5.2 Biologische Bienenhaltung


5.2.1 Aufstellung der Bienenvölker

Die Standorte sind so zu wählen, dass die Belastungen für die Bienen und deren Produkte so
gering wie möglich sind. Biologisch bewirtschaftete Flächen sind zur Aufstellung zu
bevorzugen. Besteht Verdacht auf zu hohe Schadstoffbelastungen, sind die Imkereiprodukte
zu untersuchen. Bei Bestätigung des Verdachts ist der Standort aufzugeben. In einem
Umkreis von 3 km muss die Bienenweide im Wesentlichen aus Pflanzen des ökologischen
Landbaus, Wildpflanzen, Waldungen und Kulturen, die auf Flächen, die die biologische
Qualität der Imkereierzeugnisse nicht beeinträchtigen, angebaut werden, bestehen.
Der Bienenstand muss sich in ausreichender Entfernung von möglichen nicht-landwirtschaftlichen
Verschmutzungsquellen, wie z.B. städtischen Gebieten, Autobahnen,
Industriegebieten, Abfalldeponien, Abfallverbrennungsanlagen usw. befinden.


5.2.2 Beuten und Rahmen

Die Beuten und Rahmen – mit Ausnahme von Verbindungselementen, Dachabdeckung,
Gitterboden, Abstandhaltern und Fütterungselementen – sind vollständig aus natürlichen
Materialien (Vollholz, Stroh oder Lehm) zu fertigen.
In den Bienenstöcken dürfen, mit Ausnahme bei der Krankheitsvorsorge und tierärztlicher
Behandlung, nur natürliche Produkte wie Propolis und Wachs aus biologischer Bienenhaltung
verwendet werden. Eine Außenbehandlung der Beuten ist nur mit Mitteln aus natürlichen,
ökologisch unbedenklichen Rohstoffen (z.B. biozidfreie Farben auf Leinöl- oder Holzölbasis
und schadstoffarme Holzleime) zulässig.


5.2.3 Betriebsweise


5.2.3.1 Völkerführung

Im Sinne des biologischen Landbaus müssen sich die Pflegemaßnahmen am
Bienenvolk an den natürlichen Bedürfnissen der Bienen orientieren. Die Einheit
des Brutnestes sollte erhalten bleiben und im Zuge der Erweiterung nicht durch
Umhängen von Brutwaben gestört werden. Ein Absperrgitter sollte nur in Ausnahmefällen
und erst nach Ende der Aufwärtsentwicklung eingesetzt werden.

5.2.3.2 Bienenzucht
Die Vermehrung der Bienenvölker ist dem natürlichen Verlauf der jahreszyklischen
Entwicklung des Bienenvolkes anzupassen. Die Verwendung gentechnisch manipulierter
Bienen ist nicht erlaubt. Bienenvölker, die zur Honiggewinnung eingesetzt
werden, dürfen nur in der Ein-Königinnen-Betriebsweise gehalten werden. Bei der
Wahl der Rassen ist der Fähigkeit der Tiere zur Anpassung an die Umweltbedingungen,
ihrer Vitalität und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten
Rechnung zu tragen. Europäischen Rassen der Apis mellifera und lokalen Ökotypen
ist der Vorzug zu geben. Verstümmelungen wie das Beschneiden der Flügel
von Weiseln sind verboten. Die künstliche Besamung ist zur Erhaltung der Reinheit
der Bienenrassen erlaubt.


5.2.3.3 Zukauf von Völkern und Königinnen
Die Betriebsweise stützt sich vorwiegend auf den eigenen Völkerbestand. Ein Zukauf
ist nur aus Betrieben mit biologischer Bienenhaltung möglich. Zur Erneuerung
von Bienenbeständen können jährlich 10 % der Königinnen und Schwärme durch
konventionelle Weiseln und Schwärme ersetzt werden, sofern sie in den Bienenstöcken
auf Bio-Waben oder Bio-Wachsböden gesetzt werden.
Bei hoher Bienensterblichkeit aus gesundheitlichen Gründen oder in Katastrophensituationen
kann die zuständige Behörde den Wiederaufbau des Bestandes mit
konventionellen Bienenvölkern, wenn keine Völker aus biologischer Bienenhaltung
verfügbar sind, genehmigen. In diesem Fall gilt der Umstellungszeitraum (siehe
Punkt 5.2.8).

