarbeitung von
Fischen aus biologischer Aquakulturproduktion; Fischmehl
und Fischöl und anderen Fischzutaten aus Überresten der
Verarbeitung von Wildfischen für den menschlichen Verzehr
aus nachhaltiger Fischerei
Eier und Eiprodukte Ausschließlich biologischer Herkunft: Zur Verfütterung an
Geflügel, vorzugsweise aus dem eigenen Betrieb.
EU
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EU/
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Tierproduktion
Seite 32 BIO AUSTRIA
3.4.2.4 Notsituationen
Die Behörde kann in Notsituationen (z.B. extreme Witterungsverhältnisse)
auf
einzelnen Betrieben höhere konventionelle Futtermittelanteile als die unter 3.4.2.2
genannten zulassen. Ist aufgrund einer Notsituation der Zukauf von konventionellem
Grundfutter notwendig, ist eine Genehmigung von BIO AUSTRIA
einzuholen.
3.4.3 Andere Futtermittelzusätze
Futtermittel-Ausgangserzeugnisse mineralischen Ursprungs
Es sind eine Reihe von Natrium-, Kalium-, Kalzium-, Phosphor-, Magnesium- und Schwefelverbindungen
erlaubt. Beim Zukauf von Mineralstoff- und Spurenelementmischungen beachten
Sie bitten den aktuellen Betriebsmittelkatalog.
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe
Vitamine* natürlicher Herkunft oder naturidentische synthetische Vitamine, die für
Monogastriden (Nicht-Wiederkäuer) bestimmt sind.
Für Wiederkäuer: naturidentische synthetische Vitamine A, D, E
Spurenelemente Es sind eine Reihe von Eisen-, Jod-, Kobalt-, Kupfer-, Mangan-, Zink-,
Molybdän- und Selenverbindungen erlaubt. Beim Zukauf von
Mineralstoff- und Spurenelementmischungen beachten Sie bitte den
aktuellen Betriebsmittelkatalog.
Mikroorganismen* Alle Mikroorganismen lt. Verordnung 1831/2003 idgF. über Zusatzstoffe
zur Verwendung in der Tierernährung.
Enzyme Für BIO-AUSTRIA-Betriebe nicht zulässig!
Technologische Zusatzstoffe
Konservierungsstoffe
Sorbinsäure, Ameisensäure, Essigsäure, Milchsäure, Propionsäure,
Zitronensäure.
Stoffe mit
antioxidierender
Wirkung
Stark tocopherolhaltige Extrakte natürlichen Ursprungs*
Bindemittel,
Fließhilfsstoffe
Kalziumstearat natürlichen Ursprungs
kolloidales Siliziumdioxid
Kieselgur
Bentonit
Kaolinit-Tone
Natürliche Mischungen von Steatiten und Chlorit
Vermiculit
Sepiolit
Perlit
Behandlungsstoffe
für Silage
Meersalz, Rohes Steinsalz, Molke, Zucker, Zuckerrübenschnitzel*,
Getreidemehl, Melassen*, Enzyme*, Bakterien* und Hefen* (zugelassene
Zusatzstoffe gemäß VO (EG) 1831/2003); Milch-, Ameisen-,
Propion- und Essigsäure nur dann, wenn aufgrund der Witterungsverhältnisse
eine angemessene Gärung nicht möglich ist
Andere Erzeugnisse für die Tiernahrung für alle Tierarten
Bierhefe Saccharomyces cerevisiae*
Saccharomyces carlsbergiensis*
* Bei Verwendung von mit einem * gekennzeichneten Futtermittel oder -zusatzstoff muss
entweder vom Händler die inländische Herkunft bestätigt sein oder durch den Bio-Betrieb
eine Zusicherungserklärung zur Einhaltung des Gentechnikverbots für das betreffende
Produkt vom Hersteller eingeholt werden!
3.4.4 Sonstiges
Der Einsatz von Antibiotika, Kokzidiostatika und anderer Arzneimittel, Wachstumsförderer und
sonstiger Stoffe zur Wachstums- oder Leistungsförderung, von Farbstoffen sowie Harnstoff
und Nicht-Protein-Stickstoffverbindungen als Eiweißersatz ist untersagt.
EU
EU
BA
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 33
3.4.5 Fütterung der Raufutterverzehrer (Rind, Schaf, Ziege, Pferde, Gatterwild)
Raufutter für Wiederkäuer
Die Tagesration beim Wiederkäuer muss zu jeder Zeit aus mindestens 60 % Raufutter bestehen.
In der Rinderfütterung wird die durchschnittliche Kraftfuttermenge eines Betriebes auf
maximal 15 % der Gesamtjahres-Trockenmasseaufnahme festgelegt.
Fütterung junger Raufutterverzehrer (Kälber, Lämmer, Kitze, Pferde)
Kälbern ist ab der zweiten Lebenswoche strukturiertes Raufutter anzubieten. Junge Säugetiere
werden auf Grundlage natürlicher Milch, vorzugsweise Muttermilch, ernährt und dies für
eine Mindestzeit von:
• Rinder und Pferde: 3 Monate
• Schafe und Ziegen: 45 Tage
3.4.6 Schweine- und Geflügelfütterung
Der Tagesration für Schweine und Geflügel ist frisches, getrocknetes oder siliertes Raufutter
beizugeben. Die Ferkelaufzucht erfolgt mit natürlicher Milch, vorzugsweise Muttermilch, für
eine Mindestzeit von 40 Tagen.
3.5 Krankheitsverhütung und -bekämpfung
Unsere Nutztiere sind als unsere Mitgeschöpfe auf eine ausreichende und regelmäßige Betreuung
und Pflege angewiesen. Diese soll daher mit großer Sorgfalt erfolgen, so dass die Bedürfnisse
der Tiere befriedigt sind und bei Erkrankungen, Verletzungen und Schäden
unverzüglich die notwendige Pflege oder veterinärmedizinische Versorgung erfolgen kann.
Kranke oder verletzte Tiere sind diesen besonderen Ansprüchen angemessen und erforderlichenfalls
gesondert unterzubringen. Für die Betreuung der Tiere müssen genügend Betreuungspersonen
vorhanden sein, die über die erforderliche Eignung sowie die notwendigen
Kenntnisse und beruflichen Fähigkeiten verfügen. Erkrankte oder verletzte Tiere werden
unverzüglich versorgt und ggf. in einem Krankenabteil/-box untergebracht.
3.5.1 Erlaubte Methoden
Die Tiergesundheit ist in erster Linie durch vorbeugende Maßnahmen zu sichern. Erkrankt
oder verletzt sich ein Tier, so ist es unverzüglich zu behandeln. Phytotherapeutische und
homöopathische Behandlungen sind Behandlungen mit chemisch-synthetischen Arzneimitteln
vorzuziehen. Die Herstellung von homöopathischen Arzneien und Nosoden ist für Landwirte
nicht erlaubt.
Ist zu erwarten, dass mit den genannten Methoden der Phytotherapie (Pflanzenextrakte,
Pflanzenessenzen) und Homöopathie keine entsprechende therapeutische Wirkung zu erzielen
ist, so können durch den Tierarzt chemisch-synthetische allopathische Tierarzneimittel
und Antibiotika eingesetzt werden. Der vorbeugende Einsatz dieser Arzneimittel ist verboten.
Impfungen sind erlaubt.
3.5.2 Verbotene Mittel
Verboten sind:
• der vorbeugende Einsatz von Kokzidiostatika und anderer künstlicher Wachstums- oder
Leistungsförderer
• Hormone oder ähnliche Stoffe zur Kontrolle der Fortpflanzung (z.B. Brunstsynchronisation),
außer wenn es sich um Behandlungen von Einzeltieren handelt
3.5.3 Wartefristen
Die festgelegten Wartefristen bei chemisch-synthetischen Arzneimitteln sind zu verdoppeln.
Ist keine gesetzliche Wartezeit festgesetzt, beträgt die Wartefrist mindestens 48 Stunden.
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Tierproduktion
Seite 34 BIO AUSTRIA
3.5.4 Anzahl der Behandlungen
Ein Tier darf nicht öfter als dreimal innerhalb eines Jahres mit chemisch-synthetischen
allopathischen Arzneimitteln behandelt werden. Unter Behandlung ist nicht die einmalige
Verabreichung zu verstehen, sondern die Behandlung einer Krankheit von Beginn bis zu ihrer
Ausheilung. Tiere, deren produktiver Lebenszyklus nicht mehr als 12 Monate beträgt (das sind
Tiere, die nicht älter als 12 Monate werden), dürfen nur einmal mit chemisch-synthetischen
allopathischen Arzneimitteln behandelt werden. In einer mehrphasigen Tierproduktion gilt die
jeweilige Produktionsphase als produktiver Lebenszyklus. Daher teilt sich z.B. die Erzeugung
von Mastschweinen in die beiden produktiven Lebenszyklen „Ferkelproduktion“ und „Mast“.
Diese beiden Lebenszyklen können auch innerhalb eines Betriebes durchlaufen werden.
Werden Tiere öfter behandelt, müssen sie konventionell vermarktet werden. Es gibt aber die
Möglichkeit, dass diese Tiere den Umstellungszeitraum (siehe Fristen aus 3.1.3.8) neuerlich
durchlaufen.
Bei der Anzahl der Behandlungen werden nicht berücksichtigt:
• alle Behandlungen gegen Parasiten (dazu zählen auch Kokzidien)
• Impfungen
• von Behörden angeordnete Behandlungen im Rahmen von Seuchentilgungsplänen
• Zootechnische Maßnahmen wie Enthornung, Kastration etc. sowie der damit verbundene
Einsatz von betäubenden/schmerzstillenden Mitteln
3.5.5 Aufzeichnungen
Werden Arzneimittel angewendet, ist die Anwendung im Aufzeichnungsheft folgendermaßen
zu dokumentieren:
• Diagnose
• Medikament einschließlich der Wirkstoffart und Dosierung
• Datum, Dauer und Art der Behandlung
• Gesetzliche Wartefrist sowie die Frist nach der das Tier wieder als Bio-Tier vermarktbar ist
• Name des Tierarztes (Stempel und Unterschrift)
• Genaue Angaben zum Tier bzw. zur Tiergruppe
3.5.6 Kennzeichnung behandelter Tiere
Die behandelten Tiere sind eindeutig zu kennzeichnen. Bei Kleintieren wie Geflügel sollen
Partien oder Gruppen gekennzeichnet werden.
3.5.7 Verbotene Eingriffe
• Der Einsatz von Gummiringen für die Kastration und Amputation von Körperteilen (Nebenzitzen,
Schwanz) ist verboten.
• Vorbeugende und systematische Eingriffe wie z.B. Kupieren des Schwanzes, Abkneifen
der Zähne, Stutzen der Schnäbel, Enthornen u. ä. sind verboten.
Oben genannte Eingriffe können von der zuständigen Landesbehörde aus Sicherheitsgründen,
zur Verbesserung der Gesundheit, aus Tierschutzgründen oder aus Hygienegründen
gestattet werden. Das Leiden der Tiere ist dabei auf ein Minimum zu reduzieren (Schmerzausschaltung).
Die Vorgaben des Tierschutzgesetzes und dessen Verordnungen sind ebenso
einzuhalten.
Zulässige Eingriffe dürfen nur durch einen Tierarzt oder eine sonstige sachkundige Person
durchgeführt werden. Als sachkundige Person in diesem Zusammenhang gilt eine Betreuungsperson
oder Person, die nachweislich eine einschlägige Ausbildung (durch Kurse,
Lehrgänge, Praktika) über Rechtsvorschriften, Kenntnisse der Anatomie und eine fachgerechte
praktische Durchführung absolviert hat.
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EU
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 35
3.5.7.1 Zulässige Eingriffe bei Rindern
Eingriffe ohne vorherige Genehmigung der Behörde:
• Die Enthornung durch Ausbrennen mit einem Brennstab bzw. durch den
Tierarzt nach wirksamer Betäubung.
• Die Kastration männlicher Rinder, wenn der Eingriff durch einen Tierarzt oder
einen Viehschneider, der dieses Gewerbe auf Grund der Gewerbeordnung
1994, BGBl. Nr. 194, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 118/2004, rechtmäßig
ausübt, nach wirksamer Betäubung/Schmerzausschaltung durchgeführt wird.
Alle anderen Behandlungen wie z.B. das Einziehen von Nasenringen bei
Zuchtstieren können nur nach vorheriger Genehmigung durch die zuständige
Landesbehörde vorgenommen werden.
3.5.7.2 Zulässige Eingriffe bei Schweinen
Eingriffe ohne vorherige Genehmigung der Behörde:
Die Verkleinerung der Eckzähne, wenn
• die Schweine nicht älter als sieben Tage sind,
• durch Abschleifen eine glatte und intakte Oberfläche entsteht und
• der Eingriff nicht routinemäßig durchgeführt wird, sondern nur zur Vermeidung
von weiteren Verletzungen am Gesäuge der Sauen. Es muss bei diesem
Eingriff keine Betäubung/Schmerzauschaltung vorgenommen werden.
Das Kastrieren männlicher Schweine,
• wenn die Schweine nicht älter als sieben Tage sind oder
• der Eingriff durch einen Tierarzt oder einen Viehschneider, der dieses Gewerbe
auf Grund der Gewerbeordnung 1994, BGBl. Nr. 194, zuletzt geändert durch
BGBl. I Nr. 118/2004, rechtmäßig ausübt, nach wirksamer Betäubung und
anschließender Verwendung schmerzstillender Mittel durchgeführt wird.
Ab 01.01.2011 muss den Ferkeln bei der Kastration ein Schmerzmittel
verabreicht werden, das gegen die Schmerzen nach dem Eingriff wirkt.
Alle anderen Eingriffe wie z.B. das Verkürzen der Eckzähne von Ebern können nur
nach vorheriger Genehmigung durch die zuständige Landesbehörde vorgenommen
werden.
3.5.7.3 Zulässige Eingriffe bei Schafen und Ziegen
Eingriffe ohne vorherige Genehmigung der Behörde:
Das Kupieren des Schwanzes bei weiblichen Zuchtlämmern (gilt nicht für Ziegen),
wenn
• die Lämmer nicht älter als drei Tage sind oder bei älteren Tieren der Eingriff
durch einen Tierarzt nach wirksamer Betäubung durchgeführt wird und
• entweder höchstens ein Drittel oder im Falle einer tierärztlich bestätigten
betrieblichen Notwendigkeit höchstens die Hälfte des Schwanzes entfernt wird
und
• der Eingriff durch scharfes Abtrennen erfolgt und
• eine tierärztliche Bestätigung über die betriebliche Notwendigkeit vorliegt und
• eine angemessene Betäubung/Schmerzausschaltung vorgenommen wird.
Die Kastration,
• wenn der Eingriff durch einen Tierarzt oder einen Viehschneider, der dieses
Gewerbe auf Grund der Gewerbeordnung 1994, BGBl. Nr. 194, zuletzt
geändert durch BGBl. I Nr. 118/2004, rechtmäßig ausübt und
• nach wirksamer Betäubung/ Schmerzausschaltung durchgeführt wird.
Die Enthornung von weiblichen Zuchtkitzen bis zu einem Alter von vier Wochen
nach einer wirksamen Betäubung durch den Tierarzt bis zum 31.12.2010.
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Tierproduktion
Seite 36 BIO AUSTRIA
3.5.8 Zitzendippmittel
Das vorbeugende Zitzentauchen mit chemisch-synthetischen Mitteln ist untersagt. Bei Vorliegen
einer schriftlichen Bestätigung über die Notwendigkeit durch den Betreuungstierarzt,
kann ein Zitzen-Dippen durchgeführt werden. Die Bestätigung muss einen Vermerk über
betroffene Tiere, die Diagnose und die Behandlungsdauer enthalten.
3.6 Desinfektion von Ställen, Einrichtungen und Geräten
Ställe, Einrichtungen und Geräte sind so zu reinigen und zu desinfizieren, dass einer
Ansteckung der Tiere vorgebeugt wird. Es dürfen nur Reinigungs- und Desinfektionsmittel mit
folgenden Inhaltsstoffen eingesetzt werden:
• Kali- und Natronseifen
• Wasser und Dampf
• Kalkmilch
• Kalk
• Branntkalk
• Natriumhypochlorit
• Ätznatron
• Ätzkali
• Wasserstoffperoxyd
• natürliche Pflanzenessenzen
• Zitronen-, Peressig-, Ameisen-, Milch-, Oxal-, und Essigsäure
• Alkohol
• Salpetersäure für Melkausrüstungen
• Phosphorsäure für Melkausrüstungen
• Formaldehyd
• Natriumkarbonat
• Reinigungs- und Desinfektionsmittel für Melkgeräte
Eine Liste von verordnungskonformen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln finden Sie im
aktuellen Betriebsmittelkatalog. Sollten andere als die dort angeführten Mittel eingesetzt
werden, dann ist vor dem Zukauf mit der Kontrollstelle Rücksprache zu halten.
3.7 Schädlingsbekämpfung in Ställen
Zur Bekämpfung von Insekten und Parasiten in Stallgebäuden ist mechanischen und biotechnischen
Methoden der Vorzug zu geben (z.B. giftfreie Fliegenschnur). Wenn nicht anders
möglich, dürfen Präparate mit folgenden Wirkstoffen eingesetzt werden:
• Azadirachtin
• Hydrolysiertes Eiweiß als Lockmittel in Fallen
• Pflanzenöle
• Naturpyrethrum
• Quassia
• Rotenon
• Mikroorganismen
• Pheromone in Fallen und Spendern
• Kaliseife
• Paraffinöl
Produkte, die aus diesen erlaubten Wirkstoffen bestehen, sind dem aktuellen Betriebsmittelkatalog
zu entnehmen. Beachten Sie bitte dabei die Hinweise für BIO AUSTRIA-zertifizierte
Betriebe.
Zur Bekämpfung von Nagetieren, wie z.B. Mäuse oder Ratten, dürfen in Stallungen
ausschließlich in Fallensystemen chemische Mittel (Rodentizide) eingesetzt werden.
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 37
3.8 Gemeinschaftsweide/Almen
Eine Gemeinschaftsalm/weide und biologische Vermarktung der Produkte von Gemeinschaftsalmen/
weiden ist unter folgenden Voraussetzungen möglich:
• Die Weideflächen sind entweder biologisch bewirtschaftet oder die konventionellen
Weideflächen sind seit mindestens 3 Jahren mit keinem im Bio-Bereich verbotenen
Betriebsmittel (gemäß EU-VO 889/2008) behandelt worden. Konventionelle Weideflächen
müssen einem Kontrollverhältnis unterliegen bzw. es muss ein Nachweis der Teilnahme
an der Maßnahme Alpung und Behirtung im ÖPUL erfolgen.
• Alle konventionellen Tiere müssen aus extensiver Haltung stammen. (Als extensiv
gehaltene Tiere gelten Tiere, die von Betrieben stammen, welche an ÖPUL-Maßnahmen
teilnehmen oder einen Tierbesatz von nicht mehr als 2 GVE/ha aufweisen.)
• Konventionelle und biologische Tiere befinden sich nicht gleichzeitig auf der Weide, außer
sie sind zu jedem Zeitpunkt anhand z.B. Ohrmarken bei Rindern unterscheidbar.
• Während der Alpung müssen für die Bio-Tiere nachweislich alle Bio-Richtlinien (Haltung,
Fütterung, ...) eingehalten werden.
• Tierische Produkte können in dem Zeitraum, in dem sich die Tiere auf einer
konventionellen Gemeinschaftsweide befinden, nur dann biologisch deklariert werden,
wenn die Bio-Tiere bzw. die gewonnenen Bio-Produkte zu jedem Zeitpunkt nachweislich
von den konventionellen Tieren und Produkten getrennt sind und die Haltung sowie die
Fütterung der Tiere den BIO AUSTRIA-Richtlinien entsprechen.
• Vor einem Auftrieb der Tiere auf Gemeinschaftsalmen oder -weiden, die bei Kontrollvertragsabschluss
nicht angegeben wurden, ist eine Meldung bei der Bio-Kontrollstelle
notwendig.
3.9 Grundsätze einer artgemäßen Nutztierhaltung
Die Tierhaltung ist ein wichtiger Bestandteil im biologischen Betriebskreislauf. Mit Hilfe der
landwirtschaftlichen Nutztiere werden die auf dem Betrieb anfallenden pflanzlichen Futtermittel
zu hochwertigen Lebensmitteln veredelt. In diesem Sinne „nutzen“ wir die Tiere und
übernehmen damit auch Verantwortung für ihr Befinden und Wohlergehen. Das Haustier ist
weitestgehend aus seinem natürlichen Zusammenhang herausgelöst und durch die
Domestikation Teil der menschlichen Kultur geworden. Für die vom Menschen entwickelten
Haltungssysteme gilt die Natur als Vorbild. Die Haltungssysteme müssen den Bedürfnissen
der Tiere angepasst sein und ihren (verhaltens)physiologischen Ansprüchen gerecht werden.
Der Tierhalter ist verpflichtet, dem Haustier diese Qualitäten in Form von tiergerechter,
wesensgerechter und aufeinander abgestimmter Haltung, Fütterung und Zucht zu garantieren.
Die BIO AUSTRIA-Tierhaltungsstandards orientieren sich an diesen Prinzipien und versuchen
die menschlichen Interessen an der Nutzung der Tiere mit deren Ansprüchen und Bedürfnissen
in Einklang zu bringen. Durch eine tiergerechte Haltung erreichen wir gesunde und
vitale Tiere und tragen so zur nachhaltigen Erzeugung hochwertiger Lebensmittel bei.
Ausreichend Bewegungsmöglichkeiten und reichlich Einstreu im Stall (Tierkomfort), Auslauf
ins Freie, Kontakt zu Artgenossen, artgerechte Futterrationen aus biologischer Landwirtschaft,
die Wahl von widerstandsfähigen vitalen Rassen und eine intensive Betreuung der Tiere
(Tiergesundheit und Hygiene) sind die Eckpfeiler der BIO AUSTRIA-Tierhaltung.
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Tierproduktion
Seite 38 BIO AUSTRIA
3.10 Haltung von Rindern und Pferden
Eine tiergerechte Rinderhaltung muss den Tieren die Erfüllung ihrer physiologischen und
Verhaltensbedürfnisse ermöglichen. Rinder sind tag- und dämmerungsaktive Herdentiere. Sie
sind reine Pflanzenfresser mit einem mehrhöhligen Magen und verbringen einen Großteil des
Tages mit Nahrungsaufnahme und Ruheverhalten.
Dazu sind u. a. notwendig:
Artgemäße Ernährung und Fütterungsmethoden:
• Der überwiegende Teil der Ration muss aus strukturiertem Raufutter bestehen.
• Bedarfsgerechte Fütterung
• Grundfutter soll möglichst ganztägig zur freien Aufnahme angeboten werden.
• Kälber müssen auf der Grundlage natürlicher Milch aufgezogen werden und ab der
zweiten Woche Heu aufnehmen können.
Ausreichend Bewegungsfreiheit und Platz zum Einnehmen aller Ruhe- und Schlafhaltungen
• Anbindehaltung nur in Ausnahmefällen
• Großzügige Mindeststallflächen mit guter Strukturierung
• Eingestreute Liegeflächen
• Möglichst täglicher Auslauf ins Freie/Weide
Keine Behinderungen beim arttypischen Aufstehen und Abliegen
• Angepasste Liegeflächen und Anbindevorrichtungen
Sozialkontakte und möglichst stabile Herdenstruktur
• Keine Einzelhaltung (Ausnahmen: erkrankte Tiere, Kühe rund um die Geburt, Deckstiere)
Schutz vor ungünstigen Witterungsverhältnissen, Verletzungen, Parasitenbefall, Krankheiten
und Verhaltensstörungen
• Unterstandsmöglichkeiten bei Freilandhaltung
• Ausreichend Frischluft und Schutz vor Zugluft im Stall
• Gute Tierbetreuung (Stallhygiene, Klauenpflege etc.)
• Rechtzeitige tierärztliche Versorgung im Bedarfsfall
3.10.1 Stallungen
3.10.1.1 Besatzdichten
Mindeststallfläche (den Tieren zur Verfügung stehende Nettofläche)
Lebendgewicht (kg) Mindestfläche (m2/Tier)
Zucht- und Mastrinder bis 100
bis 200
bis 350
über 350
1,6 bei Gruppenhaltung; 1,5 bei Einzelboxen
2,5
4,0
5, aber mindestens 1 m2/100 kg
Milch-/Mutterkühe 6
Zuchtstiere 10
Mindeststallflächen für Pferde in Einzelboxenhaltung: Laut Bundestierschutzgesetz
BGBl. I 118/2004 erfolgt die Einteilung nach dem Stockmass (STM), welches die
Größe eines Pferdes gemessen vom ebenen Boden bis zur höchsten Stelle des
Widerristes angibt.
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 39
Größe der Tiere Boxenfläche1 Kürzeste Seite
STM bis 120 cm 6,00 m2/Tier 180 cm/Tier
STM bis 135 cm 7,50 m2/Tier 200 cm/Tier
STM bis 150 cm 8,50 m2/Tier 220 cm/Tier
STM bis 165 cm 10,00 m2/Tier 250 cm/Tier
STM bis 175 cm 11,00 m2/Tier 260 cm/Tier
STM bis 185 cm 12,00 m2/Tier 270 cm/Tier
STM über 185 cm 14,00 m2/Tier 290 cm/Tier
1 Diese Fläche gilt auch für Stuten mit Fohlen bis zum Absetzen
oder für zwei Fohlen bis zu einem Alter von einem Jahr.
Boxentrennwände müssen einen direkten Sichtkontakt mit Artgenossen ermöglichen.
Bei Hengsten können Boxentrennwände geschlossen ausgeführt sein,
wenn sonstiger Sichtkontakt zu anderen Pferden besteht.
Die Höhe der Abtrennungen muss bei Hengsten mindestens 1,3 x STM und bei
anderen Tieren mindestens 0,8 x STM betragen.
Mindeststallflächen für Pferde (Pferdeartige) in Gruppenhaltung: (laut Bundestierschutzgesetz)
Größe der Tiere1
Boxenfläche für das erste
und zweite Tier2
Boxenfläche für jedes
weitere Tier2
STM bis 120 cm 6,00 m2/Tier 4,00 m2/Tier
STM bis 135 cm 7,50 m2/Tier 5,00 m2/Tier
STM bis 150 cm 8,50 m2Tier 6,00 m2/Tier
STM bis 165 cm 10,00 m2/Tier 7,00 m2/Tier
STM bis 175 cm 11,00 m2/Tier 7,50 m2/Tier
STM bis 185 cm 12,00 m2/Tier 8,00 m2/Tier
STM über 185 cm 14,00 m2/Tier 9,00 m2/Tier
1 im Durchschnitt der Gruppe 2 Fressstände sind in diese Flächen nicht einzurechnen
Bei Gruppenhaltung müssen in ausreichendem Ausmaß Absonderungsboxen zur
Verfügung stehen.
