EU Bio Verordnung 889/2008 - Artikel 23

Krankheitsvorsorge

(1) Unbeschadet von Artikel 24 Absatz 3 ist die präventive Verabreichung chemisch-synthetischer
allopathischer Tierarzneimittel oder von Antibiotika verboten.
(2) Die Verwendung von wachstums- oder leistungsfördernden Stoffen (einschließlich Antibiotika,
Kokzidiostatika und anderen künstlichen Wachstumsförderern) sowie von Hormonen oder ähnlichen
Stoffen zur Kontrolle der Fortpflanzung (z. B. Einleitung oder Synchronisierung der Brunst) oder zu
anderen Zwecken ist verboten.
(3) Werden Tiere aus nichtbiologischen Einheiten beschafft, können je nach örtlichen Bedingungen
besondere Maßnahmen wie Screeningtests oder Quarantänezeiträume vorgesehen werden.
(4) Stallungen, Buchten, Ausrüstungen und Geräte sind in geeigneter Weise zu reinigen und zu
desinfizieren, um Kreuzinfektionen und der Vermehrung von Krankheitsüberträgern vorzubeugen.

Kot, Urin und nicht gefressenes oder verschüttetes Futter sind so oft wie nötig zu beseitigen, um die
Geruchsbildung einzugrenzen und keine Insekten oder Nager anzulocken.
Zum Zwecke von Artikel 14 Absatz 1 Buchstabe f der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 dürfen für die
Reinigung und Desinfektion von Stallgebäuden, Anlagen und Geräten nur die Mittel gemäß Anhang
VII verwendet werden. Zur Beseitigung von Insekten und anderen Schädlingen in Gebäuden und
sonstigen Anlagen, in denen Tiere gehalten werden, können Rodentizide (nur in Fallen) sowie die
Erzeugnisse gemäß Anhang II verwendet werden.

LL: Die Verwendung von Rodentiziden wird in der Verordnung ausdrücklich nur für den
Tierhaltungsbereich geregelt. Eine Verwendung in anderen Bereichen ausgenommen als
Pflanzenschutzmittel ist daher zulässig (Lager, Verarbeitungsbereich).

(5) Geflügelställe müssen zwischen den Belegungen geräumt werden. Die Ställe und Einrichtungen
sind während dieser Zeit zu reinigen und zu desinfizieren. Ferner muss für die Ausläufe nach jeder
Belegung eine Ruhezeit eingelegt werden, damit die Vegetation nachwachsen kann.
Die Mitgliedstaaten legen die Dauer dieser Ruhezeit fest. Der Unternehmer führt Buch über die
Einhaltung dieser Frist. Diese Vorschriften gelten nicht in Fällen, in denen Geflügel nicht in Partien
aufgezogen wird, nicht in Auslaufplätzen gehalten wird und den ganzen Tag freien Auslauf hat.
Erlass BMSG GZ.32.046/42-IX/B/1/01vom 17.7.2001


Artikel 24

Tierärztliche Behandlung

(1) Sollten Tiere trotz der Vorsorgemaßnahmen gemäß Artikel 14 Absatz 1 Buchstabe e Ziffer i der
Verordnung (EG) Nr. 834/2007 krank werden oder sich verletzen, so sind sie unverzüglich zu
behandeln, erforderlichenfalls abgesondert und in geeigneten Räumlichkeiten.
(2) Phytotherapeutische und homöopathische Präparate, Spurenelemente und die Erzeugnisse
gemäß Anhang V Teil 3 sowie Anhang VI Teil 1.1 sind gegenüber chemisch-synthetischen
allopathischen Tierarzneimitteln oder Antibiotika bevorzugt zu verwenden, sofern ihre
therapeutische Wirkung bei der betreffenden Tierart und der zu behandelnden Krankheit
gewährleistet ist.
(3) Lassen sich die Krankheit oder die Verletzung mit den Maßnahmen gemäß den Absätzen 1 und 2
nicht bekämpfen und erweist sich eine Behandlung als unbedingt erforderlich, um dem Tier Leiden
und Schmerzen zu ersparen, so können unter der Verantwortung eines Tierarztes chemischsynthetische
allopathische Tierarzneimittel oder Antibiotika verabreicht werden.
(4) Erhält ein Tier oder eine Tiergruppe innerhalb von zwölf Monaten mehr als drei Mal oder — falls
der produktive Lebenszyklus des Tieres oder der Gruppe weniger als ein Jahr beträgt — mehr als ein
Mal eine tierärztliche Behandlung mit chemisch-synthetischen allopathischen Tierarzneimitteln oder
Antibiotika, wobei Impfungen, Parasitenbehandlungen und obligatorische Tilgungsmaßnahmen
ausgenommen sind, so dürfen die betreffenden Tiere und die von ihnen stammenden Erzeugnisse
nicht als biologische Erzeugnisse verkauft werden, und diese Tiere unterliegen den
Umstellungsfristen gemäß Artikel 38 Absatz 1.
EK: Die Anwendung von betäubenden/schmerzstillenden Mitteln bei der Kastration sind ebenso
wie Impfungen, Parasitenbehandlung und obligatorische Tilgungsmaßnahmen nicht in die Anzahl
der Behandlungen einzurechnen.