5.2.3.4 Wabenbau
Die Bienenvölker müssen die Möglichkeit haben auf mindestens 10 % des Brutraumes
Naturwabenbau zu errichten. Als Wachs für die Herstellung von Anfangstreifen
oder Mittelwänden wird nur Wachs aus einem biologisch wirtschaftenden
Betrieb verwendet.
Ist Bienenwachs aus biologischer Bienenhaltung nicht erhältlich, kann in Ausnahmefällen
auf nachweislich rückstandsfreies Bienenwachs anderer Herkunft
zurückgegriffen werden.

5.2.3.5 Wachsverarbeitung
Der Wachskreislauf ist innerbetrieblich aufrecht zu erhalten. Bei der Verarbeitung
in einem Fremdbetrieb muss unter kontrollierten Bedingungen das eigene Bienenwachs
verarbeitet werden. Bei der Wachsgewinnung dürfen weder Lösungs- noch
Bleichmittel verwendet werden.

5.2.3.6 Wabenlagerung
Wabenmaterial ist kühl, trocken und luftig zu lagern. Zum Schutz vor Wachsmotten
dürfen nur die unter Punkt 5.2.6 erwähnten Mittel verwendet werden.

5.2.3.7 Pollengewinnung
Bei der Pollengewinnung dürfen nur Maschengitter oder gestanzte Kunststoffgitter
mit Entgratung verwendet werden.


5.2.4 Fütterung


Honig und Blütenpollen sind die natürliche Nahrungsgrundlage der Bienenvölker und sollen
immer in ausreichender Menge im Bienenvolk vorhanden sein.

5.2.4.1 Fütterung von Bienenvölkern, Schwärmen und Ablegern
Das Füttern von Bienenvölkern ist nur zulässig, wenn das Überleben des Volkes
witterungsbedingt gefährdet ist und auch dann nur ab der letzten Honigernte bis
15 Tage vor Beginn der nächsten Nektar- oder Honigtautrachtzeit. In diesem Falle
darf biologischer Honig, biologischer Zuckersirup oder biologischer Zucker zugefüttert
werden.

5.2.4.2 Notfütterung
Die zuständige Behörde kann das Füttern von Bienen mit biologischem Honig,
biologischem Zuckersirup oder biologischem Zucker bei lang anhaltenden außergewöhnlichen
Witterungsverhältnissen oder in Katastrophensituationen, die die
Nektar- oder Honigtauerzeugung beeinträchtigen, vorübergehend genehmigen.

5.2.4.3 Pollenfütterung
Pollenersatzstoffe sind verboten.


5.2.5 Honiggewinnung


Honig in der ursprünglichen Form ist Wabenhonig. In dieser hochwertigen Qualität soll er bis
zum Verkauf erhalten bleiben.

5.2.5.1 Honigentnahme
Die Entfernung der Bienen von den Honigwaben muss möglichst sanft erfolgen.
Zur Beruhigung und Vertreibung der Bienen sind keine chemisch-synthetischen
Mittel erlaubt. Waben, die Brut enthalten, dürfen nicht zur Honiggewinnung verwendet
werden.

5.2.5.2 Verarbeitung zu Schleuderhonig
Beim Schleudern, Sieben, Klären und anschließenden Einlagern darf der Honig
nicht über 35 °C erwärmt werden. Druckfiltration ist untersagt.