3.10.1.2 Übergangsregelungen für Mindeststallflächen bei Rindern und Pferden
Wenn der Rinderstall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde und die Stallflächen den
nationalen Bestimmungen (Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8), Stand August
1999, entsprechen, müssen die Mindeststallflächen, unter der Voraussetzung dass
die Tierhaltung mindestens 21 TGI-Punkte erreicht, gemäß Punkt 3.10.1.1 ab
01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011 die nötigen Anpassungen
nicht vornimmt, beantragt bei der zuständigen Landesbehörde eine Verlängerung
der Ausnahme bis längstens 31.12.2013. Mit dem Ansuchen muss ein Plan
vorgelegt werden, aus dem hervorgeht, wie die Bio-Richtlinien ab dem 01.01.2014
eingehalten werden. Betriebe, deren Ansuchen von der Behörde genehmigt
wurden, haben ab dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen/Jahr.
Bei Pferden in Stallungen, deren Stallflächen den Anforderungen der EU-Bio-
Verordnung vor In-Krafttreten des Bundestierschutzgesetzes bzw. dessen Verordnungen
mit 01.01.2005 entsprochen haben, gelten die Anforderungen gemäß
Punkt 3.10.1.1 erst ab der Vornahme von baulichen Maßnahmen (Um- oder
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Tierproduktion
Seite 40 BIO AUSTRIA
Neubau, Erneuerung der Stalleinrichtung). Für diese Pferdeställe gelten dieselben
Mindeststallflächen wie für Zucht- und Mastrinder.
3.10.1.3 Stallbodengestaltung und Aufstallung
Die Hälfte der Mindeststallfläche muss planbefestigt und rutschsicher gestaltet
sein. Es müssen für alle Tiere bequeme, saubere, trockene Liege/Ruheflächen von
ausreichender Größe vorhanden sein, sodass alle Tiere gleichzeitig und ungehindert
darauf liegen können. Die Liegeflächen dürfen nicht perforiert sein und
müssen trockene Einstreu aufweisen. Der Liegebereich muss mindestens ein
Drittel der Mindeststallfläche betragen.
3.10.1.4 Fressplätze und Tränkemöglichkeit
Den Tieren ist mindestens dreimal täglich Raufutter zur Verfügung zu stellen,
sofern keine Möglichkeit zu freier Aufnahme besteht. Bei rationierter oder zeitlich
begrenzter Futteraufnahme muss die Fressplatzbreite so bemessen sein, dass alle
Tiere gleichzeitig Futter aufnehmen können (Tier-Fressplatz-Verhältnis 1 : 1).
Werden die Tiere in Gruppenhaltung ad libidum bei ganztägiger Futtervorlage
gefüttert, darf ein Tier-Fressplatz-Verhältnis bei Rindern von 2,5 : 1 und bei
Pferden von 1,5 : 1 nicht überschritten werden.
Funktionstüchtige Tränkemöglichkeiten mit sauberem Wasser müssen den Tieren
den ganzen Tag über zur Verfügung stehen.
Die Mindestausmaße für Fütterungs- und Tränkevorrichtungen gemäß österreichischem
Tierschutzgesetz (Tierhalteverordnung, Anlage 1: Pferd bzw. Anlage 2:
Rind, Punkt 2.6) sind einzuhalten.
3.10.1.5 Licht
Die Ställe müssen Fenster oder sonstige offene oder transparente Flächen
(Architekturlichte*) – durch die Tageslicht einfallen kann – im Ausmaß von mindestens
3 % der Stallbodenfläche aufweisen. Im Tierbereich des Stalles ist über
mindestens acht Stunden pro Tag eine Lichtstärke von mindestens 40 Lux zu
gewährleisten. *entspricht der verputzten und gedämmten Maueröffnung
3.10.1.6 Stallklima
In geschlossenen Ställen müssen natürliche oder mechanische Lüftungsanlagen
vorhanden sein. Diese sind dauernd entsprechend zu bedienen oder zu regeln und
so zu warten, dass ihre Funktion gewährleistet ist. Schädliche Zugluft im Tierbereich
ist zu vermeiden.
3.10.2 Anbindehaltung
Die Anbindehaltung ist grundsätzlich verboten. Die Tiere sind in Gruppen zu halten.
Das Anbinden oder Isolieren von Tieren ist nur bei Einzeltieren zulässig, wenn dies aus
Sicherheits-, Tierschutz- oder tierärztlichen Gründen zeitlich begrenzt ist, z.B. bei Krankheit,
während des Deckens oder bei Pflegemaßnahmen.
Folgende Ausnahmen vom Anbindeverbot sind nur für Rinder möglich:
• Anbindeställe, die bereits vor dem 24.08.2000 existierten, können bis 31.12.2010 als
solche genutzt werden. Folgende Bedingungen sind dabei einzuhalten: Das Haltungssystem
muss mindestens 21 TGI-Punkte erreichen. Es muss eine eingestreute Liegefläche
zur Verfügung stehen und regelmäßiger Auslauf gewährt werden. Regelmäßiger
Auslauf für Anbindehaltung ist unter Punkt 3.10.5 definiert. Wer bis 01.01.2011 die nötigen
Stallumbauten nicht vornimmt, beantragt bei der zuständigen Landesbehörde eine Verlängerung
der Ausnahme bis längstens 31.12.2013. Betriebe, deren Ansuchen von der
Behörde genehmigt wurden, haben ab dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen/Jahr.
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 41
• Auf „Kleinbetrieben“ (Betriebe mit maximal 35 Rinder-GVE Jahresdurchschnittsbestand)
können Rinder in Anbindehaltung gehalten werden, sofern die Tierhaltung ab dem
01.01.2011 24 TGI-Punkte erreicht, die Tiere während der Weidezeit Zugang zu Weideland
und mindestens zweimal in der Woche Zugang zu Freigelände haben, wenn das
Weiden nicht möglich ist. Bis 31.12.2010 reichen 21 TGI-Punkte in der Tierhaltung.
3.10.3 Kuhtrainer
Der Einsatz des Kuhtrainers ist ab dem 01.01.2011 nicht mehr zulässig.
3.10.4 Kälberhaltung
Alle Rinder bis zu einem Alter von einem halben Jahr sind Kälber.
Kälberbetreuung:
• Den Kälbern ist Kolostralmilch zu verabreichen.
• Bei Eimertränkung sind Tränkeeinrichtungen mit Sauger zu verwenden.
• Die Anbindehaltung ist nicht erlaubt für Kälber.
• Kälber dürfen nicht in Einzelboxen gehalten werden, wenn die Tiere älter als eine Woche
sind. Nicht als Einzelboxen gelten Haltungssysteme, wie Iglus oder Hütten, bei denen für
die Tiere die Möglichkeit einer gemeinsamen Auslaufnutzung besteht.
• Ist nur ein Kalb aus einer Altersgruppe auf dem Betrieb vorhanden, so gilt dies nicht als
Einzelhaltung.
• Innerhalb der ersten acht Wochen sind Kälber nicht in Gruppen zu halten, wenn:
- eine schriftliche Anordnung des Tierarztes vorliegt.
- eine Erkrankung eines Kalbes eine Separierung zur Behandlung nötig macht. Diese
Behandlung ist anforderungsgemäß zu dokumentieren.
- eine Ansteckung anderer Kälber verhindert werden muss (z.B. bei Durchfall).
- die Nabelschnur noch nicht abgefallen ist.
- Enthornung oder Kastration durchgeführt wurde. In diesem Fall ist Einzelhaltung bis
maximal 14 Tage nach dem Eingriff möglich.
- der Altersunterschied zwischen den vorhandenen Kälbern mehr als vier Wochen
beträgt.
- eine sinnvolle Gruppenzusammenstellung trotz einzelbetrieblicher Beratung nicht
möglich erscheint, beispielsweise wenn durch verschiedene Nutzungsrichtungen (z.B.
Zuchtkälber/Milchmastkälber) eine gemeinsame Haltung auf Grund von unterschiedlichen
Fütterungsvorgaben nicht oder nur erschwert möglich ist.
- besaugen beim Einzeltier oder in der Gruppe vorliegt.
Andere Ausnahmen aus gesundheits- oder verhaltensbedingten Gründen innerhalb der
ersten acht Wochen sind mit der Kontrollstelle abzusprechen.
• Ab der achten Lebenswoche können Kälber nur dann aus der Gruppe genommen werden,
wenn eine tierärztliche Anordnung besteht, dass das Tier zur Behandlung in einer Einzelbucht
gehalten werden muss.
• Kälber in Gruppenhaltung dürfen während der Tränke für höchstens eine Stunde fixiert
werden.
• Bis zu einem Alter von einer Woche müssen Kälber aufgrund ihres physiologischen Zustands
nicht unbedingt Auslauf haben.
• Bezüglich Mindeststall- und Mindestauslauffläche für Kälber sind die Vorgaben aus den
Punkten 3.10.1.1 und 3.10.5.2 einzuhalten. Werden Übergangsregelungen für Mindeststall-
bzw. auslaufflächen in Anspruch genommen, so gelten die Punkte 3.10.1.2 bzw.
3.10.5.3.
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Tierproduktion
Seite 42 BIO AUSTRIA
3.10.5 Weide und Auslauf
Alle Tiere müssen ständigen Zugang zu Freigelände, vorzugsweise zu Weideland, haben,
wenn der Zustand des Bodens und die Witterungsbedingungen dies zulassen.
Pflanzenfresser müssen zudem immer Zugang zu Weideland haben, wann immer die
Umstände dies gestatten.
In keinem Fall werden bei Tieren mit einem Lebenszyklus von mehr als einem Jahr 180
Auslauftage, verteilt über das Jahr, unterschritten. Ein Auslauf ins Freie ist unter den
genannten Voraussetzungen auch im Winter möglich.
Wird den Rindern während der Weidezeit Weidegang gewährt und erfolgt die Haltung in
einem Laufstall, so kann die Verpflichtung zu einem ganzjährigen Auslauf entfallen. 180
Auslauftage dürfen aber nur bei beengter Hoflage in der Tierhaltung unterschritten werden.
Für Rinder in der Anbindehaltung:
In keinem Fall werden bei Tieren mit einem Lebenszyklus von mehr als einem Jahr 180
Auslauftage, verteilt über das Jahr, unterschritten und der TGI wird eingehalten. Ein Auslauf
ins Freie ist unter den genannten Voraussetzungen auch im Winter möglich.
Bei beengten Hoflagen und mindestens 21 TGI-Punkten in der Tierhaltung gelten bei Rindern
im Sinne der Übergangsregelungen Ausnahmen bis längstens 31.12.2013.
3.10.5.1 Ausstattung des Auslaufs
Auslaufflächen sind bei Bedarf mit Einrichtungen zum Schutz vor Regen, Sonne,
Kälte oder Hitze auszustatten.
Es wird empfohlen ständig begehbare Ausläufe befestigt (geschlossen) oder mit
Spaltenböden auszuführen. Es ist darauf zu achten, dass Überweidung,
Zertrampeln des Bodens, Erosion oder andere Umweltbelastungen verursacht
durch Tiere verhindert werden.
Ausläufe können teilweise überdacht sein. Mindestens 10 % der Mindestauslauffläche
(m2/Tier) sind nicht überdacht. Die Dachrinne zählt zur Dachfläche.
3.10.5.2 Mindestauslaufflächen
Lebendgewicht
(kg)
Auslauffläche (Freigeländeflächen außer
Weideflächen) – (m2/Tier)
Zucht- und
Mastrinder
bis 100
bis 200
bis 350
über 350
1,1
1,9
3
3,7; mindestens 0,75 m2/100 kg
Milch-/Mutterkühe 4,5
Zuchtstiere 30
Pferde Bei Stallbauten nach dem 01.01.2005: Auslauffläche mindestens
doppelt so groß wie die Einzelboxenfläche, wenn keine mehrmals
wöchentliche Bewegungsmöglichkeit vorhanden ist; Für ältere Ställe
gelten die Mindestauslaufflächenwerte der Zucht- und Mastrinder.
Pferdeausläufe und die Umzäunung von Pferdekoppeln sind so zu gestalten, dass
spitze Winkel vermieden werden. Die Verwendung von Stacheldraht oder weitmaschigen
Knotengitterzäunen ist verboten.
3.10.5.3 Übergangsregelungen für Auslaufflächen bei bestehenden Stallungen
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde, die Mindestanforderungen des
österreichischen Lebensmittelbuches Kap. A8, Stand August 1999 eingehalten
werden und die Betriebe folgende Übergangsregelungen in Anspruch genommen
haben:
- zu kleine Auslaufflächen, jedoch mindestens die Hälfte der national festgelegten
Mindeststallfläche im Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8, Stand
August 1999
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 43
- zu kleine Auslaufflächen (kleiner als die Hälfte der 1999 national festgelegten
Mindeststallfläche) wegen beengter Hoflage
- fehlende Auslaufflächen wegen beengter Hoflage
müssen die Bio-Richtlinien ab 01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011
die nötigen Anpassungen nicht vornimmt, beantragt bei der zuständigen Landesbehörde
eine Verlängerung der Ausnahme bis Ende 2013. Mit dem Ansuchen
muss ein Plan vorgelegt werden, aus dem hervorgeht, wie die Bio-Richtlinien ab
dem 01.01.2014 eingehalten werden. Betriebe, deren Ansuchen von der Behörde
genehmigt wurden, haben ab dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen/Jahr.
3.10.6 Ganzjährige Haltung im Freien
Für jedes Tier muss eine überdachte, trockene und eingestreute Liegefläche mit Windschutz
in einem Ausmaß zur Verfügung stehen, dass allen Tieren ein gleichzeitiges ungestörtes
Liegen ermöglicht.
Kann der Futterbedarf nicht ausreichend durch Weide gedeckt werden, muss zusätzliches
Futter angeboten werden. Auch bei tiefen Temperaturen muss sichergestellt sein, dass
Menge und Energiegehalt des vorhandenen Futters ausreichen, um den Energiebedarf der
Tiere zu decken.
Der Boden im Bereich der ständig benützten Fütterungs- und Tränkebereiche muss befestigt
sein.
Kranke und verletzte Tiere sind gesondert und geschützt unterzubringen.
3.11 Haltung von Schafen und Ziegen
Grundsätze einer artgemäßen Schaf- und Ziegenhaltung
Eine tiergerechte Schaf- und Ziegenhaltung muss den Tieren die Erfüllung ihrer physiologischen
und Verhaltensbedürfnisse ermöglichen. Dazu sind u.a. notwendig:
• Artgemäße Ernährung und Fütterungsmethoden:
Schafe verbringen den größten Teil des Tages mit Grasen und Wiederkäuen. Ziegen
haben beim Fressen ein stark ausgeprägtes Selektionsbedürfnis. Sie nützen viele verschiedene
Futtermittel.
• Ausreichende Bewegungsfreiheit und Platz zum Einnehmen aller Ruhe- und Schlafhaltungen:
Schafe halten in der Regel die Schlafplätze ein, erhöhte Plätze werden dabei bevorzugt.
Ziegen haben ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten und brauchen Klettermöglichkeiten.
• Sozialkontakte und möglichst stabile Herdenstruktur:
Schafe sind „stille Dulder“, Ziegen benötigen ausreichend Ausweichmöglichkeit und
Rückzugsraum.
• Schutz gegen ungünstige Witterungsverhältnisse, Verletzungen, Parasitenbefall, Krankheiten
und Verhaltensstörungen
• Trockene, luftige aber zugfreie Stallungen
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Tierproduktion
Seite 44 BIO AUSTRIA
3.11.1 Stallungen
3.11.1.1 Besatzdichten
Mindeststallfläche (den Tieren zur Verfügung
stehende Nettofläche in Gruppenbuchten – m2/Tier)
Schafe und Ziegen 1,5 pro Schaf/Ziege, Widder, Böcke
0,35 pro Lamm/Kitz
Nach der Trennung vom Muttertier
(separate Haltung):
0,5 pro Lamm/Kitz (bis 6 Monate)
0,6 pro Junglämmer, Jungziegen
(6 - 12 Monate)
In Einzelboxen möglich, m2/Tier
Zuchtwidder, -bock
Einzelhaltung während der Ablammung bei:
Mutterschaf /-ziege mit 1 Lamm/Kitz
Mutterschaf/-ziege mit 2 Lämmern/Kitzen
3
2/1,85
2,30/2,20
3.11.1.2 Übergangsregelungen für Mindeststallflächen
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde und die Stallflächen den
nationalen Bestimmungen (Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8), Stand August 1999,
entsprechen, müssen die Mindeststallflächen gemäß Punkt 3.11.1.1 erst ab
01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011 die nötigen Anpassungen
nicht vornimmt, beantragt bei der zuständigen Landesbehörde eine Verlängerung
der Ausnahme bis 31.12.2013. Mit dem Ansuchen muss ein Plan vorgelegt
werden, aus dem hervorgeht, wie die Bio-Richtlinien ab dem 01.01.2014 eingehalten
werden. Betriebe, deren Ansuchen von der Behörde genehmigt wurden,
haben ab dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen/Jahr.
3.11.1.3 Stallbodengestaltung und Aufstallung
Die Hälfte der Mindeststallfläche muss planbefestigt und rutschsicher gestaltet
sein. Es müssen für alle Tiere bequeme, saubere, trockene Liege/Ruheflächen von
ausreichender Größe vorhanden sein, sodass alle Tiere gleichzeitig und ungehindert
darauf liegen können. Diese dürfen nicht perforiert sein und müssen
trockene Einstreu aufweisen. Der Liegebereich muss mindestens ein Drittel der
Mindeststallfläche betragen.
3.11.1.4 Fressplätze und Tränkemöglichkeit
Bei rationierter oder zeitlich begrenzter Futteraufnahme muss die Fressplatzbreite
pro Tier so bemessen sein, dass alle Tiere gleichzeitig Futter aufnehmen können
(Tier-Fressplatz-Verhältnis 1 : 1). Werden die Tiere in Gruppenhaltung ad libidum
bei ganztägiger Futtervorlage gefüttert, darf ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von
2,5 : 1 nicht überschritten werden.
Funktionstüchtige Tränkemöglichkeiten mit sauberem Wasser müssen den Tieren
den ganzen Tag über zur Verfügung stehen.
Die Mindestausmaße für Fütterungs- und Tränkevorrichtungen gemäß österreichischen
Tierschutzgesetz (Tierhalteverordnung BGBl. II, 485/2004, Anlage
3: Schaf bzw. Anlage 4: Ziege, Punkt 2.6) sind einzuhalten.
3.11.1.5 Licht
Die Ställe müssen offene oder transparente Flächen (Architekturlichte*) – durch die
Tageslicht einfallen kann – im Ausmaß von mindestens 3 % der Stallbodenfläche
aufweisen. Im Tierbereich des Stalles ist über mindestens acht Stunden pro Tag
eine Lichtstärke von mindestens 40 Lux zu gewährleisten.
*entspricht der verputzten und gedämmten Maueröffnung
EU/
TS
EU
EU/
TS
BA
EU/
TS
TS/
EU
Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 45
3.11.1.6 Stallklima
In geschlossenen Ställen müssen natürliche oder mechanische Lüftungsanlagen
vorhanden sein. Diese sind dauernd entsprechend zu bedienen oder zu regeln und
so zu warten, dass ihre Funktion gewährleistet ist. Schädliche Zugluft im Tierbereich
ist zu vermeiden.
3.11.1.7 Tierbetreuung
Schafe müssen, soweit rassebedingt erforderlich, mindestens einmal jährlich
geschoren werden. Der Zustand der Klauen ist regelmäßig zu überprüfen und bei
Bedarf ist eine Klauenpflege durchzuführen.
3.11.2 Anbindehaltung
Die Anbindehaltung ist grundsätzlich verboten. Die Tiere sind in Gruppen zu halten. Das
Anbinden oder Isolieren von Tieren ist nur bei Einzeltieren zulässig, wenn dies aus
Sicherheits-, Tierschutz- oder tierärztlichen Gründen zeitlich begrenzt ist, z.B. bei Krankheit.
3.11.3 Weide und Auslauf
Alle Tiere müssen ständigen Zugang zu Freigelände, vorzugsweise zu Weideland, haben,
wenn der Zustand des Bodens und die Witterungsbedingungen dies zulassen.
Pflanzenfresser müssen zudem immer Zugang zu Weideland haben, wann immer die
Umstände dies gestatten.
In keinem Fall werden bei Tieren mit einem Lebenszyklus von mehr als einem Jahr 180
Auslauftage, verteilt über das Jahr, unterschritten. Ein Auslauf ins Freie ist unter den
genannten Voraussetzungen auch im Winter möglich.
Wird den Tieren während der Weidezeit Weidegang gewährt, so kann die Verpflichtung zu
einem ganzjährigen Auslauf entfallen. 180 Auslauftage dürfen aber nur bei beengter Hoflage
in der Tierhaltung unterschritten werden.
3.11.3.1 Ausstattung des Auslaufs:
Auslaufflächen sind bei Bedarf mit Einrichtungen zum Schutz vor Regen, Sonne,
Kälte oder Hitze auszustatten. Es wird empfohlen ständig begehbare Ausläufe
befestigt (geschlossen) auszuführen. Es ist darauf zu achten, dass Überweidung,
Zertrampeln des Bodens, Erosion oder andere Umweltbelastungen verursacht
durch Tiere verhindert werden. Ausläufe können teilweise überdacht sein.
Mindestens 10 % der Mindestauslauffläche (m2/Tier) sind nicht überdacht. Die
Dachrinne zählt zur Dachfläche.
Sollten Betriebe keine Weide für ihre Milchziegen anbieten können, so muss der
Auslauf für Ziegen so gestaltet sein, dass er von den Ziegen auch tatsächlich
angenommen wird und für alle Tiere jederzeit zugänglich ist. Die Zugänglichkeit ist
durch genügend und ausreichend große Ausgänge sicherzustellen. Um den Auslauf
für die Ziegen attraktiv zu gestalten, muss er mit Einrichtungen wie Klettergelegenheiten,
Wetterschutz, Bürsten oder Futterraufen ausgestattet werden
3.11.3.2 Mindestauslaufflächen für Schafe und Ziegen
Mindestauslauffläche (Freigeländeflächen
außer Weideflächen – m2/Tier)
Schafe/Ziegen 2,5
Lamm/Kitz 0,5
3.11.3.3 Übergangsregelungen für Auslaufflächen
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde, die Mindestanforderungen des
österreichischen Lebensmittelbuches Kap. A8, Stand August 1999 eingehalten
werden und die Betriebe folgende Übergangsregelungen in Anspruch genommen
haben:
,,
EU
EU
EU
EU/
BA
EU
BA
Tierproduktion
Seite 46 BIO AUSTRIA
- zu kleine Auslaufflächen, jedoch mindestens die Hälfte der national festgelegten
Mindeststallfläche im Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8, Stand August
1999
- zu kleine Auslaufflächen (kleiner als die Hälfte der 1999 national festgelegten
Mindeststallfläche) wegen beengter Hoflage
- fehlende Auslaufflächen wegen beengter Hoflage
müssen die Bio-Richtlinien ab 01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011 die
nötigen Anpassungen nicht vornehmen kann, der muss bei der zuständigen Landesbehörde
um eine Verlängerung der Ausnahme bis Ende 2013 beantragen. Dem
Ansuchen muss ein Plan vorgelegt werden, aus dem hervorgeht wie die Bio-Richtlinien
ab dem 01.01.2014 eingehalten werden können. Betriebe deren Ansuchen von der
Behörde genehmigt wurden, haben ab dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen pro Jahr.
3.11.4 Ganzjährige Haltung im Freien
Für jedes Tier muss eine überdachte, trockene und eingestreute Liegefläche mit Windschutz
in einem Ausmaß zur Verfügung stehen, dass allen Tieren ein gleichzeitiges ungestörtes
Liegen ermöglicht.
Kann der Futterbedarf nicht ausreichend durch Weide gedeckt werden, muss zusätzliches
Futter angeboten werden. Auch bei tiefen Temperaturen muss sichergestellt sein, dass
Menge und Energiegehalt des vorhandenen Futters ausreichen, um den Energiebedarf der
Tiere zu decken.
Der Boden im Bereich der ständig benützten Fütterungs- und Tränkebereiche muss befestigt
sein. Kranke und verletzte Tiere sind gesondert und geschützt unterzubringen.
3.12 Haltung von Schweinen
Eine tiergerechte Schweinehaltung muss den Tieren die Erfüllung ihrer physiologischen und
Verhaltensbedürfnisse ermöglichen. Dazu sind u. a. notwendig:
• Möglichkeiten zum Beschäftigen, Wühlen und Abkühlen. Schweine verbringen einen
großen Teil des Tages mit Erkundungs- und Nahrungssuchverhalten. Suhlen ist ein
wichtiger Teil des Komfortverhaltens und dient der Abkühlung und der Abwehr von
Ektoparasiten.
• Strukturierte Buchten, die eine Trennung von Ausscheidungs-, Liege- und Fressbereich
zulassen. So werden zum Ruhen und Schlafen Schlafnester angelegt. Zum Ausscheiden
suchen Schweine eigene Plätze auf. Die Fress- und Liegeplätze werden sauber gehalten.
• Artgemäße Ernährung und entsprechende Fütterungsmethoden.
• Gruppenhaltung mit überschaubarer Gruppengröße und möglichst stabiler Sozialstruktur.
• Spezielle Einrichtungen zum ungestörten Abferkeln.
• Schutz gegen ungünstige Witterungsverhältnisse, Verletzungen, Parasitenbefall, Krankheiten
und Verhaltensstörungen.
BA/
EU
TS
BA
Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 47
3.12.1 Stallungen für Schweine
3.12.1.1 Besatzdichten
Mindeststallfläche (den Tieren zur Verfügung stehende Nettofläche)
Lebendgewicht (kg) Mindestfläche (m2/Tier)
säugende Sauen mit bis
zu 40 Tage alten Ferkeln
7,5
Ferkel Über 40 Tage alt
und bis 30 kg
0,6
Mastschweine bis 50
bis 85
bis 110
über 110
0,8
1,1
1,3
1,5
Zuchtsauen 2,5
Zuchteber 6,0
Wird die Bucht als eine Deckbucht verwendet, muss die Mindeststallfläche
10 m2 betragen.
Bei Gruppenhaltung ab sechs Tieren muss jede Seite der Bucht über 2,80 m lang
sein.
Bei Gruppenhaltung bis fünf Tieren muss mindestens eine Seite der Bucht über
2,40 m lang sein. Dies gilt für alle Schweinestallungen, die nach dem 01.01.2003
neugebaut, umgebaut oder erstmals in Betrieb genommen wurden und ab dem
01.01.2013 für alle Haltungseinrichtungen.
Ferkel dürfen nicht in Flatdecks und Ferkelkäfigen gehalten werden.
