Bio Schweinehaltung ist anders

Die Bio-Schweinehaltung stellt eine große Herausforderung an den umstellungs-interessierten Landwirt dar. Es ist dies ein Tierhaltungsbereich im Biolandbau, der sich durch große Unterschiede in den Haltungssystemen im Vergleich zur konventionellen Schweinehaltung kennzeichnet.
Entgegen anderen Tierhaltungsbereichen, in denen zu Bio-Schweinehaltung ist den üblichen konventionellen Haltungssystemen „nur“ der Auslauf hinzukommt (Rinder, Geflügel,…), werden in der Bioschweinehaltung zum Teil ganz andere Stallsysteme verwendet (z.B. freie Abferkelung, Gruppensäugebuchten, max. 50% Spaltenanteil, meist Festmist-Systeme, Auslaufmöglichkeit=Kontakt zu einer Außenmauer für jede Bucht, keine Flat-decks für Ferkelaufzucht,…).
Daher scheiden viele konventionelle Schweineställe aus, kostengünstig auf Bio umgestellt zu werden, ohne große Umbaumaßnahmen bzw. Systemwechsel tätigen zu müssen.
Aber auch hier gibt es bereits einige positive Beispiele. Denn oft eröffnen sich mit z.B. Bestandesreduktion, Neubau einzelner Teilbereiche (Abferkelbereich, Ferkelaufzucht) oder der Verwendung einfacher, flexibler Buchten (z.B. Gruppensäuge-Buchten, Großgruppen-Wartestall,…) dennoch interessante Nachnutzungs-Konzepte für einen Großteil der vorhandenen Stallgebäude.

Chancen

  • Gefragte Betriebssparte mit aufstrebender Entwicklung
  • Flexibel in der Altgebäudenutzung
  • Hoher Motivationsgrad durch offensichtlichen Beitrag zu Tierwohlergehen und Erfüllung von Konsumentenwünschen
  • Mit kleineren, familienbetriebs-tauglichen Beständen Erwirtschaften eines passablen Einkommens möglich

 

Herausforderungen/Voraussetzungen

  • Anpassung der Haltungssysteme in erster Linie an die Anforderungen der Tiere und erst in zweiter Linie an die der Betreuer
  • Weniger Fix-Fertig-Lösungen daher höhere Eigeninitiative bei Stallplanung, Organisation von Futtermittelkomponenten usw. notwendig

Welche Voraussetzungen muss ein Landwirt mitbringen, um erfolgreich in die Bioschweinehaltung einzusteigen?

Schweinen ist in jedem Haltungssystem Stroh als Einstreu und Beschäftigungsmaterial anzubieten.
Auch wenn dies mehr Arbeit bedeutet oder zusätzliche Investitionen in Strohbergeräume, Entmistungstechnik oder z.B. in einen Hoftrac notwendig macht.

Außerdem sollte man von den Vorteilen und der Notwendigkeit eines Auslaufs überzeugt sein, oder zumindest bereit sein, sich überzeugen zu lassen.
Die zusätzliche Fläche für die Tiere bedeutet natürlich zusätzliche Arbeit, steht aber in keinem Verhältnis zum Gewinn für das Tier bzw. für das Gesamt-Konzept und bedeutet vielfach die Garantie, dass Haltungssysteme erst funktionieren (z.B. Trennung von Kot- und Liegefläche, Ausscheideverhalten v.a. im Auslauf, daher Ausmisten leichter mechanisierbar, weniger Handarbeit, …)
Aber auch hier steht die die Attraktivität für die Schweine vor der Entmistungstechnik (Schweine bevorzugen hier auf jeden Fall planbefestigte Flächen den Vollspaltensystemen).

Manuel Böhm

Beschäftigungsmaterial und Auslauf beeinflusst die Funktion des gesamten Stallsystems
Auslauf ist unerlässlich

Foto: BIO AUSTRIA

Ein Auslauf bietet so viele Vorteile -
von seiner grundsätzlichen Notwendigkeit muss man bei einer Umstellung auf Bioschweinehaltung überzeugt sein!