5.2.5.3 Honiglagerung
Die Lagerung des Honigs muss luftdicht, dunkel, trocken und gleichbleibend kühl
erfolgen. Es sind nur Lagergefäße aus Edelstahl zu verwenden, bereits vorhandene
Gefäße aus lebensmittelechtem Kunststoff dürfen nur mehr bis zu ihrem
Verschleiß verwendet werden. Ein Neuzukauf von lebensmittelechten Kunststoffbehältern
ist nur gestattet, wenn für eine durchschnittliche Jahreshonigernte
Edelstahlbehälter vorhanden sind und die neuen Kunststoffgefäße zum Zweck des
Transports bzw. Auftragsabfüllung dienen. Für den Verkauf an Endverbraucher
wird nur Glas verwendet (Ausnahme Wabenhonig).

5.2.5.4 Messbare Qualität des Honigs, Analysenwerte
Es müssen über die gesetzlichen Festlegungen hinaus folgende Kriterien erfüllt
werden: der Wassergehalt gemessen nach DIN/AOAC darf maximal 18 % betragen.
Der HMF-Gehalt gemessen nach Winkler darf maximal 10 mg/kg betragen.
Die Enzymaktivität gemessen nach Siegenthaler muss mindestens 37,5 Einheiten
betragen. Hiervon ausgenommen sind von Natur aus enzymschwache Honige.
Diese Qualitätskriterien gelten bis zur Abgabe durch den Imker.


5.2.6 Hygiene, Krankheitsvorsorge und tierärztliche Behandlung


Die Maßnahmen der biologischen Imkerei sind darauf ausgerichtet, die Selbstheilungskräfte
und die Vitalität der Bienenvölker zu erhalten. Der Verlust einzelner für bestimmte Krankheitserreger
oder Schädlinge besonders anfälliger Völker ist im Sinne einer natürlichen
Auslese hinzunehmen. Werden Mittel zur Krankheits- oder Schädlingsabwehr eingesetzt, so
ist darauf zu achten dass ausschließlich unten angeführte Mittel eingesetzt werden und eine
Kontamination des Honigs ausgeschlossen ist. Wenn die Bienenvölker trotz aller Vorsichtsmaßnahmen
erkranken oder befallen sind, sind sie unverzüglich zu behandeln und die
Bienenstöcke können erforderlichenfalls isoliert aufgestellt werden.
Zulässige Präparate: Kräutertees, homöopathische Präparate, Ameisensäure, Essigsäure,
Milchsäure, Oxalsäure, Thymol, Eukalyptol, Kampfer, Menthol, Schwefel, Soda, Natronlauge,
Wasser, Dampf, Hitze und Kälte. Die Verwendung von Menthol, Thymol, Eukalyptol, und
Kampfer ist nur unter den in Punkt 5.2.6.2 angeführten Auflagen zulässig.
Es gelten jedenfalls die Bestimmungen des Bienenseuchengesetzes.

5.2.6.1 Schädlingsbekämpfung
Um Rahmen, Bienenstöcke und Waben insbesondere vor Schädlingen zu
schützen, dürfen nur Rodentizide (die nur in Fallen verwendet werden dürfen) und
geeignete Mittel gemäß Punkt 5.2.6 verwendet werden.

5.2.6.2 Varroa-Bekämpfung
Männliche Brut darf nur vernichtet werden, um den Befall mit Varroa destructor
einzudämmen.
Bei Befall mit Varroa destructor dürfen Ameisensäure, Milchsäure, Essigsäure und
Oxalsäure verwendet werden. Die Anwendung der ätherischen Öle Menthol,
Thymol, Eukalyptol oder Kampfer sind unter Einhaltung folgender Auflagen
zulässig:
• Die ätherischen Öle dürfen nicht zu einer Kontamination des Honigs führen. Ein
Einsatz in Wirtschaftsvölkern ist nach der letzten Honigernte bis zur Restentmilbung
im Winter gestattet.
• Die Ganzjahresbehandlung mit ätherischen Ölen ist nicht gestattet (kein
Thymolrähmchen).
• Mit ätherischen Ölen kontaminiertes Wabenmaterial ist vor der Verwendung in
Bienenvölkern zu lüften.
• Bei Verdacht der unerlaubten Anwendung von ätherischen Ölen ist vom
Kontrollorgan vor Ort eine Honigprobe zu ziehen. Thymolgehalte im Honig über
dem natürlichen Wert führen zu einem Verbot der BIO AUSTRIA-Deklaration.
(Je nach Honigsorte sind Gehalte unter 800 ppb einzuhalten.)