3.12.1.2 Übergangsregelungen für Mindeststallflächen
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde und die Stallflächen den
nationalen Bestimmungen (Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8), Stand August
1999, entsprechen, müssen die Mindeststallflächen gemäß Punkt 3.12.1.1 erst ab
01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011 die nötigen Anpassungen
nicht vornimmt, beantragt bei der zuständigen Landesbehörde eine Verlängerung
der Ausnahme bis Ende 2013. Mit dem Ansuchen muss ein Plan vorgelegt werden,
aus dem hervorgeht, wie die Bio-Richtlinien ab dem 01.01.2014 eingehalten
werden. Betriebe, deren Ansuchen von der Behörde genehmigt wurden, haben ab
dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen/Jahr.
Bei allen schweinehaltenden Betrieben in der Übergangsregelung werden
mindestens 24 TGI-Punkte erreicht.
3.12.1.3 Stallbodengestaltung und Aufstallung
Die Hälfte der Mindeststallfläche muss planbefestigt und rutschsicher gestaltet
sein.
Es müssen für alle Tiere bequeme, saubere, trockene Liege/Ruheflächen von ausreichender
Größe vorhanden sein, sodass alle Tiere gleichzeitig und ungehindert
liegen können. Diese dürfen nicht perforiert sein und müssen trockene Einstreu
aufweisen.
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EU/
TS
EU
EU/
TS
Tierproduktion
Seite 48 BIO AUSTRIA
3.12.2 Stallklima
In geschlossenen Ställen müssen natürliche oder mechanische Lüftungsanlagen vorhanden
sein. Diese sind dauernd entsprechend zu bedienen oder zu regeln und so zu warten, dass
ihre Funktion gewährleistet ist. Schädliche Zugluft im Tierbereich ist zu verhindern.
3.12.3 Licht
Die Ställe müssen Fenster oder sonstige offene oder transparente Flächen, durch die Tageslicht
einfallen kann, im Ausmaß von mindestens 3 % der Stallbodenfläche (Architekturlichte*)
aufweisen. Im Tierbereich des Stalles ist über mindestens acht Stunden pro Tag eine Lichtstärke
von mindestens 40 Lux zu erreichen.
*entspricht der verputzten und gedämmten Maueröffnung
3.12.4 Gruppenhaltung
Die Anbindehaltung ist grundsätzlich verboten. Die Schweine, auch Sauen, sind in Gruppen
zu halten. Nur im späten Trächtigkeitsstadium und in der Säugeperiode ist eine Einzelhaltung
der Sauen möglich. Auch kranke oder verletzte Schweine dürfen vorübergehend von der
Gruppe getrennt werden. Es müssen dafür ausreichend viele Absonderungsbuchten vorhanden
sein.
3.12.5 Betreuung trächtiger Sauen und Jungsauen
Trächtige Sauen und Jungsauen müssen falls erforderlich gegen Ekto- und Endoparasiten
behandelt werden. Vor dem Einstallen in Abferkelbuchten müssen die Tiere sorgfältig gereinigt
werden. In der Woche vor dem zu erwartenden Abferkeln muss den Tieren in ausreichenden
Mengen geeignete Nesteinstreu zur Verfügung gestellt werden.
Sie müssen ausreichend Grundfutter oder Futter mit hohem Rohfaseranteil sowie Kraftfutter
erhalten.
3.12.6 Fressplätze und Tränkemöglichkeit
Bei rationierter oder zeitlich begrenzter Futteraufnahme muss die Fressplatzbreite pro Tier so
bemessen sein, dass alle Tiere gleichzeitig Futter aufnehmen können (Tier-Fressplatz-
Verhältnis 1 : 1).
Bei Vorratsfütterung durch Trockenfutterautomaten muss für je vier Tiere ein Fressplatz zur
Verfügung stehen. Bei Vorratsfütterung durch Feucht- oder Breifutterautomaten muss für je
acht Tiere zumindest ein Fressplatz zur Verfügung stehen.
Funktionstüchtige Tränkemöglichkeiten mit Frischwasser müssen den Tieren den ganzen Tag
über zur Verfügung stehen.
Die Mindestausmaße für Fütterungs- und Tränkevorrichtungen gemäß österreichischem Tierschutzgesetz
(Tierhalteverordnung BGBl. II, 485/2004, Anlage 5, Punkt 2.8) sind einzuhalten.
3.12.7 Ausläufe
Allen Tieren wird Weidegang, Freiflächenzugang oder zumindest befestigter Auslauf gewährt,
wenn der Zustand des Bodens und die Witterungsbedingungen dies gestatten. In keinem Fall
werden bei Tieren mit einem Lebenszyklus von mehr als einem Jahr 180 Auslauftage, verteilt
über das Jahr, unterschritten. Ein Auslauf ins Freie ist unter den genannten Voraussetzungen
auch im Winter möglich. Bei beengten Hoflagen gelten im Sinne der Übergangsregelungen
Ausnahmen bis 31.12.2013, wenn mindestens 24 TGI-Punkte erreicht werden. Diese finden
sich unter Punkt 3.12.7.3.
3.12.7.1 Ausstattung des Auslaufs:
Auslaufflächen sind bei Bedarf mit Einrichtungen zum Schutz vor Regen, Sonne,
Kälte oder Hitze auszustatten.
Ständig begehbare Ausläufe sind befestigt (geschlossen) oder mit Spaltenböden
auszuführen.
TS
TS
EU
TS
TS
EU/
BA
EU
Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 49
Da im Auslauf Möglichkeiten zum Wühlen vorzusehen sind, sollen in befestigten
Ausläufen zumindest Stroh-/Heuraufen vorgesehen werden.
Ausläufe können teilweise überdacht sein. Mindestens 10 % der Mindestauslauffläche
(m2/Tier) sind nicht überdacht. Die Dachrinne zählt zur Dachfläche.
3.12.7.2 Mindestauslaufflächen für Schweine
Lebendgewicht (kg) Mindestauslauffläche
(Freigeländeflächen außer
Weideflächen – m2/Tier)
säugende Sauen mit bis
zu 40 Tage alten Ferkeln
2,5
Mastschweine bis 50
bis 85
bis 110
über 110
0,6
0,8
1
1,2
Ferkel Über 40 Tage alt und bis 30 kg 0,4
Zuchtsauen 1,9
Zuchteber 8,0
3.12.7.3 Übergangsregelungen für Auslaufflächen
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde, die Mindestanforderungen des
österreichischen Lebensmittelbuches Kap. A8, Stand August 1999 eingehalten
werden und die Betriebe folgende Übergangsregelungen in Anspruch genommen
haben:
- zu kleine Auslaufflächen, jedoch mindestens die Hälfte der national festgelegten
Mindeststallfläche im Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8, Stand August
1999
- Auslauf bei Sauen mit Ferkel während der Säugeperiode
- zu kleine Auslaufflächen (kleiner als die Hälfte der 1999 national festgelegten
Mindeststallfläche) wegen beengter Hoflage
- fehlende Auslaufflächen wegen beengter Hoflage
müssen die Bio-Richtlinien ab 01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011
die nötigen Anpassungen nicht vornehmen kann, der muss bei der zuständigen
Landesbehörde um eine Verlängerung der Ausnahme bis Ende 2013 beantragen.
Dem Ansuchen muss ein Plan vorgelegt werden, aus dem hervorgeht wie die Bio-
Richtlinien ab dem 01.01.2014 eingehalten werden können. Betriebe deren
Ansuchen von der Behörde genehmigt wurden, haben ab dem 01.01.2011 zwei
Kontrollen pro Jahr.
3.13 Haltung von Geflügel
Grundsätze einer artgemäßen Hühnerhaltung
Eine tiergerechte Hühnerhaltung muss den Tieren die Erfüllung ihrer physiologischen und
Verhaltensbedürfnisse ermöglichen. Besonders bei Hochleistungslegehennen ist es wichtig
alle Verhaltensbedürfnisse von der Kückenaufzucht an zu befriedigen, da Verhaltensstörungen,
wie z.B. Feder- und Kloakenpicken und Kannibalismus, vermehrt auftreten
können. Eine artgemäße Hühnerhaltung muss folgende Forderungen erfüllen:
• Ein Mindestangebot an Platz im Stall sowie ein geeigneter Auslauf bzw. Weidezugang
• Eine Gliederung des Stalles in Ruhe- und Aktivitätsbereiche
• Hühner besitzen ein umfangreiches Repertoire an Verhaltensweisen, die das Leben und
die Nahrungssuche am Boden betreffen. Sie zeigen ein umfangreiches Komfortverhalten,
zu dem auch Sand- und Sonnenbäder zählen. Daher sind verhaltensrelevante Einrichtungen
wie geeignete Nester, Scharrflächen, Sandbademöglichkeit und Sitzstangen
auf verschiedenen Ebenen wichtig.
EU
EU
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BA
BA
Tierproduktion
Seite 50 BIO AUSTRIA
• Eine bedarfs- und verhaltensgerechte Fütterung sowie ausreichend geeignete Futter- und
Tränkeeinrichtungen
• ausreichend Tageslicht und Sonne im Stall
• ein staub- und schadstoffarmes Stallklima
• Schutz vor krankmachenden Bedingungen, Verletzungen und Beutegreifern
3.13.1 Stallungen
3.13.1.1 Besatzdichten
Als „nutzbare Stallfläche“ gilt eine uneingeschränkt begehbare, mindestens
30 cm breite und höchstens 14 % (= 6,3° ) geneigte Fläche mit einer lichten Höhe
von mindestens 45 cm (Mindestabstand zwischen den Ebenen). Die Nestflächen,
deren Anflugroste, erhöhte Sitzstangen und Flächen im Außenscharrraum sind
nicht Teil der nutzbaren Stallfläche. In Systemen mit mehreren übereinander angeordneten
Ebenen gelten als nutzbare Stallfläche alle entmistbaren Gitter- und Rostflächen
mit direkt darunter liegender Entmistung sowie die eingestreuten Stallbodenflächen.
Mindeststallfläche
(den Tieren zur Verfügung stehende nutzbare Stallfläche)
Anzahl Tiere/m2 Nest
Legehennen 6 Tiere/m2; bei richtlinienkonformen
Außenscharrraum maximal 7
Tiere/m2 nutzbare Fläche im Stall
(Definition Außenscharrraum
nachfolgend)
5* Legehennen je Nest oder im
Fall eines Gruppennestes:
120 cm2/Tier
Legehennen
Volierenhaltung
Maximal 7 Tiere/m2 nutzbare
Stallfläche (bei geschlossenen
Stallöffnungen maximal 14 Tiere/m2
Stallgrundfläche)
5* Legehennen je Nest oder im
Fall eines Gruppennestes:
120 cm2/Tier
Mastgeflügel
(in festen Ställen)
10 Tiere/m2, höchstzulässiges
Lebendgewicht 21 kg/m2 ; Gänse
maximal 15 kg/m2; bei
richtlinienkonformen
Außenscharrraum: Masthühner und
Puten maximal 28 kg/m2,
Masthühner maximal 12 Tiere/m2
nutzbare Stallfläche
Mastgeflügel
(in beweglichen
Ställen)
16 Tiere/m2, höchstzulässiges
Lebendgewicht 30 kg/m2 nur in
beweglichen Ställen mit einer
Bodenfläche von höchstens 150 m2;
Gänse maximal 15 kg/m2, Enten
maximal 25 kg/m2
* Die Nester müssen mit natürlichen, verformbaren Materialien ausgestattet sein.
Außenscharrraum (Außenklimabereich)
Ein richtlinienkonformer Außenscharrraum muss folgende Bedingungen erfüllen:
Ein Außen- oder Kaltscharrraum bezeichnet einen überdachten, nicht isolierten,
eingestreuten, beleuchteten Außenklimabereich, der an einer oder mehreren
Seiten durch Gitter, Windnetze oder ähnliche Vorrichtungen begrenzt wird, nicht
zur nutzbaren Stallfläche gezählt wird und
• während der ganzen Aktivitätsphase (Hellphase, natürliches und künstliches
Licht) für die Tiere über alle Stallöffnungen zugänglich ist,
• mindestens ein Drittel (mindestens ein Viertel in der Junghennenaufzucht bis
zum Alter von 18 Wochen) der nutzbaren Stallfläche im Stallinneren umfasst,
TS
EU/
TS
CO
Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 51
• überdacht ist, über automatische Schieber-/Klappenöffnungen, Beleuchtung,
Einzäunung und Windschutzmöglichkeiten verfügt,
• eingestreut ist,
• eine Höhe von mindestens 1,5 m hat,
• sich auf gleicher Ebene wie der Stall befindet bzw. der Niveauunterschied vom
Stall zum Außenscharrraum maximal 80 cm (maximal 50 cm in der Junghennenaufzucht
bis zum Alter von 18 Wochen) beträgt. Der Niveauunterschied
darf bei Masthühner maximal 40 cm und bei Truthühner maximal 25 cm
betragen. Größere Niveauunterschiede können bei Mast- und Truthühnern
durch Auf- oder Abstiegshilfen überwunden werden, bedürfen aber einer Genehmigung
von BIO AUSTRIA.
• über Öffnungen vom Stallinnenteil in den Außenscharrraum verfügt, die den
Anforderungen an Auslauföffnungen genügen (Truthühner: Mindestbreite:
80 cm, Mindesthöhe: 60 cm; Legehennen und Masthühner: Mindestbreite:
40 cm, Mindesthöhe: 35 cm).
3.13.1.2 Definition Geflügelstall
Ein Geflügelstall ist eine in sich abgeschlossene Einheit mit eigenem Luftraum und
eigenen Tränke- und Futterbahnen mit umliegendem Auslauf für die Tiere.
In einem solchen Geflügelstall dürfen nicht mehr als 4.800 Mast- bzw. Junghühner,
3.000 Legehennen, 5.200 Perlhühner, 4.000 weibliche Barbarie- oder Pekingenten,
3.200 männliche Barbarie-, Peking- oder sonstige Enten, 2.500 Kapaune, Gänse
oder Truthühner beherbergt sein.
Für die Fleischerzeugung darf ein Betrieb nicht mehr als 1.600 m2 Stallfläche für
Geflügel aufweisen. Die Gesamtobergrenze pro Betrieb bei Masthühnern beträgt
9.600 Tiere.
3.13.1.3 Stallboden
Zumindest ein Drittel der für die Tiere begehbaren Fläche ist planbefestigt, mit
lockerem und trockenem Einstreumaterial bedeckt (z.B. strukturiertes Material wie
Stroh, Holzspäne etc.) und muss als Scharrraum den Tieren zur Verfügung stehen.
Bei Legehennen ist ein ausreichend großer Teil der verfügbaren Bodenfläche als
Kotgrube auszuführen.
3.13.1.4 Sitzstangengestaltung
Für Legehennen und Perlhühner sind je Tier 20 cm erhöhte Sitzstangen vorzusehen.
Für Legehennen gilt weiters: Die Sitzstangen sind nicht über dem Einstreubereich
angeordnet und weisen keine scharfen Kanten auf. Bei Verwendung von Lattenrosten/
PVC-Rosten über der Kotgrube kann 1 m2 Lattenrost 3 lfm. Sitzstangen ersetzen.
Es müssen aber mindestens die Hälfte der benötigten Sitzstangen stufenförmig
erhöht angebracht sein, wobei der horizontale Abstand von Sitzstange zu
Sitzstange mindestens 30 cm beträgt, der Abstand von Sitzstange zur Wand
mindestens 20 cm. Erhöhte Sitzstangen müssen mindestens 35 cm über einer
darunter gelegenen nutzbaren Fläche angebracht sein.
CO
BA
BA
EU
BA
EU
EU/
TS
Tierproduktion
Seite 52 BIO AUSTRIA
3.13.1.5 Haltung von Legehennen in Volieren
Die Haltung von Legehennen in Volieren ist nur in Verbindung mit einem Außenscharrraum
erlaubt, wenn folgende Parameter erfüllt sind:
- Vorhandensein eines richtlinienkonformen Außenscharrraumes,
- ordnungsgemäß ausgeführte maximal dreietagige Voliere (d. h. Boden plus drei
Etagen; wenn dreietagig, dann ist die oberste Etage als Ruhebereich mit
Sitzstangen zu gestalten).
- Besatzdichte siehe 3.13.1.1
3.13.1.6 Auslauföffnungen
Bei Geflügel sind Auslauföffnungen im Ausmaß von 4 m Breite je 100 m2 der den
Tieren zur Verfügung stehenden Stallfläche vorzusehen.
Bei Lege- und Junghennen sowie Masthühnern müssen die einzelnen Auslauföffnungen
mindestens 35 cm hoch, mindestens 40 cm breit und so verteilt sein,
dass sie für alle Hühner eine leicht benutzbare Verbindung zwischen Stall und
Auslauf herstellen. Bei Truthühnern beträgt die Mindestbreite je Auslauföffnung
80 cm und die Mindesthöhe 60 cm.
3.13.1.7 Licht
In Geflügelställen ist im Tierbereich in der Lichtphase eine Lichtstärke von mindestens
20 Lux zu erreichen (Empfohlene Fensterfläche – Architekturlichte* = mindestens
3 % der Mindestbodenfläche). *entspricht der verputzten und gedämmten Maueröffnung
Es darf Kunstlicht eingesetzt werden.
Es werden nur hochfrequente Leuchtstoffröhren oder andere Lichtquellen
verwendet, die keinen stroboskopischen Effekt verursachen. Es ist eine
ununterbrochene Nachtruhe ohne Kunstlicht von mindestens acht Stunden
einzuhalten. Bei Lichtänderung sind gleitende oder gestaffelte Übergänge
einzuhalten. Bei Auftreten von starkem Federpicken kann das Tageslicht im
Stallinneren vorübergehend abgedunkelt (mindestens 5 Lux) werden. Bei
Junghennen muss in diesem Fall Zugang zu einem Außenscharrraum bestehen.
3.13.1.8 Fressplätze und Tränkemöglichkeit
Funktionstüchtige Tränkemöglichkeiten mit sauberem Trinkwasser müssen den
Tieren den ganzen Tag über zur Verfügung stehen. Bei Verwendung von Nippeltränken
oder Trinknäpfen müssen für jede Haltungseinheit (Gruppe) mindestens
zwei dieser Einrichtungen in Reichweite sein.
Die Verteilung der Fütterungs- und Tränkeanlagen muss sicherstellen, dass alle
Tiere ungehinderten Zugang haben.
Die Mindestausmaße für Fütterungs- und Tränkevorrichtungen bei alternativen
Haltungssystemen gemäß österreichischem Tierschutzgesetz (Tierhalteverordnung
BGBl. II 485/2004, Anlage 6, Punkt 3.1) sind einzuhalten.
3.13.1.9 Stallhygiene
Sämtliche Gebäudeteile, Ausrüstungen und Geräte, mit denen die Tiere in Berührung
kommen, sind regelmäßig jedenfalls jedoch nach jeder kompletten Ausstallung
und vor Aufstallung der nächsten Tierpartie gründlich zu reinigen und zu
desinfizieren. Solange die Stallungen besetzt sind, müssen alle Oberflächen und
sämtliche Anlagen sauber gehalten werden.
Ausscheidungen sind so oft wie nötig, tote Tiere täglich zu entfernen.
Alle Tiere müssen mindestens einmal täglich kontrolliert werden. Kranke oder
verletzte Tiere müssen erforderlichenfalls separiert oder gesondert untergebracht
werden können.
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TS/
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TS
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 53
Reinigungs- und Desinfektionsmittel: Zur Reinigung und Desinfektion von Geflügelställen
erlaubte Inhaltstoffe siehe Punkt 3.6. Eine Liste von verordnungskonformen
Reinigungs- und Desinfektionsmitteln ist im Betriebsmittelkatalog für den biologischen
Landbau. Sollten andere als die dort angeführten Mittel eingesetzt
werden, ist vor deren Zukauf mit der Kontrollstelle Rücksprache zu halten.
Insektenbekämpfung in Geflügelställen: Produkte mit bio-tauglichen Wirkstoffen
(siehe Punkt 3.7) sind dem aktuellen Betriebsmittelkatalog zu entnehmen.
3.13.1.10 Stallklima, Lärm
Eine natürliche oder mechanische Belüftung ist in geschlossenen Ställen vorhanden.
Der Luftwechsel erfolgt dauerhaft und ausreichend ohne gleichzeitig schädliche
Zugluft zu bewirken.
Ist das Wohlbefinden der Tiere vom Lüftungssystem abhängig, so muss es ein
Alarmsystem und ein geeignetes Ersatzsystem geben.
Der Lärmpegel ist so gering wie möglich zu halten. Dauernder oder plötzlicher
Lärm ist zu vermeiden. Die Konstruktion, die Aufstellung, die Warnung und der
Betrieb der Belüftungsgebläse, Fütterungsmaschinen oder anderer Maschinen sind
so zu gestalten, dass sie so wenig Lärm wie möglich verursachen.
3.13.1.11 Übergangsregelungen für Geflügelställe
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde, die Mindestanforderungen des
österreichischen Lebensmittelbuches Kap. A8, Stand August 1999 eingehalten
werden und die Betriebe folgende Übergangsregelungen in Anspruch genommen
haben:
- Mindeststallflächen lt. Punkt 3.13.1.1
- Obergrenzen für die Tieranzahl pro Stall aus Punkt 3.13.1.2
- Bestimmungen über das Ausmaß von Scharrraum und Kotgrube aus 3.13.1.3
- Bestimmungen zu den Auslauföffnungen aus Punkt 3.13.1.6
müssen die Bio-Richtlinien ab 01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011
die nötigen Anpassungen nicht vornimmt, beantragt bei der zuständigen Landesbehörde
eine Verlängerung der Ausnahme bis längstens Ende 2013. Mit dem Ansuchen
muss ein Plan vorgelegt werden, aus dem hervorgeht, wie die Bio-Richtlinien
ab dem 01.01.2014 eingehalten werden. Betriebe, deren Ansuchen von der
Behörde genehmigt wurden, haben ab dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen pro
Jahr.
3.13.2 Ausläufe
Die Tiere müssen ständigen Zugang zu Freigelände, vorzugsweise zu Weideland, haben,
wann immer die Witterungsbedingungen und der Zustand des Bodens dies erlauben.
Bei beengten Hoflagen gelten im Sinne der Übergangsregelung Ausnahmen bis längstens
31.12.2013 (siehe Punkt 3.13.2.5).
Für die Freilandhaltung von Legehennen ist eine großteils bewachsene Außenfläche von
mindestens 10 m2 je Tier vorzusehen. Die Auslauffläche muss über Unterschlupfmöglichkeiten
zum Schutz vor widrigen Witterungsbedingungen und vor Raubtieren sowie bei
Bedarf über geeignete Tränken verfügen. Auf Grünflächen ist darauf zu achten, dass keine
Überweidung stattfindet.
Der Auslauf für Legehennen muss in einem Umkreis von maximal 150 m vom Stall sein. Die
Auslauffläche grenzt dabei direkt an die Auslauföffnungen des Stalles bzw. Außenscharrraumes
oder Vorplatz. Untertunnelung oder ähnliche Maßnahmen zur Überwindung von
Hindernissen sind nicht erlaubt.
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Tierproduktion
Seite 54 BIO AUSTRIA
3.13.2.1 Auslaufnutzung
Der Auslauf muss, wann immer die Witterungsbedingungen und der Zustand des
Bodens dies erlauben, tagsüber uneingeschränkt begehbar sein. Im Sommerhalbjahr
möglichst ganztägig, mindestens jedoch acht Stunden, im Winterhalbjahr
mindestens vier Stunden täglich. Bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt
kann die Auslaufzeit auf die Mittagszeit beschränkt werden oder in begründbaren
Fällen (z.B. Frostgefahr) entfallen.
3.13.2.2 Ausstattung des Auslaufs
Es empfiehlt sich, im Anschluss an den Hühnerstall bzw. Außenscharrraum den
Tieren eine mit Schotter, Hackschnitzel oder Beton befestigte Vorplatzfläche
anzubieten. Zusätzlich soll auch eine Möglichkeit zum Sandbaden vorgesehen
werden. Bei beweglichen Stallungen ist eine Befestigung nicht empfehlenswert,
wenn die Fläche für den Vorplatz mit jeder Partie wechselt.
Die Betreuung des Vorplatzes muss hygienischen Anforderungen gerecht werden,
um eine Übertragung von Krankheiten durch Nager, Wildvögel etc. einzudämmen
(regelmäßige Entfernung von Futterresten und Kot).
Der Vorplatz kann von der Weidefläche durch einen Zaun getrennt sein. Die
Verbindung vom Vorplatz zur Weide muss mindestens die gleich breiten Öffnungen
haben wie die Auslauföffnungen beim Stall.
Obstgarten, Wald oder Weide, sofern Wald und Weide von den zuständigen
Behörden genehmigt sind, gelten auch als Grünauslauffläche.
Es wird empfohlen, bei Legehennen und Truthähnen Koppelwirtschaft mit Koppeln
von mindestens 5 m2 per Koppel und Tier zu betreiben.
3.13.2.3 Auslaufruhe
Bei Geflügel, das in Partien aufgezogen und in begrenzten Ausläufen gehalten
wird, ist zwischen den Produktionsdurchgängen eine Ruhezeit von vier Wochen für
den Auslauf vorzusehen.
3.13.2.4 Mindestauslaufflächen für Geflügel
Mindestauslaufflächen
Legehennen 10 m2/Tier, sofern die Obergrenze des Stickstoffeintrages von 170 kg pro
ha und Jahr nicht überschritten wird*
Mastgeflügel (in
festen Ställen)
Masthühner und Perlhühner: 4 m2/Tier
Enten: 4,5 m2/Tier
Truthähne: 10 m2/Tier
Gänse: 15 m2/Tier
Bei allen Arten darf die Obergrenze von 170 kg N pro ha und Jahr nicht
überschritten werden
Mastgeflügel (in
beweglichen
Ställen)
Enten, Masthühner und Perlhühner: 2,5 m2/Tier
Gänse und Truthühner: 10 m2/Tier
Bei allen Arten darf die Obergrenze von 170 kg N pro ha und Jahr nicht
überschritten werden
* Bis 31.12.2013 ist Bodenhaltung mit Auslauf möglich (siehe 3.13.2.5):
Mindestens 1 m2 pro 5 Legehennen steht in Form eines befestigten Auslaufes 8 Stunden
tagsüber und an mindestens 200 Tagen pro Jahr uneingeschränkt zur Verfügung.
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BA
EU
EU
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 55
3.13.2.5 Übergangsregelungen für Auslaufflächen
Wenn der Stall vor dem 24.08.1999 errichtet wurde, die Mindestanforderungen des
österreichischen Lebensmittelbuches Kap. A8, Stand August 1999 eingehalten
werden und die Betriebe folgende Übergangsregelungen in Anspruch genommen
haben:
- zu kleine Auslaufflächen, jedoch mindestens die Hälfte der national festgelegten
Mindeststallfläche im Österr. Lebensmittelbuch Kap. A8, Stand August
1999
- fehlender Auslauf wegen beengter Hoflage
- fehlender Pflanzenbewuchs und Schutzvorrichtungen in Geflügelausläufen
müssen die Bio-Richtlinien ab 01.01.2011 eingehalten werden. Wer bis 01.01.2011
die nötigen Anpassungen nicht vornimmt, beantragt bei der zuständigen Landesbehörde
eine Verlängerung der Ausnahme bis Ende 2013. Mit dem Ansuchen
muss ein Plan vorgelegt werden, aus dem hervorgeht wie die Bio-Richtlinien ab
dem 01.01.2014 eingehalten werden. Betriebe, deren Ansuchen von der Behörde
genehmigt wurden, haben ab dem 01.01.2011 zwei Bio-Kontrollen pro Jahr.