LL Ergänzung: dies trifft auf jede Anwendung von betäubenden/schmerzstillenden Mitteln beim
Umgang mit Tieren gemäß Artikel 18 zu.
Aufzeichnungen über das Auftreten solcher Fälle werden für die Kontrollstelle oder Kontrollbehörde
bereitgehalten.

(5) Die Wartezeit zwischen der letzten Verabreichung eines allopathischen Tierarzneimittels an ein
Tier mit unter normalen Anwendungsbedingungen und der Gewinnung biologischer Lebensmittel
von diesem Tier muss doppelt so lang sein wie die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit im Sinne von
Artikel 11 der Richtlinie 2001/82/EG oder — falls keine Wartezeit vorgegeben ist — 48 Stunden
betragen.
LL: Die Wartezeiten folgen primär den geltenden nationalen Bestimmungen bei der Anwendung
von Tierarzneimitteln. Als Spezialfall sieht Absatz 5 eine Verdoppelung der Wartezeit für chemisch
synthetische allopathische Tierarzneimittel und Antibiotika vor. Diese Verschärfung
(Verdoppelung) ergibt sich aus der Prioritätenreihung in Absatz 2 und 3. Die Angaben „Wartezeit 0
Tage“ oder „Wartezeit: nicht erforderlich“ führen bei der Anwendung von chemisch synthetischen
allopathischen Tierarzneimitteln und Antibiotika zu einer Wartezeit von 48 Stunden. Bei
Präparaten die bei Behandlungen gem. Abs. 2 prioritär anzuwenden sind ergibt eine Verdoppelung
von 0 wieder 0 Tage. Bei einer Umwidmung von Arzneimitteln tritt die bei der Kaskadenregelung
vorgesehene Wartezeit in Kraft. Eine Verdoppelung dieser Wartezeit ist nur bei chemischsynthetischen
allopathischen Arzneimitteln und Antibiotika erforderlich.


Artikel 25

Spezifische Vorschriften für die Krankheitsvorsorge und die tierärztliche Behandlung bei der
Bienenhaltung

(1) Um Rahmen, Bienenstöcke und Waben insbesondere vor Schädlingen zu schützen, dürfen nur
Rodentizide (die nur in Fallen verwendet werden dürfen) und geeignete Mittel gemäß Anhang II
verwendet werden.
(2) Physikalische Behandlungen zur Desinfektion von Beuten (wie Dampf oder Abflammen) sind
gestattet.
(3) Männliche Brut darf nur vernichtet werden, um den Befall mit Varroa destructor einzudämmen.
(4) Wenn die Bienenvölker trotz aller Vorsorgemaßnahmen erkranken oder befallen sind, sind sie
unverzüglich zu behandeln, und die Bienenstöcke können erforderlichenfalls isoliert aufgestellt
werden.
(5) In der biologischen Bienenhaltung sind Tierarzneimittel gestattet, sofern die jeweilige
Verwendung in dem betreffenden Mitgliedstaat nach den einschlägigen Gemeinschaftsvorschriften
oder den auf Basis des Gemeinschaftsrechts erlassenen nationalen Vorschriften zugelassen ist.
(6) Bei Befall mit Varroa destructor dürfen Ameisensäure, Milchsäure, Essigsäure und Oxalsäure
sowie Menthol, Thymol, Eukalyptol oder Kampfer verwendet werden.
(7) Werden chemisch-synthetische allopathische Mittel verabreicht, so sind die behandelten
Bienenvölker während dieser Zeit isoliert aufzustellen und das gesamte Wachs ist durch Wachs aus
biologischer Bienenhaltung zu ersetzen. Diese Bienenvölker unterliegen anschließend der einjährigen
Umstellungsfrist gemäß Artikel 38 Absatz 3.
(8) Die Bestimmungen von Absatz 7 gelten nicht für die Erzeugnisse gemäß Absatz 6.

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