5.2.6.3 Einsatz von chemisch-synthetisch allopathischen Tierarzneimitteln
Werden chemisch-synthetisch allopathische Mittel verabreicht, so sind die
behandelten Bienenvölker während dieser Zeit isoliert aufzustellen und das
gesamte Wachs ist durch Wachs aus biologischer Bienenhaltung zu ersetzen.
Diese Bienenvölker unterliegen anschließend der einjährigen Umstellungszeit.
Müssen vom Tierarzt verschriebene Tierarzneimittel verwendet werden, so sind die
Art des Mittels (einschließlich des pharmakologischen Wirkstoffs) sowie die
Einzelheiten der Diagnose, die Dosierung, die Art der Verabreichung, die Dauer
der Behandlung und die gesetzliche Wartezeit genau anzugeben und der
Kontrollstelle mitzuteilen, bevor die Erzeugnisse als mit einem Bezug auf die
biologische Produktion gekennzeichnet vermarktet werden dürfen


5.2.7 Aufzeichnungen


Folgende Aufzeichnungen sind zu führen:
• ein Standortplan mit einem Verzeichnis der Bienenstände (Plan, Kataster)
• Angaben zur Fütterung: Art des Erzeugnisses, Fütterungsdaten, Mengen und betroffene
Bienenstöcke
• ein Behandlungsbuch zur Aufzeichnung über die Behandlung von Bienenkrankheiten und
Schädlingen (siehe 5.2.6.3)
• ein Wanderplan mit Standort, Anzahl der Bienenvölker, Zeitraum und Erntemenge
• eine Völkerbestandsliste mit durchlaufender Nummer (z.B. Stockkarte)
• allgemeine Aufzeichnungen über Erntemengen, Zukauf, Verkauf und Verarbeitung
(Warenfluss)


5.2.8 Anerkennung


Jeder Neuantragsteller muss eine Umstellungszeit von zwölf Monaten durchlaufen. Während
der Umstellungszeit ist das Bienenwachs durch biologisches Bienenwachs auszutauschen.
Wenn nachweislich unbelastetes Bienenwachs vorliegt, ist der Austausch nicht notwendig.
Eine Voraussetzung für die BIO AUSTRIA-Anerkennung ist der Besuch eines Einführungskurses
oder eine schriftliche Bestätigung über eine Spezialberatung für biologische Bienenhaltung.


5.2.9 Vermarktung


BIO AUSTRIA-Imker, die ihren Honig unter dem BIO AUSTRIA-Markenzeichen vermarkten
wollen, müssen neben der Einhaltung der hier genannten Richtlinien eine Wachsanalyse
durchführen. Das Ergebnis dieser Wachsanalyse ist ausschlaggebend dafür, ob der Honig mit
dem BIO AUSTRIA-Markenzeichen gekennzeichnet werden darf. Die Untersuchung des
Bienenwachses erfolgt auf im Bio-Landbau unzulässige Varroa- und Wachsmottenbekämpfungsmittel.
Es wird eine Mischprobe aus Waben, Mittelwänden und Wachsvorräten genommen.
Die Rückstände von Wachsmotten- und Varroabekämpfungsmitteln betragen je
Wirkstoff nicht mehr als 0,5 mg/kg Wachs. Die Kosten für die Analyse trägt der
Anerkennungswerber. Werden diese Kriterien nicht erfüllt, darf das BIO AUSTRIAMarkenzeichen
nicht verwendet werden. Die geltenden gesetzlichen Regelungen bezüglich
Etikettierung sowie relevante Bestimmungen der Lebensmittelhygienerichtlinie für Imkerei sind
auf jeden Fall einzuhalten. Vermarktung von Propolistropfen unter dem BIO AUSTRIA Markenzeichen
ist nur gestattet, wenn Bio-Alkohol für die Produktion verwendet wird.