3.13.2.6 Wasserzugang bei Wassergeflügel
Soweit Witterung und Hygienebedingungen dies gestatten, muss Wassergeflügel
Zugang zu einem Bach, Teich, See oder Wasserbecken haben, damit die Tiere
ihre artspezifischen Bedürfnisse ausleben können und die Tierschutzanforderungen
erfüllt werden. Die Wasserbehälter müssen so gestaltet sein, dass sie
zumindest das Eintauchen des Kopfes und Halses und eine anschließende
Schöpfbewegung erlauben. Handelt es sich um kein Durchflusssystem, so sind die
Behälter regelmäßig zu entleeren und zu reinigen. Zur Schonung der Weide
müssen die Behälter regelmäßig versetzt werden. Die Häufigkeit muss auf die
örtliche Gegebenheit abgestimmt werden, sodass es zu keiner Verschlämmung
kommt.
Die Mindestwassertiefe beträgt 10 cm.
3.13.3 Mindestschlachtalter
Es ist folgendes Mindestschlachtalter für Geflügel einzuhalten:
81 Tage bei Hühnern
150 Tage bei Kapaunen
49 Tage bei Pekingenten
70 Tage bei weiblichen Flugenten
84 Tage bei männlichen Flugenten
92 Tage bei Mulard-Enten
94 Tage bei Perlhühnern
140 Tage bei Truthähnen und Gänsen
100 Tage bei Truthennen
Das Mindestschlachtalter muss nicht eingehalten werden, wenn langsam wachsende Rassen
verwendet werden.
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Tierproduktion
Seite 56 BIO AUSTRIA
3.14 Richtlinien zur Aufzucht von Junghennen
Der spezielle Geflügelteil ist immer in Kombination mit dem allgemeinen Geflügelteil
3.13 zu lesen.
Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zur Tierhaltung
(Kapitel 3.1 – 3.7 sowie 3.13) gelten für die Aufzucht von Junghennen folgende
Bestimmungen:
Die Jungtiere sollen in der Aufzucht die natürlichen Verhaltensweisen erlernen, welche sie im
Legestall auch ausüben können. Damit sollen mögliche Verhaltensstörungen vermieden
werden. Das Stallsystem im Aufzuchtstall soll daher mit dem Legehennenstall weitgehend
übereinstimmen. So sollte die Junghennenaufzucht für Legehennen in Volierenhaltung
ebenfalls in Volieren erfolgen.
In der Aufzucht sollen Widerstandskraft und eine natürliche Immunisierung entwickelt und
aufgebaut werden.
3.14.1 Tierbestand
In einer Stalleinheit mit eigenem Auslauf werden nicht mehr als 4.800 Junghennen gehalten.
Bis zum Alter von drei Wochen ist eine Aufzucht mit insgesamt maximal 9.600 Tieren, geteilt
in mindestens zwei Gruppen je maximal 4.800 Tiere, möglich.
3.14.2 Haltungsbedingungen
3.14.2.1 Besatzdichte
maximal 35 Tiere/m2 nutzbare Stallfläche bis zum Alter von 3 Wochen
maximal 20 Tiere/m2 nutzbare Stallfläche bis zum Alter von 6 Wochen
maximal 14 Tiere/m2 nutzbare Stallfläche bis zum Alter von 10 Wochen
maximal 10 Tiere/m2 nutzbare Stallfläche bis zum Alter von 18 Wochen
Bei Ställen mit richtlinienkonformen Außenscharrräumen ist eine Besatzdichte von
maximal 12 Tieren/m2 nutzbarer Stallfläche zwischen der 11. und der 18. Woche
möglich. Definition nutzbare Stallfläche und Außenscharrraum siehe Punkt
3.13.1.1.
3.14.2.2 Ausgestaltung des Stalles
Ab dem ersten Lebenstag sind stufenförmig angeordnete Sitzstangen vorzusehen.
Der Mindestabstand zum Boden beträgt 15 cm. Ergänzend sind vom ersten Tag an
Strukturen im Stallraum empfohlen (z.B. Heu- oder Strohballen).
Bis Ende der zehnten Lebenswoche: 4 cm Sitzstange/Tier
Ab der elften Lebenswoche: 10 cm Sitzstange/Tier,
Abweichend dazu sind in Volierenställen ab der elften Lebenswoche die Strukturen
der erhöhten Ebenen als Sitzstangenangebot ausreichend.
Die Kücken müssen ab dem ersten Lebenstag Einstreu mit Sandanteilen zur freien
Verfügung haben. Mindestens ein Drittel der Bewegungsfläche im Stall muss als
eingestreute Scharrfläche zur Verfügung stehen. Die Einstreu ist trocken, locker
und sauber zu halten.
3.14.2.3 Volierenhaltung in der Bio-Junghennenaufzucht
Die Volierenhaltung in der Bio-Junghennenaufzucht ist erlaubt. Es dürfen nur
Volieren mit maximal drei Etagen (Bodenfläche + drei Etagen) verwendet werden,
wobei die dritte Etage als Ruhebereich eingerichtet werden muss. Es gelten die
gleichen Besatzdichten/m2 nutzbarer Stallfläche wie in anderen Aufzuchtställen, die
Obergrenze liegt bei maximal 24 Tiere/m2 Stallgrundfläche.
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 57
3.14.2.4 Licht – siehe Punkt 3.13.1.7
Bei Auftreten von starkem Federpicken kann das Tageslicht im Stallinneren
vorübergehend abgedunkelt (mindestens 5 Lux) werden, wenn Zugang zu einem
Außenscharrraum besteht.
3.14.3 Außenscharrraum und Auslauf
3.14.3.1 Auslauföffnungen – siehe Punkt 3.13.1.6
3.14.3.2 Außenscharrraum
Spätestens ab der zehnten Lebenswoche müssen die Tiere während der Aktivitätszeit
Zugang zu einem richtlinienkonformen Außenklimabereich (Außenscharrraum,
Definition siehe 3.13.1.1) haben. Ausgenommen sind Betriebe mit Bestandsgrößen
von unter 200 Junghennen oder mit mobilen Ställen, sofern Grünauslauf zur
Verfügung steht.
3.14.3.3 Grünauslauf (zusätzlich zum Richtlinienpunkt 3.13.2)
Spätestens ab der 12. Woche ist den Junghennen Grünauslauf anzubieten. An
Tagen mit Witterungsextremen (z.B. Schneelage) ist der Zugang zum Außenscharrraum
ausreichend. Der Grünauslauf muss mindestens 0,5 m2/Tier umfassen.
Als Auslaufflächen gelten nur Flächen innerhalb eines Umkreises von 50 Metern
von den Auslauföffnungen.
In bereits vor dem 01.01.2002 bestehenden Gebäuden mit Junghennenaufzucht,
die über keinen richtlinienkonformen Außenscharrraum verfügen, genügt Grünauslauf.
3.15 Haltung von Freilandmasthühnern
Der spezielle Geflügelteil ist immer in Kombination mit dem allgemeinen Geflügelteil
3.13 zu lesen.
Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zur Tierhaltung
(Kapitel 3.1 – 3.7 sowie 3.13) gelten für Bestände über 100 Masthühner folgende
Bestimmungen:
3.15.1 Tierbestand
3.15.1.1 Höchstbestand pro Stall – siehe Punkt 3.13.1.2
Es werden nicht mehr als 4.800 Masthühner pro Stall gehalten.
Gesamtobergrenze pro Betrieb
Die Gesamtobergrenze pro Betrieb beträgt 9.600 Masthühner.
3.15.2 Haltung
3.15.2.1 Besatzdichten
Folgende Besatzdichten je m2 nutzbare Stallfläche sind möglich:
Kückenaufzucht: maximal 35 Tiere/m2 bis zum Ende der 4. Woche (28 Tage)
Mastphase: maximal 10 Tiere/m2 in der Endmast ab der 5. Woche
In keinem Fall dürfen jedoch mehr als 21 kg Lebendgewicht/m2 nutzbare Stallfläche
überschritten werden.
Bei Ställen mit einem richtlinienkonformen Außenscharrraum (Definition nutzbare
Stallfläche und Außenscharrraum siehe 3.13.1.1) ist eine Besatzdichte von
maximal 12 Tieren/m2 nutzbarer Stallfläche möglich. Die maximale Besatzdichte im
Stall darf nicht mehr als 28 kg Lebendgewicht je m2 den Tieren ständig zur
Verfügung stehende Nettofläche betragen.
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Tierproduktion
Seite 58 BIO AUSTRIA
3.15.2.2 Einstreu
Die Hühner bilden durch die Einstreu im Stallraum eine lockere und trockene Tiefstreu.
In diese Streu sollen regelmäßig Getreidekörner eingebracht werden, damit
die Hühner die Einstreu auflockern.
3.15.3 Auslauf – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 3.13.2
Der Auslauf muss ab der fünften Lebenswoche (in begründeten Fällen spätestens
ab der sechsten Lebenswoche, Genehmigung durch BIO AUSTRIA erforderlich)
den Hühnern zugänglich sein.
3.15.3.1 Auslauföffnungen – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 3.13.1.6
Die Auslauföffnungen müssen für die Tiere leicht erreichbar sein. Die Auslauföffnungen
sollen für die Hühner im Stall nicht mehr als 12 m entfernt sein. Bei Neubauten
dürfen die Auslauföffnungen für Hühner nicht weiter als 12 m entfernt sein.
Flächen, die mehr als 12 m von einer Auslauföffnung entfernt sind, zählen dann
nicht zur Stallfläche.
Die Mindestbreite je Auslauföffnung beträgt 40 cm, die Mindesthöhe 35 cm.
Bei Kälte und bei Mastbeginn können die Auslauföffnungen so verringert werden,
dass eine ausreichende Stalltemperatur gesichert ist und die Hühner trotzdem in
den Auslauf gelangen können.
3.15.3.2 Grünauslauf, Weide – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 3.13.2
Entfernungen von über 45 m sollen vermieden werden.
3.15.4 Rassen und Mindestschlachtalter
Das Mindestschlachtalter von 81 Tagen muss nicht eingehalten werden, wenn langsam
wachsende Rassen verwendet werden.
3.15.5 Einstallung, Transport, Schlachtung
Die Einstallung, der Transport und die Schlachtung der Masthühner müssen pfleglich erfolgen.
Die Tiere müssen nach dem Verladen sofort zum nächst möglichen Schlachthof transportiert
werden, wobei der Transport sechs Stunden nicht überschreiten darf.
3.16 Haltung von Truthühnern
Der spezielle Geflügelteil ist immer in Kombination mit dem allgemeinen Geflügelteil
3.13 zu lesen.
Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zur Tierhaltung
(Kapitel 3.1 – 3.7 sowie 3.13) gelten für Truthahnbestände folgende Bestimmungen
3.16.1 Tierbestand
3.16.1.1 Höchstbestand pro Stall – siehe Punkt 3.13.1.2
Es werden nicht mehr als 2.500 Truthühner pro Stall gehalten.
Die Gesamtnutzungsfläche der Geflügelställe je Betrieb von maximal 1.600 m2 wird
nicht überschritten.
3.16.1.2 Besatzdichte – siehe Punkt 3.13.1.1
Die Besatzdichte darf in festen Ställen maximal zehn Tiere und maximal 21 kg
Lebendgewicht/m2 betragen.
Bei Ställen mit einem richtlinienkonformen Außenscharrraum darf die maximale
Besatzdichte im Stall nicht mehr als 28 kg Lebendgewicht je m2 den Tieren ständig
zur Verfügung stehende Nettofläche betragen.
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Tierproduktion
Richtlinien 2010 Seite 59
3.16.2 Haltung
3.16.2.1 Stallboden, Einstreu
Die nutzbare Stallfläche darf nicht perforiert (Spalten, Gitter) ausgeführt werden
und wird mit trockener und lockerer Einstreu (strukturiertes Material wie Stroh,
Hobelspäne etc.) als Scharrraum für die Tiere versehen.
Um den Truthühnern ein Ausleben ihrer biologischen Verhaltensmerkmale weitgehend
zu ermöglichen (Erkundungsverhalten, Ruhezonen, Fluchtmöglichkeiten
und erhöhte Sitzgelegenheiten), werden im Stall erhöhte Sitzgelegenheiten wie
z.B. Strohballen oder Tische angeboten.
3.16.2.2 Auslauföffnungen – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 3.13.1.6
Die Mindestbreite je Auslauföffnung beträgt 80 cm, die Mindesthöhe 60 cm. Bei
allen nach dem 01.07.2006 neu errichteten Stallungen sind die Auslauföffnungen
gleichmäßig über die an den Auslauf grenzenden Seiten verteilt (gilt für Bestände
über 100 Tiere), sodass sie für alle Tiere eine leicht benutzbare Verbindung
zwischen Stall und Auslauf herstellen.
Bei Kälte kann die Anzahl der Auslauföffnungen so weit verringert werden, dass
eine ausreichende Stalltemperatur gesichert ist und die Truthühner trotzdem in den
Auslauf gelangen können.
3.16.3 Auslauf – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 3.13.2
Ab der achten Lebenswoche ist der Zugang zum Auslauf tagsüber uneingeschränkt möglich.
Die Auslauffläche beträgt mindestens 10 m2/Tier.
3.16.4 Rassen und Mindestschlachtalter
Das Mindestschlachtalter von 140 Tagen bei Truthähnen und 100 Tagen von Truthennen
muss nicht eingehalten werden, wenn langsam wachsende Rassen verwendet werden.
3.16.5 Transport und Schlachtung
Das Verladen der Tiere erfolgt pfleglich und mit möglichst wenig Stress für die Tiere. Die Tiere
müssen nach dem Verladen sofort zum nächst möglichen Schlachthof transportiert werden,
wobei der Transport sechs Stunden nicht überschreiten darf.
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Gartenbau und Dauerkulturen
Seite 60 BIO AUSTRIA
4. Gartenbau und Dauerkulturen
(Anbau, Verarbeitung, Lagerung)
4.1 Gemüsebau
Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zum Pflanzenbau
(Kapitel 2.1 bis 2.6) gelten für Gemüsebau-Betriebe zusätzlich folgende Bestimmungen:
4.1.1 Humuswirtschaft
Durch die Art der Bewirtschaftung muss eine positive Humusbilanz erzielt werden. Der
Humusgehalt der Böden ist deshalb alle zwei bis drei Jahre zu überprüfen.
4.1.2 Düngung – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 2.1
Vor jedem Zugang von organischen Düngemitteln ist eine Genehmigung von BIO AUSTRIA
notwendig.
Beim Zugang organischer Dünger konventioneller Herkunft ist die Menge so zu bemessen
dass die Gesamtstickstoffmenge von 170 kg/ha landwirtschaftliche Nutzfläche – den
hofeigenen Dünger mit eingeschlossen – nicht überschritten wird. Die genehmigbare Menge
beträgt bei Gemüse pro ha und Jahr:
Freilandgemüsebau: maximal 80 kg Njw/Hektar und Jahr
Geschützter Anbau: maximal 170 kg Njw/Hektar und Jahr
Diese Regelung ist befristet bis Ende 2013.
Berechnungsbasis ist der jahreswirksame Stickstoff (Njw) gemäß ÖPUL 2007.
Die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern (Gülle, Jauche, Frischmist) als Kopfdüngung bei
Gemüse ist vom Anbau bis zur Ernte (bei mehrjährigen Kulturen bis zur letzten Ernte des
jeweiligen Jahres) verboten.
4.1.3 Jungpflanzenanzucht
Die im Betrieb benötigten Jungpflanzen müssen selbst angezogen oder von einem anderen
biologischen Betrieb gekauft werden. Die Verwendung von CMS (cytoplasmatische männliche
Sterilität) -Hybriden, die aus Protoplasten- oder Cytoplastenfusion hervorgegangen sind, ist im
Gemüsebau nicht zulässig.
4.1.4 Erde und Substrate
Der Anbau von Gemüse ist nur als Erdkultur erlaubt. Nicht zugelassen sind der Anbau auf
Steinwolle, die Hydrokultur, die Nährfilmtechnik und ähnliche Verfahren. Die Wassertreiberei
bei Chicoree und Kresse ist möglich.
Torf ist für die Jungpflanzenanzucht in Substratmischungen bis zu 70 % der Gesamtmenge
erlaubt. Der Einsatz von Torf zur Anreicherung der Böden mit organischer Substanz ist
verboten. Ebenso ist die Verwendung von Styromull und anderen synthetischen Stoffen auf
Böden und in Substraten verboten.
Die verwendeten Erden und Zuschlagstoffe zu Substraten (z.B. Fertigerden, Rindenprodukte,
Fertigkomposte und Kompostmaterial) dürfen keine Zusätze enthalten, die nach den BIO
AUSTRIA-Richtlinien zum Pflanzenbau (siehe 2.1.5) nicht zugelassen sind.
4.1.5 Dämpfen von Flächen und Erden
Dämpfen im Freiland ist verboten. Nach Maßgabe der Beratung ist Dämpfen bei Anzuchterde
und Substrat im Folientunnel oder Glashaus erlaubt.
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Gartenbau und Dauerkulturen
Richtlinien 2010 Seite 61
4.1.6 Anbau unter Glas und Folie
Im Winter (Dezember bis Februar) dürfen die Kulturflächen lediglich frostfrei (höchstens
10 °C) gehalten werden. Jung- und Topfpflanzenproduktion bzw. die ausschließliche
Beheizung mit nachweislich erneuerbarer Energie (nachwachsende Rohstoffe, Hackschnitzel,
Sonnenenergie) und Abwärmenutzung (Agrogasanlagen etc.) sind davon ausgenommen.
Auf eine gute Wärmedämmung der Glashäuser ist zu achten.
Künstliches Licht ist (mit Ausnahme zur Jungpflanzenanzucht) verboten.
4.1.7 Gebrauchte Folien, Vliese usw. sind dem Recycling zuzuführen.
4.1.8 Verpackung und Lagerung
Die Gemüseverpackung ist so zu wählen, dass einerseits die Erhaltung von Qualität und
Frische gewährleistet und andererseits hinsichtlich Aufwand und Material der Verpackung die
Umweltverträglichkeit beachtet wird.
Styroporuntertassen sind verboten.
4.2 Kräuteranbau und Verarbeitung
Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zum Pflanzenbau
(Kapitel 2.1 bis 2.6) gelten für den Kräuteranbau und die Verarbeitung von Kräutern
zusätzlich folgende Bestimmungen:
Heil- und Gewürzkräuter dienen neben der menschlichen Ernährung auch Heilzwecken. Bei
Anbau und Verarbeitung ist daher eine besondere Sorgfalt geboten.
4.2.1 Standortwahl
Standorte in der Nähe von Ballungszentren müssen vermieden werden. Der Abstand zu viel
befahrenen Straßen (Autobahnen, Schnellstraßen, Bundesstraßen) hat mindestens 50 m zu
betragen. Grundsätzlich wird in solchen Fällen das Anlegen eines Heckenstreifens empfohlen.
Beim Angrenzen konventionell genutzter Ackerflächen wird ein Mindestabstand von 5 m empfohlen.
Nach Möglichkeit ist ein Angrenzen konventionell bewirtschafteter Äcker ganz zu vermeiden.
Das Anlegen von Schutzhecken wird empfohlen.
Um eine optimale Kulturführung und Krankheitsvorbeugung zu gewährleisten, ist auf eine
möglichst weitgestellte Fruchtfolge unbedingt Wert zu legen.
4.2.2 Düngung – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 2.1
Düngung, Frischmistausbringung (Flächenkompostierung) darf grundsätzlich nur am Ende der
Vegetationszeit erfolgen. Ordnungsgemäß aufbereitete Wirtschaftsdünger (Jauche, Gülle,
Mist) dürfen nur bis zum Anfang der Vegetationsperiode ausgebracht werden. Während der
Vegetationsperiode ist Wirtschaftsdünger nur als ausgereifter Kompost erlaubt.
Vor jedem Zugang von organischen Düngemitteln ist eine Genehmigung von BIO AUSTRIA
notwendig.
Beim Zugang organischer Dünger konventioneller Herkunft ist die Menge so zu bemessen
dass die Gesamtstickstoffmenge von 170 kg/ha landwirtschaftliche Nutzfläche – den
hofeigenen Dünger mit eingeschlossen – nicht überschritten wird. Die genehmigbare Menge
beträgt bei Kräutern pro ha und Jahr:
Kraut- und Wurzeldrogen: maximal 80 kg Njw/ha und Jahr
Blütendrogen: maximal 50 kg Njw/ha und Jahr
Berechnungsbasis ist der jahreswirksame Stickstoff (Njw) gemäß ÖPUL 2007.
4.2.3 Wildsammlung
Das Sammeln essbarer Wildpflanzen (inklusive Pilze) und ihrer Teile, die in der freien Natur,
in Wäldern und auf landwirtschaftlichen Flächen natürlicherweise vorkommen, entspricht
wenn
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Gartenbau und Dauerkulturen
Seite 62 BIO AUSTRIA
• die Flächen nachweislich in den letzten drei Jahren vor dem Sammeln der Pflanzen nur
mit Mitteln behandelt wurden, die in anderen Teilen dieser Richtlinien ausdrücklich erlaubt
wurden,
• das Sammeln die Stabilität des natürlichen Lebensraums und die Erhaltung der Arten im
Sammelgebiet nicht beeinträchtigt.
Diese Flächen unterliegen ebenfalls einer zumindest jährlichen Kontrolle. Die dafür notwendigen
Aufzeichnungen sind zu führen. So muss eine vollständige Beschreibung der
Betriebseinheit Aufschluss geben über die Lager- und Produktionsstätten, die Parzellen
und/oder Sammelgebiete und ggf. die Betriebsstätten, an denen bestimmte Arbeitsgänge der
Verarbeitung und/oder Verpackung stattfinden und das Datum enthalten, an dem auf den
betreffenden Parzellen zuletzt nicht zulässige Mittel aufgebracht wurden.
4.2.4 Aufbereitung und Trocknung
4.2.4.1 Aufbereitung
Das frische Erntegut ist unverzüglich nach der Ernte ordnungsgemäß aufzubereiten.
Längere Transportwege sind möglichst zu vermeiden. Bei unvermeidlichen
Zwischenlagerungen ist das Frischgut bei lockerer, nicht zu hoher Aufschüttung vor
Erwärmung und direkter Sonneneinstrahlung zu schützen.
Grundsätzlich müssen die Aufbereitungsgeräte eine möglichst schonende Behandlung
des Erntegutes gewährleisten. Der Eintrag von Schadstoffen im Zuge der
Aufbereitung (z.B. Schmiermittel) ist zu verhindern. Die Schneidgeräte sind regelmäßig
auf einwandfreien Schnitt und Sauberkeit zu überprüfen.
4.2.4.2 Trocknung
Das vorverarbeitete Frischgut ist unverzüglich nach der Aufbereitung (schneiden,
sichten usw.) schonend zu trocknen. Drogen, die ätherische Öle enthalten, dürfen
nicht über 40 °C getrocknet werden. Diese Trocknungstemperatur gilt auch als
Grundregel für andere Drogen. Bei Drogen, die zu höheren Keimzahlen neigen,
wie z.B. Blütendrogen (Calendula officinalis usw.) oder auch zur Prophylaxe gegen
eventuellen Schädlingsbefall (z.B. Arnica montana) sind höhere Temperaturen
erlaubt. Würde bei zu niedrigen Trocknungstemperaturen die Qualität leiden und
damit die im ÖAB, DAB und österr. Lebensmittelbuch Kap. B 28 und B 31
geforderten Werte nicht erreicht werden, sind höhere Temperaturen gestattet (z.B.
bei Liebstöckel, Spitzwegerich, usw.).
Sich gegenseitig beim Trocknen negativ beeinflussende Drogen dürfen nicht
gleichzeitig in derselben Trocknungsapparatur getrocknet werden. Die fertig getrocknete
Ware wird nach einer Nachkühlphase in saubere Gebinde abgefüllt und
beschriftet (Mindestangaben: Name des Produkts, Schnitt, Erntejahr).
4.2.4.3 Trocknungsraum und Heizung
Der Trocknungsraum sollte in sich abgeschlossen sein. Er darf keine mit Schadstoffen
belasteten Materialen enthalten (z.B. behandelte Spanplatten). Direkte
Beheizung mit Heizöl, Gas, Kohle, Holz oder Feuchtigkeitsentzug mittels chemischer
Zusätze ist untersagt. Einer Beheizung mit erneuerbarer Energie (nachwachsende
Rohstoffe, Hackschnitzel, Sonnenenergie) oder Abwärmenutzung (Biogasanlagen
etc.) ist, der Vorzug zu geben.
4.2.4.4 Aufzeichnungen
Über die Trocknungstemperaturen und Trocknungsdauer ist ein Chargenbuch zu
führen, welches bei der jährlichen Kontrolle offenzulegen ist.
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Gartenbau und Dauerkulturen
Richtlinien 2010 Seite 63
4.2.5 Lagerhaltung
Der Lagerraum muss lichtgeschützt, trocken und möglichst kühl sein. Große Temperaturschwankungen
werden vermieden (Empfehlung: Luftfeuchtigkeit von rund 60 % bei 19 °C).
Die Drogen müssen regelmäßig kontrolliert und der Lagerraum sauber gehalten werden.
Lagerräume sind von den Aufbereitungsräumen zu trennen.
Dem Lagerschutz dienen genaue Lagerhaltungskontrollen (inklusive Schädlingsüberwachungsmaßnahmen
wie Pheromonfallen etc.) und ein Tiefgefrieren gefährdeter Partien. Reichen
diese Maßnahmen nicht aus, dürfen die Lagerräumlichkeiten nur mit im biologischen Landbau
zugelassenen Mitteln gegen tierische Lagerschädlinge behandelt werden (siehe Punkt 2.5
und 2.6). Erlaubte Mittel entnehmen Sie dem aktuellen Betriebsmittelkatalog.
Chemische und radioaktive Entwesungs- und Entkeimungsmittel sind ausdrücklich verboten.
Für die gesamte Verarbeitung und Lagerhaltung sind Chargen- und Mengenaufzeichnungen
durchzuführen, damit der Warenfluss nachvollziehbar ist.
4.2.6 Zutaten
Zugekaufte Zutaten müssen grundsätzlich von BIO AUSTRIA-zertifzierten Betrieben oder von
BIO AUSTRIA als gleichwertig anerkannten Verbänden stammen. Falls aus klimatischen bzw.
technischen Gründen keine inländische BIO AUSTRIA-Ware zur Verfügung steht, können
andere Bio-Zutaten zugekauft werden.
