EU Bio Verordnung 889/2008 - Artikel 19 ff

Artikel 19

Futtermittel aus eigenem Betrieb oder anderen Quellen

(1) Im Falle von Pflanzenfressern müssen, außer während der jährlichen Wander- und Hüteperiode gemäß Artikel 17 Absatz 4, mindestens 60 % der Futtermittel aus der Betriebseinheit selbst stammen oder — falls dies nicht möglich ist — in Zusammenarbeit mit anderen biologischen Betrieben in derselben Region erzeugt werden.

(2) Im Falle von Schweinen und Geflügel müssen mindestens 20 % der Futtermittel aus der Betriebseinheit selbst stammen oder — falls dies nicht möglich ist — in derselben Region in Zusammenarbeit mit anderen biologischen Betrieben oder Futtermittelunternehmern erzeugt werden.

(3) Im Falle von Bienen muss am Ende der Produktionssaison für die Überwinterung genügend Honig und Pollen in den Bienenstöcken verbleiben.
Das Füttern von Bienenvölkern ist nur zulässig, wenn das Überleben des Volks klimabedingt gefährdet ist. In diesem Falle dürfen biologischer Honig, biologische Zuckersirupe oder biologischer Zucker zugefüttert werden.


Artikel 20

Futtermittel zur Deckung des ernährungsphysiologischen Bedarfs der Tiere

(1) Bei der Fütterung von jungen Säugetieren wird die Muttermilch der Fütterung mit natürlicher
Milch vorgezogen, und dies für eine Mindestzeit von drei Monaten im Falle von Rindern,
einschließlich der Arten Bubalus und Bison, und Equiden, von 45 Tagen bei Schafen und Ziegen und
von 40 Tagen bei Schweinen.

LL: natürliche Milch: die Milch kann einer Behandlung unterzogen worden sein (Sieben, thermische
Behandlung, Entfetten, Trocknen). Diese Erzeugnisse müssen von Biotieren stammen und es
wurden keinerlei zusätzliche Stoffe verwendet, die Bestandteile der natürlichen Milch ersetzen (z.B.
Milchfett durch Pflanzenfett). Bis zu den angegebenen Fristen muss verwendete Milch jedoch
diesen Vorgaben entsprechen.

LL: Die Verfütterung von Milch konform zugekaufter nulliparer Säugetiere ist am eigenen Betrieb in
folgenden Fällen möglich:
- bei Milchtieren bereits während der Umstellungszeit für die Milch bzw.
- bei Schweinen bereits während der Umstellungszeit von konform zugekauften Jungsauen

(2) Aufzuchtsysteme für Pflanzenfresser sollten je nach Verfügbarkeit von Weiden zu verschiedenen
Zeiten des Jahres ein Maximum an Weidegang gewährleisten. Mindestens 60 % der Trockenmasse in
der Tagesration dieser Tiere muss aus frischem, getrocknetem oder siliertem Raufutter bestehen. Bei
Milchvieh ist für eine Höchstdauer von drei Monaten in der frühen Laktationsphase eine
Verringerung dieses Prozentsatzes auf 50 % zulässig.
(3) Der Tagesration von Schweinen und Geflügel ist frisches, getrocknetes oder siliertes Raufutter
beizugeben.
(4) Das Halten von Tieren unter Bedingungen oder bei einer Ernährung, die zu Anämie führen
könnten, ist verboten.
(5) Mastpraktiken müssen in jeder Phase des Aufzuchtprozesses umkehrbar sein. Die
Zwangsfütterung ist verboten.


Artikel 21

Umstellungsfuttermittel

(1) Durchschnittlich dürfen bis zu maximal 30 % der Futterration aus Umstellungsfuttermitteln
bestehen. Stammen die Umstellungsfuttermittel aus einer betriebseigenen Einheit, so kann dieser
Prozentanteil auf 100 % erhöht werden.
(2) Im Durchschnitt können bis zu 20 % der Gesamtmenge der an die Tiere verfütterten Futtermittel
aus der Beweidung bzw. der Beerntung von Dauergrünland, mehrjährigen Futterkulturen oder von
Eiweißpflanzen, die auf Parzellen nach der biologischen Produktionsweise angebaut wurden, im
ersten Jahr der Umstellung stammen, sofern diese Flächen Teil des Betriebs sind und in den letzten
fünf Jahren nicht Teil einer biologischen Produktionseinheit dieses Betriebs waren. Wenn sowohl
Umstellungsfuttermittel als auch Futtermittel von Parzellen im ersten Jahr der Umstellung verwendet
werden, darf der Gesamtprozentsatz dieser Futtermittel zusammengerechnet den Höchstsatz gemäß
Absatz 1 nicht überschreiten.
(3) Die Prozentwerte gemäß den Absätzen 1 und 2 werden jährlich als ein Prozentsatz der
Trockenmasse der Futtermittel pflanzlichen Ursprungs berechnet.


Artikel 22

Verwendung bestimmter Erzeugnisse und Stoffe in Futtermitteln

Für die Zwecke von Artikel 14 Absatz 1 Buchstabe d Ziffer iv der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 dürfen nur die folgenden Stoffe bei der Verarbeitung ökologischer/biologischer Futtermittel und der Fütterung ökologischer/biologischer Tiere verwendet werden:
a) nichtökologische/nichtbiologische Futtermittelausgangserzeugnisse pflanzlichen oder tierischen Ursprungs oder andere in Anhang V Abschnitt 2 aufgelistete Futtermittelausgangserzeugnisse, sofern
i) sie ohne chemische Lösungsmittel produziert oder aufbereitet werden und
ii) die in Artikel 43 bzw. Artikel 47 Buchstabe c festgelegten Beschränkungen eingehalten werden;
b) nichtökologische/nichtbiologische Gewürze, Kräuter und Melassen, sofern
i) sie nicht in ökologischer/biologischer Form verfügbar sind,
ii) sie ohne chemische Lösungsmittel produziert oder aufbereitet werden und
iii) ihre Verwendung auf 1 % der Futterration einer bestimmten Art beschränkt wird, jährlich berechnet als Prozentsatz der Trockenmasse der Futtermittel landwirtschaftlichen Ursprungs;
c) ökologische/biologische Futtermittelausgangserzeugnisse tierischen Ursprungs;
d) in Anhang V Abschnitt 1 aufgelistete Futtermittelausgangserzeugnisse mineralischen Ursprungs;
e) Erzeugnisse aus nachhaltiger Fischerei, sofern
i) sie ohne chemische Lösungsmittel produziert oder aufbereitet werden,
ii) ihre Verwendung auf Nicht-Pflanzenfresser beschränkt ist und
iii) die Verwendung von Fischproteinhydrolysat nur auf Jungtiere beschränkt ist;
f) Salz in Form von Meersalz, rohem Steinsalz;
g) Futtermittelzusatzstoffe gemäß Anhang VI


 

zur gesamten Verordnung