Moderne Züchtungsmethoden

Der Bio-Landbau ist bestrebt, den gesamten Erzeugungsprozess biologisch zu gestalten und dieser beginnt streng genommen beim Saatgut.

Die Fremdbefruchtung der weiblichen Blüten führt zu einer großen Diversität im Erbgut der nachfolgenden Generation. Ursprünglich wurden jeweils die besten Pflanzen eines Bestandes ausgewählt und für die Samengewinnung weiterkultiviert.
Dieses Selektion hat kulturhistorisch eine lange Tradition und bereits zu einer hohen Ertragssteigerung und zur Vielfalt der Nutzpflanzen geführt.

Dieses Verfahren (samenfester Sortenzüchtung) wird nach wie vor genutzt, zum Teil in Verbindung mit Individualauslese, Kombinations- und Rückkreuzungsverfahren und ist in der Züchtung für den Bioanbau von Bedeutung.

Worin liegt nun die Bedeutung samenfester Sorten?

Anbau:

  • Anpassung an örtliche klimatische Bedingungen
  • Anpassung an die dem Biolandbau typische Nährstoffdynamik
  • Nährstoffeffizienz
  • Ertragsstabilität contra Ertragsmaximierung
  • Beikrautunterdrückung  (z. B durch Umblattbildung bei  Kraut)
  • Resistenz, Toleranz , Robustheit (z.B. Sortenvielfalt Beispiel Mehltau an Salat)
  • Lagerfähigkeit
  • Enges- oder weites Erntefenster
  • Kräftige Jugendentwicklung

Ernährung:

  • Ernährungsqualität
  • Verarbeitungsqualität
  • Vielfalt in Geschmack, Farbe und Form

Eigenständigkeit:

  • Rückversicherung für die Zukunft – genetische Ressourcen
  • Alte Sorten-Handwerk-kultureller Wert
  • Biologische Sortenentwicklung versus "aus konventionell wird Bio"
  • Bio-Zuchtziele bekommen Vorrang wie etwa Geschmack

Markt – Differenzierungspotential:

  • Entwicklung von Nischen- und Premiumprodukten
  • Bio-Produkt/Bio-Geschmack
  • Formen- und Farbenvielfalt

Hybridzüchtung

Die Hybridzüchtung basiert auf der Erzeugung von Inzuchtlinien.
Hierbei werden Mutter-, Vater- und Erhaltungslinien verwendet. Die Mutterlinie sollte selbststeril sein, damit sie ausschließlich von der Vaterlinie bestäubt wird. Die Vaterlinie ist meist selbstfertil und wird nur zur Bestäubung der Mutterlinie verwendet. Die Erhaltungslinie (Restorerlinie) dient zur weiteren Vermehrung der Mutterlinie, diese enthält sogenannte Restorer-Gene, mit deren Hilfe die Selbststerilität der Mutterlinie aufgehoben wird.

Hybridpflanzen zeichnen sich gegenüber den Samenfesten Sorten durch einheitlichere Bestände und durch Heterosiseffekte, meist höheren Erträgen, aus. Um die Reinheit des F1-Hybridsaatgutes sicherzustellen, setzt die Hybridzüchtung voraus, dass bei der Saatgutproduktion in der Mutterlinie keine Selbstbefruchtungen mehr auftreten.

Wann kommt Hybridsaatgut zum Einsatz?

Viele Hybridsorten zeichnen sich durch Resistenzen gegen verschiedene Pflanzenkrankheiten aus. So besteht zum Beispiel bei einzelnen Tomatensorten eine gezüchtete Resistenz gegen die Samtfleckenkrankheit oder den Echten Mehltau.
Wenn bei Feldgemüsekulturen eine maschinelle Einmalernte vorgesehen ist, Einheitlichkeit und ein enges Erntefenster entscheidende Kriterien sind, führt am Hybridsaatgut oft kein Weg vorbei.

Elfriede Stopper

  • Wann spricht man von samenfesten Sorten?
  • Welche Vorteile bringt der Anbau von samenfesten Sorten?
  • Was versteht man unter Hybridzüchtung?
  • Wann kommt Hybridsaatgut bevorzugt zum Einsatz?
  • Welche Züchtungsmethoden entsprechen den Werten des Biolandbaues?
Es bedarf der Arbeit vieler Menschen an vielen Orten, um die Vielfalt der Lebensmittelproduktion zu erhalten!
bunt versus uniform

Foto: Elfriede Stopper/BIO AUSTRIA

Das Recht auf Ernährungssouveränität beginnt beim Recht, eigenes Saatgut vermehren und einsetzen zu dürfen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dennoch hart zu erkämpfen!
Saatgut ist Unabhängigkeit

Foto: Elfriede Stopper/BIO AUSTRIA

Welche Züchtungsmethoden entsprechen den Werten des Biolandbaues?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. In einer umfangreichen Studie wurden unterschiedliche Züchtungsmethoden bewertet. Nachzulesen unter:

FIBL Dossier Messmer

EU VO 834/2007 GVO Verbot

EU VO 889/2008 Saatgutdatenbank

EU VO 889/2008 Artikel 45 Nicht-Bio Saatgut

BIO AUSTRIA RiLi Gemüsebau