Drogen aus Wildsammlungen müssen auf der Verpackung als solche deklariert werden. (Zutat
„…“ aus Wildsammlung.)
4.2.7 Verpackung
Die Kräuterverpackung soll so gewählt werden, dass einerseits die Erhaltung von Qualität und
Frische gewährleistet und andererseits hinsichtlich Aufwand und Material der Verpackung die
Umweltverträglichkeit beachtet wird.
4.3 Obstbau (Kern- und Steinobst, Erdbeeren, Strauchbeeren)
Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zum Pflanzenbau
(Kapitel 2.1 bis 2.6) gelten für den Obstbau zusätzlich folgende Bestimmungen:
Bei Obstanlagen handelt es sich um Dauerkulturen, daher ist auf ein möglichst vielfältiges
ökologisches Gleichgewicht zu achten.
4.3.1 Arten- und Sortenwahl
Die Wahl der Obstarten bzw. Sorten ist mit der Eignung des jeweiligen Standortes in Einklang
zu bringen. Dem Umfeld der Obstanlagen sowie den Unterkulturen ist besondere Aufmerksamkeit
zu schenken (Blütenpflanzen, Sträucher, Hecken, …).
4.3.2 Kronenaufbau
Anzustreben sind Bäume mit einem lockeren Kronenaufbau, damit die Blätter und Früchte gut
besonnt werden können. Dies gilt besonders bei Anlagen mit Hagelnetzen. Die Bäume sollen
sich im Gleichgewicht zwischen Triebwachstum und Fruchtbildung befinden.
4.3.3 Begrünung, Bodenbearbeitung
Eine ganzjährige Begrünung mit standortgerechten Gemengen wird vorgeschrieben. In
Gebieten mit ausgeprägter Sommertrockenheit muss eine mindestens zehnmonatige Begrünung
gegeben sein. Jedenfalls ist aber ein Umbruch der Begrünung in der Zeit von Anfang
September bis Ende März zu unterlassen. Die Mulchschnitte sind nützlingsschonend
durchzuführen, z.B. können Randbereiche nicht oder abwechselnd gemulcht werden. Der
Humusgehalt sollte eine positive Tendenz aufweisen.
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Gartenbau und Dauerkulturen
Seite 64 BIO AUSTRIA
Bei Neuanpflanzungen ist auf eine gute Bodenvorbereitung zu achten. Die Baumstreifen
können besonders bei Jungbäumen mechanisch offen gehalten oder mit organischem
Material abgedeckt werden.
4.3.4 Düngung – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 2.1
Vor jedem Zugang von organischen Düngemitteln ist eine Genehmigung von BIO AUSTRIA
notwendig. Beim Zugang organischer Dünger konventioneller Herkunft ist die Menge so zu
bemessen dass die Gesamtstickstoffmenge von 170 kg/ha landwirtschaftliche Nutzfläche –
den hofeigenen Dünger mit eingeschlossen – nicht überschritten wird.
Die genehmigbare Menge beträgt im Obstbau pro ha und Jahr: Kern- und Steinobst, incl.
Beerenobst: maximal 60 kg Njw/ha und Jahr; Holunder: maximal 80 kg Njw/ha und Jahr;
Berechnungsbasis ist der jahreswirksame Stickstoff (Njw) gemäß ÖPUL 2007
Die Ausbringung von Wirtschafdüngern (Gülle, Jauche, Frischmist) als Kopfdüngung auf
Beerenobstpflanezn (z.B. Erdbeeren) ist verboten, ausgenommen bei Beerenkulturen nach
der Ernte.
4.3.5 Umstellung – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 1.2.1
Bei schrittweiser Umstellung einer Obstanlage ist ein genauer Umstellungsplan erforderlich.
Der Umstellungsplan muss von BIO AUSTRIA akzeptiert werden. Die Auflagen unter Punkt
1.2.1 dieser Richtlinien sind zu erfüllen.
4.3.6 Erlaubte Hilfsmittel – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 2.3.3
Die Obergrenze für den Kupfereinsatz beträgt 3,0 kg Reinkupfer pro Hektar und Jahr.
4.4 Weinbau
Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zum Pflanzenbau
(Kapitel 2.1 bis 2.6) gelten für Weinbau-Betriebe zusätzlich folgende Bestimmungen:
4.4.1 Bodenpflege und Begrünung
Der Weingarten muss ganzjährig begrünt sein. Damit wird ein Lebensraum für eine vielfältige
Flora und Fauna geschaffen. Bei den Einsaaten sollen vor allem artenreiche Gemenge
verwendet werden. Für Bodenpflegemaßnahmen, Winterfurche bei schweren Böden, Bodenlockerung,
Neueinsaaten, Trockenheit im Sommer und in Junganlagen kann die Begrünung
zwei Monate unterbrochen werden. Unter den Rebstöcken muss keine Begrünung erfolgen.
4.4.2 Düngung – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 2.1
Entscheidender Faktor ist auch hier die Begrünung. Sie sorgt für organische Substanz und
Stickstoffversorgung durch Leguminosenanbau. Alle organischen Stoffe, die im Anbau und in
der Verarbeitung anfallen, werden entweder in Mieten kompostiert oder über eine Flächenkompostierung
dem Boden zugeführt. Als Düngemittel dürfen nur jene Mittel verwendet
werden, die im aktuellen Betriebsmittelkatalog bzw. in Tabelle 2.1.5 gelistet sind.
4.4.3 Pflanzenschutz
Alle weinbaulichen Kulturmaßnahmen haben so zu erfolgen, dass die Widerstandskraft der
Rebe gestärkt wird und nützliche Organismen gefördert werden. Unbedingt zu beachten ist
eine standortorientierte Rebsorten- und Unterlagenwahl, Rebenerziehung und Stockaufbau.
Der Einsatz chemisch-synthetischer Insektizide, Akarizide und organischer Fungizide sowie
Herbizide ist verboten. Als Maßnahmen zum Schutz der Pflanzen vor Krankheiten und
Schädlingen sind nur jene erlaubt, die unter dem Punkt 2.3.3 „Erlaubte Pflanzenschutzmittel“
dieser Richtlinien angeführt sind.
Die Obergrenze für den Kupfereinsatz beträgt 3 kg Reinkupfer pro Hektar und Jahr. In Einzelfällen
kann nach Genehmigung durch BIO AUSTRIA auch mehr Kupfer eingesetzt werden.
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Gartenbau und Dauerkulturen
Richtlinien 2010 Seite 65
4.4.4 Richtlinien für die Umstellung – zusätzlich zum Richtlinienpunkt 1.2.1
In einer festgelegten Zeit (maximal fünf Jahre) und mit einem von BIO AUSTRIA anerkannten
Plan muss der gesamte Betrieb auf die biologische Wirtschaftsweise umgestellt werden. Vor
der Umstellung muss ein Umstellungsplan erstellt werden, der Vorschläge zu folgenden
Punkten enthalten muss:
• eine die Bodenfruchtbarkeit aufbauende Bodenpflege
• Schaffung von Umweltbedingungen, unter denen das Auftreten von Schaderregern und
Krankheiten vermindert ist.
Der Umstellungsplan muss von BIO AUSTRIA akzeptiert werden. Es muss eine klare und verständliche
Kennzeichnung der Weine aus der Zeit vor der Umstellung und der Umstellungsweine
sowie der anerkannten Weine gegeben sein. Auch wenn der Betrieb bereits mit allen
Flächen anerkannt ist, müssen konventionelle Weine und Weine aus der Umstellungsphase
richtig deklariert werden. Eine Vermischung der Produkte bei der Verarbeitung muss ausgeschlossen
sein. Ein für die Kontrolle nachprüfbarer Verarbeitungsverlauf muss gegeben sein.
Das Kellerbuch muss zur Einsicht aufliegen.
4.4.5 Verarbeitung
Ziel des biologischen Weinbaus ist die Erzeugung von Weinen aus biologisch angebauten
Trauben. Das Produkt soll eine hohe sensorische Qualität, Wohlgeschmack und Bekömmlichkeit
aufweisen. Rohstoff- und energieintensive Verfahren sind zu vermeiden. In der Weinbereitung
anfallende organische Stoffe müssen in die Kulturen rückgeführt werden. Abwässer
dürfen zu keiner Umweltbelastung führen.
4.4.6 Erlaubte önologische Verfahren:
• Thermische Behandlungen wie Maische-, Mosterwärmung auf Gärstarttemperatur,
Kühlen, Heißabfüllen von Wein
• Belüften, Begasen unter Verwendung von Schutzgas (Stickstoff, CO2) technisch reiner
Luft und O2
• Filtration unter Zuhilfenahme folgender Filterhilfsstoffe: Kieselgur, Perlite, Zellulose sowie
Filtration mittels Membranfilter
• Konzentrationsverfahren
4.4.7 Most- und Weinbehandlungsmittel
Ausschließlich die nachfolgend angeführten Stoffe sind für die Behandlung von Most und
Wein zugelassen:
• Angegorener Traubensaft aus biologischem Anbau
• Traubendicksaftkonzentrat aus biologischem Anbau
• Zucker aus biologischem Anbau
• Reinzuchthefe (Trockenhefe, frische Hefe aus biologisch wirtschaftenden Betrieben)
• Milchsäurebakterien
• Hefenährsalze (Diammoniumphosphat, Ammoniumsulfat und Thiamin)
• Zitronensäure
• Schwefelige Säure in Form von SO2 (Schwefeldioxid) und Kaliumdisulfit (auch Kaliumpyrosulfit
oder Kaliummetabisulfit genannt).
• Kupfersulfat (maximal 0,5 g/hl, nach Voruntersuchung)
• Kupfercitrat (Vor- und Nachuntersuchung notwendig, sowie vor dem Einsatz meldepflichtig
bei der Bundeskellereiinspektion)
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Gartenbau und Dauerkulturen
Seite 66 BIO AUSTRIA
Klärung mit folgenden Stoffen:
• Bentonit
• Eiklar aus biologischer Landwirtschaft
• Hausenblase (ohne Konservierungsstoffe, trockene Produkte)
• Kasein
• Pektolytische Enzyme
• Siliziumdioxyd in Form von kolloidaler Lösung (Kieselsol)
• Speisegelatine
• Önologische Holzkohle (Aktivkohle)
Stoffe zur Entsäuerung und Weinsteinausfällung:
• Calciumcarbonat
• Kaliumbicarbonat
Kaliumtartrat
Der Zusatz von rektifiziertem Bio-Traubendicksaftkonzentrat, Metaweinsäure und Gummi
Arabicum ist nicht zulässig.
Alle Weinbehandlungsmittel und Lebensmittelzusatzstoffe müssen gentechnikfrei hergestellt
sein. Die Bezugsquellen für diese Produkte finden Sie im aktuellen Betriebsmittelkatalog.
4.4.8 Reinigung und Desinfektion
Die Verwendung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln ist zur Erzielung eines lagerstabilen
und hygienisch einwandfreien Qualitätsproduktes dann sinnvoll, wenn der Einsatz
von Wasser, Dampf und der mechanischen Reinigung nicht ausreichend ist. Eine Belastung
der Abwässer ist zu vermeiden.
Folgende Reinigungs- und Desinfektionsmittel sind erlaubt:
• Soda • Schmierseife
• Natronlauge • Kalilauge
• Schwefelige Säure • Wasserstoffperoxid
• Essigsäure, Zitronensäure, Weinsäure • Peressigsäure
• Tenside (98 % abbaubar)
4.4.9 Verpackung
Die Rücknahme von Leergut muss möglich sein. Die Verwendung von Kronenkorken ist zu
vermeiden. Papierklebebändern ist der Vorzug zu geben. Verpackungsmaterialien aus PVC
und Styropor sind verboten. Es werden Gär- und Lagerbehälter aus Holz, Nirostastahl, Glasemail,
neutralem Einbrennlack, Zisternen verfliest oder verglast und aus lebensmittelechtem
Kunststoff (nur bestehende Gebinde; Neuanschaffungen sind nicht erlaubt) verwendet. Bei
Transport und Versand ist auf Umweltverträglichkeit zu achten.
4.4.10 Kennzeichnung
Nur Weine, die nach diesen Richtlinien hergestellt wurden, dürfen mit dem BIO AUSTRIAMarkenzeichen
gekennzeichnet werden. Andere Bezeichnungen wie „Wein aus Bio-Trauben“
oder „Wein aus Trauben aus biologischer Landwirtschaft“ sind ebenfalls zulässig.
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Gartenbau und Dauerkulturen
Richtlinien 2010 Seite 67
4.5 Kultur von Pilzen
Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zum Pflanzenbau
(Kapitel 2.1 bis 2.6) gelten zusätzlich folgende Bestimmungen:
4.5.1 Substrate
Das Substrat darf aus folgenden Komponenten bestehen:
Nur aus biologischer Landwirtschaft:
• Stallmist (frisch oder getrocknet)
• Kompost aus tierischen Exkrementen und Stallmist
• flüssige tierische Exkremente (Gülle, Jauche)
• andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, z.B. Stroh
nicht aus biologischer Landwirtschaft:
• nicht chemisch behandelter Torf
• Holz, das nach dem Schlagen nicht chemisch behandelt wurde
• mineralische Stoffe gemäß Punkt 2.1.5
• Wasser
• Erde
4.5.2 Ausnahme
Falls Stallmist, Kompost aus tierischen Exkrementen aus biologischer Landwirtschaft nicht erhältlich
sind, so können diese Komponenten aus konventioneller Produktion bis zu einem
Ausmaß von 25 % des Ausgangsmaterials verwendet werden. Die Einschränkungen aus
Punkt 2.1.5 müssen jedenfalls eingehalten werden (aus extensiver Tierhaltung, kein
Geflügelmist, …).
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Seite 68 BIO AUSTRIA
5. Tierische Alternativen biologischer Herkunft
5.1 Fischhaltung
Die BIO AUSTRIA-Fischrichtlinie regelt zwei Lebensraumtypen: Der „Karpfen-Teil“ regelt die
Produktion im Bereich der stehenden und wärmeren Gewässerbiotope und der „Forellen-Teil“
die Produktion von Raubfischen aus dem Bereich des fließenden, kalten, sauerstoffreichen
Wassers in nährstoffarmen Gewässerbiotopen.
Definition der üblichen Fischarten für Bio-Karpfen- und Forellenteichwirtschaft
Hauptfischart „Karpfenteich“ „heimisch“
Cyprinus carpio Spiegel-/Schuppen-/„Wild-” Karpfen x
Nebenfischarten „Karpfenteich“(Auszug)
Tinca tinca Schleie x
Esox lucius Hecht x
Stizostedion lucioperca (s.volgensis) Zander (Wolgazander) x (x)
Silurus glanis Wels oder Waller x
Perca fluviatilis Flußbarsch oder Barsch x
Rutilus rutilus Rotauge (Plötze) x
Abramis brama Brachse (Blei) x
Coregonus spp. Felchen- (Renken-) und Maränenarten x
Carassius carassius Karausche x
Chondostroma nasus Nase x
Lota Lota Aalrutte (Rutte, Trüsche) x
Hauptfischart „Forellenteich“
Oncorhynchus mykiss Regenbogenforelle
Salmo trutta (forma fario, f. lacustris) Bachforelle, Seeforelle x
Salvelinus alpinus Seesaibling x
Salvelinus fontinalis Bachsaibling
Salmo bzw. Salvelinus-Kreuzungen Bachforelle bzw. Saibling Kreuzungen
Salvelinus namaycush Amerikanischer Seesaibling
Nebenfischarten „Forellenteich“(Auszug)
Thymallus thymallus Äsche x
Hucho hucho Huchen x
5.1.1 Grundsätze
Biologische Teichwirtschaft strebt geschlossene Stoffkreisläufe und intakte ökologische
Systeme an. Dabei werden Methoden und Techniken angewendet, die die Fruchtbarkeit von
Fisch und Gewässer unbegrenzt erhalten, auf erneuerbare Ressourcen zurückgreifen, die
Umwelt nicht grob verschmutzen und die natürlicherweise im Wasser ablaufenden Kreisläufe
fördern und andere Prozesse, die entlang der Nahrungskette ablaufen, nicht belasten.
Das natürliche Verhalten und die natürlichen Bedürfnisse der Fische bilden die Grundlage der
Gestaltung bzw. Beurteilung der Haltungsbedingungen.
Die BIO AUSTRIA-Richtlinien zu den allgemeinen Anforderungen und zur Tierproduktion
gelten hier sinngemäß. Geltende rechtliche Bestimmungen, z.B. bei der Produktion und
Verarbeitung, müssen eingehalten werden.
5.1.2 Wasserwirtschaft und nachhaltige Produktion
5.1.2.1 Es werden Standorte gewählt, die nicht durch Erzeugnisse oder Stoffe, die für eine
biologische Produktion nicht zugelassen oder durch Schadstoffe kontaminiert sind,
die den biologischen Charakter der Erzeugnisse beeinträchtigen würden. Die
natürliche Wasserbeschaffenheit des Standortes hat den physiologischen
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Richtlinien 2010 Seite 69
Bedürfnissen der jeweiligen Fischart, insbesondere im Hinblick auf Temperatur,
ausreichendem Sauerstoffgehalt und Lichtverhältnisse zu entsprechen.
5.1.2.2 Die Anlagen verfügen über natürliche Filterbetten, Absatzbecken, biologische oder
mechanische Filter oder verwenden Algen und/oder Tiere (Muscheln), um die
Abwasserqualität zu verbessern. Bei Durchflussanlagen besteht die Möglichkeit die
Wasserwechselrate und Wasserqualität des zu- und des abfließenden Wassers zu
kontrollieren.
5.1.2.3 Es muss ein der Größe der Produktionseinheit angemessener Nachhaltigkeitsplan
für die Aquakulturproduktion erstellt werden. Der Plan enthält Angaben zu
den Auswirkungen der Produktion auf die Umwelt, zur vorgesehenen Umweltüberwachung
und zu den Maßnahmen, die ergriffen werden sollen, um die Umweltbelastung
der angrenzenden Gewässer und Landflächen, z.B. der Nährstoffeintrag/
Produktionszyklus, auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Wartung und
Reparaturen der technischen Anlagen, ein Abfallreduzierungskonzept sowie Maßnahmen
zum Schutz und zur Vorbeugung von Raubtieren sollen darin ebenfalls
vermerkt werden.
5.1.2.4 Es sollen vorzugsweise erneuerbare Energien und wieder verwertbare Materialen
verwendet werden.
5.1.2.5 Für alle neuen Anlagen, die zur biologischen Produktion angemeldet wurden und
jährlich mehr als 20 Tonnen Erzeugnisse produzieren, muss eine der Größe der
Produktionseinheit angemessene umweltbezogene Prüfung durchgeführt
werden, um den Zustand der Produktionseinheit und ihres unmittelbaren Umfeldes
sowie die wahrscheinlichen Auswirkungen ihrer Inbetriebnahme zu beurteilen.
5.1.3 Haltungsvoraussetzungen
5.1.3.1 Aquakultur erfordert begrenzte, meist künstlich geschaffene Systeme. Um eine
weitestgehend artgerechte Aufzucht zu gewährleisten, erfolgt die Haltung der
Fische angepasst an ihr natürliches Verhalten und ihre Bedürfnisse an den
Lebensraum.
5.1.3.2 Die Haltung der Fische erfolgt in naturnahen Teichen mit zumindest natürlichem
Boden und ausreichend Bewegungsraum für ihr Wohlbefinden. Es sind verschiedene
Strömungs- und Licht/Schattenbereiche zu schaffen, die den Bedürfnissen
der Tiere entsprechen.
5.1.3.3 Künstliche Behältnisse (Polyester, Beton, Metall u. ä.) sind allein zur kurzfristigen
Hälterung und zur Anfütterung von Brütlingen (maximal 16 Wochen) zugelassen.
Netzgehege sind untersagt.
5.1.3.4 Geschlossene Kreislaufanlagen für die Aquakulturproduktion sind verboten.
5.1.3.5 Die Anlagen sind so zu gestalten, dass das Risiko eines Entweichens der Tiere
verhindert wird. Sollten dennoch Fische oder Krebstiere entweichen, sind angemessene
Maßnahmen zu ergreifen, um nachteilige Auswirkungen auf das Ökosystem
zu vermindert. Über entsprechende Vorgänge ist Buch zu führen.
5.1.3.6 Für die natürliche, an das Wasser und an die Wasser-Land-Übergänge gebundene
Flora und Fauna sind natürliche Strukturen (Biotope, Ufersäume mit Sträuchern,
Schilf, Bäumen etc.) im Umfang von 5 % der Uferfläche am Betriebsgelände zu
belassen. Die an dieses Biotop gebundene Flora und Fauna hat dort ungestörte
Lebensbedingungen.
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Seite 70 BIO AUSTRIA
5.1.3.7 Das Wasser darf nur in Brut- und Jungtieranlagen künstlich erwärmt oder gekühlt
werden. Natürliches Brunnenwasser kann auf allen Produktionsstufen zum
Erwärmen oder Kühlen des Wassers verwendet werden.
5.1.4 Krankheitsvorsorge, Hygiene und tierärztliche Behandlung
5.1.4.1 Die Krankheitsvorsorge muss auf einer Haltung der Tiere unter optimalen
Bedingungen durch eine angemessene Standortwahl, einer optimalen Gestaltung
des Betriebes, der Anwendung guter Haltungs- und Bewirtschaftungspraktiken,
einschließlich regelmäßiger Reinigung und Desinfektion der Anlagen, hochwertigen
Futtermitteln, einer angemessene Besatzdichte und der Wahl geeigneter Rassen
und Linien beruhen. Der Betrieb muss mit einem Fischgesundheitsdienst einen
Betreuungsvertrag abschließen, der mindestens einmal im Jahr den Betrieb
besichtigt.
5.1.4.2 Im Krankheitsfall hat die Unterstützung der Selbstheilungskräfte und die Ausschaltung
von Belastungsfaktoren (z.B. Fütterung) erste Priorität. Naturheilverfahren
(z.B. Homöopathie) sind chemisch-synthetischen Medikamenten vorzuziehen.
5.1.4.3 Bei Gefahr im Verzug und nach schriftlicher Verordnung durch einen Tierarzt wird
eine Anwendung von Arzneimitteln inklusive Parasitenbehandlungen unter
folgenden Bedingungen akzeptiert: Bei den eingesetzten Tierarzneimitteln ist die
angegebene Wartezeit zu verdoppeln. Die Wartezeit wird jeweils in Tagesgraden
kalkuliert. Wenn keine Wartezeit festgelegt wurde, beträgt die Wartezeit
mindestens 48 Stunden.
5.1.4.4 Allopathische Behandlungen sind auf zwei Behandlungen jährlich beschränkt,
ausgenommen Impfungen und obligatorische Tilgungspläne. Bei einer Lebenszeit
von weniger als einem Jahr darf jedoch nur einmal allopathisch behandelt werden.
Wird häufiger allopathisch behandelt, dürfen die Tiere nicht als biologisches
Erzeugnis verkauft werden.
5.1.4.5 Parasitenbehandlungen dürfen zweimal jährlich – bei einer Lebenszeit von weniger
als 18 Monaten nur einmal jährlich – vorgenommen werden.
5.1.4.6 Die Reinigung der Betriebsräume sowie der Geräte und Maschinen muss eine
einwandfreie Hygiene bei einer möglichst hohen Umweltverträglichkeit gewährleisten.
Folgende Stoffe sind zur Reinigung und Desinfektion von Ausrüstungen und
Anlagen in Abwesenheit der Fische erlaubt:
• Natriumchlorid
• Natriumhypochlorit
• Calziumhypochlorit
• Kalk (CaO, Calziumoxid)
• Natriumhydroxid
• Alkohol
• Wasserstoffperoxid
• Organische Säuren (Essig-, Milch- und Zitronensäure)
• Huminsäure
• Peroxyessigsäure
• Iodophore
• Kaliumpermanganat
• Peressigsäure
• Ozon, Peroctansäure und Kupfersulfat sind als Desinfektionsmittel nicht zulässig.
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Richtlinien 2010 Seite 71
Zulässige Stoffe in Anwesenheit der Fische:
• Kalkstein (Calziumcarbonat) zur pH-Kontrolle
5.1.4.7 Ruhezeiten
Zur Verbesserung der Hygiene wird eine Ruhezeit in Becken und Teichen
empfohlen.
5.1.5 Fischvermehrung und Herkunft
5.1.5.1 Es werden ausschließlich heimische Arten, deren Produktion für die Wildbestände
weitgehend gefahrlos sind, verwendet (siehe Punkt 5.1). Das Ziel der Fischzucht
sind gut an die Bedingungen der Aquakultur angepasste, gesunde und das Futter
gut verwertende Stämme. Der Kontrollstelle werden Aufzeichnungen über die
Herkunft der Tiere vorgelegt. Der Besatz von maximal 5 % Amur, Tolstolob,
Marmorkarpfen und Silberkarpfen ist zulässig, diese Tiere müssen aber konventionell
vermarktet werden.
5.1.5.2 Wenn biologisch erzeugte Aquakulturtiere nicht verfügbar sind, dürfen zu Zuchtzwecken
oder zur Verbesserung der Genetik des Zuchtbestandes wild gefangene
oder konventionelle Tiere in den Betrieb eingebracht werden. Sie müssen
mindestens drei Monate in biologischer Haltung verbringen, bevor sie zu Zuchtzwecken
eingesetzt werden dürfen.
5.1.5.3 Es sind grundsätzlich Bio-Tiere zuzukaufen. Als Besatzmaterial und wenn biologisch
erzeugte (juvenile) Jungtiere nicht verfügbar sind, dürfen konventionelle
Jungtiere zugekauft werden. Sie müssen mindestens die beiden letzten Drittel der
Lebenszeit in biologischer Haltung verbringen.
Der Anteil konventioneller Jungtiere, die in einem Betrieb eingesetzt werden
dürfen, wird bis zum 31.12.2011 auf 80 %, zum 31.12.2013 auf 50 % und zum
31.12.2015 auf 0 % reduziert.
5.1.5.4 Die Verwendung von Wildfängen als Besatzmaterial ist nur bei natürlichem Einströmen
von Fisch- und Krebslarven und Jungfischen beim Auffüllen von Teichen
und anderen Haltungseinrichtungen erlaubt.
5.1.5.5 Künstliche Polyploidie-Induktion, künstliche Hybridisierung, das Klonen und die
Erzeugung von gleichgeschlechtlichen Linien ist untersagt. Der Zukauf von solchen
Tieren ist nicht zulässig.
5.1.5.6 Der Einsatz von Hormonen und Hormonderivaten für die Züchtung und
Reproduktion ist verboten.
5.1.6 Transport und Umgang mit Fischen
5.1.6.1 Eingriffe bei Aquakulturtieren werden auf ein Mindestmaß reduziert und unter Verwendung
geeigneter Geräte und Verfahren mit äußerster Sorgfalt vorgenommen,
um Stress und Verletzungen, die mit Behandlungen einhergehen, zu vermeiden.
