Biologischer Pflanzenbau

Die beiden großen Grundprinzipien des biologischen Landbaues sind das Ganzheitsdenken
und der lebendige Boden als Lebensträger der Erde.
Unter Ganzheitsdenken kann das Erkennen des Landbaugeschehens im Zusammenhang mit Erde und Kosmos und deren Beziehungen verstanden werden. Der lebendige, gesunde Boden als Voraussetzung für gesunde Pflanzen,
gesunde Tiere und damit auch für gesunde Lebensmittel im wahrsten Sinne des Wortes,
steht im Mittelpunkt aller Maßnahmen. Diese Grundprinzipien wurden von den Schöpfern der
biologischen Landbaumethoden, Rudolf Steiner und Hans Peter Rusch, festgelegt.


Grundsätze der Humuswirtschaft und Düngung


Der organisch-biologische Landbau ist darauf ausgerichtet, eine gezielte Humuswirtschaft zu
betreiben. Die Zufuhr organischer Substanz muss daher langfristig mindestens die Abbauverluste
decken. Die Düngung hat zum Ziel, die Tätigkeit des Bodenlebens zu fördern.
Die Stickstoffdüngung hat ausschließlich mit organischen Düngern zu erfolgen. Eine
mineralische Ergänzungsdüngung ist in einer Form einzubringen, bei der die Nährstoffe nicht
direkt für die Pflanze verfügbar sind, d.h. sie müssen organisch gebunden und dürfen nicht
wasserlöslich sein.


Aufbereitung von Wirtschaftsdüngern


Wirtschaftseigene und zugekaufte organische Düngemittel werden so aufbereitet, dass sie
das Bodenleben fördern. Dadurch wird Fäulnis vermieden und ein Rotteprozess gefördert. Auf
diesem Weg kann der Humusgehalt erhalten bzw. erhöht werden. Unaufbereiteter Stapelmist,
unvergorene Gülle und unbelüftete Jauche bringen Fäulnis in den Boden und richten sich
gegen die vorher genannten Ziele. Fäulnis muss unter allen Umständen vermieden, Rotte und
Gärprozesse hingegen mit allen Mitteln gefördert werden.


Eine zentrale Stellung im Bio-Landbau haben die Gesteinsmehle (Diabas, Basalt usw.). Gesteinsmehle
fördern die Bildung der Krümelstruktur durch die Verbindung von Tonkristallen mit
Lebendsubstanz, den Aufschluss von Spurenelementen und die pH-Wert-Regulierung. Durch
ihren hohen Quarzanteil verstärken die Steinmehle die Zentralwirkung von Silizium im Bodenbildungsprozess.
Die Steinmehle sind Bodenbildner.


Bei der Handhabung und Anwendung der Wirtschaftsdünger sind Nährstoffverluste über Auswaschung
und Abgasung weitestgehend zu vermeiden, d.h. Wirtschaftsdünger sind ehestmöglich
einem Rotte- oder Vergärungsprozess zuzuführen. Jeder Tag Lagerung vermindert
die Qualität (Dr. Rusch).
Wirtschaftsdüngerzusätze können gemäß dem österreichischen Betriebsmittelkatalog für den
Bio-Landbau verwendet werden.


Bodenbearbeitung und Bodenbedeckung


Die Bodenbearbeitung ist schonend und zurückhaltend durchzuführen. Die Verträglichkeit für
das Bodenleben und die Bodenstruktur ist bei jeder Maßnahme zu bedenken. Es ist Rücksicht
zu nehmen auf die Bodenschichtung, auf die an Zonen gebundenen Arbeitsgebiete von
Bodenbakterien und Bodentieren und auf die Gareprozesse. Daher ist tiefes Pflügen ebenso
zu unterlassen wie jede Bearbeitung des Bodens bei nassem Zustand oder eine zu intensive
Bearbeitung.
Alle diese Maßnahmen schädigen den Humusaufbau und führen zu Nährstoffverlusten,
ebenso ein längeres Offen-Liegenlassen des Bodens. Es ist daher auf Bedeckung in Form
von Zwischensaaten, Gründüngung, oder Mulchschichten zu achten.
Organische Stoffe dürfen nur oberflächlich in den Boden eingearbeitet werden, um giftige Stoffwechselprodukte
durch Fäulnis zu vermeiden.