EU Bio Verordnung 889/2008 - Artikel 14

Zugang zu Freigelände


(1) Freigelände kann teilweise überdacht sein.

LL: Kälber, Zugang zu Freigelände, Überdachung
Vollständige Überdachung
Eine vollständige Überdachung des Kälberauslaufes ist aus Gründen des Witterungsschutzes und
der Tiergesundheit unter folgenden Bedingungen zulässig:
Zumindest eine Seitenlänge des Freigeländes muss zum Freien hin vollkommen geöffnet sein,
dadurch wird den Kälbern der direkte Kontakt mit Licht- und Klimareizen ermöglicht. Die freie Seite
darf durch keine andere Nutzung verstellt werden, es darf auch kein Sockel vorhanden sein. Der
Dachvorsprung kann im Sinne der Bauordnung ausgeführt sein. Der Abstand vom Dachvorsprung
zu anschließenden Gebäuden bzw. Wänden etc. beträgt mindestens 3 m.

(2) Gemäß Artikel 14 Absatz 1 Buchstabe b Ziffer iii der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 müssen
Pflanzenfresser Zugang zu Weideland haben, wann immer die Umstände dies gestatten.

LL: Mindestanforderungen zur Umsetzung der Weidepflicht für Rinder
Im Folgenden wird festgelegt:
1. ab welcher Flächenausstattung und Betriebssituation eine grundsätzliche Verpflichtung
zum Weiden von Rindern besteht und
2. wie viele GVE mindestens geweidet werden müssen.
Welche Tiere bzw. Tiergruppen entsprechend der ermittelten GVE-Anzahl auf die Weide kommen,
liegt in der Entscheidung des Betriebes, ebenso mit welchen Flächen dem Weideerfordernis
nachgekommen wird. Wird die geforderte GVE-Anzahl gealpt, besteht keine weitere
Weideverpflichtung.

Ermittlung der Weidepflicht:
Je nach Flächenausstattung sind zwei Fälle zu unterscheiden:

1. verfügt ein Betrieb über eine zusammenhängende weidefähige Fläche von mindestens 0,2
ha und stehen für die kleinste Tierkategorie mindestens 0,1 ha weidefähige Fläche pro GVE
zur Verfügung, dann muss mindestens jene GVE-Anzahl geweidet werden, die der kleinsten
Tierkategorie entspricht.

2. verfügt ein Betrieb über „viel weidefähige Fläche“, so tritt eine erweiterte
Weideverpflichtung ein. In diesem Fall muss mindestens jene GVE-Anzahl geweidet werden,
die der Summe der GVE der beiden kleinsten Tierkategorien entspricht. Zur Ermittlung, ob
„viel weidefähige Fläche“ vorhanden ist, wird die Summe der GVE der beiden kleinsten
Tierkategorien addiert. Steht für diese Summe mindestens 1 ha weidefähige Fläche pro GVE
zur Verfügung, so verfügt der Betrieb über „viel weidefähige Fläche“.
Der Weidepflicht ist spätestens ab 2014 nachzukommen.
Im Jahr 2017 ist die Umsetzung der Weidepflicht zu evaluieren.

Weidefähige Fläche:
Die weidefähige Fläche errechnet sich aus dem gesamten Grünland eines Betriebes abzüglich der
„nicht weidefähigen Fläche“. Auf Hutweiden und einmähdigen Wiesen wächst wesentlich weniger
Futter. Daher werden sie für die Berechnung der weidefähigen Fläche mit dem Reduktionsfaktor
von 0,6 berücksichtigt. Wegen der geringeren Produktivität entsprechen 1,67 ha Hutweiden und
einmähdige Wiesen 1 ha normalem Grünland. Almen und Gemeinschaftsweiden werden in die
Berechnung der weidefähigen Fläche nicht mit einbezogen. Für die Erfüllung der Weidepflicht
werden jedoch jene Tiere angerechnet, die auf Almen/Gemeinschaftsweiden aufgetrieben werden.
Nicht weidefähige Fläche:
Grundsätzlich werden Flächen als nicht weidefähig eingestuft, wenn für sie zumindest eines der
folgenden Kriterien zutrifft:
  • Grünlandflächen steiler als 25 %
  • staunasse Grünlandböden
  • Naturschutzflächen mit entsprechenden behördlichen Auflagen
  • Feldstücke ≤ 0,2 ha
  • Ackerflächen einschließlich Ackerfutter, Zwischenfrüchte.
Zusätzlich gilt für
1. tägliches Austreiben: Grünlandflächen gelten aufgrund erschwerter Erreichbarkeit der
Weideflächen als nicht weidefähig, wenn
  • die Entfernung zum Stall größer als 200 m ist (= „stallfern“) oder
  • gefährliche Verkehrswege überquert/benutzt werden müssen.
    Dies sind:
  • öffentlich zugängliche asphaltierte Wege (ausgenommen Hofzufahrten)
  • Überquerung von Bahnübergängen nicht stillgelegter Bahnstrecken oder
  • Triebwege durch bewohntes Gebiet erforderlich sind (z. B. durch Wohnstraßen mit Hausgärten, Einfahrten).
Tierkategorien:

Um die kleinste bzw. die beiden kleinsten Tierkategorien zu ermitteln, wird folgende
Kategorisierung herangezogen:
Tierkategorie/Alter in [Jahren]
Tierkategorie Alter in [Jahren] GVE
  • Jungvieh ½ bis 1 0,6
  • Kalbinnen/Ochsen 1 bis 2 0,6
  • Kalbinnen > 2 1
  • Ochsen > 2 1
  • Kühe ab der 1. Abkalbung
Der Stichtag für die Ermittlung der GVE je Tierkategorie ist der 1.4. eines jeden Jahres. Für die
Berechnung wird der Tierbestand der Rinderdatenbank zu diesem Termin herangezogen. Für die
Kalkulation der GVE-Summe je Tierkategorie dient der GVE-Schlüssel des ÖPUL.
Über ein Jahr alte Stiere werden in dieser Berechnung nicht berücksichtigt (s. Art. 14 Abs. 4 der
Verordnung (EG) Nr. 889/2008), ebensowenig Kälber.
Ist am 1.4. eines Jahres im Bestandesregister bzw. in der Rinderdatenbank des Betriebs Lehnvieh
(entsprechend der Lehnviehregelung zu Art. 17 der kommentierten Fassung der Verordnung (EG)
Nr. 889/2008) erfasst, dann wird es bei der Berechnung der Auslösung der Weidepflicht wie die
eigenen Tiere berücksichtigt, Zinsvieh (betriebsfremde Tiere, die während der Weidezeit auf
Flächen des betroffenen Biobetriebs aufgetrieben werden) hingegen nicht.
Bei massiven Änderungen des Tierbestandes innerhalb eines Jahres (z.B. aufgrund einer
Betriebszweigumstellung) mit einer Abweichung beim Tierbestand zum Stichtag und wenn dadurch
die Vorgaben zur Weide nicht eingehalten werden, wird dies mit Sanktion 1 (Abmahnung) belegt.

Zusätzlich erfolgt die Auflage, dass im folgenden Jahr die Weidevorgaben einzuhalten sind.
Erlass BMG-75340/0049-II/B/7/2009 vom 23.4.2010

(3) Soweit Pflanzenfresser während der Weidezeit Zugang zu Weideland haben und die
Winterstallung den Tieren Bewegungsfreiheit gewährleistet, muss der Verpflichtung zur
Bereitstellung von Freigelände in den Wintermonaten nicht nachgekommen werden.

LL: Als Mindesterfordernis für diese Bestimmung werden 120 Tage Weide bzw. Alpung angesehen.

(4) Unbeschadet der Bestimmung gemäß Absatz 2 müssen über zwölf Monate alte Bullen Zugang zu
Weideland oder Freigelände haben.

LL: Stiere müssen nicht auf die Weide, Freigelände (Auslauf) genügt. Die Endmast im Stall ist unter
den Bedingungen des Art. 46 erlaubt. Zuchstiere in Anbindehaltung ohne Auslauf verlieren den
Bio-Status.

(5) Geflügel muss während mindestens eines Drittels seiner Lebensdauer Zugang zu Freigelände
haben.

LL: Die Anzahl der Lebenszeit in Tagen ist die Basis für die Berechnung des Drittels in dem Auslauf
möglich sein muss. Der Zugang pro Tag beträgt mindestens 8 Stunden

(6) Freigelände für Geflügel muss überwiegend aus einer Vegetationsdecke bestehen und
Unterschlupf bieten; die Tiere müssen ungehinderten Zugang zu einer angemessenen Anzahl Tränken
und Futtertrögen haben.

LL: Im Winter kann die Anforderung „Freigelände muss überwiegend aus einer Vegetationsdecke
bestehen“ wegen Witterungsbedingungen oder dem Zustand des Bodens ausgesetzt werden.

(7) Soweit Geflügel gemäß auf gemeinschaftsrechtlicher Grundlage erlassener Beschränkungen oder
Verpflichtungen im Stall gehalten wird, müssen die Tiere ständigen Zugang zu ausreichend Raufutter
und geeignetem Material haben, um ihren ethologischen Bedürfnissen nachkommen zu können.

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