5.1.6.2 Zur Vermeidung von übermäßigem Stress sind die Fische beim Abstreifen zu
betäuben.
5.1.6.3 Beim Schlachten wird darauf geachtet, dass die Tiere sofort betäubt sind und
keinen Schmerz empfinden.
5.1.6.4 Lebende Fische werden in geeigneten, ausreichend gereinigten Behältnissen mit
sauberem Wasser, das die physiologischen Ansprüche der Tiere hinsichtlich
Temperatur und Sauerstoffgehalt erfüllt, transportiert. Die Reinigung und
Desinfektion der Behältnisse ist aufzuzeichnen.
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Seite 72 BIO AUSTRIA
5.1.6.5 Zum Schutz der Tiere wird eine artgerechte Transportdichte eingehalten. Folgende
Tabelle gibt einen Überblick über die notwendige Wassermenge beim Fischtransport.
Die Besatzdichten beim Transport sind aufzuzeichnen.
Transportempfehlung beim Lebend-Transport
verschiedener Fischarten bei 4 bis10 °C:
Fischart Fischmenge kg
je 1.000 Liter
Transportvolumen
Fisch : Wasser
Karpfen, ab 1.000 g 500 1 : 1
Schleien, ab 200 g 500 1 : 1
Hecht, 50 bis 200 g 150 1 : 5,7
Hecht, ab 500 g 200 1 : 4
Forellen/Saibling, 10 bis 12 cm 90 1 : 10
Forellen/Saibling ab 20 cm 150 1 : 5,7
Die physiologischen Ansprüche der Fische hinsichtlich Temperatur- und Sauerstoffgehalt
beim Transport sind zu berücksichtigen und zu dokumentieren.
5.1.6.6 Das Tageslicht wird nicht künstlich über ein Höchstmaß hinaus verlängert, das den
ethologischen Bedürfnissen, geographischen Gegebenheiten und allgemeinen
Gesundheitsanforderungen für Aquakulturtiere Rechnung trägt. Das Höchstmaß
beträgt, ausgenommen für Fortpflanzungszwecke, 16 Stunden. Es sollen abrupte
Wechsel in der Lichtintensität durch den Einsatz von Dimmern oder einer Hintergrundbeleuchtung
vermieden werden.
5.1.6.7 Der Einsatz von mechanischer Belüftung bzw. von Sauerstoff ist nur in den nachstehenden
Fällen zulässig, wenn die Gesundheit der Tiere sowie kritische Phasen
der Produktion und des Transports dies erfordern:
- bei außergewöhnlichem Temperaturanstieg, Druckabfall oder versehentlicher
Verunreinigung;
- bei vereinzelten Bewirtschaftungsverfahren wie Probenahmen und Sortieren;
- um das Überleben des Bestandes sicherzustellen.
Der Einsatz von mechanischer Belüftung bzw. Sauerstoff muss in den Produktionsbüchern
vermerkt werden.
5.1.7 Kontrolle und Umstellung
5.1.7.1 Es ist ein Teichbuch zu führen mit folgenden Aufzeichnungen, die regelmäßig
aktualisiert werden und für die Kontrolle bereit zu stellen sind:
- Bei der Erstkontrolle eine vollständige Beschreibung der Anlagen sowie gegebenenfalls
die Ergebnisse der umweltbezogenen Prüfung und des
Nachhaltigkeitsplans.
- Ursprung, Ankunftsdatum und Umstellungszeitraum (Alter, Gewicht und Größe)
der in den Betrieb eingebrachten Tiere
- Nummer der Lose, Alter, Gewicht und Empfänger der den Betrieb verlassenden
Tiere
- Angabe zu entwichenen Fischen
- Art und Menge der für die Fische eingesetzten Futtermittel und im Falle von
Karpfen und verwandten Arten Aufzeichnungen über die im Rahmen der
Zufütterung verabreichten Futtermittel
- tierärztliche Behandlungen mit Angabe des Behandlungszweckes sowie Datum
der Verabreichung, Verabreichungsmethode, Art des verabreichten Mittels und
Wartezeit
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Richtlinien 2010 Seite 73
- Maßnahmen zur Krankheitsvorsorge mit Angaben zu Ruhezeiten, Reinigung
und Wasserbehandlung.
5.1.7.2 Es gelten je nach Art der Anlage folgende Umstellungszeiträume:
- Bei Anlagen, die nicht entleert, gereinigt und desinfiziert werden können, gilt ein
Umstellungszeitraum von 24 Monaten.
- Bei Anlagen, die entleert wurden oder in denen eine Ruhezeit eingehalten
wurde, gilt ein Umstellungszeitraum von 12 Monaten.
- Bei Anlagen, die entleert, gereinigt und desinfiziert wurden, gilt ein Umstellungszeitraum
von 6 Monaten.
5.1.7.3 Es hat eine Gesamtbetriebsumstellung zu erfolgen. In Ausnahmefällen wird ein
Etappenplan (Zeit- und Teichbelegungsplan, Futterplan, Management) ausgearbeitet
und zur Genehmigung der BIO AUSTRIA-Qualitätssicherung vorgelegt. Die
Umstellung des gesamten Betriebes ist nach spätestens vier Jahren bei Karpfen
bzw. zwei Jahren bei Salmoniden abzuschließen.
5.1.8 Karpfen-Teichwirtschaft
5.1.8.1 Wasserwirtschaft
5.1.8.1.1 Der Abfischbereich muss einen Frischwasserzufluss haben und so groß sein, dass
die Tiere in ihrem Wohlbefinden nicht beeinträchtigt sind. Die Fische werden nach
der Ernte in frischem Wasser gehältert.
5.1.8.1.2 Eine Düngung der Teiche in Übereinstimmung mit Liste 2.1.5 der BIO AUSTRIAzulässigen
Dünge- und Bodenverbesserungsmittel mit einer Höchstgabe von 20 kg
Stickstoff/ha ist zulässig.
5.1.8.1.3 Der Einsatz chemisch-synthetischer Mittel zur Kontrolle des Pflanzenwuchses in
den Produktionsgewässern ist verboten. Um dem Pflanzenbewuchs zu regulieren,
ist der Einsatz von maximal 5 % Amur, Tolstolob/Marmorkarpfen und Silberkarpfen
zulässig. Diese Tiere müssen aber konventionell vermarktet werden.
5.1.8.2 Haltungsvoraussetzungen
Streifen mit natürlicher Vegetation rund um Binnengewässeranlagen dienen als
Pufferzonen zu angrenzenden Flächen, die nicht nach den Vorgaben biologischer
Produktion bewirtschaftet werden.
5.1.8.3 Futtermittel
5.1.8.3.1 Es gelten die Bestimmungen 3.4 der BIO AUSTRIA-Richtlinien in ihrer Anwendbarkeit
auf die Fische sowie der aktuelle Betriebsmittelkatalog.
5.1.8.3.2 Der überwiegende Teil des Futters (mehr als 50 %) stammt aus der Naturnahrung
des Teiches.
5.1.8.3.3 Steht ein natürliches Nahrungsangebot nicht in ausreichender Menge zur Verfügung,
dürfen biologische pflanzliche Futtermittel, die vorzugsweise aus dem
eigenen Betrieb stammen, oder Algen zugefüttert werden. Die Zufütterung ist zu
dokumentieren.
5.1.8.3.4 Die Futtermenge ist vom Zuwachs und dem Futterquotienten (FQ) abhängig zu
machen. Zur Ermittlung der maximalen Futtermenge gelten folgende Grundlagen:
< 50 % des Zuwachses stammt aus Zufutter.
Berechnungsschema (vereinfacht):
maximale Futtermenge Getreide: Zuwachs x 1,75 = kg Futter
maximale Futtermenge eiweißreiche Futtermittel: Zuwachs x 0,75 = kg Futter
Bei Fütterung von Mischungen sind die Werte den entsprechenden Verhältnissen
anzupassen.
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Seite 74 BIO AUSTRIA
5.1.8.4 Hygiene
Die biologische Karpfenproduktion ist zulässig in Fischteichen, die in regelmäßigen
Abständen vollständig abgelassen werden
5.1.8.5 Besatz
5.1.8.5.1 Bei Polykultur in Abwachsteichen muss den Bedürfnissen aller Besatzarten
gleichermaßen Rechnung getragen werden.
5.1.8.5.2 Um eine vielseitige Nutzung der Naturnahrung zu gewährleisten, sind beim Besatz
nach dem ersten Lebensjahr, mehrere Fischarten zu bewirtschaften (mindestens
zwei Friedfischarten und eine Raubfischart).
5.1.8.5.3 Der Besatz hat sich in seiner Höhe am natürlichen Ertragspotential und den
klimatischen Voraussetzungen zu orientieren. Besatzobergrenzen sind für zwei Regionen
beispielhaft festgelegt (Region I = kalte Region, z.B. Waldviertel; Region II =
warme Region, z.B. Steiermark)
Region I Region II
Stück Karpfen/ha Stück Karpfen/ha
2.500 K1 (4 m2/Stk.) 3.000 K1 (3,33 m2/Stk.)
500 K2 (20 m2/Stk.) 600 K2 (16,66 m2/Stk.)
Bei K1 werden Gewichte von 50 g bis 100 g, bei K2 werden 0,7 kg zugrundegelegt.
Bei speziellen Zielstellungen der Bewirtschaftung (z.B. regionaltypischen Endgewichte,
verlängerte Umtriebszeit), kann die Besatzdichte um bis zu 20 % erhöht
werden. Beim Mischbesatz mit anderen bewirtschafteten Fischarten (z.B. Schleie)
sind die Werte entsprechend den Gewichten der Fische anzupassen. Es dürfen
aber keineswegs mehr als 1.500 kg Fisch (alle Arten) pro Hektar und Jahr produziert
werden.
5.1.9 Forellen-Teichwirtschaft
5.1.9.1 Wasserwirtschaft
Teiche sollen nicht ungehindert der Sonne ausgesetzt sein. Es wird empfohlen
wenigstens einen Teil der Wasserzone des Teiches zu beschatten.
5.1.9.2 Haltungsvoraussetzungen
Bei der Erbrütung und bis zum Anfüttern der Brut werden Brutmatten empfohlen.
5.1.9.3 Futtermittel
5.1.9.3.1 Es gelten sinngemäß die Bestimmungen 3.4 der BIO AUSTRIA-Richtlinien sowie
der aktuelle Betriebsmittelkatalog.
5.1.9.3.2 Salmoniden sind Raubtiere. Aufgrund dieser besonderen Nährstoffansprüche darf
Protein und Fett bis zu einem Anteil von 50 % der Trockensubstanz des Futters
eingesetzt werden. Die darüber hinaus eingesetzten Rohstoffe landwirtschaftlichen
Ursprungs müssen den BIO AUSTRIA-Richtlinien entsprechen.
Bei der Auswahl eingesetzter Futtermittel ist nach folgender Rangfolge vorzugehen:
- Futtermittel aus biologischer Aquakulturproduktion
- Fischmehl und Fischöl aus Überresten der Verarbeitung von Fischen aus
biologischer Aquakulturproduktion
- Fischmehl und Fischöl und anderen Fischzutaten aus Überresten der
Verarbeitung von Wildfischen für den menschlichen Verzehr aus nachhaltiger
Fischerei
- biologische Futtermittel pflanzlichen und tierischen Ursprungs siehe Punkt
3.4.2.3
EU
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Richtlinien 2010 Seite 75
Wenn diese Futtermittel nicht zur Verfügung stehen, darf während eines
Übergangszeitraums bis zum 31.12.2014 auch Fischmehl und Fischöl aus
Überresten für den menschlichen Verzehr gefangener Wildfische verfüttert werden.
Solche Futtermittel machen höchstens 30 % der Tagesration aus. Die Verfütterung
von Fischen aus konventioneller Aquakulturproduktion ist nicht zulässig.
5.1.9.3.3 Im Rahmen ihrer physioloigschen Bedürfnisse darf Lachsen und Forellen mit dem
Futter Astaxanthin – vorrangig aus biologischen Quellen wie den Schalen
biologisch erzeugter Krebstiere – verabreicht werden. Stehen biologische Ausgangsstoffe
nicht zur Verfügung, dürfen natürliche Astaxanthinquellen (z.B.
Phaffio-Hefe) verwendet werden.
5.1.9.4 Besatz
Die Besatzgrenze hat sich vorrangig am gegebenen Sauerstoffgehalt zu
orientieren. Der Bestand ist so zu bemessen, dass die Sauerstoffsättigung nahe
dem Auslauf mindestens 60 % beträgt.
Je m3 Teichvolumen dürfen maximal 10 kg Fische gehalten werden, im Fließkanal
sind im Maximum 15 kg/m3 zulässig.
5.2 Biologische Bienenhaltung
5.2.1 Aufstellung der Bienenvölker
Die Standorte sind so zu wählen, dass die Belastungen für die Bienen und deren Produkte so
gering wie möglich sind. Biologisch bewirtschaftete Flächen sind zur Aufstellung zu
bevorzugen. Besteht Verdacht auf zu hohe Schadstoffbelastungen, sind die Imkereiprodukte
zu untersuchen. Bei Bestätigung des Verdachts ist der Standort aufzugeben. In einem
Umkreis von 3 km muss die Bienenweide im Wesentlichen aus Pflanzen des ökologischen
Landbaus, Wildpflanzen, Waldungen und Kulturen, die auf Flächen, die die biologische
Qualität der Imkereierzeugnisse nicht beeinträchtigen, angebaut werden, bestehen.
Der Bienenstand muss sich in ausreichender Entfernung von möglichen nicht-landwirtschaftlichen
Verschmutzungsquellen, wie z.B. städtischen Gebieten, Autobahnen,
Industriegebieten, Abfalldeponien, Abfallverbrennungsanlagen usw. befinden.
5.2.2 Beuten und Rahmen
Die Beuten und Rahmen – mit Ausnahme von Verbindungselementen, Dachabdeckung,
Gitterboden, Abstandhaltern und Fütterungselementen – sind vollständig aus natürlichen
Materialien (Vollholz, Stroh oder Lehm) zu fertigen.
In den Bienenstöcken dürfen, mit Ausnahme bei der Krankheitsvorsorge und tierärztlicher
Behandlung, nur natürliche Produkte wie Propolis und Wachs aus biologischer Bienenhaltung
verwendet werden. Eine Außenbehandlung der Beuten ist nur mit Mitteln aus natürlichen,
ökologisch unbedenklichen Rohstoffen (z.B. biozidfreie Farben auf Leinöl- oder Holzölbasis
und schadstoffarme Holzleime) zulässig.
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Seite 76 BIO AUSTRIA
5.2.3 Betriebsweise
5.2.3.1 Völkerführung
Im Sinne des biologischen Landbaus müssen sich die Pflegemaßnahmen am
Bienenvolk an den natürlichen Bedürfnissen der Bienen orientieren. Die Einheit
des Brutnestes sollte erhalten bleiben und im Zuge der Erweiterung nicht durch
Umhängen von Brutwaben gestört werden. Ein Absperrgitter sollte nur in Ausnahmefällen
und erst nach Ende der Aufwärtsentwicklung eingesetzt werden.
5.2.3.2 Bienenzucht
Die Vermehrung der Bienenvölker ist dem natürlichen Verlauf der jahreszyklischen
Entwicklung des Bienenvolkes anzupassen. Die Verwendung gentechnisch manipulierter
Bienen ist nicht erlaubt. Bienenvölker, die zur Honiggewinnung eingesetzt
werden, dürfen nur in der Ein-Königinnen-Betriebsweise gehalten werden. Bei der
Wahl der Rassen ist der Fähigkeit der Tiere zur Anpassung an die Umweltbedingungen,
ihrer Vitalität und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten
Rechnung zu tragen. Europäischen Rassen der Apis mellifera und lokalen Ökotypen
ist der Vorzug zu geben. Verstümmelungen wie das Beschneiden der Flügel
von Weiseln sind verboten. Die künstliche Besamung ist zur Erhaltung der Reinheit
der Bienenrassen erlaubt.
5.2.3.3 Zukauf von Völkern und Königinnen
Die Betriebsweise stützt sich vorwiegend auf den eigenen Völkerbestand. Ein Zukauf
ist nur aus Betrieben mit biologischer Bienenhaltung möglich. Zur Erneuerung
von Bienenbeständen können jährlich 10 % der Königinnen und Schwärme durch
konventionelle Weiseln und Schwärme ersetzt werden, sofern sie in den Bienenstöcken
auf Bio-Waben oder Bio-Wachsböden gesetzt werden.
Bei hoher Bienensterblichkeit aus gesundheitlichen Gründen oder in Katastrophensituationen
kann die zuständige Behörde den Wiederaufbau des Bestandes mit
konventionellen Bienenvölkern, wenn keine Völker aus biologischer Bienenhaltung
verfügbar sind, genehmigen. In diesem Fall gilt der Umstellungszeitraum (siehe
Punkt 5.2.8).
5.2.3.4 Wabenbau
Die Bienenvölker müssen die Möglichkeit haben auf mindestens 10 % des Brutraumes
Naturwabenbau zu errichten. Als Wachs für die Herstellung von Anfangstreifen
oder Mittelwänden wird nur Wachs aus einem biologisch wirtschaftenden
Betrieb verwendet.
Ist Bienenwachs aus biologischer Bienenhaltung nicht erhältlich, kann in Ausnahmefällen
auf nachweislich rückstandsfreies Bienenwachs anderer Herkunft
zurückgegriffen werden.
5.2.3.5 Wachsverarbeitung
Der Wachskreislauf ist innerbetrieblich aufrecht zu erhalten. Bei der Verarbeitung
in einem Fremdbetrieb muss unter kontrollierten Bedingungen das eigene Bienenwachs
verarbeitet werden. Bei der Wachsgewinnung dürfen weder Lösungs- noch
Bleichmittel verwendet werden.
5.2.3.6 Wabenlagerung
Wabenmaterial ist kühl, trocken und luftig zu lagern. Zum Schutz vor Wachsmotten
dürfen nur die unter Punkt 5.2.6 erwähnten Mittel verwendet werden.
5.2.3.7 Pollengewinnung
Bei der Pollengewinnung dürfen nur Maschengitter oder gestanzte Kunststoffgitter
mit Entgratung verwendet werden.
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Richtlinien 2010 Seite 77
5.2.4 Fütterung
Honig und Blütenpollen sind die natürliche Nahrungsgrundlage der Bienenvölker und sollen
immer in ausreichender Menge im Bienenvolk vorhanden sein.
5.2.4.1 Fütterung von Bienenvölkern, Schwärmen und Ablegern
Das Füttern von Bienenvölkern ist nur zulässig, wenn das Überleben des Volkes
witterungsbedingt gefährdet ist und auch dann nur ab der letzten Honigernte bis
15 Tage vor Beginn der nächsten Nektar- oder Honigtautrachtzeit. In diesem Falle
darf biologischer Honig, biologischer Zuckersirup oder biologischer Zucker zugefüttert
werden.
5.2.4.2 Notfütterung
Die zuständige Behörde kann das Füttern von Bienen mit biologischem Honig,
biologischem Zuckersirup oder biologischem Zucker bei lang anhaltenden außergewöhnlichen
Witterungsverhältnissen oder in Katastrophensituationen, die die
Nektar- oder Honigtauerzeugung beeinträchtigen, vorübergehend genehmigen.
5.2.4.3 Pollenfütterung
Pollenersatzstoffe sind verboten.
5.2.5 Honiggewinnung
Honig in der ursprünglichen Form ist Wabenhonig. In dieser hochwertigen Qualität soll er bis
zum Verkauf erhalten bleiben.
5.2.5.1 Honigentnahme
Die Entfernung der Bienen von den Honigwaben muss möglichst sanft erfolgen.
Zur Beruhigung und Vertreibung der Bienen sind keine chemisch-synthetischen
Mittel erlaubt. Waben, die Brut enthalten, dürfen nicht zur Honiggewinnung verwendet
werden.
5.2.5.2 Verarbeitung zu Schleuderhonig
Beim Schleudern, Sieben, Klären und anschließenden Einlagern darf der Honig
nicht über 35 °C erwärmt werden. Druckfiltration ist untersagt.
5.2.5.3 Honiglagerung
Die Lagerung des Honigs muss luftdicht, dunkel, trocken und gleichbleibend kühl
erfolgen. Es sind nur Lagergefäße aus Edelstahl zu verwenden, bereits vorhandene
Gefäße aus lebensmittelechtem Kunststoff dürfen nur mehr bis zu ihrem
Verschleiß verwendet werden. Ein Neuzukauf von lebensmittelechten Kunststoffbehältern
ist nur gestattet, wenn für eine durchschnittliche Jahreshonigernte
Edelstahlbehälter vorhanden sind und die neuen Kunststoffgefäße zum Zweck des
Transports bzw. Auftragsabfüllung dienen. Für den Verkauf an Endverbraucher
wird nur Glas verwendet (Ausnahme Wabenhonig).
5.2.5.4 Messbare Qualität des Honigs, Analysenwerte
Es müssen über die gesetzlichen Festlegungen hinaus folgende Kriterien erfüllt
werden: der Wassergehalt gemessen nach DIN/AOAC darf maximal 18 % betragen.
Der HMF-Gehalt gemessen nach Winkler darf maximal 10 mg/kg betragen.
Die Enzymaktivität gemessen nach Siegenthaler muss mindestens 37,5 Einheiten
betragen. Hiervon ausgenommen sind von Natur aus enzymschwache Honige.
Diese Qualitätskriterien gelten bis zur Abgabe durch den Imker.
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Seite 78 BIO AUSTRIA
5.2.6 Hygiene, Krankheitsvorsorge und tierärztliche Behandlung
Die Maßnahmen der biologischen Imkerei sind darauf ausgerichtet, die Selbstheilungskräfte
und die Vitalität der Bienenvölker zu erhalten. Der Verlust einzelner für bestimmte Krankheitserreger
oder Schädlinge besonders anfälliger Völker ist im Sinne einer natürlichen
Auslese hinzunehmen. Werden Mittel zur Krankheits- oder Schädlingsabwehr eingesetzt, so
ist darauf zu achten dass ausschließlich unten angeführte Mittel eingesetzt werden und eine
Kontamination des Honigs ausgeschlossen ist. Wenn die Bienenvölker trotz aller Vorsichtsmaßnahmen
erkranken oder befallen sind, sind sie unverzüglich zu behandeln und die
Bienenstöcke können erforderlichenfalls isoliert aufgestellt werden.
Zulässige Präparate: Kräutertees, homöopathische Präparate, Ameisensäure, Essigsäure,
Milchsäure, Oxalsäure, Thymol, Eukalyptol, Kampfer, Menthol, Schwefel, Soda, Natronlauge,
Wasser, Dampf, Hitze und Kälte. Die Verwendung von Menthol, Thymol, Eukalyptol, und
Kampfer ist nur unter den in Punkt 5.2.6.2 angeführten Auflagen zulässig.
Es gelten jedenfalls die Bestimmungen des Bienenseuchengesetzes.
5.2.6.1 Schädlingsbekämpfung
Um Rahmen, Bienenstöcke und Waben insbesondere vor Schädlingen zu
schützen, dürfen nur Rodentizide (die nur in Fallen verwendet werden dürfen) und
geeignete Mittel gemäß Punkt 5.2.6 verwendet werden.
5.2.6.2 Varroa-Bekämpfung
Männliche Brut darf nur vernichtet werden, um den Befall mit Varroa destructor
einzudämmen.
Bei Befall mit Varroa destructor dürfen Ameisensäure, Milchsäure, Essigsäure und
Oxalsäure verwendet werden. Die Anwendung der ätherischen Öle Menthol,
Thymol, Eukalyptol oder Kampfer sind unter Einhaltung folgender Auflagen
zulässig:
• Die ätherischen Öle dürfen nicht zu einer Kontamination des Honigs führen. Ein
Einsatz in Wirtschaftsvölkern ist nach der letzten Honigernte bis zur Restentmilbung
im Winter gestattet.
• Die Ganzjahresbehandlung mit ätherischen Ölen ist nicht gestattet (kein
Thymolrähmchen).
• Mit ätherischen Ölen kontaminiertes Wabenmaterial ist vor der Verwendung in
Bienenvölkern zu lüften.
• Bei Verdacht der unerlaubten Anwendung von ätherischen Ölen ist vom
Kontrollorgan vor Ort eine Honigprobe zu ziehen. Thymolgehalte im Honig über
dem natürlichen Wert führen zu einem Verbot der BIO AUSTRIA-Deklaration.
(Je nach Honigsorte sind Gehalte unter 800 ppb einzuhalten.)
5.2.6.3 Einsatz von chemisch-synthetisch allopathischen Tierarzneimitteln
Werden chemisch-synthetisch allopathische Mittel verabreicht, so sind die
behandelten Bienenvölker während dieser Zeit isoliert aufzustellen und das
gesamte Wachs ist durch Wachs aus biologischer Bienenhaltung zu ersetzen.
Diese Bienenvölker unterliegen anschließend der einjährigen Umstellungszeit.
Müssen vom Tierarzt verschriebene Tierarzneimittel verwendet werden, so sind die
Art des Mittels (einschließlich des pharmakologischen Wirkstoffs) sowie die
Einzelheiten der Diagnose, die Dosierung, die Art der Verabreichung, die Dauer
der Behandlung und die gesetzliche Wartezeit genau anzugeben und der
Kontrollstelle mitzuteilen, bevor die Erzeugnisse als mit einem Bezug auf die
biologische Produktion gekennzeichnet vermarktet werden dürfen
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Richtlinien 2010 Seite 79
5.2.7 Aufzeichnungen
Folgende Aufzeichnungen sind zu führen:
• ein Standortplan mit einem Verzeichnis der Bienenstände (Plan, Kataster)
• Angaben zur Fütterung: Art des Erzeugnisses, Fütterungsdaten, Mengen und betroffene
Bienenstöcke
• ein Behandlungsbuch zur Aufzeichnung über die Behandlung von Bienenkrankheiten und
Schädlingen (siehe 5.2.6.3)
• ein Wanderplan mit Standort, Anzahl der Bienenvölker, Zeitraum und Erntemenge
• eine Völkerbestandsliste mit durchlaufender Nummer (z.B. Stockkarte)
• allgemeine Aufzeichnungen über Erntemengen, Zukauf, Verkauf und Verarbeitung
(Warenfluss)
5.2.8 Anerkennung
Jeder Neuantragsteller muss eine Umstellungszeit von zwölf Monaten durchlaufen. Während
der Umstellungszeit ist das Bienenwachs durch biologisches Bienenwachs auszutauschen.
Wenn nachweislich unbelastetes Bienenwachs vorliegt, ist der Austausch nicht notwendig.
Eine Voraussetzung für die BIO AUSTRIA-Anerkennung ist der Besuch eines Einführungskurses
oder eine schriftliche Bestätigung über eine Spezialberatung für biologische Bienenhaltung.
5.2.9 Vermarktung
BIO AUSTRIA-Imker, die ihren Honig unter dem BIO AUSTRIA-Markenzeichen vermarkten
wollen, müssen neben der Einhaltung der hier genannten Richtlinien eine Wachsanalyse
durchführen. Das Ergebnis dieser Wachsanalyse ist ausschlaggebend dafür, ob der Honig mit
dem BIO AUSTRIA-Markenzeichen gekennzeichnet werden darf. Die Untersuchung des
Bienenwachses erfolgt auf im Bio-Landbau unzulässige Varroa- und Wachsmottenbekämpfungsmittel.
Es wird eine Mischprobe aus Waben, Mittelwänden und Wachsvorräten genommen.
Die Rückstände von Wachsmotten- und Varroabekämpfungsmitteln betragen je
Wirkstoff nicht mehr als 0,5 mg/kg Wachs. Die Kosten für die Analyse trägt der
Anerkennungswerber. Werden diese Kriterien nicht erfüllt, darf das BIO AUSTRIAMarkenzeichen
nicht verwendet werden. Die geltenden gesetzlichen Regelungen bezüglich
Etikettierung sowie relevante Bestimmungen der Lebensmittelhygienerichtlinie für Imkerei sind
auf jeden Fall einzuhalten. Vermarktung von Propolistropfen unter dem BIO AUSTRIAMarkenzeichen
ist nur gestattet, wenn Bio-Alkohol für die Produktion verwendet wird.
5.3 Haltung von Mastkaninchen
Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zur Tierproduktion
(Kapitel 3.1 bis 3.9) gelten für Mastkaninchen folgende Bestimmungen:
5.3.1 Herkunft, Tierzukauf
Es müssen grundsätzlich Bio-Tiere zugekauft werden. Wenn keine geeigneten Bio-Tiere
verfügbar sind, können konventionelle Tiere unter folgenden Voraussetzungen zugekauft
werden:
• Beim erstmaligen Bestandsaufbau oder im Rahmen einer erstmaligen Umstellung einer
Produktionseinheit können bis zu 100 % des Tierbedarfs konventionell sein. Es ist eine
Genehmigung der Kontrollstelle erforderlich.
• Diese Ausnahme gilt auch bei der Erneuerung des Bestandes bis zur Erlassung von
Richtlinien für die Zucht.
• Konventionelle männliche Zuchttiere dürfen eingestellt werden.
• Das Alter der konventionell zugekauften Jungtiere (Absetzer) beträgt maximal fünf
Wochen.
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Seite 80 BIO AUSTRIA
5.3.2 Umstellung
Tierische Erzeugnisse können als Erzeugnisse aus biologischer Landwirtschaft vermarktet
werden, wenn die Tiere mindestens 2/3 ihrer Lebenszeit durchgängig nach den geltenden
Bestimmungen der biologischen Landwirtschaft gehalten wurden.
5.3.3 Futter- und Tränkemöglichkeit
Zusätzlich zu den Richtlinien für Monogastrier gemäß Punkt 3.4 gilt folgendes:
• Alle Tiere haben ständig Heu zur Verfügung und erhalten während der Vegetationszeit
Grünfutter.
• Frisches Wasser steht ständig zur Verfügung.
• Fütterungseinrichtungen müssen so gestaltet sein, dass auch rangniedrigere Tiere
genügend Futter erhalten.
• Zum Benagen müssen Äste mit Rinde (vorzugsweise von Kernobstbäumen, Esche,
Weide, Fichte oder Eiche) vorhanden sein, die bei Bedarf gewechselt werden müssen.
5.3.4 Haltungsbedingungen
• Die Mindeststallfläche beträgt vom Absetzen bis Ende 8. Woche: 8 Tiere/m2, danach:
6 Tiere/m2.
• Die Stallbodenfläche ist als eingestreute Liegefläche ausgeformt. Bis maximal 50 % der
Stallbodenfläche ist ein perforierter Lochboden.
• Eine Strukturierung im Stall wie z.B. eine zweite Ebene wird empfohlen. Diese Ebene wird
jedoch nicht zur Stallbodenfläche gerechnet.
• Auslauf: befestigt und leicht zu reinigen, eine Überdachung ist bis zu 100 % der Auslauffläche
möglich. Die Mindestauslauffläche beträgt 0,125 m2 pro Tier (8 Tiere/m2). Darüber
hinaus kann der Auslauf auf bewachsenen Boden ausgedehnt werden (2 m2/Tier).
• Besatzdichte: die höchstzulässige Anzahl von Tieren/Hektar beträgt 400 Mastkaninchen
(GVE gem. ÖPUL, Äquivalent von 170 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr).
• Gruppenhaltung mit überschaubaren Gruppengrößen von etwa 50 Tieren.
• Bei Kaninchenmastställen, die nach dem 01.08.2010 gebaut wurden, muss zusätzlich die
aktuelle Version der 1. Tierhalteverordnung Anlage 9 berücksichtigt werden. Es ist zu
beachten, dass mindestens 20 cm erhöhte Flächen im Stall oder abgedunkelte Bereiche
zur Verfügung gestellt werden sowie Haltungseinrichtungen nicht übereinander positioniert
werden dürfen.
5.4 Tiere und tierische Erzeugnisse von Dam-, Sika-, Muffel- und Rotwild
Neben den allgemeinen Richtlinien (Kapitel 1) und den Richtlinien zur Tierproduktion
(Kapitel 3.1 bis 3.9) gelten für Dam-, Sika-, Muffel- und Rotwild folgende
Bestimmungen:
5.4.1 Futter
Für alle Gatterwildarten gelten die selben Regelungen wie für Wiederkäuer. Eine sinngemäße
Darstellung findet sich unter den Punkten 3.4.1 bis 3.4.5 in dieser Richtlinie wieder.
5.4.2 Haltung
Für die genannten Wildarten ist eine ganzjährige Weidehaltung vorzusehen.
5.4.3 Gehege
Vorschriften bezüglich der Gehege sind in einzelnen Landesgesetzen unterschiedlich geregelt.
Sehen Landesgesetze zu einzelnen Punkten abweichende (höhere) Mindeststandards
vor, so sind die jeweiligen landesgesetzlichen Regelungen zu beachten. Der Gehegestandort
muss den Tieren ausreichenden Wetter- (Wind, Sonne, Regen) und Störungsschutz
gewährleisten. Extrem feuchte (morastige) Standorte sind auszuschließen. Im Gehege muss
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Richtlinien 2010 Seite 81
in der Vegetationsperiode natürliche Äsung vorhanden sein. Standorte, die während der
Vegetationsperiode nicht den überwiegenden Teil der Fütterung aus Grünaufwuchs zur
Verfügung stellen können, sind auszuschließen.
Die Mindestgröße der Gehege für Dam- Sika- und Muffelwild beträgt 1 ha, für Rotwild 2 ha.
Werden mehrere Wildarten gemeinsam gehalten, so ist die Gehege-Mindestgröße jedenfalls
3 ha. Dabei sind die Gehege so zu gestalten, dass sich die beiden Tierarten optisch trennen
können.
Bei jedem Gehege muss die Möglichkeit einer Unterteilung in mindestens zwei Koppeln
gegeben sein. Damit ist die Durchführung von Pflegemaßnahmen auf den Flächen sicherzustellen.
Die Mindestkoppelgröße beträgt bei Dam- Sika- und Muffelwild 0,5 ha, bei Rotwild
oder mehreren Wildarten in einem Gehege mindestens 1 ha.
Bio-Betriebe mit bestehenden kleineren Gehegen können diese weiter verwenden, sofern der
zulässige Tierbesatz pro ha (siehe Punkt 5.4.5 dieser Richtlinie) nicht überschritten wird.
5.4.4 Einrichtungen in den Gehegen
Die Tiere brauchen Sicht- und Witterungsschutzeinrichtungen: Diese sind am besten durch
Bäume und Sträucher (Einbeziehung von Baumgruppen, Waldanteilen oder Waldrändern in
das Gehege) zu erreichen. Ist dies nicht in ausreichendem Ausmaß möglich, so sind den
Tieren Unterstände zur Verfügung zu stellen. Diese müssen überdacht und von der
Wetterseite her geschützt sein.
Ist durch die Bodenbeschaffenheit der Schalenabrieb nicht gesichert, so ist dieser durch
geeignete Maßnahmen (z.B. Befestigung der Futterplätze) zu gewährleisten.
In Rotwildgehegen müssen für Körperpflege und Thermoregulation Suhlmöglichkeiten vorhanden
sein.
Die Futterstellen sind an wettergeschützten Flächen anzulegen, die von den Tieren sowie vom
Betreuungspersonal leicht erreichbar sind. Im Fütterungsbereich muss der Boden ausreichend
befestigt sein. Ist kein dauernder Zugang zum Futter gewährleistet, so sind die
Fütterungseinrichtungen so zu dimensionieren, dass alle Tiere (auch die rangniederen)
gleichzeitig Futter aufnehmen können. Einrichtungen zur Vorratsfütterung (z.B. Heuraufen)
müssen überdacht sein.
Den Tieren muss jederzeit sauberes Wasser in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
Sofern eine natürliche, für die Tiere leicht erreichbare Wasserquelle nicht vorhanden ist, sind
Vorratstränken bereit zu stellen.
5.4.5 Tierbestand
Die genannten Wildarten leben in Sozialverbänden. Der Mindesttierbesatz in einem Gehege
beträgt daher je Tierart drei weibliche und ein männliches Tier. Die isolierte Haltung einzelner
Tiere ist unzulässig, es sei denn, es handelt sich um eine zeitlich begrenzte begründete Maßnahme
(z.B. kranke Tiere).
Der Tierbesatz wird so gewählt, dass die Tiere in der Vegetationsperiode zum überwiegenden
Teil ihre Ernährung vom Grünaufwuchs des Geheges bestreiten. Die Obergrenze für den Tierbesatz
je ha Gehegefläche liegt bei Dam-, Sika- und Muffelwild bei zehn erwachsenen Tieren.
Bei Rotwild beträgt dieser Wert fünf erwachsene Tiere je ha. Dazu kommen die der Herde
entstammenden Jungtiere, die nicht extra gezählt werden.
Die Obergrenze des Tierbestandes ist, wenn besondere Merkmale des betreffenden Gebietes
zur Einhaltung der Regeln dies erfordern, zu reduzieren. Insbesondere ist die Tierbelegung je
Flächeneinheit grundsätzlich so zu begrenzen, dass jede Belastung der Umwelt, besonders
des Bodens, der Oberflächengewässer und des Grundwassers infolge Überweidung oder
Erosion auf ein Minimum reduziert wird.
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Tierische Alternativen biologischer Herkunft
Seite 82 BIO AUSTRIA
5.4.6 Einzäunung
Gehegeeinzäunungen für Dam-, Sika- und Muffelwild sind bei Neuerrichtung des Zaunes
mindestens 1,8 m hoch, für Rotwild mindestens 2 m hoch zu bemessen. Dies gilt nicht für
Zäune innerhalb des Geheges zur Koppelbildung. Sowohl Außen- als auch Innenzäune
müssen für die Tiere deutlich sichtbar sein, um Verletzungen zu vermeiden. Es ist darauf zu
achten, dass bei der Anlage der Zäune keine spitzen Winkel entstehen und ein ungefährdeter
Verlauf der zaunnahen Tierwechsel gewährleistet bleibt.
5.4.7 Fangen und Transportieren der Tiere
Das Einfangen der Tiere kann nur mit Hilfe geeigneter Fangeinrichtungen oder durch Immobilisation
der Tiere durchgeführt werden. Bei der Immobilisation sind die gesetzlichen Vorgaben
einzuhalten. Die unter Narkoseeinfluss befindlichen Tiere dürfen nicht unbeaufsichtigt bleiben.
Hochträchtige Tiere sowie Tiere mit Geweih im Bast dürfen nicht transportiert werden.
5.5 Umrechnungsschlüssel für den Tierbesatz
Tierart kg Stickstoff
je Tier und
Jahr
Tierart kg Stickstoff
je Tier und
Jahr
Pferde bis 1 Jahr 31,2
Pferde 1 bis 3 Jahre 72,7
Zuchtsauen mit durchschn.
19 Ferkel
34,55
Pferde über 3 Jahre 85 Mastschweine über 20 kg 12,14
Kälber 0 bis 3 Monate 12,8 Eber 26,15
Kälber 3 bis 6 Monate 42,5 Masthühner 0,29
Jungvieh 6 bis 12 Monate 42,5 Legehennen 0,74
Rinder zwischen 1 und 2 Jahren 51,5 Junghennen bis 18 Wochen 0,34
männliche Rinder ab 2 Jahren 85 Enten 0,58
tragende Kalbinnen 85 Gänse 0,58
Milchkühe/Mutterkühe 85 Puten 0,63
Schafe 12,8 weibliche Zuchtkaninchen 1,7
Ziegen 12,8
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Verarbeitungsrichtlinien für Bio-Lebensmittel
Richtlinien 2010 Seite 83
Verarbeitungsrichtlinien für Bio-Lebensmittel
6. Kennzeichnung und Vermarktung für BIO
AUSTRIA-Mitglieder
6.1 Identifizierung
Tiere und tierische Erzeugnisse sowie pflanzliche Produkte müssen auf allen Stufen der
Erzeugung, Aufbereitung, Beförderung und Vermarktung zu identifizieren sein.
6.2 Führung des Markenzeichens
Die Berechtigung zur Führung des Markenzeichens wird erst nach Abschluss einer schriftlichen
Beitrittserklärung zum Verein BIO AUSTRIA erworben, durch den sich der Erzeuger zur
Einhaltung dieser Vorschriften verpflichtet.
Mit dem BIO AUSTRIA-Markenzeichen können ausschließlich anerkannt biologische Lebensund
Futtermittel gekennzeichnet werden.
6.3 Adressangabe
Der Erzeuger ist verpflichtet, auf allen Verpackungen für Endverbraucher seinen Namen und
seine Adresse anzuführen, so dass die Herkunft des Lebensmittels zweifelsfrei feststellbar ist.
6.4 Verpackung
Zum Schutz des Erzeugers und der Konsumenten werden die Produkte aus biologischem Anbau
in Behältnissen (z.B. Kisten, Säcke, ...) vermarktet, die mit dem Vereinslogo gekennzeichnet
sind. Diese Kennzeichnung soll einen unlauteren Wettbewerb verhindern und dem
Konsumenten die Möglichkeit geben, die Qualitätsprodukte von anerkannten Vereinsbetrieben
zu erkennen. Verpackungsmaterial von BIO AUSTRIA wird nur an anerkannte Mitgliedsbetriebe
abgegeben und darf nur für Produkte mit mindestens 95 % Bio-Anteil verwendet
werden – siehe auch Punkt 7.3.2.
6.5 Hoftafel
Der anerkannte Mitgliedsbetrieb hat den Hof mit einer Hoftafel, auf der das Markenzeichen
des Vereines originalgetreu abgebildet ist, zu kennzeichnen.
6.6 Produktsortiment
Ein BIO AUSTRIA-Betrieb darf im Rahmen seines Ab-Hof-Verkaufs bzw. in seinem Hofladen
folgende biologische Produkte (im eigenen oder fremden Namen) anbieten:
a) unter dem BIO AUSTRIA-Markenzeichen: Ware von BIO AUSTRIA-Mitgliedsbetrieben bzw.
Kooperationspartner (siehe auch Punkt 6.2 dieser Richtlinien)
b) nicht unter dem BIO AUSTRIA-Markenzeichen (weil regional nicht in BIO AUSTRIAQualität
verfügbar):
• Ware von anderen kontrollierten österreichischen Bio-Betrieben
• Ware aus dem Ausland, wenn die Echtheit der biologischen Qualität durch ein Zertifikat
des Vorlieferanten bestätigt wird.
c) Nachfolgende Erzeugnisse, die nicht direkt oder ausschließlich aus der landwirtschaftlichen
Bio-Produktion stammen, sind so zu kennzeichnen, dass es zu keiner Irreführung der Verbraucher
kommt – dies gilt auch für Hinweise auf der Homepage, Werbe- und
Präsentationsmaterial, auf Transportmittel u. ä.:
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LG
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Verarbeitungsrichtlinien für Bio-Lebensmittel
Seite 84 BIO AUSTRIA
• Wild aus einem Jagdbetrieb, Käse/Milchprodukte von Gemeinschaftsalmen, Pflanzen
und Teile davon aus Wildsammlung.
• In begründeten Fällen kann für zusätzliche Produkte bei der Abteilung Qualitätsmanagement
von BIO AUSTRIA um Ausnahme angesucht werden (z.B. bei Flächenzugängen
mit konventionellem Status).
Auskünfte bezüglich genauer Produktdeklaration erteilt der BIO AUSTRIA-Landesverband.
6.7 Zugekaufte Produkte
Die unter Punkt 6.6 angeführte Regelung gilt analog für den Zukauf von biologischen Produkten
zur Verarbeitung und Veredelung – siehe auch Punkt 7.3.2.
6.8 Verarbeitung, Produktspezifikation
Für die Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe zu Bio-Lebensmitteln gelten die im Punkt
7.3.2 angeführten Vorgaben.
6.9 Gewerbliche Hofläden
Laut EU-Bio-Verordnung ist jedes Unternehmen, das Erzeugnisse erzeugt, aufbereitet, lagert,
aus einem Drittland einführt oder in Verkehr bringt, verpflichtet, vor dem Inverkehrbringen als
biologisches Produkt oder Umstellungsware,
a) diese Tätigkeit bei der zuständigen Behörde des Mitgliedsstaats, in dem diese Tätigkeit
ausgeübt wird, zu melden;
b) seine Tätigkeit dem Kontrollverfahren zu unterstellen.
Gemäß Runderlass vom 05.07.2005 des BMG (Bundesministerium für Gesundheit) sind
Einzelhändler, die Erzeugnisse direkt an den Endverbraucher verkaufen, davon ausgenommen.
Sobald jedoch selbst Erzeugungs- oder Aufbereitungsschritte gesetzt werden,
Erzeugnisse an einem anderen Ort als einem Ort in Verbindung mit der Verkaufsstelle
gelagert oder die Einfuhr aus einem Drittland vorgenommen wird, unterliegt das Unternehmen
den genannten Verpflichtungen.
Betreibt ein Mitglied von BIO AUSTRIA einen gewerblichen Hofladen, für den auf Grund der
gesetzlichen Vorgaben (siehe oben) ein eigener Kontrollvertrag notwendig ist, muss es auch
eine eigene Kooperationsvereinbarung mit BIO AUSTRIA geben, damit die Kontrolldaten an
BIO AUSTRIA weitergeleitet werden.
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Verarbeitungsrichtlinien für Bio-Lebensmittel
Richtlinien 2010 Seite 85
7. Richtlinien für Kooperationspartner
von BIO AUSTRIA
7.1 Präambel
Verarbeiter von biologischen Lebensmitteln setzen die Bemühungen der organisch-biologisch
wirtschaftenden Landwirte fort und stellen BIO AUSTRIA-Qualitätsprodukte mit ausgewählten
Verarbeitungsverfahren her.
Größte Beachtung findet die Auswahl der geeigneten Rohstoffe, Zusatzstoffe, Verarbeitungshilfsstoffe
und Verpackung.
Weiters leistet der Verarbeiter unter Einhaltung aller Gesetze und Richtlinien einen aktiven
Beitrag zur Ressourcenschonung und kontinuierlichen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes.
So soll zur Erzielung eines lagerstabilen und hygienisch einwandfreien Qualitätsproduktes
dem Einsatz von Wasser, Dampf und mechanischer Reinigung wenn möglich einer Behandlung
mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln der Vorzug gegeben werden.
7.2 Geltungsbereich
Die vorliegende Richtlinie gilt für alle Verarbeiter von Lebensmitteln, deren Erzeugnisse mit
einem BIO AUSTRIA-Hinweis gekennzeichnet werden sollen.
Verarbeiter im Sinne dieser Richtlinie ist, wer einen Rohstoff, ein Teilprodukt oder ein Endprodukt
aus biologisch erzeugten Komponenten in eigener Verantwortung gewinnt, herstellt,
zubereitet, bearbeitet, verarbeitet oder um- bzw. abfüllt.
7.3 Kennzeichnung als BIO AUSTRIA-Produkt
7.3.1 Berechtigung zur Zeichenführung
Die Berechtigung zur Führung des BIO AUSTRIA-Markenzeichens wird erst nach Abschluss
eines schriftlichen Vertrages mit dem Verein erworben, durch den sich der Erzeuger zur
Einhaltung dieser Richtlinien verpflichtet.
7.3.2 Produktspezifikation
Ein mit dem BIO AUSTRIA-Markenzeichen gekennzeichnetes Produkt hat folgende
Anforderungen zu erfüllen:
• Alle Rohstoffe landwirtschaftlichen Ursprungs stammen grundsätzlich zu 100 % aus biologischer
Landwirtschaft. Konventionelle landwirtschaftliche Zutaten, die bis zu einem maximalen
Anteil von 5 % eingesetzt werden dürfen sowie alle anderen zulässigen Zutaten,
Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe sind in der Positivliste unter Punkt 7.9 angeführt.
• Die in zusammengesetzten Lebensmitteln befindlichen österreichischen Zutaten landwirtschaftlichen
Ursprungs stammen mindestens zu 2/3 aus Mitgliedsbetrieben von BIO
AUSTRIA und maximal zu 1/3 aus anderen biologisch wirtschaftenden Betrieben (Inland,
EU oder Drittland). Für diese Zutaten ist die Echtheit des biologischen Ursprungs durch ein
anerkanntes Zertifikat des Vorlieferanten nachzuweisen.
• Monoprodukte sind zu 100 % BIO AUSTRIA-anerkannte Ware.
• Bei Verarbeitungsprodukten sind die Zutaten Fleisch, Getreide, Milch, Eier, Kartoffel, Mais,
und deren Folge- oder Teilprodukte zu 100 % BIO AUSTRIA-anerkannte Ware.
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Verarbeitungsrichtlinien für Bio-Lebensmittel
Seite 86 BIO AUSTRIA
Sollten aus klimatischen bzw. technischen Gründen keine entsprechenden Waren zur Verfügung
stehen, kann ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung an die Abteilung Qualitätsmanagement
von BIO AUSTRIA gestellt werden.
Rohstoffe aus Wildsammlung müssen auf der Verpackung als solche deklariert werden.
Die Anteilsberechnung der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs erfolgt in Bezug auf das
Gewicht zum Zeitpunkt der Herstellung ohne Berücksichtigung von zugesetztem Wasser, Salz
und Kulturen von Mikroorganismen.
Sonderregelungen können für Produkte aus biologisch wirtschaftenden Kooperativen zur
Erhaltung der kleinbäuerlichen Strukturen und zur Förderung des fairen Handels von BIO
AUSTRIA bewilligt werden.
7.3.3 Produktkennzeichnung mit dem BIO AUSTRIA-Zeichen
Um ein einheitliches Auftreten des BIO AUSTRIA-Zeichens gegenüber dem Konsumenten
sicherzustellen, sind neue Verpackungsentwürfe mit BIO AUSTRIA abzustimmen. Direktvermarkter
wenden sich hierbei an die jeweilige Landesstelle des Vereines, Kooperationspartner
an ihren zuständigen Betreuer.
BIO AUSTRIA-Markenzeichen
7.3.4 Kennzeichnung im Warenverkehr
BIO AUSTRIA-Produkte müssen auf allen für den Geschäftsverkehr notwendigen Papieren
mit dem Begriff „BIO AUSTRIA“ deklariert werden, wie z.B. BIO AUSTRIA-Weizen oder Bio-
Weizen, BIO AUSTRIA.
7.4 Gentechnik
Es werden ausschließlich ohne Verwendung von GVO, aus oder durch GVO hergestellte
Zutaten, Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe eingesetzt.
7.5 Lagerhaltung
Um eine Vermischung auszuschließen, erfolgt im Lager eine klare Kennzeichnung und
Trennung der BIO AUSTRIA anerkannten Rohstoffe von den übrigen.
Die Lagerräume sind so zu gestalten, dass bei den Lebensmitteln keine Geschmacks- oder
Geruchsverfälschung auftritt und Verderbnis möglichst eingeschränkt ist.
Absoluten Vorrang vor jeder Art der Bekämpfung von Schaderregern haben vorbeugende
(beispielsweise bauliche oder hygienische) Maßnahmen. Sollte dennoch eine Bekämpfung
erforderlich sein, sind mechanisch-physikalische Maßnahmen zu bevorzugen.
Eine chemische Bekämpfung darf nur mit im biologischen Landbau zugelassenen Mitteln
erfolgen, wenn diese nach den einschlägigen österreichischen Rechtsvorschriften für den
Lagerschutz zugelassen sind.
BA/
CO
BA
BA
BA
EU
BA
Verarbeitungsrichtlinien für Bio-Lebensmittel
Richtlinien 2010 Seite 87
7.6 Verarbeitung
Bei Lagerung, Beförderung, Verarbeitung einschließlich Etikettierung muss sichergestellt sein,
dass eine Vermischung von konventionellen und biologischen Waren ausgeschlossen ist.
Betreffend den Verarbeitungsgrad hat der Bundesvorstand von BIO AUSTRIA das Recht,
bestimmten stark verarbeiteten Produkten ohne Angabe von Gründen die Kennzeichnung mit
dem BIO AUSTRIA-Zeichen zu untersagen.
7.7 Verpackung
Die Verpackung ist auf jenes technologisch erforderliche Mindestmaß zu reduzieren, das die
Erhaltung von Qualität und Frische bei möglichst geringer Umweltbelastung sichert.
In diesem Sinne sind nach Möglichkeit Mehrwegverpackungen einzusetzen. Einweggetränkeverpackungen
sind nur zugelassen, wenn der Einsatz dieser durch bestehende Ökobilanzen
von Packstoffen gerechtfertigt werden kann. Nicht zugelassen sind Verpackungsmaterialien
mit PVC-Anteilen. Sollte nach dem Stand der Wissenschaft die Unbedenklichkeit eines
Packstoffes in Frage gestellt sein, behält sich BIO AUSTRIA vor, die Kennzeichnung mit dem
BIO AUSTRIA-Markenzeichen zu untersagen.
7.8 Kontrollwesen
Die Einhaltung der BIO AUSTRIA-Richtlinien wird durch eine vom Verein beauftragte, staatlich
autorisierte Kontrollstelle oder durch den Verband selbst durchgeführt. Die Kontrolle der
lebensmittelrechtlichen Bestimmungen kann ebenfalls über diese Kontrollstelle erfolgen.
7.8.1 Kontrollintervall
Die Kontrolle erfolgt mindestens einmal im Jahr.
7.8.2 Durchführung
Zur Durchführung der Kontrolle hat der Verein das Recht, durch seine Organe oder durch beauftragte
Organisationen und Personen jederzeit den Betrieb zu überprüfen und dabei
schriftliche Belege und Aufzeichnungen zu verlangen, die Durchführung von Rückstandsuntersuchungen
zu veranlassen oder sonstige ihm als wichtig erscheinende Maßnahmen zur
Überprüfung der Produktqualität durchzuführen oder Qualitätstests und Rückstandsuntersuchungen
zu verlangen. Bei Nachweis von Richtlinienverstößen hat der Betrieb die Kosten
der Untersuchung zu tragen.
Der erforderliche vertrauliche Umgang mit sensiblen Informationen zum Vertragsunternehmen
ist seitens der kontrollierenden Organisation sicherzustellen.
7.8.3 Sanktionen
Der Verein BIO AUSTRIA hat das Recht zur Verhängung von Sanktionen bei Richtlinienverstößen.
Diese Sanktionen reichen von der Verwarnung mit Frist zur Behebung des Mangels
bis zur Auflösung des Vertrages mit allfälligem Schadensersatz und der Veröffentlichung des
Entscheides.
EU
BA
BA
BA
EU
BA
BA
Verarbeitungsrichtlinien für Bio-Lebensmittel
Seite 88 BIO AUSTRIA
7.9 Positivliste der zugelassenen Zutaten, Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe
für pflanzliche und tierische Verarbeitungsprodukte
Folgende Zutaten, Zusatzstoffe, Verarbeitungshilfsstoffe und landwirtschaftliche Zutaten
konventionellen Ursprungs sind erlaubt:
Bezeichnung Anwendungsbedingungen
7.9.1 Lebensmittelzusatzstoffe einschließlich Träger
E 153 Pflanzenkohle für BIO AUSTRIA-Betriebe nicht zulässig
E 160b Annatto, Bixin, Norbixin für BIO AUSTRIA-Betriebe nicht zulässig
E 170 Calciumcarbonat Nicht als Farb- oder Calciumzusatz erlaubt.
E 220 Schwefeldioxid oder E 224
Kaliummetabisulfit
Obstweine 1) ohne Zuckerzusatz (inkl. Apfel- und
Birnenwein), Met: maximal 50 mg/l. Bei Apfel- und Birnenwein
unter Zusatz von Zucker oder Fruchtsaftkonzentrat nach
der Fermentierung: 100 mg2)
E 250 Natriumnitrit oder E 252 Kaliumnitrat
für Fleischerzeugnisse
E 250: Richtwert für die Zugabemenge, ausgedrückt in
NaNO2: 80 mg/kg; für E 252 als NaNO3: 80 mg/kg
Rückstandsmenge für E 250, ausgedrückt in NaNO2: 50
mg/kg, für E 252 als NaNO3: 50 mg/kg
E 270 Milchsäure*
E 290 Kohlendioxid
E 296 Äpfelsäure für BIO AUSTRIA-Betriebe nicht zulässig
E 300 Ascorbinsäure* für pflanzliche Produkte und Fleischerzeugnisse
E 301 Natriumascorbat* bei Fleischerzeugnissen in Verbindung mit Nitrit oder Nitrat
E 306 stark tocopherolhaltige Extrakte Antioxidans für Fette und Öle
Zutat landwirtschaftlichen Ursprungs
E 322 Lecithin* für pflanzliche Produkte und Milcherzeugnisse
Zutat landwirtschaftlichen Ursprungs
E 325 Natriumlactat für Milch- und Fleischerzeugnisse
E 330 Zitronensäure* für pflanzliche Produkte
E 331 Natriumcitrat* für tierische Produkte
E 333 Calciumcitrate* für pflanzliche Produkte
E 334 Weinsäure (L(+)-)* für pflanzliche Produkte
E 335 Natriumtartrat* für pflanzliche Produkte
E 336 Kaliumtartrat* für pflanzliche Produkte
E 341 (i) Monocalciumphosphat für BIO AUSTRIA-Betriebe nicht zulässig
E 400 Alginsäure* für pflanzliche Produkte und Milcherzeugnisse
E 401 Natriumalginat* für pflanzliche Produkte und Milcherzeugnisse
E 402 Kaliumalginat* für pflanzliche Produkte und Milcherzeugnisse
E 406 Agar-Agar für pflanzliche Produkte sowie Fleisch- und Milcherzeugnisse
E 407 Carrageen für pflanzliche Produkte und Milcherzeugnisse
E 410 Johannisbrotkernmehl Zutat landwirtschaftlichen Ursprungs
E 412 Guarkernmehl Zutat landwirtschaftlichen Ursprungs
E 414 Gummi arabicum Zutat landwirtschaftlichen Ursprungs
E 415 Xanthan*
E 422 Glycerin für BIO AUSTRIA-Betriebe nicht zulässig
E 440 i Pektin* für pflanzliche Produkte und Milcherzeugnisse
Zutat landwirtschaftlichen Ursprungs
E 464 Hydroxypropylmethycellulose zur Herstellung von Kapselhüllen
E 500 Natriumcarbonat für pflanzliche Produkte sowie „Dulce de leche“,
Sauerrahmbutter und Sauermilchkäse
E 501 Kaliumcarbonat für pflanzliche Produkte
EU/
BA
Verarbeitungsrichtlinien für Bio-Lebensmittel
Richtlinien 2010 Seite 89
EU/
BA
E 503 Ammoniumcarbonat für pflanzliche Produkte
E 504 Magnesiumcarbonat für pflanzliche Produkte
E 509 Calciumchlorid für die Milchgerinnung
E 516 Calciumsulfat in pflanzlichen Produkten als Trägerstoff
E 524 Natriumhydroxid zur Oberflächenbehandlung von Laugengebäck
E 551 Siliziumdioxid für BIO AUSTRIA-Betriebe nicht zulässig
E 553 b Talkum für pflanzliche Produkte und als Überzugsmittel für
Fleischerzeugnisse
E 938 Argon
E 939 Helium
E 941 Stickstoff
E 948 Sauerstoff
7.9.2. Aromen
Natürliche Aromen und Aromaextrakte*
Rauch nur aus naturbelassenen Hölzern und Zweigen
7.9.3 Wasser und Salz
Trinkwasser
Salze (hauptsächlich aus Natrium- oder Kaliumchlorid), die allgemein bei der Lebensmittelverarbeitung verwendet
werden.
7.9.4 Zubereitungen von Mikroorganismen
Alle normalerweise in der Lebensmittelherstellung verwendeten Kulturen von Mikroorganismen, ausgenommen
genetisch veränderte Organismen (GVO), Enzyme*, Labaustauschstoffe*, Naturlab*.
7.9.5 Mineralstoffe, Vitamine, Aminosäuren und andere Stickstoffverbindungen
nur zugelassen, wenn gesetzlich für das betroffene Lebensmittel vorgeschrieben
7.9.6. Verarbeitungshilfsstoffe und sonstige Erzeugnisse
Trinkwasser
Calciumchlorid in pflanzlichen Produkten als Koagulationsmittel
Calciumcarbonat in pflanzlichen Produkten
Calciumhydroxid für pflanzliche Produkte
Calciumsulfat in pflanzliche Produkten als Koagulationsmittel
Magnesiumchlorid (Nigari) in pflanzlichen Produkten als Koagulationsmittel
Kaliumcarbonat zum Trocknen von Trauben
Natriumcarbonat in der Zuckerherstellung
Milchsäure* zur Regulierung des pH-Wertes des Salzbades bei der
Käseherstellung;
Zitronensäure* bei tierischen Produkten nur zur Regulierung des pH-Wertes
des Salzbades bei der Käseherstellung; bei pflanzlichen
Produkten nur zur Ölgewinnung und Stärkehydrolyse
Natriumhydroxid zur Zucker- und Rapsölerzeugung
Schwefelsäure bei tierischen Produkten nur zur Gelatineherstellung;
bei pflanzlichen Produkten nur zur Zuckerherstellung
Salzsäure bei tierischen Produkten nur zur Gelatineherstellung und zur
Regulierung des pH-Wertes des Salzbades bei der
Herstellung von Gouda-, Edamer und Maasdamer Käse,
Boerenkaas, Friese und Leids Nagelkaas
Ammoniumhydroxid bei tierischen Produkten nur zur Gelatineherstellung
Wasserstoffperoxid bei tierischen Produkten nur zur Gelatineherstellung
Kohlendioxid
Stickstoff
Ethanol* als Lösemittel für pflanzliche Produkte
Gerbsäure für pflanzliche Produkte als Filtrierhilfe
Eiweißalbumin für pflanzliche Produkte
Verarbeitungsrichtlinien für Bio-Lebensmittel
Seite 90 BIO AUSTRIA
Anmerkungen:
*): Zusicherungserklärung zur Einhaltung des Gentechnikverbotes notwendig („GMO-frei Zertifikat “)
1): Obstwein = Wein aus anderem Obst als Weintrauben
2): Höchstwerte, bezogen auf die in allen Bestandteilen enthaltene Gesamtmenge, ausgedrückt in mg
SO2/l
Unterscheidung pflanzliche/tierische Produkte:
Wenn mehr als 50 Gewichts-% der landwirtschaftlichen Zutaten tierischen Ursprungs sind, handelt es
sich um ein tierisches Produkt.
Kasein für pflanzliche Produkte
Gelatine für pflanzliche Produkte
Hausenblase für pflanzliche Produkte
Pflanzenöle nur für Backblech-Schmierfette
Siliciumdioxid als Gel oder kolloidale Lösung für pflanzliche Produkte
Aktivkohle für pflanzliche Produkte
Talkum für pflanzliche Produkte
Bentonit für pflanzliche Produkte und als Verdickungsmittel für Met
Kaolin für pflanzliche Produkte und für Propolis
Cellulose für pflanzliche Produkte und bei tierischen Produkten nur zur
Gelatineherstellung
Kieselgur für pflanzliche Produkte und bei tierischen Produkten nur zur
Gelatineherstellung
Perlit für pflanzliche Produkte und bei tierischen Produkten nur zur
Gelatineherstellung
Haselnussschalen für pflanzliche Produkte
Reismehl* für pflanzliche Produkte
Bienenwachs als Trennmittel für pflanzliche Produkte
Carnaubawachs als Trennmittel für pflanzliche Produkte
7.9.7 Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs aus konventioneller Produktion (maximal
5 %, bezogen auf das Gesamtgewicht)
7.9.7.1 Unverarbeitete pflanzliche Erzeugnisse Eicheln (Quercus spp.)
Stachelbeeren (Ribes uva-crispa)
Maracuja (Passionsfrucht, Passiflora edulis)
Getrocknete Himbeeren (Rubus idaeus)
Pfeffer (peruanisch, Schinus molle L.)
Meerrettichsamen (Armoracia rusticana)
Kleiner Galgant (Alpinia officinarum)
Saflorblüten (Carthamus tinctorius)
Algen, einschließlich Seetang
Nicht zulässig sind: Kolanüsse (Cola acuminata), getrocknete
rote Johannisbeeren (Ribes rubrum), Brunnenkresse
(Nasturtium officinale)
7.9.3.2 Verarbeitete pflanzliche Erzeugnisse Fructose*
Reispapier*
Oblaten*
Erbsenprotein (Pisum spp.)
Rum (Echter Rum aus Rohrzuckersaft, nicht Inländerrum!)
Kirsch (hergestellt auf Basis von Früchten und natürlichen
Aromen und Aromaextrakten)
Nicht zulässig sind: pflanzliche Öle, Reis- und
Wachsmaisstärke
7.9.3.3 Tierische Erzeugnisse
Gelatine
Naturdärme
Nicht zulässig sind: Wasserorganismen und Molkenpulver
„Herasuola“
EU/
BA
Verzeichnis Bio-Vereine
Richtlinien 2010 Seite 91
8. Verzeichnis der österreichischen Bio-Vereine im
Netzwerk von BIO AUSTRIA
BIO AUSTRIA Linz
Qualitätssicherung, Beratung
Ellbognerstr. 60
4020 Linz
T: +43(0)50/654 884
F: +43(0)50/654 884-140
M: office@bio-austria.at
W: www.bio-austria.at
BIO AUSTRIA Burgenland
Rottwiese 62
7350 Oberpullendorf
T: +43(0)2612/436 42
F: +43(0)2612/436 42-40
M: burgenland@bio-austria.at
BIO AUSTRIA Wien
Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation,
Agrarpolitik
Theresianumgasse 11
1040 Wien
T: +43(0)1/403 70 50
F: +43(0)1/403 70 50 -190
M: office@bio-austria.at
W: www.bio-austria.at
BIO AUSTRIA Oberösterreich
Auf der Gugl 3
4021 Linz
T: +43(0)50/69 02-14 20
F: +43(0)50/69 02-14 78
M: oberoesterreich@bio-austria.at
BIO AUSTRIA Niederösterreich und Wien
Matthias Corvinus Straße 8/UG
3100 St. Pölten
T: +43(0)2742/908 33
F: +43(0)2742/908 33-10
M: niederoesterreich@bio-austria.at
BIO AUSTRIA Tirol
Wilhelm-Greil-Straße 9
6020 Innsbruck
T: +43(0)512/572 993-10
F: +43(0)512/572 993-20
M: tirol@bio-austria.at
BIO AUSTRIA Salzburg
Schwarzstraße 19
5020 Salzburg
T: +43(0)662/870 571-313
F: +43(0)662/878 074
M: salzburg@bio-austria.at
BIO AUSTRIA Kärnten
Museumsgasse 5
9020 Klagenfurt
T: +43(0)463/332 63
F: +43(0)463/332 63-15
M: kaernten@bio-austria.at
BIO AUSTRIA Vorarlberg
Jahnstraße 20
6900 Bregenz
T: +43(0)5574/537 53
F: +43(0)5574/537 53-6
M: vorarlberg@bio-austria.at
Biolandwirtschaft Ennstal
8950 Stainach 160
T: +43(0)3623/201 16
F: +43(0)3623/201 17
M: office@bioland-ennstal.at
W: www.bioland-ennstal.at
Bio Ernte Steiermark
Krottendorferstraße 81/2
8052 Graz
T: +43(0)316/80 50-71 44
F: +43(0)316/80 50-71 40
M: steiermark@ernte.at
Förderungsgemeinschaft für gesundes
Bauerntum
Nöbauerstraße 22
4060 Leonding
T: +43(0)732/675 363
F: +43(0)732/675 363
W: www.orbi.or.at
Verzeichnis Bio-Vereine
Seite 92 BIO AUSTRIA
Moorheilbad Harbach Produktion und
Vermarktungsgesellschaft für ökologische
Produkte GmbH
3970 Moorbad Harbach
T: +43(0)2856/75 137-20
F: +43(0)2856/75 137-30
M: info@oeko-kreislauf.at
W: www.oeko-kreislauf.at
Österreichischer DEMETER-Bund
Theresianumgasse 11
1040 Wien
T: +43(0)1/879 47 01
F: +43(0)1/879 47 22
M: info@demeter.at
W: www.demeter.at
Verein der biologisch wirtschaftenden
Ackerbaubetriebe BAF
Pottenhofen 111
2163 Ottenthal
T: +43(0)2554/853 74
F: +43(0)2554/81 14
M: piatti@nanet.at
W: www.bioackerfrucht.at
Verein organisch-biologischer Landbau
Weinviertel
Peigarten 52
2053 Peigarten
T: +43(0)2944/82 63
F: +43(0)2944/84 02
M: office@biohof-kettler.at
Abkürzungsverzeichnis
Richtlinien 2010 Seite 93
9. Abkürzungsverzeichnis
° C Grad Celsius
a Ar
AMA Agrar Markt Austria
AOAC Association of Analytical Chemists
AGES Österreichische Agentur für Gesundheit und
Ernährungssicherheit GmbH
AWG Abfallwirtschaftsgesetz
BGBl. Bundesgesetzblatt
BMG Bundesministerium für Gesundheit
bzw. beziehungsweise
CaO Calziumoxid
cm Zentimeter
CO2 Kohlendioxid
DAB Deutsches Arzneibuch
d.h. das heißt
dgl. dergleichen
DGVE Düngegroßvieheinheiten
DIN Deutsches Institut für Normung
Dr. Doktor
EG Europäische Gemeinschaft
etc. et cetera
EU Europäische Union
EWG Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
FQ Futterquotient
g Gramm
GAP Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union
GVO Gentechnisch veränderter Organismus
ha Hektar
hl Hektoliter
HMF Hydroxymethylfurfurol
idgF. in der derzeit gültigen Fassung
inkl. inklusive
K Kali
Kap. Kapitel
kg Kilogramm
konv. Konventioneller Herkunft (= nicht aus biologischer Landwirtschaft)
KVO Kompostverordnung
lfm Laufmeter
LFBIS Land- und forstwirtschaftliches Betriebsinformationssystem
(landwirtschaftliche Betriebsnummer)
lt. laut
m Meter
MHS Malignes Hyperthermie Syndrom
m2 Quadratmeter
MM-Pulver Magermilchpulver
N Stickstoff
NaNO2 Natriumnitrit
NaNO3 Natriumnitrat
Njw Stickstoff jahreswirksam
Abkürzungsverzeichnis
Seite 94 BIO AUSTRIA
Nr. Nummer
O2 Sauerstoff
ÖAB Österreichisches Arzneibuch
ÖPUL Österreichisches Programm für Umweltgerechte Landwirtschaft
österr. österreichisch
P Phosphor
Ppb Parts per billion
PVC Polyvinylchlorid
QS Qualitätssicherung
RL Richtlinie
SO2 Schwefeldioxid
Stk. Stück
STM Stockmass
t Tonnen
TGI Tiergerechtheitsindex
TKV Tierkörperverwertung
TS Trockensubstanz
u. ä. und ähnlichem
usw. und so weiter
VO Verordnung
x mal (Multiplikation)
z.B. zum Beispiel
Index
Richtlinien 2010 Seite 95
A
Abferkelboxen .........................................................47
Absperrgitter............................................................76
Acker .......................................................................16
Agrogas ...................................................................19
Agrogasgülle ...........................................................16
Aminosäure .............................................................89
Anbindehaltung ........................................... 40, 45, 48
Anerkennung....................................................... 6, 79
Antibiotika.......................................................... 32, 33
Anzahl der Behandlungen.......................................34
Arbeitsgruppe............................................................7
Aromen....................................................................89
Arzneimittel.................................................. 32, 33, 34
Aufstallung......................................................... 40, 44
Aufzeichnungen............................................. 9, 34, 79
Auslauf ...................................... 40, 42, 48, 53, 54, 58
Auslauföffnungen .............................................. 52, 58
Ausnahmen ........................................................... 6, 9
Außenscharrraum....................................................50
B
Besatz ............................................................... 74, 75
Besatzdichten...................... 38, 44, 47, 50, 56, 57, 80
Betreuung.......................................................... 29, 33
Betriebsmittelkatalog................. 10, 22, 24, 30, 36, 63
Bienenhaltung .........................................................75
Bienenwachs............................................... 22, 76, 79
BIO AUSTRIA-Markenzeichen .............. 66, 79, 83, 85
Bio-Vereine..............................................................91
Bodenfruchtbarkeit ...................................... 15, 21, 65
Bodenleben .............................................................12
D
Dam-, Sika-, Muffel- und Rotwild....................... 28, 80
Desinfektion..................................... 25, 36, 53, 66, 70
Düngebeschränkungen ...........................................14
Düngemittel .............................................................18
Düngung...................................................... 13, 60, 64
E
Einstreu .........................18, 40, 44, 47, 48, 56, 58, 59
Embryotransfer........................................................29
extensiv ............................................................. 37, 67
F
Fischhaltung............................................................68
Fischmehl .......................................................... 31, 74
Fischvermehrung.....................................................71
Forellen ....................................................... 68, 72, 74
Freilandmasthühnern ..............................................57
Fressplätze............................................ 40, 44, 48, 52
Fruchtfolge ...................................... 15, 16, 21, 24, 61
Futtermittel ............................................ 30, 73, 74, 83
Futtermittelzusätze..................................................32
Futterquotient ..........................................................73
Fütterung ................................................. 8, 30, 44, 77
G
Geflügel ...................................................................49
Gemeinschaftsalm...................................................37
Gemeinschaftsweide...............................................37
Gemüse............................................................. 13, 16
Gemüsebau.............................................................60
Gentechnik ............................................ 17, 19, 66, 86
Gesamtbetrieb..................................................... 6, 73
Grünland ................................................................. 16
Gruppenhaltung .............................. 38, 41, 44, 48, 80
Gummiringen........................................................... 34
H
Haltung im Freien.............................................. 43, 46
Hecken ........................................................ 22, 23, 63
Hofladen.................................................................. 84
Hoftafel .................................................................... 83
Honigentnahme....................................................... 77
Honiglagerung......................................................... 77
Hopfen..................................................................... 16
Hormone ........................................................... 33, 71
Humuswirtschaft.......................................... 12, 13, 60
Hygiene ............................... 34, 37, 52, 55, 70, 74, 78
I
Impfungen ................................................... 33, 34, 70
Insekten....................................................... 23, 24, 36
Insektenbekämpfung............................................... 53
J
Junghennen .................................... 27, 50, 51, 52, 56
Jungpflanzen........................................................... 21
Jungpflanzenanzucht .................................. 18, 60, 61
K
Kälberhaltung.......................................................... 41
Karpfen........................................................ 68, 72, 73
Kastenstand ............................................................ 47
Kastration.......................................................... 34, 41
Kennzeichnung ........................................... 66, 83, 85
Klauenpflege ........................................................... 30
Kokzidiostatika .................................................. 32, 33
Kolostralmilch.......................................................... 41
Kompost .......................................... 13, 18, 24, 61, 67
Kompostanwendung ............................................... 13
Kontrolle.................................................. 9, 10, 72, 87
Kontrollstellen.......................................................... 11
Konventionelle Futtermittel...................................... 31
Krankheitsverhütung und -bekämpfung .................. 33
Krankheitsvorsorge ................................................. 78
Kräuter .................................................................... 16
Kräuteranbau .......................................................... 61
Kuhtrainer................................................................ 41
Kupfer.......................................................... 23, 32, 64
L
Lagerbehandlung .................................................... 24
Lagerhaltung ............................................... 24, 63, 86
Lagerraum............................................. 20, 24, 63, 86
Lagerung ................................................................. 25
Lebensmittelzusatzstoffe................................... 66, 88
Legehennen .............................. 27, 50, 51, 52, 53, 54
Leguminosen......................................... 15, 21, 31, 64
Licht............................... 40, 44, 48, 52, 57, 61, 69, 72
Liege/Ruheflächen ...................................... 40, 44, 47
M
Mastgeflügel ...................................................... 50, 54
Masthühner ....................................................... 51, 52
Mastkaninchen ........................................................ 79
Index
Seite 96 BIO AUSTRIA
Mikroorganismen ............................ 22, 25, 32, 36, 89
Mindestauslauffläche .................................. 42, 49, 54
Mindestschlachtalter ................................... 55, 58, 59
Mindeststallfläche ........................... 38, 44, 47, 50, 80
Mineralstoff ....................................................... 32, 89
Mitgliedschaft ............................................................ 6
Most- und Weinbehandlungsmittel.......................... 65
N
Nachzucht ............................................................... 26
Nest......................................................................... 50
Notfütterung ............................................................ 77
Notsituationen ......................................................... 32
Nützlinge ........................................................... 22, 23
O
Obstbau ............................................................ 16, 63
P
Perlhühner .............................................................. 51
Pferde ......................................................... 28, 33, 38
Pflanzenbau.......................................... 60, 61, 64, 67
Pflanzenhilfsmittel ............................................. 22, 24
Pflanzenschutz............................................ 10, 21, 64
Pflanzenschutzmittel ............................................... 22
Pilze ........................................................................ 67
Pollengewinnung..................................................... 76
Positivliste......................................................... 85, 88
Produktsortiment ..................................................... 83
R
Rassen............................................ 29, 55, 58, 59, 76
Raufutter ........................................................... 31, 33
Reinigung.............................................. 25, 53, 66, 70
Rinder ................................................... 26, 33, 35, 38
S
Saatgut.................................................................... 21
Sauerstoffsättigung ................................................. 75
Schädlingsbekämpfung..................................... 36, 78
Schafe................................................... 28, 33, 35, 43
Schweine .............................................. 27, 33, 35, 46
Silage ................................................................ 31, 32
Sitzstangen ....................................................... 51, 56
Sortenwahl ........................................................ 21, 63
Stallboden ....................................... 40, 44, 47, 59, 80
Stallklima............................................... 40, 45, 48, 53
Stallungen ............................................. 38, 44, 47, 50
Standortwahl ........................................................... 61
Stickstoffdüngung ....................................... 12, 14, 15
Substrat........................................... 16, 17, 18, 60, 67
T
Teichwirtschaft ........................................................ 68
TGI-Punkte...................................... 39, 40, 42, 47, 48
Tierarzt.................................................. 30, 33, 70, 78
Tierbesatz ............................................. 26, 37, 81, 82
Tiergesundheit ........................................................ 33
Tierzucht ................................................................. 29
Tierzukauf ............................................. 26, 71, 76, 79
Tränkemöglichkeit........................... 40, 44, 48, 52, 80
Transport ........................................ 30, 58, 59, 71, 82
Truthühner .................................................. 51, 52, 58
Ü
Übergangsregelungen .. 39, 42, 44, 45, 47, 49, 53, 55
Umrechnungsschlüssel........................................... 82
Umstellung.............................. 6, 7, 29, 64, 65, 72, 80
Umstellungsfristen .................................................. 29
Umstellungskurs ....................................................... 6
Umstellungsplan ....................................... 6, 8, 64, 65
Umstellungszeit ........................................ 7, 8, 73, 79
Unkrautregulierung ................................................. 24
V
Varroa-Bekämpfung................................................ 78
vegetatives Vermehrungsmaterial .......................... 21
Verarbeitung ............................. 60, 61, 65, 77, 83, 87
Verarbeitungshilfsstoffe .......................................... 89
Vermarktung ..................................................... 79, 83
Verpackung........................................... 61, 63, 66, 87
Vitamine............................................................ 32, 89
Volieren....................................................... 50, 52, 56
Völkerführung.......................................................... 76
Vorplatz............................................................. 53, 54
W
Wabenbau .............................................................. 76
Wabenlagerung ...................................................... 76
Wachsanalyse ........................................................ 79
Wachsverarbeitung................................................. 76
Wartezeit..................................................... 33, 70, 78
Wassergeflügel ....................................................... 55
Weide.................................................... 42, 45, 48, 53
Weidefläche ............................................................ 37
Weinbau............................................................ 16, 64
Weinbehandlungsmittel .......................................... 65
Wildsammlung ............................................ 61, 63, 84
Wirtschaftsdünger ....................................... 13, 15, 20
Z
Ziegen................................................... 28, 33, 35, 43
Zitzentauchen ......................................................... 36
Zukauf ....................................................................... 8
Zupachtung............................................................... 8
Zutaten.................................................................... 90
Notizen
Richtlinien 2010 Seite 97
Notizen
Seite 98 BIO AUSTRIA

Impressum

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Fax: +43(0)732/65 48 84-140
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